Ich halte von sturer Parität der Elternzeit gar nichts. Auch dafür sind die individuellen Voraussetzungen zu unterschiedlich. Ich z.B. habe als Selbstständiger ganz andere Voraussetzungen als meine Frau als Lehrerin.
In meinem Fall hatte ich zwar weniger Elternzeit (und die komplett als Teilzeit) übernommen dafür übernehme ich aber fast alles was zeitliche Flexibilität erfordert (Morgenroutine, Eingewöhnung, Krankenhausaufenthalte, 90% der Kindkranktage, etc.) seit meine Frau wieder arbeitet. Und auch wenn ich nur Elternteilzeit hatte, habe ich von Anfang an alles was es zu tun gibt mit gemacht.
Im Falle eines Freunds meiner Frau war es er, der 10 der 14 Monate übernommen hat weil sich für die Frau die Chance ergeben hat in eine Praxis einzusteigen, aber nur wenn die direkt die Nachfolge antritt.
Und im Falle einer guten Bekannten von mir war es sie, die nach 2 Monaten wieder nach und nach arbeiten ging, weil sie als Frisörin mit Angestellten nicht dauerhaft zuhause bleiben konnte/wollte.
Gleichzeitig kenne ich vom Land (habe viel Bekanntenkreis in Dörfern) die vielen Fälle wo die Väter die Elternzeit nutzen um zu renovieren, Haus zu bauen, etc. und die Großeltern kümmern sich ums Kind. Das ist aber nicht unbedingt weil sich die Väter um die Care Arbeit drücken wollen, sondern das wird auch so von ihnen erwartet, von Frau, Eltern etc.
Ich bin absolut der Überzeugung, dass sich insgesamt viel ändern muss. In meinem direkten Umfeld ist es zwar so, dass fast alle Väter voll in der Care Arbeit integriert sind und da ist auch jeder in der Lage alles außer Stillen zu übernehmen, aber ich kenne natürlich auch die Fälle wo die Frau von Kleinkindern, die nicht mal mehr gestillt werden, nicht mit anderen Essen gehen kann, weil der Mann daheim nicht alleine die Kinder ins Bett bringen kann.
Gerade bei selbstständigen geht nämlich ein Blick komplett verloren: 9 Monate Pause heißen nicht nur 9 Monate kein Einkommen, sondern man kann Aufträge die schon da sind nicht abarbeiten, keine neuen Annehmen und auch keine Angebote für Aufträge nach diesen 9 Monaten schreiben.
Mit Teilzeit die ich zudem sehr flexibel gestalten konnte war ich aber auch zu 100 % in den Alltag mit den Kindern integriert. Gerade in den ersten Monaten war ja alleine die Zeit in der das Kind schläft schon genug um einiges Abzuarbeiten ohne die Care Arbeit an die Mutter zu geben (Stillen natürlich habe ich immer abgegeben, Fläschchen nachts dafür habe ich nachdem das nicht mehr ging zu fast 100% übernommen).
Ich halte nichts von grundsätzlichem Misstrauen gegenüber allen Eltern. Warum sollte der Vater nicht lange Elternzeit nehmen können, wenn die Frau schnell zurück in ihre Selbstständigkeit muss oder umgekehrt?