1. Grundsätzliche Skepsis gegenüber dem Verweis auf das Grundgesetz
Ich meine, es ist zu kurz gedacht, einfach zu meinen, wir hätten ein Grundgesetz und alles ist gut. In diesem Grundgesetz stehen einige Dinge, die gerade nicht mehr so viel zu bedeuten scheinen, wie sie es noch vor wenigen Jahren taten.
2. Aufrüstung der Bundeswehr und politische Zukunftsszenarien
Ich weiß nicht, ob es wirklich klug ist, die Bundeswehr materiell, personell und finanziell aufzurüsten, nur um sie anschließend der AfD zu übergeben.
Ob sich der zukünftige „Kriegsminister“ der AfD auch so sehr über die vielen Verfassungspatrioten in seiner Armee freuen wird und allen Verweigerern ihr durch die Verfassung garantiertes Recht zugestehen wird? Bestimmt, oder?
Zugegeben, das war sowohl überspitzt als auch (leider nur halb-)satirisch gemeint.
3. Historische Einordnung und Warnung
Wir sollten uns sehr genau fragen, wie viele Feinde von außen bisher versucht haben, Deutschland zu besetzen, und wie oft Unrecht von deutschen Armeen ausging. Na Klar will Vladimir die Ukraine, vielleicht auch Polen, möglich. Bestimmt will Donald Grönland, aber ist das ein Grund für eine deutsche Armee? Oder wären das nicht die perfekten Gründe endlich über eine europäische Armee nachzudenken? Ich glaube die Zustimmung dazu wäre unter Demokraten deutlich höher.
4. Persönliche Erfahrung mit der Bundeswehr und Kriegsdienstverweigerung
Ich wurde als West-Berliner (*76) 97 zur Bundeswehr gezogen, weil sie meine schriftliche Verweigerung abgelehnt haben und mir einen Termin zur mündlichen Vorsprache drei Wochen nach meiner Einberufung gaben.
Also saß ich mit einem NVA-Seesack in Weißenfels, ließ mich auf Sächsisch von einem Idioten anschreien, dass er stolz sei, ein deutscher Nazi (Originalzitat) zu sein, und ließ mich mit etwas Gleichmut drei Wochen lang – bewaffnet mit einem Besen (aufgrund meiner Verweigerung) – als „Kanonier Pamela Anderson“ wegen meiner langen Haare beleidigen.
5. Schlussgedanken zu Staat, Geschichte und Verfassung
Eins weiß ich: Deutsche Staaten tendieren dazu, kürzer zu existieren als ein gesundes Leben, wenn man nicht erschossen wird. Mein Opa, 1913-1992, Kaiserreich, Weimarer Rep., Nazis, deutsche Teilung, Wiedervereinigung. 5 Staaten in einem Leben, für welchen Staat hätte er denn in den Krieg ziehen sollen? Und wer entscheidet das?
Ich liebe die Verfassung und ich würde ein Exemplar mitnehmen, wenn ich flüchtete, denn ich halte sie für eine großartige Grundordnung. Ich würde sie immer wieder als Grundlage einer demokratischen vorschlagen. Aber ich gehe nicht töten, für einen Staat, der sich Blackrock und Nestle stärker verpflichtet fühlt als unserem Grundgesetz und ich erwarte das auch von keinem jungen Menschen.