Kann Russland die NATO in wenigen Jahren wirklich angreifen – oder wird die Bedrohung überschätzt?

Erstens würde ich bestreiten, dass Experten wie Major oder Gressel auf so undifferenzierter Weise von einer „Überlegenheit“ Russlands ausgehen oder diese gar einfach voraussetzen. Zumindest von Gressel weiß ich sicher, dass er im Lage-Gespräch sehr viel differenzierter auf die militärischen Fähigkeiten von Russland und NATO-Ländern eingegangen ist.
Es wäre also zweitens erst mal zu klären, was mit „Überlegenheit“ überhaupt gemeint sein soll und ob ein Vergleich der Ausgaben hierfür ein geeignetes Maß ist.
Drittens ist eine wie auch immer gearteten Überlegenheit gar nicht unbedingt relevant für die Beantwortung der Frage, wie realistisch ein Angriff Russlands auf ein NATO-Land ist. Denn das Ziel eines solchen Angriffs muss ja gar nicht sein, ein Land komplett militärisch zu besetzen. Viel wahrscheinlicher ist das Ziel, durch gezielte begrenzte Angriffe - u.a. in Verbindung mit hybrider Kriegsführung, entsprechenden Desinformationskampagnen und vor allem dem Schüren von Ängsten vor einer unkontrollierbaren (nuklearen) Eskalation im Falle von ernsthaftem Widerstand - die NATO politisch zu schwächen oder gar auszuschalten. Denn eine NATO, die durch unterschiedliche politische Interessen gelähmt ist, ist auch militärisch keine wirkliche Macht, was es wiederum Russland erlaubt, seine Machtposition auszubauen - politisch wie militärisch. Wie das konkret aussehen könnte, hat Carlo Masala sehr anschaulich in seinem Szenario „Wenn Russland gewinnt“ beschrieben [Link]

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