Ich denke „Aufgeben ist ein Luxus, den sich eigentlich niemand leisten kann“, am wenigsten die, die es ohnehin schon am härtesten trifft. Und trotzdem verstehe ich das Gefühl, das du beschreibst, sehr gut. Mir geht es phasenweise genauso. Wer sich mit der Faktenlage ernsthaft beschäftigt, kommt an diesen Momenten der Ohnmacht wahrscheinlich nicht vorbei.
Trotzdem möchte ich bewusst dagegenhalten, mit dem, was Christiana Figueres mal „stubborn optimism“ genannt hat: keine naive Hoffnung, dass schon alles gut wird, sondern die Entscheidung, trotzdem weiterzumachen, weil es einen Unterschied macht. Und der Punkt ist wichtig: Klimaschutz ist kein Alles-oder-nichts-Spiel mit einer Ziellinie bei 1,5 Grad, hinter der dann nichts mehr zählt. Jedes Zehntelgrad, das wir verhindern, bedeutet weniger Dürren, weniger Extremwetter, weniger Kipppunkte, die reißen. Auch bei 2,3 statt 2,8 Grad retten wir Leben und Lebensgrundlagen. Das ist kein Trost, aber ein Grund weiterzumachen.
Und: nicht alles ist schlechter als vor fünf Jahren. Die Erneuerbaren wachsen global schneller als jede Prognose vorhersagte. Solar ist praktisch überall die billigste Energiequelle, selbst in Ländern, die politisch stillstehen. Das politische Momentum ist an vielen Stellen tatsächlich schwächer geworden, keine Frage – aber die technologische und ökonomische Realität läuft in die andere Richtung. Beides gleichzeitig ist wahr.
Was mich weitermachen lässt: im Kleinen bleibt Handeln wirksam, auch wenn die große Bühne frustriert. Kommunalpolitik, Verbandsarbeit, Genossenschaften, Klimaräte vor Ort. Da entsteht oft mehr, als man von außen sieht, gerade weil es nicht die großen Schlagzeilen macht. Das Bundeswirtschaftsministerium, das keine Antwort auf eine simple Frage hat, ist frustrierend, aber es ist auch nicht das ganze Bild.