Die AMOC (Atlantische Meridionale Umwälzzirkulation) ist die Hauptströmung des Atlantischen Ozeans, zu der auch der Golfstrom gehört, dem wir das milde Klima in Europa verdanken.
Eine Forschungsgruppe der Universität Bordeaux veröffentlichte am 15. April eine Studie, die die Wahrscheinlichkeit des Kippens der AMOC aufgrund des Klimawandels untersucht. Bisher wurde die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Kipppunkt noch in diesem Jahrhundert überschritten wird, im einstelligen Prozentbereich geschätzt, aber nun sagte Stefan Rahmstorf, einer der weltweit führenden Amoc-Expert*innen, dem Guardian, dass er die Wahrscheinlichkeit für ein Kippen der Strömung in diesem Jahrhundert mittlerweile auf mehr als 50 Prozent einschätze.
Ein Kippen der Strömung hieße, dass die Temperaturen in Europa innerhalb von Jahrzehnten drastisch sinken. Niederschlagsmuster würden sich verschieben und die Meeresspiegel an den Küsten des Nordatlantiks noch stärker steigen als ohnehin schon. Extreme Stürme wären an der Tagesordnung. Innerhalb von nur hundert Jahren würde die Amoc vollständig zum Erliegen kommen. Dann wären die Winter im norwegischen Bergen bis zu 35 Grad kälter als heute.
Zusammengefasst wird das Thema in folgendem Newsletter, in dem zahlreiche weitere Quellen (u.a. die Studie selbst) verlinkt sind.
Es ist traurig, ich weiß aber auch nicht mehr, was man dazu im Podcast noch diskutieren soll. Wir haben uns als Gesellschaft dafür entschieden, dass uns unsere Zukunft schnurz ist. Die Policies, die ja schon nicht ausgereicht haben, um das 2° Ziel von Paris zu halten, sind in den letzten 2 Jahren zurückgefahren statt gestärkt worden.
Gerade deshalb sollte man darüber reden. Gesellschaftlicher Wandel beginnt selten damit, dass plötzlich alle überzeugt sind, sondern damit, dass Themen immer wieder ins Bewusstsein gerückt werden. Wer Artenvielfalt, Klima- und Naturschutz wichtig findet, kann sich engagieren, das Thema sichtbar halten und entsprechende politische Prioritäten unterstützen. Resignation mag verständlich sein, ist aber noch nie ein besonders wirksames Naturschutzinstrument gewesen.
Natürlich hast du da recht. Es ist auch schon viel erreicht worden, aber es reicht einfach nicht. Wir sollten auch Klartext sprechen: selbst mit moderaten Maßnahmen, die ja Stand heute schon abgelehnt werden, werden wir das 2° Ziel bei weitem verfehlen. Um überhaupt noch einen Unterschied in unserer Lebenszeit und der unserer Kinder zu erreichen reicht es nicht, in 20 Jahren aufs E-Auto umzusteigen und die Wärmepumpe einzubauen. Ich sehe hier Politik und Gesellschaft in einem engen Zusammenhang: die Menschen wollen ihren persönlichen Spielraum nicht nutzen und die Politik hat kein Interesse, diesen Spielraum zu begrenzen. Aktivisten, die das forcieren wollen, landen im Gefängnis.
Ich selbst lebe weitesgehend vegan, fliege nicht, habe kein eigenes Auto, versuche also meinen Spielraum so weit es geht zu nutzen. Aber das sehe ich in meinem Umfeld kaum. Und wenn die Menschen schon ihren eigenen Kindern zu Liebe nicht mal moderate Veränderungen akzeptieren sehe ich ehrlich gesagt keinen Hebel.
Kann mir jemand in einfachen Worten erklären, wie man zu diesen Wahrscheinlichkeiten kommt? Rechnet man einfach X Simulationen und in 50 % dieser ist AMOC gekippt?
für die Konsequenz, mit der Du das Thema auch persönlich lebst.
Ich kann Deinen Frust gut nachvollziehen. Gerade beim Thema Artenvielfalt hatte ich irgendwann auch das Gefühl, nur ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein, als mir das Ausmaß des Schwunds wirklich bewusst wurde.
Trotzdem habe ich immer wieder gesehen, wie erstaunlich schnell sich Natur erholen kann, wenn man ihr die Chance dazu gibt. Das sieht man beispielsweise in der Sperrzone von Tschernobyl, bei renaturierten Flusslandschaften oder bei Arten, die nach Schutzmaßnahmen plötzlich zurückkehren. Deshalb tue ich mich schwer damit, den Glauben an positive Veränderungen aufzugeben.
Vielleicht werden wir nicht alles verhindern können. Aber zwischen Resignation und Erfolg liegt noch eine Menge, für die es sich zu kämpfen lohnt.
Mal eine höchst theoretische Frage. Angenommen, der AMOC kippt und in Europa kommt eine neue Eiszeit (bzw. wird es deutlich kälter). Werden das Solarstrom (Schnee) und Windparks (Stürme?) schaffen, die Wärmepumpen bei -25 Grad am Laufen zu halten?
Falls wir — wegen eines AMOC-Kollapses —tatsächlich bei -25 °C im Dauerfrost sitzen, werde ich vermutlich andere Sorgen haben als den COP-Wert meiner Wärmepumpe.
Aber Spaß beiseite: In Ländern wie Norwegen, Schweden oder Finnland laufen Wärmepumpen schon heute bei Temperaturen, bei denen viele Deutsche freiwillig auswandern würden. Und Windkraft hat den charmanten Nebeneffekt, dass sie gerade im Winter oft besonders gut liefert.
Stark vereinfacht gesagt, werden diverse Szenarien durchgerechnet. Ein neuer methodischer Ansatz verfeinere aber die Ergebnisse im Vergleich zu früheren Abschätzungen.
Die zweite verlinkte Studie liefert dann noch, gründend auf Messdaten, indirekte Belege dafür, dass sich die AMOC abschwächt.
Hier untersuchen wir den Zusammenhang zwischen der AMOC und dem Golfstrom anhand einer hochauflösenden (0,1°) eigenständigen Ozeansimulation, in der die AMOC unter einem langsam ansteigenden Süßwasserantrieb zusammenbricht. Die Abschwächung der AMOC verschiebt den Golfstrom in der Nähe von Cape Hatteras allmählich nach Norden, gefolgt von einer abrupten Nordverschiebung um 219 km innerhalb von zwei Jahren. Diese rasche Verschiebung tritt einige Jahrzehnte vor dem simulierten Zusammenbruch der AMOC auf. Satellitenaltimetrie zeigt einen signifikanten (1993–2024, p < 0,05) Trend des Golfstroms nach Norden in der Nähe von Cape Hatteras, was auch durch Beobachtungen der Unterwassertemperaturen (1965–2024, p < 0,01) bestätigt wird. Diese Ergebnisse liefern indirekte Belege für eine derzeitige Abschwächung der AMOC und zeigen, dass abrupte Verschiebungen des Golfstroms als Frühwarnindikator für ein Kippen der AMOC dienen können.
Was immer man von Angela Merkels Regierungszeit halten mag, außer Dienst trifft sie tendenziell den richtigen Ton:
Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat vor einem Rollback in der Klima- und Energiepolitik gewarnt. „Der Klimawandel bleibt eine Überlebensfrage der Menschheit“, sagte sie am Dienstagabend in Berlin beim Festakt zum 40‑jährigen Bestehen des Bundesumweltministeriums. „Manchmal scheint mir das in diesen Tagen ein wenig in den Hintergrund zu treten.“
Die Klimaziele stünden unter Druck. An alle, „die in der Klimapolitik engagiert sind“, richtete Merkel deshalb einen Appell: „Bleiben Sie standhaft, was die Ziele der Politik anbelangt.“ Es sei „wichtig und richtig“, weiter voranzugehen.