Kraftwerksstrategie Bundesregierung

Das habe ich mir auch nochmal quantitativ angeguckt. Für die Gestehungskosten H2 vs. Erdgas habe ich die Tabelle 3 dieser Quelle [1] verwendet. Für ein Erdgaskraftwerk gibt die Quelle bei einer jährlichen Vollaststundenzahl von 1600h Gestehungskosten von 153€/MWh_el an. Für ein H2-Kraftwerk sind es 536€. Reduziert man jetzt die Vollasstundenzahl beim Erdgaskraftwerk auf 10h, so kommt man (aufgrund des jetzt gigantischen Fixkosten-Anteils) auf ca. 5.300 €/MWh_el. Dass diese Zahl nicht unrealistisch ist, zeigt der Vergleich mit der Agora Quelle [2], wo davon gesprochen wird, dass sich die Kraftwerke erst ab 10.000 €/MWh_el rechnen. Vmtl. wurde hier mit noch weniger als 10 Volllaststunde gerechnet (die Rede war ja im Text von <10h/Jahr). In jedem Fall bin ich daher vmtl. noch optimistisch unterwegs, was die Kosten angeht. Macht man jetzt jedenfalls dieselbe Rechnung für das H2-Kraftwerk kommt man auf mehr als 13.800€/MWh_el (einfach, weil die Investitionskosten so viel höher sind). Sprich: Für die MWh_el zahlen wir beim Wasserstoffkraftwerk ganze 8.500€ mehr.

Was würde es nun kosten, das Erdgaskraftwerk klimaneutral zu machen? Kohlenstoff direkt aus der Luft zu filtern kostet gemäß Wikipedia [3] bis zu 1000 $ pro Tonne CO2. Damit rechnen wir mal konservativ. CCS wäre noch günstiger. Das wären dann für Erdgas 480 € pro MWh_el. Selbst das wäre noch mehr als Faktor 10 günstiger als auf Wasserstoff umzusteigen. Nochmal zur Erklärung: diese teuren Maßnahmen der CO2-Abscheidung lohnen sich hier nur, weil die MWh_el so enorm teuer ist.

Das ist meine Rechnung – wie gesagt die Größenordnung halte ich aufgrund des Vergleichs mit den Agora Research Daten für plausibel. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse stellt sich mir aber schon nochmal die Frage, warum ihr @vieuxrenard und @phillipbanse der Meinung seid, Wasserstoff sei auch für die Reservekraftwerke eine gute Idee. Was sind die zugrunde liegenden Annahmen? Mit dem Geld könnte ich die Erdgaskraftwerke ohne Probleme klimaneutral machen und hätte sogar noch jede Menge Geld übrig, um andere Klimaschutzprojekte zu fördern. Und das selbst noch, wenn die Reservekraftwerke zehn mal so lange laufen würden, wie angenommen – scheint mir also sehr robust gegenüber den von euch erwähnten Unsicherheiten.

[1]

[2]

https://auroraer.com/media/fur-kalte-dunkelflauten-braucht-deutschland-langfristig-zusatzlich-5-bis-10-gigawatt-flexible-kraftwerksleistung/

[3]

Direct Air Capture – Wikipedia.

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