In der Folge 313 oder 314 wurden ja junge Leute befragt, wie es ihnen gerade finanziell geht. Und dann sagt eine so sinngemäß „ja jetzt fängt man an, sich jedes Mal zu fragen „brauche ich das jetzt wirklich?““ und hat das als sehr negativ dargestellt. Aber diese Frage sollte man sich doch sowieso immer stellen, bevor man etwas kauft. Wenn das die vorherrschende Einstellung ist, ist es ja kein Wunder das der Planet in Konsum, Profit und Müll versinkt. Und dass man als Azubi/Student/etc. weniger Geld zur Verfügung hat als später im Berufsleben ist ja auch ganz normal. Klar ist es oft sehr wenig, ich erlebe das ja auch als Studentin, aber trotzdem: wenn man das Geld zum Fenster hinauswirft, ist es ja auch kein Wunder.
Kommt auf die Art der Konsumkritik an.
Wie du richtig sagst bedeutet Geld Teilnahme an der Gesellschaft (und ihren Ressourcen, daher Waren und Dienstleistungen). So weit haben wir tatsächlich kein Problem, wenn Menschen ihr Geld verschwenden - so lange die Ressourcen nicht strikt begrenzt oder reine Luxusgüter sind (z.B. Diamanten). Daher: Wenn jemand meint, jeden Tag zum Frisör gehen zu müssen, schafft er damit zumindest Arbeitsplätze, die verwendeten Ressourcen sind nicht so knapp, dass das ein Problem wäre. Ebenso wenn jemand meint, Millionen für teuren Schmuck ausgeben zu müssen.
Sobald wir jedoch von kritischen Ressourcen sprechen, wird dieser „verschwenderische Konsum“ problematisch. Wenn z.B. das typische FDP-Klientel meint, es sei okay, mit einem 20-Liter-auf-100-km-fressenden, über-motorisierten Sportwagen auf der Autobahn rumheizen zu dürfen, „weil er das Benzin und das Auto ja schließlich bezahlt habe“, kommen wir genau in diese Problemlage. Oder wenn wohlhabende Menschen weiterhin ihre Gas-Heizungen auf gemütliche 24° laufen lassen, während wir überlegen, aus Gasmangel einschneidende Maßnahmen in Kraft setzen zu müssen…
Der CO2-Ausstoß ist global strikt beschränkt und desto mehr wir es einzelnen Extremen erlauben, das CO2-Budget der Gesellschaft durch extreme Verschwendung zu vergeuden, desto mehr müssen sich andere, die sich diesen Luxus nicht leisten können, einschränken.
Diese Konsumkritik ist daher letztlich auch nur eine Form der Kapitalismus-Kritik. Und diese Frage wird lauter werden, je strikter wir global den CO2-Ausstoß reduzieren wollen. Daher: Wenn die Verbraucherpreise durch eine CO2-Bepreisung so weit steigen, dass die normale Arbeiterfamilie in Nöte gerät, aber der Millionär weiter auf seiner Yacht um die Welt schippert, wird - mit Recht - wieder mehr über die Verteilungsgerechtigkeit gesprochen werden müssen.
Der Grundgedanke ist: Geld sollte nicht das Recht geben, CO2 zu verursachen. Zumindest nicht grenzenlos. Wünschenswert wäre ein progressiver CO2-Preis für jeden einzelnen Bürger, daher: Die ersten X Tonnen sind kostenlos („Grundbedarf“), alles darüber wird progressiv immer teurer - und zwar in einem Maß, dass auch ein Milliardär sich nicht alles leisten kann (exponentielles Wachstum lässt grüßen!). Das wäre ein gerechtes System - leider aber nicht umsetzbar, vor allem nicht ohne den völlig transparenten Bürger, was natürlich auch niemand will. Daher gibt es für dieses Problem keine gute Lösung - egal wie hoch ein CO2-Preis gesetzt wird, er kann nicht hoch genug sein, als dass die Reichen ihren Lebenswandel ändern werden, ohne dass die Armen daran zu Grunde gehen.
Um auf den Ursprungspost zurück zu kommen:
Jeder sollte sich stets fragen müssen, ob ein bestimmter Konsum wirklich sinnvoll und notwendig ist, sobald begrenzte Ressourcen betroffen sind. In der Realität müssen sich leider nur arme Menschen diese Frage stellen. Auch die Klimawende droht so, auf dem Rücken der Ärmsten ausgetragen zu werden, wie fast jede Krise zuvor auch. Leider.