LdN 232: Eincheck-Funktion einer Corona App

Das ist die uralte Frage von Vertrauen vs. Kontrolle!

  • Können wir darauf vertrauen, dass genügend Menschen sich verantwortlich verhalten, wenn ihnen eine auf Anonymität basierende App warnt, dass sie einen Risikokontakt hatten: Selbstquarantäne, Test. Dann gibt es keine Kontaktnachverfolgung, keine Kontrolle durch das Gesundheitsamt, weniger Comliance, höhere Dunkelziffer bei den Infektionszahlen (wenn die Gewarnten nur 1-3 Selbsttests mache).

  • Oder man erkennt an, dass ein Teil der Bürger (geschätzt/gefühlt 15-20%] eben nicht vernünftig sind, sondern naiv, verdrängend, egoistisch oder schlicht dumm sind und entweder eine entsprechende App gar nicht erst einsetzen oder die Risikokontaktwarnung einfach ignorieren („will nicht zum Gesundheitsamt — die schicken mich am Ende im Quarantäne“, „die schließen meine Laden/Betrieb“, „wird schon nicht so schlimm sein“, „das ist doch alles Quatsch“). Und dass bei einer Infektion mit exponenzieller Verbreitung diese 15-20% einfach zu viel sind und man deshalb die Verbreitung nicht eindämmen könnte. Und man deshalb den Einsatz einer solchen App in Cluster-Situationen (Restaurant, Einzelhandel, ÖPV, Konzert, …) vorschreiben, Kontaktdaten damit (möglichst gesicherte) erfassen und Kontaktpersonen ansprechen, kontrollieren (aber dann auch bestmöglich betreuen) und Maßnahmen durchsetzen (und die Komtaktpersonen entschädigen) muss.

Es eine Frage, welches Menschenbild wir haben. Und ob der andere Teil der Bevölkerung — dir 80-85% — mit Verweis auf ihre übernommene Verantwortung auf ihre Freiheiten, auf den Schutz ihrer Daten etc. beharren, weil sie nicht einsehen, dass sie nur wegen der 15-20% darauf verzichten müssen. Letzteres ist auch ein Leugnen von Fakten: Nämlich dass es unter uns eben auch solche gibt und wir das nicht wirklich ändern können.