Interview mit Daniel Thym (Migrationsrechtler)

Sehr geehrtes Lage-Team,

Ich wäre sehr an einem Interview mit dem Migrationsrechtler Prof. Dr. Daniel Thym interessiert. Dies würde es ermöglichen, juristisch stichhaltige Informationen zu vermitteln, die in dem aufgeheizten Diskurs eine erfrischende Sachlichkeit darstellen könnten. Er hat auch kürzlich ein populärwissenschaftliches Buch („Migration steuern“) veröffentlicht. Vielleicht könnte man sich auch daran orientieren und Dinge aus seinem Buch diskutieren und aufgreifen?

Herzlichen Dank, wenn Sie meinen Vorschlag registrieren und ein Interview in Erwägung ziehen würden!

Mit freundlichen Grüßen

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Kann ich absolut zustimmen. Habe ein paar Interviews mit ihm gehört und gelesen und empfand seine Einschätzung als einerseits nachvollziehbar aber auch pragmatisch.

Es gibt ein sehr breites und gut qualifiziertes Forschungsfeld zu Flucht und Migration. Gerade im Migrationsrecht ist Daniel Thym ein Außenseiter, der nun vor allem für seine demonstrative Härte in den Medien erscheint (neben einigen anderen Männern mit ähnlichen Positionen). Die große Mehrheit der Migrations- und Fluchtforchung, inkl. aus dem Bereich des Migrationsrechts, kritisiert seine Positionen, wird aber leider kaum gehört. So schlägt Thym ja gerade keine rechtbasierte Politik vor, sondern ein politisches Vorgehen, mit dem Gerichte unter Druck gesetzt werden solln, um so europäische Menschen- und Grundrechte auszuhebeln und zu umgehen. Der Trend, fundamentale Rechte für Geflüchtete in Frage zu stellen, stellt Grundrechte in Europa insgesamt in Frage – das ist aus demokratischer Sicht eine beunruhigende Entwicklung (denn wenn ich das mit Flüchtlingen machen kann, warum nicht sukzessive auch mit anderen Gruppen?). Dass der bislang immer schon (in eine schmittsche-Richtung tendierende) konservative aber bisher immer konstruktive Konstanzer Professor Thym nun auf eine solche Bulldozer-Linie einschwenkt, wie so viele Konservative, ist besorgniserregend.
Meines Erachtens ist im letzten Jahr öffentlich viel zu viel und dabei viel zu einseitig über Migration gesprochen worden, so das Migration in vielen Köpfen als grundsätzliches Problem („Mutter aller Probleme“) erscheint – was einfach irreal ist. Ich sehe daher gerade nicht die Notwendigkeit, das Thema schon wieder aufzugreifen. Wenn man aber darüber sprechen möchte, so gibt es viele weitaus differenziertere WIssenschaftler*innen, mit denen man darüber sprechen könnte (und die nicht so häufig in den großen Medien sind).
Aus den Rechtswissenschaften etwa Prof. Nora Marquard (als Vorständin von GFF im Umfeld von LdN), Prof. Maximilian Pichl, Prof Pauline Endres de Oliveira, Prof. Constantin Hruschka etc.; aus anderen Disziplinen: Prof. Petra Bendel, Prof. Birgit Glorius …und viele andere, die man z.B. hier findet: https://fluchtforschung.net/de/mitglieder/

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Und das Problem hier ist wahrscheinlich, dass es für dich als „pragmatisch“ wahrgenommen wird, während Menschen wie @jokleist es als die Infragestellung von Grundrechten zusammenfasst.

Ich denke nicht, dass der Interviewpartner vor diesem Hintergrund eine konstruktive praktische Gesprächsperson ist.

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Thym‘s Sichtweisen sind sicherlich streitbar, aber genau aus dem Grund fände ich ein Interview in der LdN spannend. Es ist klar, dass die beiden Moderatoren vermutlich eine andere Auffassung als Thym haben und ihn in der Hinsicht auch herausfordern. Aber einen, aus vermutlich deren Sicht, streitbaren Interviewpartner zu haben, trägt doch zu einer aktiven und weiterführenden Meinungsbildung bei. Und ich verstehe die LdN schon als ein solches Format. Immerhin haben sie vor der Wahl auch Christian Lindner zum Interview eingeladen, sich an ihm inhaltlich abgearbeitet und einen, das fand ich jedenfalls, wertvollen Beitrag zur eigenen Meinungsbildung geleistet.

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Dann bitte auch ein Interview mit Hein de Haas. Ich weiß nicht, wie gut das Deutsch des Niederländers ist.

Ich meine, einen Vortrag auf Deutsch gesehen zu haben.

Ein Vortrag von de Haas auf Deutsch wurde im Forum schon mehrfach verlinkt, etwa hier Solidarität statt reden über die Täter und Wahlkampf - #8 von Flixbus

Die Lage ist ja nicht in erster Linie ein Debattenformat. Gerade die bisherigen Erfahrungen der Lage etwa mit Christian Lindner oder auch mit Mario Voigt haben - zumindest den Reaktionen hier im Forum nach zu urteilen - gezeigt, dass solche konfrontativen Gespräche in der Lage durchaus ihre Grenzen haben. Außerdem finde ich nicht, dass eine Position per se spannend ist, nur weil sie „streitbar“ ist. Was Thym’s Thesen sind, lässt sich ja leicht herausfinden. Es dürfte auch nicht schwer fallen, Interviews mit ihm zu finden. Die Frage wäre ja, welchen Mehrwert es bringt, ihn in die Lage einzuladen. Die von @jokleist formulierte grundsätzliche Kritik an seinen Positionen macht mich da eher skeptisch. Zudem wäre zu fragen, warum die Lage einen Wissenschaftler einladen soll, der ohnehin schon medial stark präsent ist - aber unter Fachkollegen durchaus umstritten. Sowohl vom Format der Lage als auch von der grundsätzlichen migrationspolitischen Ausrichtung der Lage her wäre es m. E. sehr viel erkenntnisfördernder, einen Experten einzuladen, der medial nicht so präsent ist, aber die grundsätzlich hier vertretenen Positionen (rechtsbasierte Migrationspolitik, einseitige Fokussierung des medialen Diskurses, Instrumentalisierung des Themas für populistische Mobilisierung etc.) wissenschaftlich untermauern kann.
recht wenig Mehrwert bringen. Zumindest hier im Forum waren die Reaktionen

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Ich habe nur das Buch von de Haas gelesen, Titel: Migration 22 populäre Thesen und was wirklich dahinter steckt. Er würde eher zu den genannten Anforderungen passen. Ich kann auch damit leben, wenn die Expertenmeinungen auseinandergehen.

Sowohl vom Format der Lage als auch von der grundsätzlichen migrationspolitischen Ausrichtung der Lage her wäre es m. E. sehr viel erkenntnisfördernder, einen Experten einzuladen, der medial nicht so präsent ist, aber die grundsätzlich hier vertretenen Positionen […] wissenschaftlich untermauern kann.

Aber wäre es nicht genau deswegen sinnvoll, mal jemanden außerhalb der eigenen Filterblase einzuladen? Argumente für die in der Lage geäußerte Sichtweise zu Migration gab es ja schon zur Genüge. Daher wäre es doch interessant, mal sachlich und wissenschaftlich fundierte Meinungen der „Gegenseite“ zu hören - allein schon um einer zu starken Filterblasenbildung entgegenzuwirken.

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Ob man das sinnvoll findet oder nicht, hängt ja davon ab, was man sich davon verspricht. Ansonsten nennst du genau die Argumente, auf die ich bereits eingegangen bin, ohne allerdings dabei auf meine Einwände einzugehen. Ich würde generell in Zweifel ziehen, ob ein mehr oder weniger klares - aber eben auch inhaltlich und juristisch begründetes politisches Profil, wie es die Lage etwa beim Thema Migrationspolitik hat, sich auf ein Buzzword wie „Filterblase“ reduzieren lässt. Letztlich steckt in dem Begriff ja der Vorwurf einer unzulässigen Einseitigkeit, der aber weder direkt erhoben, noch begründet wird. Außerdem: In der Lage kommen oft genug Positionen vor, die eindeutig jenseits dieses Profils zu verorten sind - allein schon weil sich Ulf und Philipp mit diesen auseinandersetzen.

Mit derselben Argumentation, könnte man jetzt die Lage auch auffordern, Wissenschaftler einzuladen, die für Trump, für die AfD, gegen Klimaschutz, für die russische Position im Krieg gegen die Ukraine sprechen etc. pp. Das sind auch alles Punkte, an denen die Lage ein relativ klar umrissenes politisches Profil hat. Meine Antwort darauf wäre: Wer die genannten Positionen ausführlich hören oder lesen will, kann das ja einfach tun - nur bleibt die Frage, warum das in der Lage sein soll.

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Agree, das kann jeder tun. Es handelte sich doch aber nur um einen Vorschlag an die Moderation. Und als solche kann diese frei entscheiden wen sie einlädt. Lass doch die Moderation entscheiden. Ich finde du bügelst @Friezer hier sehr ab.

Ich denke es gibt einfach unterschiedliche Typen Podcasthörer. Ich würde es sehr grob so kategorisieren:

  • der Feel-Good Hörer möchte vor allem Dinge hören, die er bereits selbst vertritt und möchte in seinem Weltbild nicht gestört werden. Allein der Name Thym in den Shownotes sorgt bei ihm für spontanen Stress
  • der politisch Besorgte hat große Bedenken davor, Menschen mit dem „falschen“ Weltbild eine Bühne zu geben. Nachvollziehbar, aber manchmal schwer durchzuhalten.
  • der sich breit informierende Hörer hört die Lage als Gegenstimme zum FAZ Politikpodcast und ähnlichen. Er holt sich über die Vielfalt seiner Podcasts aktiv unterschiedliche Stimmen ein und hat Thym möglicherweise schon zig mal in konservativen Formaten gehört. Er hätte nicht viel von einem Gespräch mit Thym.
  • der diskursive Podcasthörer glaubt noch immer an das Primat des besseren Arguments und möchte lieber geballt pro und kontra serviert bekommen, um sich dann selbst eine Meinung zu bilden.
  • der Troll hört die Lage nur um sich anschließend online darüber auszulassen, wie schlecht die Lage ist.

Ich denke alle Hörertypen außer dem Troll haben ihre Berechtigung. Die Hosts werden sicher die Frage selbst beantworten können, welche Zielgruppe sie bedienen wollen.

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Natürlich entscheidet das Team der Lage frei, wen es in den Podcast einlädt. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum du mir unterstellst, ich würde das anders sehen. Und in meiner letzten Antwort ging es weniger um den konkreten Vorschlag (Thym), zu dem hier m. E. schon genug gesagt wurde, als vielmehr allgemein um die Argumentation, warum es „spannend“ sein soll, Menschen in die Lage einzuladen, nur weil sie eine abweichende Position vertreten. Und dazu habe ich, genau so wie andere, meine Meinung gesagt. Da ich mich überhaupt nicht persönlich auf andere bezogen habe, kann ich auch deinen Vorwurf des „abbügelns“ nicht nachvollziehen.

Und ja, es gibt sicher unterschiedliche Motivationen, warum Menschen die Lage hören. Ob das nun bestimmte „Typen“ sein müssen und ob sie dann genau in dieser Weise auf einen Podcast-Gast wie Thym reagieren würden, sei mal dahingestellt. Das beantwortet aber m. E. noch nicht die von mir gestellte Frage, was genau der Mehrwert daran ist, Thyms Positionen in der Lage anzuhören und nicht z. B. bei Ronzheimer, The Pioneer, Deutschlandfunk etc. pp.

Vielleicht ist es eine Frage der Wahrnehmung. Du hast sehr ausführlich ausgeführt warum es keinen Mehrwert bietet in der Lage mit Thym zu reden. Du begründest das mit zumindest diskussionswürdigen Argumenten.

So erklärst du es kämen schon genug abweichende Positionen in der Lage vor, mindestens weil die Hosts sich damit beschäftigen. Dem würde ich entgegen halten, dass erstens „genug“ eine individuelle Einschätzung ist und damit wenig Aussagekraft hat und andererseits eine tiefgehende, diskursive Analyse oft eher nicht stattfindet und von den Hosts meist auch gar nicht in dieser Tiefe erwartet werden kann. Es sind immer noch sehr Journalisten, aber keine Fachleute (keineswegs abwertend gemeint).

Zum anderen begründest du deine Ablehnung mit dem eigenartigen Hinweis, wer Thym hören will könne das doch auch anderswo tun und brauche dafür nicht die Lage. Dieses Argument könnte man wohl bei allen Themenvorschlägen anbringen. …

Das ist was ich als abbügelnd empfinde. Sinngemäß zu sagen, Wir haben schon genug Input von außerhalb unserer Kernthemen und außerdem kannst du deinen Lieblingscontent auch woanders hören.

Ich finde diese Argumentation wenig überzeugend und hoffe daher die Hosts entscheiden selbst über ihre Gäste, wobei mir persönlich eine Einladung von Thum nicht so wichtig ist… (edit Mod.).

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Da Ulf selbst Jurist würde ich dieser Aussage im Kontext der Frage, was bzgl. Migration rechtmäßig ist und was nicht, entschieden widersprechen.

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Ich verstehe das immer noch nicht: Wenn hier jemand dafür plädiert, Leute einzuladen, nur weil sie abweichende Positionen vertreten, unterstreichst du das Recht dieser Person, diese Meinung zu äußern. Wenn dann jemand anders sagt, dass er diesen Vorschlag nicht überzeugend findet, ist das auf einmal keine legitime Meinungsäußerung mehr, sondern „abbügeln“ - :man_shrugging:

Es steht dir ja völlig frei, wie du meine Argumentation findest und ob sie dich überzeugt oder nicht. Und nochmal: Mit der Entscheidung, wer in die Lage eingeladen wird, dürfte meine Meinung herzlich wenig zu tun haben. Ich verstehe wirklich nicht, warum du dich so an meinem Statement abarbeitest.

Ich glaube, die unterschiedlichen Meinungen sind jetzt bekannt. :wink:
Der Vorschlag steht. Ulf und Philip werden ihn sicher zur Kenntnis nehmen.

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