Krankschreibungen - Karenztage

Aus mehreren Richtungen kommt aktuell das Thema Krankenstand und Krankschreibung auf den Tisch.
Jenseits der populistischen faktenfreien Behauptung „es gäbe mehr Krankschreibungen“ oder der Schuldzuschreibung auf die „telefonische Krankmeldung“ gibt es aber dennoch einige Aspekte, die man durchaus diskutieren könnte.

  1. Die Notwendigkeit der Krankschreibung (überhaupt) in den ersten 14 Tagen.

In den Niederlanden gibt es das nicht. Dafür aber das Recht des Arbeitgebers dem Mitarbeiter einen Arzt seiner Wahl zur Überprüfung der Krankheit nach hause zu schicken.

Die im Hinblick auf das Hausarzt (Primärarzt) System und dessen Beförderung deutsche Variante könnte ja darin bestehen, dass ein Arzt, bei dem ich als Primärarzt eingeschrieben bin (der mich kennt) mich auch bis zu einer Woche telefonisch krankschreiben kann.

  1. Es gibt offensichtlich Ärzte, die bei Krankschreibungen nur nach der Anzahl der Tage fragen aber nicht nach dem warum. In Berlin gibt es sogar stadtbekannte Praxen, die nur davon leben. Unfairerweise bekommen die für jeden Patienten (ohne Untersuchungen etc.) dann auch noch die volle Quartalspauschale; so ist das System.
    Dem kann man bisher kaum begegnen (wie auch den Kollegen, die extrem niederschwellig Überweisungen zum Facharzt ausstellen). Das liegt daran, dass zwar Arzneimittelverordnungen budgetiert und je Arzt nachgehalten werden (wenn ich zu viel verordne kommen Fragen) Krankschreibungen und Überweisungen aber nicht. Es wäre ein leichtes die Rate der Krankschreibungen und Überweisungen je Arzt (angepasst an die Krankheitsbelastung seiner spezifischen Klientel) mit einem Vergleichswert in einem Bericht (z.B. mit der Quartalsabrechnung wie bei den Verordnungen von Medikamenten) zur spiegeln. Das würde sozialen Kontrolle schaffen und extreme Auswüchse verhindern können.
    Das wäre unbeliebt in der Ärzteschaft. Dort ist schon die aktuelle Verantwortung für die Arzneimittel verhasst. Wenn wir aber ein „steuerndes“ Primärarztmodel wollen geht es nicht ohne steuernde Personen und ohne (pos/neg) Anreize.
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Auch die Politiker scheinen sich hier nicht als Politiker, sondern als Arbeitgeber geäußert haben.

Im Bundesrat als Vertretung der Länder gab es demnach mit 25,2 Krankheitstagen die meisten Fehltage. Darauf folgte der Bundestag mit 22,3 Tagen
Krankheitstage: Krankschreibungen bei Bundesbehörden überdurchschnittlich hoch | DIE ZEIT

Das sind schon erstaunlich hohe Werte.

Edit: nach dem Einwurf von @RDS frage ich mich, ob die Zahlen vergleichbar sind, denn bei Beamten gibt es meines Wissens nach keine Deckelung von 6 Wochen.

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Eine Nachfrage zur Statistik:

Werden langfristig kranke Arbeitnehmer und Beamte nach einer gewissen Zeit aus der Statistik genommen oder verbleiben diese in der Statistik?

Beispiel: Eine Krebserkrankung kann dazu führen mehrere Monate auszufallen, sagen wir sechs Monate (nur zum Rechnen). Das sind 110 Tage krank, um jetzt in Schnitt auf 15 Tage pro Arbeitnehmer zu kommen müssen jetzt ca. 6,5 Arbeitnehmer in ganzen Jahr gesund gewesen sein.

Oder sind langfristig Kranke kein Problem in der Zahl der Krankentage.

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Im Zeit-Podcast wurde damals auf Langzeitkranke hingewiesen, insofern gehe ich davon aus, dass die in der Statistik drin sind.

Das ist sehr unwahrscheinlich.
In der Regel werden nur Personen statistisch erfasst, die einen Leistungsbezug haben also Lohnfortzahlung oder Krankenheld.

Dann sind meine Zahlen aus Bundestag und Bundesrat nicht vergleichbar, da Beamte meines Wissens auch nach 6 Wochen weiter Lohn bekommen. Hätte man im Artikel darauf hinweisen müssen.

Krankengeld bekommen Arbeitnehmer bis zu 1,5 Jahre. Lohnfortzahlung zwischen 6 und 24 Wochen, je nach Tarifvertrag.
Beamte werden bei Krankheit einfach weiter Vergütet.
Es lohnt sich nur die Tage mit Bezug der Lohnfortzahlung zu betrachten, da nur da echte Steuerungsmöglichkeiten bestehen. Innerbetrieblich werden die Statistiken idR kleinteiliger (z.B. <4 Tage, 5-14 Tage, 4 Wochen, 6 Wochen) geführt. In der Regel auch nur für Lohnfortzahlungsberechtigte.

Zur Fortzahlung des Gehalts für Beamte:

Die Vergütung wird ohne Einschränkungen im Krankheitsfall weiter gezahlt. Es gibt keine Einschränkungen.

Stimmt, das habe ich überlesen. Dann sind ja Langzeitkranke erfasst, so lange sie nicht ausgesteuert sind. Und dann sind sie ja rechtlich keine Arbeitnehmer mehr. Also sind die Zahlen doch vergleichbar. Langzeitkranke Beamte über 1,5 Jahre dürften statistisch nicht ins Gewicht fallen - zumal ich auch hier denke, dass die ab irgendeinem Punkt aus der Statistik genommen werden.