Interview M. Voigt/ Stadt-Land-Konflikt

Wer aber auf dem Land als reicher Mensch aus gesundheitlichen Gründen oder wegen der Überzeugung, dass dies nicht nachhaltig ist oder warum auch immer verzichten will oder muss ist gleichermaßen betroffen.

Ich sehe das komplett anders: Die Parteizugehörigkeit sollte mit den eigenen Werten möglichst deckungsgleich sein. Werte und Interessen sind oft alles andere als das selbe. Um mal ein wenig Gramsci zu paraphrasieren: Echte Veränderung kann es nur geben, wenn ein kritischer Teil der „Mächtigen“ in einer Gesellschaft die eigenen Interessen (= Machterhalt) verrät und sich stattdessen von den eigenen Werten leiten lässt.

Ah, die beliebte Forderung nach „objektivem, neutralem Journalismus“. Kein Mensch und entsprechend auch kein Journalist kann jemals „objektiv“ oder „neutral“ sein. Dazu sind wir schlicht nicht in der Lage.

Entsprechend entsteht „guter“ Journalismus nicht durch „Objektivität“, sondern durch Transparenz. Wenn mir ein Journalist sagt, dass er/sie „objektiv“ ist, dann weiß ich nur, dass ich angelogen werde. Aber ich weiß nicht aus welcher Richtung. Wenn mir ein Journalist dagegen offenlegt, mit welcher Art der Befangenheit er in ein Thema reingeht, dann kann ich seine Berichterstattung richtig für mich einordnen.

Das ist es, was Formate wie die LdN für mich so wertvoll macht: @vieuxrenard und @philipbanse sind (nach meinem Eindruck) extrem Transparent über die Einflüsse denen sie unterliegen. Dass die beiden eine Meinung haben, die ihre Berichterstattung (und Interviewführung) prägt ist doch klar. Das wäre ja auch beim ach so objektiven Chefredakteur der FAZ oder Welt nicht anders. Bei der LdN habe ich aber das Gefühl zu verstehen, welche Meinung tatsächlich vertreten wird und woher sie kommt.

Kommt drauf an, aus welchem Wald der Baum kommt. Extrembeispiel Regenwald: wenn ich den Rode, dann ist das CO2 der Bäume nur ein kleiner Teil der insgesamt verursachten Emissionen. Bei naturnahen Wäldern ist ein großer Teil des CO2 im Boden gespeichert und wird durch die Rodung ebenfalls freigesetzt. Dieses CO2 kann auch durch Aufforstung einer Plantage nicht mehr vollständig gebunden werden.

Klar, aber diese Gruppe ist glaube ich recht klein (dafür aber sympathisch :wink: ). Umgekehrt kann ein armer Mensch nicht einfach „entscheiden“, dass er doch lieber ein Auto hätte. Auch Wahlfreiheit ist ein Privileg.

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Wenn wir temporäre Gründe gegen Auto mitzählen sind viele davon betroffen. Ich kenne mehrere (Führerscheinentzug nicht mitgezählt).

Das fängt beim Kreuzbandriss in der Kreisliga an und geht eben weiter bis zu Leuten die mit 60 aufgrund einer aufgrund einer Augenerkrankung nicht mehr fahren können. Eine 18-Jährige die erst mit Anfang 20 fahren kann, weil sie erst da die Medikamente gegen Epilepsie absetzen durfte.

Und dann natürlich noch der Faktor Zeit bei Kindern und Jugendlichen. Was nützt es wenn die Eltern zwar 2 Autos haben aber keine Zeit einen von den Freunden in der Stadt abzuholen.

Und so profitieren dann doch wieder alle davon.

Rein wirtschaftlich sind natürlich die ärmeren mehr am profitieren, wenn sie die Möglichkeit haben das Auto durch ein 49 Euro Ticket zu ersetzen

Transparenz und die Einhaltung von anerkannten Richtlinien, wie denen des Deutsche Journalisten -Verband (DJV) können sicherlich Qualitätsjournalismus fördern. Objektivität und Neutralität sind sicherlich Eigenschaften im Journalismus, welche die Autorität und Glaubwürdigkeit von Journalisten fördert. Wenn es nur darum geht, die eigene Echokammer zu befeuern, befürchte ich, dass niemand mehr für die Argumente der anderen empfänglich sein wird und somit der Diskurs am Ende auch gestorben.

Absolut. Aber reiche Menschen haben viel mehr Ausweichmöglichkeiten.

Meine Oma fährt selbst kein Auto mehr. Aber sie ist mit einer großzügigen Beamtenpension versorgt und hat drei sehr gut situierte Kinder, da kann immer jemand die Zeit machen sie zu fahren oder sie zahlt halt ein Taxi. Auch mal für 400km.

Die Wahrscheinlichkeit dass du als Kind dahin kommst wo du hin willst ist aber erheblich höher, wenn in dem Haushalt zwei Autos sind.

Bei diesen Dingen geht es ja nicht um ja/nein, sondern um aggregierte Statistik, die sich aber in der Lebensrealität armer Menschen knallhart ausdrückt. Wer das in der Problemanalyse und Ausarbeitung von Lösungen nicht berücksichtigt, der entwickelt am Ende Lösungen, die bestehende Ungleichheiten nur replizieren oder sogar verstärken.

Grundsätzlich stimme ich dir beim ÖPNV aber zu, dass das gerade für ärmere Menschen überdurchschnittlichen Benefit bringt.

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Ich warte immer noch auf einen Nachweis oder ein Argument, wie ein Journalist „Objektiv“ sein kann. Jeder Mensch bringt sein eigenes Gepäck aus Erfahrungen, Weltanschauung und Verständnisfähigkeit mit. Es gibt sicherlich Einflüsse, denen man sich als Journalist entziehen kann, wenn man will – z.B. indem man keine Anteile von Unternehmen hält, über die man berichtete. Aber wie soll denn z.B. die Ehefrau des Vizekanzlers und FDP-Parteivorsitzenden „objektiv“ über Politik berichten? (Und der Mann hat gleich zweimal eine Journalistin geheiratet.) Gleichzeitig ist es aber doch Schwachsinn, jemandem nur wegen seinem Partner Berufsverbot zu erteilen.

Diese Art der persönlichen Befangenheit ist natürlich extrem, aber „im Kleinen“ gibt es das bei jedem Journalisten. Alle sind auf irgendeine Art und Weise erzogen worden, Leben irgendeine Art Leben, haben irgendeine Weltanschauung entwickelt die direkten Einfluss auf ihre journalistische Tätigkeit hat. Das ist auch nicht schlimm. Man muss nur transparent damit umgehen.

Wie gesagt: Wirklich vorsichtig sollte man nur werden, wenn ein Journalist behauptet er/sie könne „neutral“ über irgendwas berichten.

Das hat mit Echokammern nichts zu tun.

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Journalismus ist per Definition ein Tendenzbetrieb, analog zu Parteien oder Religionsgemeinschaften. Was man aber erwarten kann/sollte, ist eine erkennbare Trennung zwischen sachlicher Faktendarstellung (die aber nicht völlig objektiv/neutral sein kann, da die Auswahl und Aufbereitung der dargestellten Fakten zwangsläufig auch subjektiven Kriterien folgen wird) und wertender Kommentierung.

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Der Umgang von Franca Lehfeldt (Ehefrau von Christian Lindner und Louis Klamroth (Partner von Luisa Neubauer) müssen nach meinem persönlichen Empfinden peinlichst genau darauf achten, so objektiv wie möglich zu sein und zumindest Louis Klamroth glaube ich dies auch. Von Franca Lehfeldt habe ich bisher noch nichts gelesen, gehört oder gesehen. Da gehört sobald es einen Interessenskonflikt hin, dass wie in einem Rechtsverfahren auch, diese Menschen in diesem speziellen Kontext, von der Berichterstattung ausgeschlossen werden. Niemand will den Ex-Schwiegervater als Richter bei der eigenen Scheidung.

Es gibt Leitlinien und Kodexe die neutral und allgemeingültig verfasst wurden und anzuwenden sind. Dazu gehört bspw. der Pressekodex des Presserates [1], der Ethik-Kodex deutscher Fachjournalisten [²]. Darüber hinaus gibt es in der Wissenschaft Methoden um Fragebögen [3] möglichst neutral zu formulieren, auch dies kann sicherlich hilfreich sein.

Mir ist natürlich durchaus bewusst, dass es selbst dabei noch Möglichkeiten der unterschwelligen Einflussnahme gibt bspw. durch die Auswahl der Themen. Dennoch wäre wenigstens der Versuch schön, neutral und objektiv zu bleiben. Im Normalfall kann durch die Zugehörigkeit zu einem Verlagshaus relativ zuverlässig die Position von Journalisten abgeleitet werden.

Dann habe ich allerdings eine frage @ped: Inwiefern ist denn LdN transparent?

Quelle:
[1] Pressekodex - Presserat
[2] Ethik-Kodex | DFJV Deutscher Fachjournalisten-Verband
[3] Fragebogenkonstruktion | Methodenportal der Uni Leipzig

@vieuxrenard und @philipbanse legen (für meine Begriffe) recht umfänglich mögliche Konflikte offen und diskutieren welche persönlichen Beziehungen und Erfahrungen sie mit dem diskutierten Themenkomplex haben. Sie listen ehemalige und gegenwärtige Sponsoren auf der Webseite und markieren im Podcast konsequent „bezahlte“ Segmente. Es gibt eine umfassende Liste der Mitarbeitenden. Und ich denke jeder, der die LdN über längere Zeit hört wird bestätigen können, dass die beiden sehr offen damit umgehen, wenn sie eine persönliche Meinung vertreten und erklären, wie sie zu dieser Meinung gekommen sind.

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So, ich denke, es wird Zeit, zur eigentlichen Diskussion zurückzukehren.

Wir werden hier nicht diskutieren, wie die Lage aufgestellt ist. Jeder regelmäßige Hörer weiß das.

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Es geht nicht um jede „exotische“ Lebenssituation, sondern um die Feststellung das es nicht die eine Standardlösung für alle gibt und dann zumindest Alternativen mitgedacht werden müssen.

Wenn man jetzt das neue Rathaus baut und da kommt am Eingang jetzt die Standard-Treppe hin, kann ich dem Rollstuhlfahrer oder der älteren Dame mit dem Rollator schlecht sagen, ihr seid halt Exoten, seht zu wie ihr klarkommt.
Es sei denn wir geben das Prinzip der solidarischen Gesellschaft komplett auf, weil es uns zu umständlich ist.

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Ich fand das Interview klasse, letztlich bin ich froh, dass Hr. Vogt sich dem ausgesetzt hat. Dass es kein Spaziergang wird und er in der LdN keine neuen Wähler*innen gewinnt, muss ihm klar gewesen sein. Ich zolle allen Respekt, die sich überhaupt kritischen Interviews aussetzen und damit eine demokratische Meinungsbildung ermöglichen. Sogar in Bezug auf zu Populismus und Desinformation würde ich milder urteilen. Einen ständigen Expertenpulk um sich zu haben, können sich die wenigsten leisten, sie sollen aber zu allen Themen möglichst exakte und überprüfbare Fakten zitieren, um ihre Haltung zu begründen. Das verlangen wir als kritische Zuhörer natürlich. Ein „das weiß ich nicht“ akzeptieren wir nicht. Unter diesem Anspruch werden als Folge Halbwahrheiten zitiert und Parolen ersetzen Erklärungen. Das soll keine Entschuldigung sein, sondern eine Einladung, weiter derart gepolte Interviewpartner einzuladen.
Das Forum spiegelt wieder, was das an Energie erzeugt.

Ich gebe @rich05 absolut recht. Es ist erstmal sehr positiv zu bewerten, dass es dieses Interview gab.

Was mir persönlich etwas gefehlt hat und oft fehlt ist die Reflektion der CDU mit ihrer Agrarpolitik von 2005 bis 2021 und ihre Verantwortung für das massive Höfesterben, gerade auch im ländlichen Bereich.
Die Probleme der Bauern, genauso wie des ÖPNVs, der Bildung sind ja nicht in den letzten 3 Jahren entstanden. Auch wenn viele populistischen Vertreter das so darstellen und den Bremsklotz für Wandel gerne aus dieser Nebelkerze gießen.

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