Man muss sagen, dass einer Redaktion diese Ausreisereglung aufgefallen ist, also hat der Journalismus als Ganzes nicht versagt. Ich sehe es mit Ernüchterung, dass es eine Zeitungsredaktion war, die den Scoop hatte. Zeitungen sind bedroht, einmal durch den Verlust der Werbung jedenfalls finanziell gesehen, aber auch durch den Verlust der Leserschaft, die immer älter wird. Wer liest noch Tageszeitung? Und wer kann sich leisten, Tageszeitung zu lesen, denn die Preise sind ziemlich happig?
Durch den Verlust der großen Redaktionen wird auch das Geld für investigativen Journalismus knapper, denn das braucht Zeit, Ressourcen und Geld. Wie stellen wir die journalistische Qualität im gesamten sicher?
Dass zwei Leuten so etwas hin und wieder entgeht, ist durchaus verständlich. Da würde ich den Lage-Machern keinerlei Vorwürfe machen.
Worauf, @Monet , beziehst Du Dich hier?
Das ganze dürfte in Bezug zu der Wehrpflicht-Ausreise Thematik stehen, zumindest passen die Hinweise dazu
in der Lage wurde dann ja kurz reflektiert welche Verantwortung Medien und Opposition tragen für die offensichtlich fehlende Korrektiv-Wirkung
Genau. Ich glaube, die Lagemacher haben sich nicht viel vorzuwerfen, wenn sie einen Scoop mal nicht hatten. Die Zeit ist begrenzt.
Ich stimme dir grundsätzlich zu, dass „zwei Leuten" hin und wieder etwas entgehen kann. Und objektiv weiß ich natürlich, dass ich mich für eine ausgewogene Berichterstattung nicht nur auf die Lage verlassen sollte. Unterbewusst fällt es mir aber trotzdem schwer, das Ganze den Journalisten in Deutschland nachzusehen, und dazu gehören auch die „zwei Leute", die sich in jeder Folge als Journalisten und Jurist (!) vorstellen. Die Erklärung fand ich, ehrlich gesagt, auch ziemlich flapsig. Nur weil es noch schlimmer ist, dass es unseren gewählten Vertretern nicht aufgefallen ist, macht das nahezu vollständige Versagen des deutschen Journalismus nicht besser.
Für mich wäre es ein wichtiger Punkt der journalistischen Integrität, zwischen primärem und sekundärem Journalismus zu unterscheiden. Jeder Beitrag sollte klarstellen, was die Quellen sind, einfach damit der Zuhörer weiß, ob er gerade eine Zusammenfassung der Zeitungen der letzten Woche vorgelesen bekommt oder ob tatsächliche journalistische Arbeit geleistet wurde.
Jemand hat es gefunden, also hat der Berufsstand nicht gefailt.
Das Problem ist, dass es sich überall solche Knaller verbergen könnten, aber es meistens nicht ist, es ist die berühmte Nadel im Heuhaufen, bei dem man erst einmal darauf kommen muss, dass es eine Nadel im Heuhaufen ist, die zu suchen ist.
Je mehr Leute schauen können, je größer der Berufsstand der Journalisten ist, umso eher wird so etwas enttarnt, aber das ist gefährdet, weil Geld und zahlende Leserschaft abhanden kommt.
@Monet Ich stimme dir zu, dass ein einzelner Journalist hier nicht in die Verantwortung genommen werden kann. Für mich hat der gesamte Berufsstand aber sehr wohl versagt, wenn ein so erheblicher Grundrechtseingriff erst auffällt, nachdem er schon vor fünf Monaten per Gesetz beschlossen wurde.
Für mich ist das grundsätzliche Problem, dass primärer und sekundärer Journalismus nie unterschieden werden. Artikel, die nur eine Zusammenfassung anderer Zeitungsartikel sind, sollten auf keinen Fall mit journalistischer Arbeit gleichgestellt werden und müssen unbedingt klar differenziert werden. Ich bin gerne bereit, Geld für primären Journalismus zu bezahlen, aber Zusammenfassungen kann KI inzwischen besser und günstiger.
Man kann nicht immer zwischen primären und sekundären Journalismus unterscheiden, die Lage macht beides. Ich glaube, es bringt nichts, wenn eine Zeitung etwas herausgefunden hat und es nur bei sich veröffentlicht, es müssen andere Medien Brisanz erkennen und auf den Zug aufspringen, damit die Nachricht ihre Durchschlagskraft erhält, diese Kuratierung sollte man nicht nur der KI überlassen, man fasst nicht nur zusammen, man wählt auch aus..
Ansonsten könnte die journalistische Lage noch schlechter aussehen, wenn sich das Zeitungssterben fortsetzt.
Im Fall des Wehrdienstgesetzes ist ja besonders brisant, dass kein einziges Medium gründlichen primären Journalismus betrieben hat. Das Wehrdienstgesetz war ja immerhin ein vieldiskutiertes Gesetz. Da muss man schon von einem Versagen des Journalismus sprechen.
Ich war einer der Forenmitglieder, die die Lage dafür kritisiert hatten. Mir ging es bei der Kritik, wie dir, auch mehr um den Berufsstand als ganzen, nicht um einzelne Journalisten. Deswegen muss sich der Journalismus als Gesamtheit reflektieren, und die Lage muss sich als ein Teil dieser Gesamtheit begreifen und reflektieren.
Gerade den Beitrag in der aktuellen Lage dazu gehört und muss sagen, ich sehe es grundsätzlich umgekehrt. Muss jeder Parlamentarier das Gesetz gelesen haben? Nein. Den viele Parlamentarier sind ja gar nicht in der Thematik versiert und so tief drin. Insofern verstehe ich, wenn sich einzelne auf die Einschätzung ihrer Partei verlassen. Gerade von der Lage erwarte ich aber, mit dem beruflichen Hintergrund, das Gesetze in gänze gelesen und verstanden wurden und eine fachliche Einschätzung erfolgt. Ansonsten kann man ja sagen, wir haben das Gesetz selber nicht gelesen und können daher nur bedingt etwas zum Inhalt sagen. Erwarte ich das grundsätzlich von Journalismus? Nein aber das ist ja einer der Mehrwerte den die Lage bietet. Fachkompetenz.
Wenn man vermutet hätte, dass sich da so ein Klopper verbirgt, hätte man sich die Mühe gemacht, aber man muss erst einmal auf die Idee kommen, dass man die Nadel im Heuhaufen suchen muss. Und man muss sich klar machen, dass eine gründliche Analyse neben Fachkompetenz auch Zeit benötigt. Die Lage hat 5-6 Themen in der Woche, die Macher lesen bestimmt mehrere Zeitungen und Zeitschriften.
Wir sollten darüber diskutieren, welche Bedingungen es für den Journalismus geben müsste, dass so etwas nicht unentdeckt bleibt.,
- Ressourcen, die werden leider knapper.
- Fachkompetenz, nur Edelfedern bringen nichts
- weniger Herdentrieb, den Mut mal andere Wege zu gehen, ohne dass sich das auszahlen muss.
Und das alles mit dem Bewusstsein, dass es wahrscheinlich immer nur einer oder eine sein wird, denen das auffällt, weil das leider in der Natur der Sache liegt,
Ich halte diese klare Unterscheidung für schwierig - also wenn ein erstes Medium einen Sachverhalt beschreibt, ein zweites diesen Sachverhalt als Teil der Strategie einer Partei analysiert und dann in einem dritten Medium ein feuetonistischer Artikel erscheint dass ein Thema gerade viel Beachtung bekommt - wer ist da alles primär und wer sekundär? Wenn eine Zeitung veröffentlicht dass sie aus einem Hintergrundgespräch wissen, dass es irgendwo Stress gibt - zählt dann die Zeitung die herausbekommt worum es geht noch zum primören Journalismus? Was ist mit einem Artikel der dazu nur spekuliert, aber das auf weitere Quellen stützt?..
Bitte in Zukunft korrekt zitieren: Wir haben ausdrücklich nicht verlangt, dass alle Parlamentarier alles gelesen haben, sondern die paar Leute aus der Opposition, die im Ausschuss genau dafür zuständig sind.
Falsch-Zitate wie dieses sind im Forum ein absolutes Tabu - bitte achte in Zukunft darauf, sonst kannst du hier leider nicht weiter mitdiskutieren.
OK. Bei 1:29 hatte ich es so verstanden dass ihr davon sprecht das alle Parlamentarier die an der Entscheidung beteiligt sind in der Tiefe die Gesetze auch verstanden haben müssen…und ja es wäre wünschenswert aber ich fürchte das dies nur in Teilen möglich ist. Einfach da die Stellen zum Teil auch mit Personen besetzt werden die Fachfremd sind. Das diese dann nicht in Gänze nachvollziehen können was da gerade passiert und sich auf andere ihrer Fraktion verlassen, davon gehe ich dann aus. Es wäre vielleicht interessant zu recherchieren wer auf Grund welcher Eignung in welchem Ausschuss drin ist. Es war keine Absicht dahinter euch falsch zu zitieren. Ich glaube ohne Lage Plus besteht aber auch kein Zugriff auf ein Transkript,oder?
Ist es journalistisch integer, wenn man sich so ein Gesetz nebst Änderungen einmal ins LLM packt und sich eine Zusammenfassung mit den wichtigsten Änderungen und Auswirkungen geben lässt? Geht schnell und bei mir wurde der Punkt mit der Einschränkung der Reisefreiheit als Änderung genannt - neben den ganzen anderen Sachen natürlich.
Hast du es vor dem Scoob in die KI gegeben oder erst jetzt?
Dass jetzt die Einschränkung der Reisefreiheit drinsteht, ist klar, es rauschte durch alle Medien.
Änderungen gegenüber der gesetzlichen Regelung davor kann eine KI meiner Erfahrung nach ziemlich zuverlässig identifizieren (insbesondere eine lesbare Version mit Änderungsmarkierungen zu erstellen) - wenn keine Querverweise notwendig sind: Ob eine KI den von Ulf benannten Zusammenhang mit dem Passgesetz erkannt hätte? Ich bezweifele das.
Und wenn man „die KI“ allgemein nach Auswirkungen fragt, würde ich der Antwort ebenfalls nicht trauen. Schon gar nicht im Hinblick auf die Vollständigkeit (aber das könnte auch kein Mensch) und auch nicht im Hinblick auf die Korrektheit.
Natürlich danach, aber darum gehts mir nicht. Es war konstruktiv gemeint, denn ich kann gut verstehen, dass kein Mensch den ganzen Sums in der Kürze der Zeit lesen kann. Mit einem guten Prompt bekommt man Zusammenfassungen, die Zeit sparen. Dabei kann natürlich immer was durchrauschen, aber zumindest hat man eine gute Chance Dinge zu sehen, die man unmöglich sieht, wenn man alles durchlesen muss.
Es könnte auch sein, dass sich im Laufe der Zeit auch die Ergebnisse verändert haben, vor dem Scoob wäre es nicht drin gewesen, jetzt ist es aber, weil es so groß in den Medien war und die Bedeutung dafür gestiegen ist, das würde zur Arbeitsweise der KI passen, LLM ist ein stochastischer Papagei. .
In der Tat ist das unwahrscheinlich, es sei denn, man promptet ganz gezielt in die Richtung, beispielsweise nach dem Motto: welche Folgen in anderen Gesetzen zieht es nach sich, wenn die Wehrüberwachung wieder in Kraft tritt und Männer in einer bestimmten Altersgruppe eine Ausreise ins Ausland beantragen müssen …
Hinzu kommt, und das haben wir in der letzten Lage ausführlich diskutiert, dass das eigentliche Problem noch nicht im Gesetzentwurf der Bundesregierung enthalten war, sondern erst durch einen Änderungsantrag im Verteidigungsausschuss überhaupt ins Gesetz kam. Man müsste also die KI sowohl mit dem Gesetzentwurf als auch mit dem Änderungsantrag füttern und dann noch den oben genannten gezielten Prompt verwenden. Technisch möglich, aber einfach sehr unwahrscheinlich.