Das ist halt der Knackpunkt, der die beiden Fälle unterscheidet:
In der Ukraine fliehen die Menschen vor einem feindlichen Invasor, eben Russland.
In Syrien fliehen die Menschen vor dem eigenen Staat, weil dieser eine Diktatur ist.
Das bedeutet eben auch, dass andere Menschen fliehen. Wer vor dem eigenen Staat flieht, ist oft in wehrfähigem Alter. Er will eben nicht für diesen Staat kämpfen müssen - und möglicherweise auch nicht in den Krieg gegen die eigene Staatsführung ziehen (des einen „Freiheitskämpfer“ ist des anderen „Terrorist“). Zumal der Fluchtweg von Syrien aus auch deutlich gefährlicher ist als aus der Ukraine - wer aktuell das Glück hat, die Ukraine zu verlassen, ist quasi schon in Sicherheit - kein Mittelmeer zu überwinden, kein ewig langer Flüchtlingstrek…
Kann ich leider so bestätigen, bei uns arbeiten studierte syrische BWLer jetzt als Hilfskräfte in der Buchhaltung und machen die Arbeit, die sonst Azubis machen…
Naja, die Ukrainer sind, wie die meisten Osteuropäer, in der Mehrheit signifikant konservativer und christlicher als die durchschnittlichen Deutschen. Das wird manchem AfD-Wähler natürlich besser gefallen als Moslems - also die sind auch erzkonservativ, aber halt aus AfD-Sicht auf die „falsche“ Art.
Auch werden Ukrainer in Deutschland vermutlich wesentlich weniger bürokratische Hürden erleiden müssen. Während viele Flüchtlinge durch die Kombination von Krieg in der Heimat und traumatischen Erfahrungen auf der Flucht traumatisiert sind, wird sich das bei den Ukrainern in Grenzen halten. Klar, die sind auch traumatisiert, ihre Heimat verlassen zu müssen und die Schrecken den Krieges erlebt zu haben, aber wenigstens die Flucht wird - sobald sie die Ukraine hinter sich lassen - deutlich weniger traumatisierend sein. Eben weil sie in Polen mit offenen Armen empfangen werden und durch die kulturelle Nähe zu Polen auch dort eine Eingliederung sehr leicht möglich sein wird.
Polen versucht daher auch die Ukraine-Situation zu nutzen, sich als großer Asyl-Gewährer zu stilisieren, während sie gegenüber Flüchtlingen aus Syrien oder gar Afrika immer gemauert haben. Das Kalkül Polens dürfte sein, die Verteilungsfrage der Flüchtlinge dahingehend zu lösen, das das Flüchtlingskontingent, welches bei einer Verteilungsregel auf Polen und Ungarn entfallen würde, mit ukrainischen Flüchtlingen zu füllen. Nach dem Motto: „Wir kümmern uns um die Ukrainer, aber um Syrer, Afrikaner und co. kann sich der Rest der EU kümmern“.
Keine optimale Lösung für die EU, aber möglicherweise eine für alle Seiten halbwegs akzeptable…