IT aus der Hölle - Digitalisierung bei der Arbeitagentur

Ich möchte euch an einem kleinen Abenteuer teilhaben lassen. Es geht um Digitalisierung. Um die Agentur für Arbeit. Und um mich.

Zur Einordnung: Ich bin kein Digital-Laie. Meinen ersten Computer hatte ich in den 80ern.

In meiner Firma habe ich Datenbanken und Netzwerke aufgebaut. Mein PC läuft mit Linux.

CHAPTER I – Brief-Roulette

Um sich beim Arbeitsamt online anzumelden, braucht man eine BundID. Dafür die Ausweis-App – einmal für Linux, einmal für Android. Und dann wartet man auf einen Brief. Einen ganz analogen, physischen Brief.

In meiner Straße gibt es 5 gleiche Hausnummern. danach folgt /1
Die Post kommt hier nach eigenem Ermessen (der Post) an. Vermutlich sortieren die nach Dringlichkeit.Dringende kommen nicht an, nur Werbung vom Möbeldiscounter

Erster Brief: verschollen.
Zweiter Brief: verspätet angekommen,
Dritter Brief: auch angekommen – ich wußte jetzt aber nicht, ist es der zweite oder der dritte…

Denn was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Jeder neue Brief legt im System ein neues Profil an (vermute ich).

Das Spiel hatte begonnen.

CHAPTER II – Anmelden

Portal öffnen
anmelden →
BundID → Anmelden →

Zur BundID wechseln? →
Anmelden →
Willkommen bei der BundID
Anmelden →
Womit möchten Sie sich anmelden?
Anmelden →
Weiter mit Ausweis-App
Proceed to PIN entry

Ausweis-App Android
ID hinfummeln
PIN eingeben
Bestätigen, zur Arbeitsagentur zu wollen
Bestätigen, das Online-Angebot zu nutzen
Bestätigen, nicht zur Familienkasse zu willen.

In der Realität hakt es irgendwo zwischen Schritt 4 und 6.

Man fängt von vorne an. Und nochmal. Endlich Erfolgreich!!

Jetzt einen Kaffe holen.

Man kommt zurück.

Man ist abgemeldet.

Inaktivitäts-Timeout: 4 Minuten 59 Sekunden. Maximale Bearbeitungszeit 29:59.

(Ein Auto-Refresh im Browser hilft. )

CHAPTER III – Das Postfach

Endlich drin. Ich suche, wie ich meiner Agentur eine Nachricht schicken kann.

Im Menü: 40 Punkte. Von „Jobsuche“ bis „Ausbildungsinteressierte im Ausland“. Alles dabei. Nur keine Nachrichten.

Ich klicke mich durch zu „E-Services für Bürgerinnen und Bürger“.

Dort empfängt mich – wie ein Türsteher:

„Anmelden / Registrieren“

Aber es öffnet sich doch mein Profil (ohne anmelden/registrieren).

Mit Postfächern. Vier Stück.

Vermittlungspostfach. Leistungspostfach. Und weitere. Je nach Anliegen das richtige wählen. Manchmal kann man Anhänge hinzufügen. Manchmal nicht. Warum? Das weiß nur das System.

Nach einiger Erfahrung glaube ich, es ist egal, welches Postfach man verwendet. Kommt eh alles bei meinem Berater an…

CHAPTER IV – Die Akte mit den drei Gesichtern

Drei Wochen bis mein Portal lief habe ich mit dem Telefon kommuniziert. Mit Wartezeit (vorraussichtlich 12 Minuten).

Mit Briefen. Wenn die nicht ankamen alles beim Arbeitsamt abgeholt. Mühsam, aber es funktioniert.

Das Portal hingegen weniger. Nachrichten, die ich schickte, kamen offenbar nicht an. Ich fing an, alles parallel per E-Mail zu schicken. Dokumente, die ich 10 x hochgeladen habe wurden nocheinmal angefordert, obwohl bei mir sichtbar!

Bei einer meiner Nachfragen per Tel. hat eine nette Beraterin dann festgestellt, daß ich 2 Konten habe. Das Arbeitsamt hat immer in ein anderes Konto gesehen… Sie versprach, das zu bereinigen.

CHAPTER V – Das Ende ist analog

Ich war von Oktober 2025 bis Dezember 2026 freigestellt. Ich wollte die Zeit nutzen und eine Weiterbildung beginnen. Ich war einige Zeit nicht in meinem Beruf tätig und brauche ein update um wieder Fuß zu fassen…

Jetzt hatte ich das besonders clever gemacht und bei meinem alten Arbeitnehmer 60% Teilzeit beantragt. Diese wurde einen Tag vor meinem Herzinfarkt genehmigt. Ich war also auf 60% Krankengeld für einige Zeit. Meine Reserven sind zu Ende. Die Weiterbildung selbst zu finanzieren war ersteinmal keine Option.

Gerne hätte ich die Weiterbildung schon im Oktober begonnen, dann hätte ich meinen neuen Abschluß im Januar, das ging nicht. Ich war ja noch nicht arbeitslos. Mußte also bis Januar warten.
Wer nicht arbeitslos ist, bekommt keine Förderung zur Weiterbildung.

Mein alter Arbeitsgeber hatte versäumt dem Arbeitsamt eine Arbeitsbestätigung zu übermitteln. Bekam also kein Arbeitslosengeld. Irgendwelche Ersatzformulare können natürlich nur postalisch übermittelt werden. Zwischendrin wurde festgestellt, daß ich 3 Konten bei der Arbeitagentur habe. Toll. Besser als so viele!!

Rechtzeitig zur zweiten Mahnwelle bei eintrudelnden Rechnungen: die vorläufige Bewilligung des (8.3.26) Arbeitslosengeldes. Bonus: Kein Arbeitslosengeld vom 1. bis zum 7. Januar, da ich mich für den Zeitraum nicht arbeitssuchend gemeldet habe. (am 8.1 ging meine Fortbildung los)

Ich freue mich daß die Fortbilder gut verdient haben. (42 online Teilnehmer im Kurs)

Und ich bin froh, dass das Telefon noch funktioniert.

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Um da auch eine Lanze zu brechen für die Arbeitsagentur (arbeite auf Leistungserbringerseite viel mit denen): Es funzt nicht alles rund, aber zumindest haben sie sich auf den Weg der Digitalisierung gemacht und bleiben dran. Dauert halt in Deutschland, und Digitales zählt generell nicht zu unseren Kernkompetenzen.

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Auch interessant: Elster Zertifikat wird akzeptiert aber nicht als vollwertige Identifikation angesehen, die meisten Dinge kann man mit Elster Zertifikat nicht tun (quasi keine Schreibrechte).

Dafür braucht man zwingend den eperso.

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Ich bin leider notgedrungen gezwungen mich mit unterschiedlichen Behörden auseinander zu setzen, um irgendwie über „die Runden“ zu kommen und nicht auf der Straße übernachten zu müssen. Und von allen Behörden mit denen ich zu tun habe ist die Agentur für Arbeit noch am fortgeschrittensten. Ja, es gibt einige Fehler und der Anmeldeprozess ist unnötig kompliziert, ABER die Mitarbeiter nutzen das Portal wirklich, um mit den Kunden wie mir zu kommunizieren und ich glaube, dass ich bisher keinen einzigen Brief dabei bekommen habe oder vielleicht zusätzlich als Kopie. Es läuft wirklich alles übers Portal: Termine, Anträge, Jobvorschläge, alles darüber. Sogar das Jobcenter haben die irgendwie (kompliziert, auf Umwegen) eingebunden. Das macht wirklich Spaß und vereinfacht das Leben. Kein ewiges Warten in der Warteschleife beim Telefonieren, kein (entschleunigter) Emailverkehr, wo die Antwort nach paar Wochen und manchmal sogar noch als physischer Brief ankommt. Da bin ich schon dankbar für.

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Bei mir könnte alles wichtige nicht elektronisch geschickt werden.