Interview mit Friedrich Merz bei Alles gesagt?

Gerade ne Stunde beim Sport gehört. Ein Interview wie eine VHS-Kassette. Musste die ganze Zeit an Bonn und Kegelbahn im Keller denken. Der Mann redet, als wären die letzten 30 Jahre nie passiert.

Bin auf das Interview mit der Lage sehr gespannt!

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Meine mich zu erinnern, er hätte eben bei der Lage nicht zugesagt?

Habe es mittlerweile auch gehört (mit einigen schlafbedingten Lücken); es gab keine Überraschungsmomente.

Meine Einschätzung nach dem Podcast:

  • Man kann Merz zuhören. Ich finde ihn rhetorisch wirklich stark, das muss man ihm lassen. Ich glaube auch, dass er mehr Führung zeigen wird als Scholz.
  • Er ist voll im Wahlkampfmodus und erzählt alles was gefällt. Als er gesagt hat, dass er sich stark für Gleichberechtigung einsetzt, musste ich kurz lachen.
  • Es ist Politik aus den 2000er Jahren. Neoliberalismus, Fossile Energien und eine Neuauflage der Agenda 2010.
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Ich bewundere jeden, der sich diese 2:20h reingezogen hat. Konnte mich bis jetzt nicht überwinden. Steht aber auf meinem Plan. Man muss auch mal außerhalb seiner Bubble zuhören. Bin sehr gespannt, wie die ZEIT-Moderatoren das gemacht haben.

Es ging sehr harmonisch zu. Wie gesagt, ich bin zwischendurch eingeschlafen, obwohl Merz bei mir generell ausgesprochen blutdrucksteigernd und adrenalinausstoßfördernd wirkt.

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Das denke ich auch und ich glaube, dass eine gute und wenn nötig straffe Führung (das was man beim Scholz trotz Angebots abseits der Zeitenwenderde nie bekommen hat) in diesen Zeiten nötiger ist denn je.

Ich hab mir das zwischenzeitlich auch angetan, auf dreifacher Geschwindigkeit ist’s auch nicht ganz so dröge.

Mein Eindruck deckt sich mit dem hier geäußerten. Er ist rhetorisch durchaus geschickt, dummerweise lehne ich seine inhaltlichen Positionen in 90% der Fälle ab (also klar, bei No-Brainern wie „Wir brauchen wieder eine Bundesregierung, die nicht ständig streitet“ kann man wenig kritisieren…).

Dennoch muss ich auch mal etwas Positives sagen: Auch wenn ich Merz’ Haltungen inhaltlich ablehne und befürchte, dass es ein riesiger Rückschritt im Hinblick auf Minderheitenrechte und Verteilungsfragen sein wird, gehe ich zumindest davon aus, dass Merz „demokratisch“ regieren wird. Also ja, Merz wird definitiv „not my Bundeskanzler“, aber ich sehe in ihm zumindest keine Gefahr für die Demokratie.

Also ich bin schon etwas erschüttert. Weniger vom Interview als vielmehr wie gut er hier im Forum ankommt. Hahnebüchen sein Märchen über das GEG. Haben wir hier lang und breit diskutiert, dass es sich um eine Schmutzkampagne von FDP und Bild gehandelt hat und die Union lachend mit in Kauf genommen hat das Land zu beschädigen. Oder der Quatsch mit der Arbeitsmigration. Wieviel Unwahrheiten und Unfug darf man erzählen ohne Konsequenzen. Der Spurwechsel war das Vorhaben der SPD schon vor Jahren um Asylanten ins Arbeitsrecht umzuleiten. Wer hat das wohl verhindert? Wäre mir übrigens neu, das Fachkräfte aus Indien einen Asylantrag stellen müssen. Aber wenn Herr Merz eine App programmieren lässt, dann werden damit alle Probleme gelöst. Finde das tut alles richtig weh.
Einziger Trost sind die berichteten Umfragewerte. Und die Antworten von Herrn Merz haben dann wenigstens Slapstick Charakter

Wenn ich schreibe,

, dann meine ich, dass er bei mir genau so schlecht ankam wie erwartet.

ist eine Beschreibung dessen, wie die ZEIT-Moderatoren das Gespräch geführt haben. Minimal gekitzelt, als es um das Thema Gewalt in der Ehe ging, dann plätscherte alles weiter. Sie haben es ihm wirklich leicht gemacht.

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Gut ankommt ist vielleicht falsch ausgedrückt. Inhaltlich waren da einige Dinge schlicht falsch (Softwareingenieure aus Indien via Asyl) oder durch Weglassen sind einige Aussagen leicht falsch interpretierbar (3 Millionen Einwanderer in 4 Jahren). Aber es geht im Endeffekt, um die großen Linien und vor allem die Werte, die er vertritt.

Ich habe bei Merz den Eindruck, dass er ein „aufrechter Konservativer“ ist. Ich teile seine Meinung nicht, halte seine vorgeschlagenen Maßnahmen in weiten Teilen für ungeeignet. Kann sie aber notfalls akzeptieren. Das Ergebnis wäre suboptimal, aber keine Katastrophe und notfalls korrigierbar.

Wer seiner Argumentation folgt oder an die Märchen glaubt, soll lieber ihn als AFD oder BSW wählen. Eine Regierungsbeteiligung dieser Partieren wäre nämlich eine Katastrophe und viele Dinge nicht mehr leicht korrigierbar.

Wer eher progressiv denkt, soll eine andere Partei wählen und sie ihm als Korrektiv zur Seite stellen. Das werde ich auch tun.

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Also ich höre fast alle Folgen von Alles gesagt aber diese Folge war schwer verdaulich. Streichelkurs bei gerade mal etwas mehr als 2 Stunden ( Habeck im Gegenzug über 3 Stunden bei einem Streamer auf Twitch). Kein inhaltliches Stellen oder Nachfragen bei schwierigen Themen. Reine Wahlwerbung ohne konkrete Aussagen. Ich mochte Merz vorher nicht und wurde komplett bestätigt. Zumindest in der Hinsicht positiv.

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Allerdings ist das ja auch das Konzept: eine Wohlfühlatmosphäre schaffen, in der der Gegenüber einfach erzählen kann und das möglichst lange tut.

Dann darf man ein solches Format nicht ohne Kennzeichnung von Wahlwerbung so kurz vor einer Wahl veröffentlichen. Also wie gesagt ich war enttäuscht, da ich mehr von den Hosts erwartet habe. Eventuell auch einfach dann meine Schuld :person_shrugging:
Ansonsten bleibt Fotzenfritz halt was er ist…unwählbar. Nach der Wahl von ihm werde ich glaube den Politikkonsum stark reduzieren da nix kommen kann was mich nicht zum :nauseated_face: bringt. Ob man gegen AFD auf die Straße gehen muss erfährt man auch dann noch.

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Habe es nun gefunden:
LdN 411, Ende des Kap. 4 „Bundeskanzler: Anmerkungen zum Interview mit Olaf Scholz“, um Min. 27:40, Relevantes zu Anfragen schon ab 26:nochmalwas.

Nach dem, wie die ZEIT-Redakteure in „Alles gesagt?“ ihn mit Samthandschuhen angefasst haben, kann ich mir vorstellen, dass Merz es vorzieht, nicht von Ulf und Philip befragt zu werden.

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Meiner Meinung nach ist das reine Wahlwerbung und ich bin ziemlich erschüttert, dass die beiden ZEIT-Podcaster das gemacht haben.
Ein Prinzip des „Alles gesagt“ Podcasts ist, dass jede Gästin nur einmal dabei sein darf. Dann aber einen Kanzlerkandidaten in der Wahlkampfzeit einzuladen, zu interviewen und zu veröffentlichen ist, gelinde gesagt, schwierig.
Auch der Inhalt ist ja ganz anders als jede andere Folge, es geht wenig um das Leben von Friedrich merz, sondern hauptsächlich um seine Pläne als Kanzler, wieder also mehr Wahlkampf als nur ein Gespräch.
Leider scheint dieser Aspekt nirgends diskutiert zu werden.

Mit diesem ganzen Hintergrund ist es kein Wunder, das Friedrich Merz 2,5 Stunden bei „Alles gesagt“ verbringt, aber keine halbe Stunde für die Lage zur Verfügung hat.

Ja, wow. Na dann! Dass ein Demokrat gewählt wird, nicht mehr selbstverständlich dieser Tage.

Was sind das für Zeiten! So muss sich der Vormärz angefühlt haben.

Times are a changing. Und mein Team - Team Grundgesetz - gibt die Schlüssel zur Macht freiwillig an die Faschisten, in dem sie die faschistischen Themen in den Mittelpunkt stellt und deren Lösungen übernimmt.

Ganz ehrlich: ich hab einfach Angst! Angst um mich. Angst um meine Familie! Angst um meine Freunde.

Nicht vor Migranten (sehe täglich welche, die mir freundlich durchs Leben helfen). Nein, ich habe Angst vor diesen Faschisten, Rassisten und libertären Arschlöchern, die mit ihrem Hass unsere Welt zerstören.

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Leider ja, dass das absolut katastrophal ist, da stimmen wir überein. Aber so nehme ich das aktuelle Klima leider wahr. In Italien regieren Postfaschisten, in Ungarn seit Ewigkeiten ein Despot, in den Niederlanden eine Regierung zu Wilders Gnaden, in Österreich wird es einen Kanzler geben, der gerne mit Björn Höcke verglichen wird, in den USA Trump, in Argentinien Mileil. Ja, es fühlt sich an, als sei die Welt aktuell auf einem fatalen Kurs und da kann man sich tatsächlich fast schon freuen, wenn in Deutschland „nur“ das Zweitschlimmste regieren wird :wink:

Absolute Zustimmung. Wie gesagt, verstehe meinen Kommentar zu Merz nicht so, als ob ich irgendwas an ihm toll finden würde. Er ist eindeutig sowas von „Nicht mein Bundeskanzler“. Aber er ist kein Faschist. Er ist neoliberal, er ist klassisch-konservativ (dh. Law&Order, Migrationsskeptisch usw.) und all das lehne ich ab. Aber er ist kein Faschist. Nach vier Jahren Merz wird Deutschland vermutlich ein weniger lebenswertes Land sein, aber zumindest gehe ich davon aus, dass wir in vier Jahren noch demokratische Wahlen erleben werden. Geringer Trost, ich weiß, aber besser als totale Resignation.

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