Moin, ich komme aus Magdeburg, bin in Sachsen-Anhalt aufgewachsen, Familie lebt schon immer hier und ich bin langsam am verzweifeln. Als Mitbegründer eines jungen Hightech-Unternehmens, das auf hochqualifizierte Arbeitskräfte (die hier häufig von außerhalb kommen) angewiesen ist, um nachhaltig wachsen und sich etablieren zu können, stellt die drohende AfD-Regierungsbeteiligung ein Riesenproblem dar.
Ich sehe, dass sich Folgendes abzeichnet, sollte es zu einer AfD-Regierungsbeteiligung kommen:
Der Lehrplan in den Schulen wird entkernt und nationalistisch ausgerichtet. Bisher ist bekannt, dass die AfD das Dritte Reich nicht mehr behandeln lassen will. Außerdem soll vor dem Unterricht für mehr Nationalismus die Nationalhymne gesungen werden. Das ist der Beginn einer Gleichschaltung von Kindern, was mittel- und langfristig Schäden anrichten kann. Ebenfalls soll Home-Schooling ermöglicht werden. Das Sachsen-Anhalter Schulsystem könnte im schlimmsten Fall bundesweit nicht mehr anerkannt werden und es bildet sich eine Loser-Klasse, die in Sachsen-Anhalt eingesperrt ist.
AfD-Kader werden in allen Verwaltungen und Behörden installiert. Die AfDler installieren ihre Bros in allen Verwaltungen und behindern so auch nachhaltig zukunftsgewandte Reformen.
Die EU und ihre Grundwerte werden bekämpft. Könnten 400 Mio. € jährlich, die über EFRE, ESF+ und ELER in die Landeskasse für geeignete Projekte gespült werden, könnten zurückgehalten werden, wenn die AfD demokratiefeindliche Strukturen nach ungarischem Vorbild installiert. Noch mehr Infrastrukturprojekte würden liegen bleiben, weil sie nicht mehr zu finanzieren wären. Hier ist es aber jetzt schon nicht geil, was das angeht.
Die Gesellschaft verroht und grenzt aus. Wir sehen hier jetzt schon massive Einschüchterungen und offen ausgetragene Gewalt und Übergriffe in den Straßen. Die nehmen nach meiner Wahrnehmung enorm zu. Einige meiner ausländischen FreundInnen und Bekannten bestätigen, dass sie sich abends nicht mehr alleine nach draußen trauen. Ein Kollege von der Uni hatte sich neulich in einem Podcast klar gegen das AfD-Programm gestellt und die katastrophalen Folgen für die Wirtschaft und den Wissenschaftsstandort Magdeburg aufgezeigt. 3 Tage nach Erscheinen des Podcasts kippte jemand in dem Mehrfamilienhaus, in dem er lebt, Brandbeschleuniger ins Kellerfenster (nicht angezündet).
Ein befreundeter Projektentwickler in einer benachbarten Kommune wurde wiederholt von AfD-Lokalpolitikern als “angezählt” bezeichnet und wird blockiert, wo es nur geht, weil die teilweise schon in den Verwaltungen sitzen.
Es fällt wirklich schwer, angesichts der 41% in Umfragen nicht komplett zu verzweifeln. Die Stimmung hier ist wirklich schlecht. Was von dem Programm könnte die AfD denn wirklich umsetzen? Was kann man dagegen tun?
Wenn die an die Macht kommen und es nur ansatzweise so schlimm wird, wie befürchtet, dann geht meine Familie hier weg. Und zwar weit. Nicht nur, weil es schwer wäre, sondern weil es gefährlich wird. Viele Bekannte äußern ähnliches.