Internet für die Menschen im Iran

Guten morgen zusammen,

gerade las ich folgenden Artikel vom WDR: Internetsperre im Iran: Mit Snowflake kann man helfen - Nachrichten - WDR

Hierhin wird Snowflake als Option genannt, den Menschen im Iran zu Internet zu verhelfen. Auch wenn der WDR sich bestimmt bemüht hat, das gut zu erklären bleiben bei mir Fragen und da dachte ich als erstes an euch, weil ihr die Fachkenntnisse mit Sicherheit habt: Würdet ihr das empfehlen, sich Snowflake runterzuladen? Gibt es irgendwelche Risiken dabei? Wie genau geht das?

Ich fände klasse, wenn ihr da im Podcast kurz drauf eingehen würdet - ich kann mir gut vorstellen, dass es aktuell ganz vielen Leuten so geht wie mir und viele davon die Lage hören.

Mit besten Grüßen aus Erlangen,

Wiebke

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Exakt.
Ali Hackalife erklärt es in seinem Podcast genauer (relativ weit am Anfang) und sein Co-Host Basti bietet Hilfe an:

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Ab 13:17 geht es los. Kurzanleitung:

  1. Diese Webseite öffnen.
  2. Nach unten gehen und bei „Install the browser addon“ auf die Schaltfläche zur Installation klicken.
  3. Rechts oben bei den Browser-Erweiterungen auf Snowflake klicken.
  4. Snowflake aktivieren. Dafür muss den Bedingungen zugestimmt werden.
  5. Optional: Die Erweiterung kann so eingestellt werden, dass sie weiterläuft, wenn der Browser geschlossen ist, für maximale Wirkung.

Die Nutzung verbraucht so gut wie keine Daten (bremst also den eigenen Verkehr nicht merklich aus) und ist sicher. Niemand erhält Zugriff auf den eigenen Datenverkehr.

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So wie ich das verstehe, fungiert man als eine Art Proxy-Server. Den worst case könnte ich mir so vorstellen, dass über die eigene IP “sehr” illegale Dinge passieren.

Ich habe Snowflake schon seit Jahren installiert, dachte aber, dass es gerade jetzt eher nichts bringt, solange das Internet im Iran abgestellt ist. Habe ich da einen Denkfehler?

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Hier aus dem o.g. WDR-Artikel:

„Der iranische Sicherheitsapparat … hatte die Bevölkerung weitgehend vom globalen Internet abgeschnitten. Die Technik dort ist so zentralistisch organisiert, dass … [iranische IP-Adressen für ] Verbindung mit der Außenwelt gekappt [sind]. „In Deutschland oder anderen europäischen Ländern wäre das nicht möglich“, sagt WDR-Digitalexperte Jörg Schieb.

…es gibt Möglichkeiten - quasi für jedermann - die Menschen im Iran zu unterstützen. Wer einen Rechner zuhause hat, kann Bandbreite spenden. … „Snowflake“.

„… eine kostenlose Erweiterung, die sich jeder auf den PC oder aufs Handy laden kann“, erklärt WDR-Netzexperte Jörg Schieb. „Das Plugin als Erweiterung läuft in allen gängigen Chromium‑Browsern wie Chrome, Edge, Brave oder Opera und als Add-on auch in Firefox.“

„Snowflake“ ist ein Projekt vom Tor-Netzwerk. Der Tor-Browser ist ein Browser, der anonymes Surfen über das Darknet ermöglicht. …ist in Ländern wie dem Iran aber auch in Russland oder China wichtig, um Kommunikation aufrecht zu erhalten.

Wenn „Snowflake“ auf dem Rechner aktiv ist, [wird die eigene IP-]Adresse … vom Tor-Browser [des Iraners] verwendet. Damit wird also das eigene Internet über das Tor-Netzwerk anderen Menschen zur Verfügung gestellt. … Für ein Regime ist es zwar möglich einzelne IP-Adressen auch im Tor-Netzwerk zu blockieren, aber eben nicht alle [ständig wechselnde]. …

In Deutschland ist es legal, einen Teil seines Datenvolumens also seiner Bandbreite zu teilen. Auch ist es hier erlaubt, das Darknet zu benutzen.

„Das Plugin wird im Browser installiert. Darüber ist kein Zugriff auf persönliche Dokumente und andere Daten auf der Festplatte oder im Speicher möglich“, erklärt WDR-Digitalexperte Jörg Schieb. … Das Tor‑Projekt gelte seit vielen Jahren als eines der wichtigsten Werkzeuge für anonyme, zensurresistente Kommunikation und werde weltweit von Journalistinnen, Aktivisten und Oppositionellen genutzt.

… die Menschen … können [statt dessen] versuchen, über Starlink ins Netz zu kommen. Der Satelliten-Internetanbieter bietet im Iran seinen Dienst mittlerweile kostenlos an. Um Starlink zu nutzen, braucht man spezielle Antennen und Empfangsgeräte. Sie sind im Iran verboten, wurden aber ins Land geschmuggelt.

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Das ist technisch nicht korrekt. Im Iran herrscht aktuell ein vollständiger Internet-Blackout. Vereinfacht: Das Regime betreibt eine Art Iran-Netz, das an das Internet angebunden ist. Das Iran-Netz ist vollständig abgeschaltet, daher hilft TOR und Snowflake auch nicht. Iraner kommen nur in das Iran-Netz.

Da Musk Starlink für Iran aktiviert hat, ist das aktuell die einzige relevante Option für Iraner, um ins Internet zu kommen. Via Starlink brauchen sie aber keine Maskierung (TOR/Snowflake).

Problematisch ist, dass das Mullah-Regime (edit Mod.) inzwischen Starlink-Signale stören und die Nutzung ohnehin nur mit einer Starlink-Antenne möglich ist. Auf den Besitz dieser Antennen steht meines Wissens die Todesstrafe.

Snowflake/TOR hilft hingegen in Ländern wie China und Russland, die Traffic beobachten und punktuell unterbrechen und keinen vollständigen Internet-Blackout ausgelöst haben.

Erg.: From Regional Disruptions to Nationwide Blackouts: Examining Iran’s Internet Status Amid Escalating Protests - Filterwatch

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Habe allerdings auch von Berichten gehört, dass es in Teilen Irans teilweise Verbindungen gibt. Wer weiß, wie es wirklich ist… Evtl. kann Snowflake doch helfen.

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Ich möchte nicht gegen Snowflake reden, es ist eine super Sache, aber aktuell für die Iraner nutzlos. Den Menschen dort würden mehr Starlink-Antennen helfen.

Sobald der Internet Blackout dort beendet wird, profitieren aber alle davon (und davor eben Chinesen und Russen). Den Blackout können sie nicht ewig aufrecht halten, weil es zugleich ein extremer Angriff auf die eigene Wirtschaft ist (oder sie machen es wie Nordkorea).

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Ich bin nicht sicher, dass aktuell wirklich alles gekappt ist. Kannst du eigentlich auch nicht sein.
Man wird sehen.

In dem oben verlinkten Podcast hieß es, dass das „Iran-Netz“ eben nicht vollständig abgekoppelt sei, da das Regime selbst die Verbindung zu bestimmten Servern (u. a. von Microsoft) brauche. Und diese Verbindungen könnten wiederum mit entsprechender Software „gekapert“ werden. Daher mache auch Snowflake Sinn. Ich kann nicht einschätzen, ob das stimmt, ich gebe nur wieder wie ich es verstanden habe.

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https://talk.lagedernation.org/t/aw-internet-fuer-die-menschen-im-iran/31341

Hier die von mir recherchierte - bin kein Techi und kann das nicht beurteilen:

Im Iran gibt es seit dem 8. Januar 2026 keinen vollständigen Blackout, sondern eine nahezu totale Abschottung vom globalen Internet (Konnektivität unter 1%), wobei das National Information Network (Iran-Netz) zunächst auch offline war, aber teilweise wiederhergestellt wurde.[1][2][3]

Blackout-Status

Der Shutdown betrifft primär den internationalen Zugriff, mit Traffic auf unter 0,01% des Normalwerts; das Iran-Netz für lokale Dienste wie Banken und Regierungsseiten wurde nach anfänglicher Unterbrechung selektiv reaktiviert. Es handelt sich um eine „Kill-Switch“-Maßnahme gegen Proteste, nicht um eine dauerhafte totale Abschaltung.[2][4][5][6][1]

TOR und Snowflake

TOR und Snowflake funktionieren weiterhin, da sie dezentrale Proxies über WebRTC nutzen, die Zensur umgehen und iranischen Nutzern Zugang zum freien Internet ermöglichen – Berichte bestätigen aktive Aufrufe zur Unterstützung gerade jetzt. Die Tools werden explizit als wirksam gegen diese Sperre empfohlen, trotz Jamming von Alternativen wie Starlink.[3][7][8][9][10]

Halali-Netz-Zugang

Iraner können nicht „nur ins Iran-Netz“, da Snowflake-Brücken (von externen Proxys) den Einstieg in das TOR-Netzwerk erlauben und so globalen Traffic tunneln; kurze Konnektivitätsfenster und dezentrale Proxies machen dies möglich.[7][1][3]

Quellen

[1] 2026 Internet blackout in Iran 2026 Internet blackout in Iran - Wikipedia
[2] What we know about Iran’s Internet shutdown What we know about Iran’s Internet shutdown
[3] How Iran cut off the internet – and Iranians reconnected to … How Iran cut off the internet – and Iranians reconnected to the world – The Irish Times
[4] January 12, 2026 - Iran protests updates https://www.cnn.com/world/live-news/iran-protests-01-12-26
[5] The Islamic Republic’s Digital Siege: Iran’s Unprecedented … The Islamic Republic's Digital Siege: Iran's Unprecedented Internet Blackout and Its Geopolitical Implications — Foreign Affairs Forum
[6] Iran’s internet kill switch project in final stages - sources Iran’s internet kill switch project in final stages - sources | Iran International
[7] How you can help the Iranian people get online Iran: Censorship, internet blackout and how Tor Snowflake can help | blue News
[8] Is Starlink helping Iranians break internet blackout, and … Is Starlink helping Iranians break internet blackout, and how does it work? | Telecommunications News | Al Jazeera
[9] Internetsperre im Iran: Mit Snowflake kann man helfen Internetsperre im Iran: Mit Snowflake kann man helfen - Nachrichten - WDR
[10] Internetsperren im Iran: Mit „Snowflake“ kann jeder helfen Internetsperren im Iran: Mit "Snowflake" kann jeder helfen
[11] There’s an internet blackout in Iran. How are videos and … How people in Iran are using Starlink to get around the internet blackout : NPR
[12] Iran’s Internet Blackout Concealing Atrocities Iran’s Internet Blackout Concealing Atrocities | Human Rights Watch
[13] Starlink reportedly made free in Iran - but protesters are … Starlink reportedly made free in Iran - but protesters are taking huge risks by using it
[14] Why Iran’s communication blackout could become permanent Why Iran's communication blackout could become permanent
[15] Iran Is Cut Off From Internet as Protests Calling for Regime … https://www.nytimes.com/2026/01/08/world/middleeast/iran-protests-internet-shutdown.html

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Vorweg: TOR und Snowflake sind Möglichkeiten, aber keine perfekten Lösungen. Die gibt es auch nicht.

Alles sieht ja danach aus, dass die Führung des iran erst einmal sämtlichen Datenverkehr in und aus ihrem Netz komplett abgestellt hatten. Hier hilft auch TOR nicht weiter, sondern nur alternative Wege über die Luft, sprich Satelliten (und darunter auch Starlink). Dafür braucht man aber technische Geräte, die lassen sich finden und entfernen, wenn man nur genügend Manpower und Willen dafür hat. Laut Artikeln ist genau dies geschehen, technische Möglichkeiten der Satelittenkommunikation werden vom Staat entfernt. Das wird vermutlich nie vollständig funktionieren, aber siehe Nordkorea gut genug.

Dann musste man aber doch Internetverkehr zulassen, alleine der Banken und der diplomatischen Kommunikation wegen. Also macht man die Blockade gezielt auf. Hierbei passieren bei derart komplexen Systemen auch schon einmal Fehler, zu viel wird geöffnet. Hierbei kann es natürlich auch dazu kommen, dass Proxy Systeme wie TOR oder Snowflake funktionieren. Ob das auf Dauer trägt halte ich für fraglich, man kann das schon technisch verhindern, wenn man nur will. Mit den ganzen Konsequenzen eines nicht wirklich funktionierenden Netzes für den Großteil der Menschen.

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Die Cloudflare-Daten sind recht klar. Das Internet ist abgeschaltet. Cloudflare ist ein Infrastrukturanbieter, der einen signifikanten Anteil des weltweiten Traffics abwickelt.

Seit einer Woche ist der Iran über normale Zugänge abgeschnitten.

https://radar.cloudflare.com/traffic/ir?dateRange=14d

Militäreinrichtungen, Geheimpolizei etc. haben wahrscheinlich noch teilweise Konnektivität (der Rest-Traffic, den @tilrq erwähnt) zur internen Abstimmung, aber ich halte es nicht für glaubhaft, dass dort Dissidenten sitzen, die aus der Polizeistation Videos hochladen oder sich mit anderen Regime-Gegnern vernetzen würden.

Wenn eins sicher ist, dann dass das Regime keine Konnektivität zu Microsoft braucht. Iran ist durch die USA strikt sanktioniert, Microsoft darf dem Iran keine Dienste anbieten und tut es auch nicht über Dritte.

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Herzlichen Dank an Alle für die rege Beteiligung zu diesem Thema! Ich muss gestehen, dass ich nach wie vor nicht weiß, ob und wie ich den Menschen helfen kann.

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Du kannst ihnen aktuell leider nicht wirklich helfen.

Spenden an Iran Human Rights, Hengaw oder andere Exil-Organisationen sind sicher sinnvoll, weil sie den wenigen verfügbaren Informationen mehr Exposure zutragen.

Snowflake zu installieren schadet aber grundsätzlich auch nicht, insbesondere wenn die Mullahs Internet wieder ermöglichen, können die Iraner zukünftig profitieren (sofern sie im Iran nicht vollständig auf Nordkorea-Modus umstellen).

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Microsoft ist Microsoft.com. Keine Ahnung, was microsoftiran.net sein soll, aber sicher nicht Microsoft. Dein anderer Link zur Selbstbeschreibung von “Microsoft Iran” ist übrigens auf sites.google.com abgelegt. Wenig überzeugend.

Sieht mir eher nach fake reseller aus. Vielleicht auch Scam.

Aus meiner Quelle oben (von Microsoft.com):

A party may not transfer the software or services without U.S. Government permission to (a) anyone on the U.S. Treasury Department’s lists of Specially Designated Nationals (including the Government of Iran, Government of Cuba, prohibited members of the Cuban Communist Party), or […]

Domain whois Microsoft.com:

Domain whois Microsoftiran.net:

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