Ich bin direkt überrascht, dass es dazu noch keinen Thread gibt.
Ein Kritikpunkt, der hier im Forum schnell geäußert wurde, war dass sich Kennzeichen E auf die e-Autos konzentriert, und mehr einen Ratgeber- als einen kritisch journalistischen Ansatz verfolgt.
Die neue Episode
bricht damit und hinterfragt Mobilität insgesamt - mit einer ziemlich radikalen Position, finde ich. Insofern Empfehlung auch für alle, die den Podcast wegen seiner bisher wahrgenommenen Ausrichtung nicht (mehr) abonniert haben! Und Danke an die Redaktion!
Ich denke dennoch, keine Privat-Pkw mehr - entweder war es nicht so krass gemeint oder es hatte nicht alle „Use Cases“ im Blick - oder mir fehlt einfach die Phantasie. Selbstfahrende Autos halte ich für plausibel - der Gewinn an Sicherheit könnte auch marktliche Anreize setzen, wenn beispielsweise die Versicherungsprämien für autonome Autos viel niedriger sein werden als für selbstgelenkte. Gefahren werden ist auch ein Zeit- bzw. Komfortgewinn gegenüber konzentriert am Lenker beansprucht zu werden. Vielleicht muss ichs mir einfach nochmal anhören, um alle Aussagen besser wahrzunehmen.
Ich fand das Thema prima und sehr anregend.
Mich haben aber zwei Dinge gestört: zum einen geht in meinen Augen öfter durcheinander, dass die Zukunftsvision nicht bedeutet, dass es KEINE E-Autos mehr gibt. Es bedeutet doch: selbstfahrende E-Autos - oder?
Zweitens hat mich irritiert, dass die Moderatorin offenbar davon ausgeht, dass privater/individueller Autoverkehr in Innenstädten immer dann kein Problem darstellt, wenn er elektrisch ist … Man kann sicher gern mit dem Auto fahren, aber man muss doch als kritisch denkender Mensch erkennen, dass Individualverkehr an vielen Stellen ganz besonders in Städten eine Belastung darstellt und sich das mit einem elektrischen Antrieb nicht automatisch „erledigt“.
Sehr anregendes Interview mit einem spannenden Gast
Tja, Dein zweiter Punkt beschreibt ganz treffend den Unterschied zwischen einer reinen Antriebswende und einer echten Verkehrswende. Ein 1:1 Austausch von Verbrenner-Autos zu elektrischen Fahrzeugen löst leider keines der folgenden Probleme..
Auch wenn ich viele der Ideen und Visionen teile oder gut finde … ich befürchte, dass auch zu diesem Thema Parallelwelten am Entstehen sind. Nach meiner Einschätzung steigt eine Vielzahl von Menschen schon viel früher aus solchen Zukunftsdiskussionen aus (und auch nicht mehr durch), verneint stattdessen die Notwendigkeit von Veränderungen und glaubt lieber Politikern (verschiedener, meist jedoch brauner Couleur ) die mit dem Versprechen „alles sei und werde gut und man müsse nichts ändern“ antreten. Ich befürchte, vielen fehlt es nicht nur an den finanziellen Mitteln sondern auch am gesunden Menschenverstand. Von „ich liebe meine Ölheizung“ bis zu „kein Individualverkehr mehr“ ist es halt doch ein weiter Weg. Und man müsste ja froh sein wenn diese Leute wenigstens noch Zeitung läsen… Podcasts wie dieser erreichen sie bestimmt nicht.
Gutes Interview, aber ein bisschen optimistisch kam mir der Gast schon vor. Er meinte übrigens schon 2023:
Ein ganz entscheidender Faktor für den Erfolg solcher Modelle ist autonomes Fahren. In China und den USA fahren bereits tausende autonomer Fahrzeuge. Sie funktionieren immer noch nicht reibungsfrei, aber es ist nur noch eine Frage von wenigen Monaten, bis diese Fahrzeuge auch in der Fläche in Deutschland und in Österreich ausgerollt werden.
Was so in seiner Einfachheit auch nicht stimmt.
Es gibt auch in Europa und sogar in Deutschland einige Projekte mit vollautonom fahrenden Fahrzeugen.
Zuletzt ein LKW von Enride, der für Lidl vollautonom Ware zwischen Warenlager und Laden fährt:
Standard ist momentan Level 2: Das Fahrzeug lenkt, bremst und beschleunigt selbst. Der Fahrer muss das Fahrzeug ständig überwachen und ist verantwortlich. Beispiel VW Travel Assist.
Erweiterte Systeme können Level 2+: Hier dürfen die Hände vom Lenkrad bleiben, die Verantwortung bleibt aber trotzdem beim Fahrer. Beispiel BMW Autobahnassistent. Teilweise können die Assistenten auch zusätzliche Dinge wie automatischen Spurwechsel und Autobahnauffahrt- bzw. Abfahrten. Sowas bieten u.a. BMW und Tesla an. Allerdings muss bei beiden Systemen der Fahrer das Fahren überwachen und ist verantwortlich.
Level 3: Hier übergibt der Fahrer an das Fahrzeug und kann sich anderen Dingen widmen. Die Systeme funktionieren meist nur auf bekannten Straßen unter bestimmten Bedingungen. Zertifiziert haben das momentan in Europa nur Mercedes mit dem Drive Pilot und BMW mit dem Personal Pilot L3.
Level 4 ist dann das was Enride oben macht oder Waymo in München, Moia/VW in Hamburg, Momenta in München und Baidu/Freenow in Hamburg. Die Fahrzeuge können dann vollautonom fahren, meist in einem eingeschränkten Stadtbereich.
Man sieht, jedem Hersteller steht es offen, seine Fahrzeuge Level 4 zertifizieren zu lassen. Dass das möglich ist, zeigt z.B. Enride. Die Aussage „wir können das, aber in Europa dürfen wir nicht“ ist also irreführend.
Im Fall von Tesla kann man das schon so formulieren. Es wurde eine Abstimmung im Oktober erwartet, ob es EU-weit genehmigt wird. Nun findet diese aber doch nicht statt.
Der zuständige Fachausschuss „Technical Committee – Motor Vehicles“ (TCMV) hat den Entwurf der Tagesordnung für die Sitzung am 6. Oktober 2026 bekannt gegeben – vorgesehen ist darin nur eine Fortsetzung der Diskussion über den Vorstoß in den Niederlanden. Tesla FSD: EU-weite Zulassung im Oktober wird immer unwahrscheinlicher | heise autos
Laut dem Artikel haben 7 EU-Länder aber das FSD von Tesla mittlerweile bei sich genehmigt.
Das ist soweit richtig, wobei FSD kein vollautonomes Fahren erlaubt, auch wenn Tesla das gern so bewirbt. Es ist weiterhin ein Level 2(+) System, bei dem der Fahrer weiterhin verantwortlich bleibt. Und aus eigener Erfahrung bin ich da eigentlich auch ganz froh drum.
Nur will ich mir keinen Truck kaufen, der auf irgend einem privaten Firmengelände, auf dem die StVO nicht gilt, irgendwelche Dinge ganz toll autonom erledigen kann, sondern einen PKW, der im öffentlichen Straßenverkehr spezifische Sachen machen kann, die ein mit entsprechender Sensorik ausgestattetes Fahrzeug zuverlässiger erledigen kann als ein biologisch limitiertes Wesen. Und dann höre ich halt: „Wir können das zwar, in China und den USA auch kein Problem, hier dürfen wir das aber nicht.“
Zuerst einmal fährt der Truck nicht auf privatem Firmengelände, sondern im öffentlichen Straßenverkehr.
Und sollte der Rest des Textes auf Teslas FSD anspielen, so ist der auch in den USA und China lediglich als Level-2 entsprechendem System freigegeben, d.h. der Fahrer muss aufpassen und ist verantwortlich. Das ist ähnlich den Zulassungen in Europa und kein „die wollen das nicht, wir könnten das schon lange“.
Einzige Ausnahme sind die Fahrzeuge in der Robotaxi-Flotte, die mit Sondergenehmigungen in eng umgrenzten Gebieten autonom fahren dürfen. Wobei auch diese Fahrzeuge remote von einem Menschen kontrolliert werden.
Auch bei chinesischen Herstellern ist mir kein System bekannt, welches mehr als Level-2 erlaubt, auch im Ausland nicht (mit Ausnahme der Robotaxis von Waymo, Baidu, …).
Mir fehlte ein Aspekt in diesem Interview leider völlig: Die Monopolisierung der Verkehrsdienstleistung. Wenn wir dann in ca. 2 Jahrzehnten da sind, dass es nur noch Autonome Fahrzeuge gibt, dann müssen wir sehr genau den Zugang zu diesen Fahrzeugen regeln.
Systeme wie Uber einfach auf autonome Fahrzeuge umzustellen würde in eine Katastrophe führen.
Transport ist eine Grundversorgung, zu der jeder Mensch Zugang haben muss. Den alleineigen Zugang dazu über einen amerikanischen Monopolisten zu gewähren wäre äusserst fahrlässig. Man stelle sich vor. Sie schreiben eine (berechtigte) schlechte Kritik auf Amazon, und also Konsequenz wird Ihnen jegliche Transprotdienstleistung entzogen.
Es gibt kein Gericht, das sie anrufen können. Keine Alternativen. Nur eine KI Hotline, die äusserst eloquent und langfädig alles abschmettert.
Wir müssen da unbedingt die Bildung von Monopolen verhindern. Noch besser wäre es, die Transportdienstung staatlich anzubieten, wie zum Beispiel die Wasserversorgung.