Wir sind beim Bau unseres Wohnprojekts (Fertigstellung 2025) auf die Herausforderungen dieses Themas gestoßen. Für 65 Wohneinheiten haben wir 53 Stellplätze in der Tiefgarage. Unser Anspruch war, dass unsere Stromversorung so gestaltet wird, dass irgendwann alle Stellplätze elektrisch versorgt werden können. Unsere Fachplaner haben für uns einen Haus-Stromanschluss mit 1000 Ampere beantragt, der tatsächlich mit einem 20.000Volt-Trafo der Stadtwerke in unserem Gebäude genehmigt wurde! … Ein Jahr später haben wir mit Unterstützung von Forschungseinrichtungen und Fachleuten für E-Mobilität nachgewiesen, dass für Mehrfamilienhäuser der gewöhnliche Hausanschluss (für Haushaltsstrom) ausreicht um mit einem Lademanagement den Ladebedarf komfortabel zu decken. Unser “Trafohaus” steht jetzt leer und sollte für jeden zukunftsorientierten Mehrfamilienhausbesitzer eine Ermutigung darstellen Ladeinfrastruktur aufzubauen. Die Details unserer Studie haben wir in Fachzeitschriften veröffentlicht.
Hier wären Quellenverweise sicher hilfreich für weitere Recherchen.
Der Artikel wurde 2022 nur in der Druck-Ausgabe veröffentlicht. Ich habe jetzt mit dem VDE-Verlag geklärt, dass ich eine Kopie mit Hinweis auf die Verlagswebseite selbst online veröffentlichen darf:
https://49grad-mainz.de/images/pdf/Netzpraxis_3-4-2022_Elektromobilitaet_ohne_Netzverstaerkung.pdf
Gibt jetzt übrigens Förderung für Ladesäulen in Mehrfamilienhäusern
Förderung von Ladepunkten in Mehrfamilienhäusern startet am 15. April
Diese Förderung war der Anlass für einen Beitrag in Kennzeichen E #6. Dabei wurde aber auch erwähnt, dass eines der vielen Hinderungsgründe für E-Mobilität in Mehrfamilienhäusern die Verstärkung des Stromanschlusses des Gebäudes sei. Ich will mit meinem Beitrag dazu beitragen diesen Mythos zu begraben.
Obwohl ich bei älteren Gebäuden mit zweifelhafter Elektrik das schon vorab gut prüfen lassen würde. ![]()
Definitiv. Das Problem haben wir jetzt im Kleingarten (PV, Wärmepumpe). Ist vlt aber auch nicht so repräsentativ ![]()
Natürlich muss die bestehende Hauselektrik bei solch einer Maßnahme grundsätzlich geprüft werden.
Bei meiner Studie geht es aber um etwas anderes: Die gängige Meinung, dass man mit 11 oder 22 kiloWatt sein Auto laden muss, drängt ein Bild mit überdimensionaler Stromversorgung auf. Bei Gewerbe-Wagenparks mit den entsprechenden Mobilitätsanforderungen kann das Sinn machen. Aber die Anforderungen in einem Mehrfamilienhaus sind anders! Eine bestehende fachgerechte Elektroinstallation hat genügend Reserven für einen guten E-Ladekomfort aller Bewohner.
Korrekt (im Normalfall). In Mehrfamilienhäusern ist nicht die maximale Ladeleistung pro Fahrzeug entscheidend, sondern die intelligente Nutzung bestehender Anschlussreserven. Empirische Lastprofil‑Analysen zeigen, dass Wohngebäude ihre Anschlussleistung selbst in Spitzenzeiten nur zu einem Bruchteil ausschöpfen. Mit moderaten Ladeleistungen und Lastmanagement lässt sich für alle Bewohner alltagstauglicher E‑Ladekomfort realisieren .. ohne Überdimensionierung der Infrastruktur.
Ein zentraler Punkt, der in der Debatte oft untergeht:
Der Anspruch darf nicht sein, dass jede Wohnung im Mehrfamilienhaus einen persönlichen 11‑ oder 22‑kW‑„Schnelllader“ erhält.
Das realistische und systemisch richtige Modell ist langsames, zeitlich gestrecktes Laden tagsüber bei Standzeiten und insbesondere über Nacht. Genau dafür ist die typische Nutzung in Wohngebäuden ausgelegt. Höhere Ladeleistungen verkürzen zwar die Ladezeit, sind im Alltag aber nicht erforderlich, solange Ladefenster von mehreren Stunden zur Verfügung stehen.
Hinzu kommt, dass die früher sehr hohe Subventionierung den Preisdruck spürbar gesenkt hat: Wenn mehrere tausend Euro Förderung im Raum stehen, setzen sich am Markt schnell Preisanker auf diesem Niveau fest. Dass heute allein für die Ladegeräte pauschal ~2.000 € (und mehr!) pro Stellplatz aufgerufen werden, ist dafür ein typisches Beispiel .. ein Preis, der ohne diese Förderlogik kaum in dieser Höhe vermittelbar wäre.
Danke für die hier dokumentierten realen Lastgangmessungen! Sie bestätigen unsere Studie. Da wir noch in der Planungsphase des Hauses waren, mussten wir auf Simulationsdaten zurückgreifen.
Inzwischen wohnen wir 2 Jahre hier und haben eine PV-Anlage mit virtuellem Summenzähler installiert. Die höchste gemessene Verbrauchsleistung, über 15-Minuten gemittelt, war 50 kW bei einer Anschlussleistung von 140kW. Allerdings nutzen wir - anders als bei der beschriebenen Messung - elektronische 21kW-Durchlauferhitzer für die Warmwasserbereitung und Stromdirektheizungen im Winter. Diese Zahlen zeigen eindruckvoll, dass ein normgerechter Hausanschluss immer ausreichend Reserven für die Ladeinfrastruktur eines Mehrfamilienhauses zur Verfügung stellt.
Selbst die Ladeleistung einer üblichen Steckdose (3,5 kW) sollte reichen, dass zu Hause über Nacht genügend Reichweite für den Alltag nachgeladen werden kann:
3,5 kW x 6h = 21 kWh, das entspricht rund 100 km Reichweite bei einem handelsüblichen Elektroauto.
Das sollte doch für einen erheblichen Anteil der Bevölkerung die Anforderungen der Alltagsmobilität abdecken.
Man muss bei normalen Mietwohnungen dann noch den Vermieter überzeugt bekommen. Und die Kosten klären, besonders wenn größere Anpassungen an der Hauselektrik zu machen sind oder die Stellplätze nicht direkt an der Haustür sind.
Mein Thema ist die Widerlegung des Mythos: “Für E-Mobilität muss der Hausanschluss vergrößert werden”.
Die technische Umsetzung einer Ladeinfrastruktur hat trotzdem andere Herausforderungen, die hier nicht geklärt werden können. Dein Vorschlag, eine normale Steckdose zu nutzen, ist rechnerisch korrekt, aber technisch ein hohes Risiko: Bei einer dauerhaften (viele Stunden) Grenzbelastung einer Stromleitung können kleine Installationsschwächen Brände auslösen!
Praktisches Beispiel: in unserer Mietwohnung hat damals ein Radio- und Fernsehtechniker die Stromleitungen kreativ gelegt.
Ein Elektriker meinte mal, wir sollten besser nicht alle vier Herdplatten gleichzeitig anmachen. ![]()
Und ist bei älteren Häusern nicht ungewöhnlich.
Ist in so einem Fall bei bekannt werden nicht der Eigentümer dazu verpflichtet, die Elektrik auf den neuen Stand der Technik zu bringen? Auch aus Gründen der Sicherheit
In meiner alten Mietwohnung im Mehrfamilienhaus kam jemand von den Stadtwerken, um die alten, analogen Zähler auszutauschen. Er meinte, so eine alte Elektrik habe er schon lange nicht mehr gesehen und so musste der Vermieter erst mal alles erneuern, bis die Zähler überhaupt eingebaut werden konnten. Meine Wohnung hatte zum Beispiel auch nur eine einzige Runde Sicherung und einen Drehzähler ohne Rücklaufsperre.
So schlecht scheint es nicht zu sein, aber tiefer hat noch niemand offiziell kontrolliert.
Würde zumindest kein eAuto an der normalen Dose laden