Das demokratische und aufgeklärte Europa.
Ganz genauso sehe ich das auch. “Russe”, Rußland” ist alles entmenschlicht und verteufelt ein ganzes Volk. Es scheint bei vielen tief verwurzelt zu sein, immer gleich nach dem schuldigen “Russen” zu blicken anstatt die russische Regierung verantwortlich zu machen,. So werden 144Mio Menschen als Feinde gemacht. Ich möchte wetten, dass 99% der hier Schreibenden noch nie in der Sowjetunion oder Russland war geschweige Russisch spricht, aber eine ganz genaue Meinung von den dortigen Zuständen hat. Umso schlimmer, wenn dann nach den üblichen Schnellanschuldigungen im Kleingedruckten steht, dass es gar nicht die “Russen” waren oder es lediglich Verdachtsmomente sind (Nordstream, Drohnen, Unterseekabel).
Ich gebe dir Recht, dass das Verteufeln eines gesamten Volkes über’s Ziel hinaus schießt.
Das andere Extrem ist es jedoch, immer so zu tun, als trage die Schuld für den Krieg, der von Russland ausgeht, nur Putin und vielleicht noch einige andere „Macht-Eliten“. Das ist wieder das Muster von „Hitler hat das deutsche Volk verführt…“, was damals wie heute nicht der Realität entspricht. Es ist leider in der Tat so, dass ein beträchtlicher Teil des russischen Volkes den Krieg in der Ukraine gut heißt - und selbst ein beträchtlicher Teil der in Deutschland lebenden Russen hier mit Z-Markierungen und Russland-Flaggen durch die Straßen gecruised sind.
Beide Fehler sollte man vermeiden: Weder sollte man pauschal jeden Russen in die Haftung für den Krieg nehmen, noch sollte man so tun, als sei nur Putin das Problem. Das Problem ist eine ganze Schicht des russischen Volkes - jene nationalistische Schicht, die den Wohlstand des eigenen Landes über alles andere stellen, die der Meinung sind, dass das eigene Land bestimmte historische Rechte an anderen Ländern und Völkern habe. Im Prinzip die gleichen Leute, die in Deutschland die AfD oder in den USA Trump wählen. Und davon gibt es sowohl in Deutschland, als auch den USA, als auch Russland leider viel zu viele.
Also ich fühle mich nicht im Krieg. Wir sind in einer Rivalität, in der mit harten Bandagen gekämpft wird. Vielleicht sind wir auch in einem (System-)Konflikt analog der Stellvertreterkriege im letzten Jahrhundert. Einen Krieg nehme ich, abseits der rhetorischen Propaganda einiger russischer Funktionäre nicht wahr. Ich denke nicht, dass wir diesen Propagandisten auf den Leim gehen sollten.
Das kommt jetzt drauf an, wo man die Grenze zieht. Die hybriden Kriegsakte wie z.B. die Paketbomben, die nur mit Glück nicht an Bord des Flugzeuges hochgegangen sind, kann man durchaus mit Recht als Kriegsakt werten.
Die aktuelle Situation zwischen Europa und Russland kann man wohl zumindest als „kalten Krieg“ bezeichnen, daher: Es gibt keine nennenswerte Diplomatie mehr, weil dafür jede Grundlage fehlt, statt dessen gibt es starke Sanktionen seitens Europas und ständige Kriegsdrohungen seitens Russlands. Man muss es nicht unbedingt „Krieg“ nennen, „Frieden“ ist es aber auch nicht mehr.
Harte Bandagen? Das ist kein interner Wettbewerb um eine Stelle. Die Rhetorik aus dem Kreml (die von großen Teilen der russischen Bevölkerung getragen wird) ist deutlich. Wir sind der Feind. Und die hybriden Angriffe sind vieles, aber nicht harmlos. Ich fühle mich sehr wohl im Krieg. Ich glaube einige finden es noch sehr angenehm dass zwischen uns und Russland noch viel Ukraine, Polen und Co. liegt.
Edit: Typo
Ich denke, das verkennt den Zweck der hybriden Angriffe Russlands ebenso wie die scharfe Rhetorik von Medwedew und anderen.
Es handelt sich dabei nicht um einen unmittelbaren Hinweis auf einen Krieg, sondern um den Versuch der stärkeren Seite zu demonstrieren, wie weit sie bereit wäre, ihren Einsatz über das bislang akzeptierte Maß hinaus zu erhöhen. Die Botschaft lautet: Wir sind verletzlich und es existieren konkrete Pläne, diese Verletzlichkeit auszunutzen.
Ich lehne dieses Vorgehen klar ab, aber ich erkenne eine gewisse strategische Logik dahinter. Zumal die westliche Welt, die Russland offenbar als weitgehend undifferenzierten Block wahrnimmt, seit Jahren aktiv an den globalen Einflusszonen Russlands arbeitet. Seit dem russischen Angriffskrieg von 2022 sind mehrere seiner Verbündeten gekippt oder erheblich am Stuhl gesägt wurden: Syrien, Iran und Venezuela.
Bei Syrien kann man vielleicht noch naiv argumentieren, der Westen habe damit wenig zu tun gehabt. Bei Iran und Venezuela hingegen gab es klare Angriffe, Destabilisierungsversuche und Putschunterstützungen durch unsere Seite (also die USA).
Ehrlich gesagt, ich bin froh dass bisher keine schweren Attacken stattfinden oder vielleicht sogar Raketen Richtung Warschau fliegen. So wie sich der Konflikt entwickelt nehme ich Russland zumindest deutlich unter Druck wahr. Global gesehen haben sie durch den Krieg und westliche Interventionen mehr verloren als gewonnen.
Du hast Armenien vergessen. Das war der erste Fall, in dem Russland einem offiziell Verbündeten in keiner wirksamen Weise gegen einen verhältnismäßig schwachen Angreifer (Aserbaidschan, unterstützt von der Türkei) helfen konnte, obwohl die angegriffene Region (Bergkarabach) extrem gut zu verteidigen gewesen wäre.
Zum Glück wäre das eine merkwürdige Logik: Weil wir uns im Krieg an der kleinen Ukraine verschluckt haben und unsere anderen Verbündeten auf der Welt nicht retten konnten fangen wir nun einen Krieg gegen einen 20x größeren Gegner an? Also egal wie verblendet Putin sein mag, so doof kann er nicht sein.
Sieh es mal in Analogie zum Iran. Durch hybride Angriffe zeigt er, dass er auch einen stärkeren Gegner, der bereits seine Verbündeten wegputscht oder sogar bombardiert, empfindlich treffen kann.
Im Sinne von „treibt es nicht zu weit, sonst beißen wir irgendwann richtig zu“. Dass Russland in eine Lage gebracht werden könnte, in der sie nicht nur Eisenbahnschienen sabotieren oder explosive Pakete verschicken, sondern bspw. durch eine Cyberattacke ganze Länder in den temporären Blackout befördern, daran habe ich keinen Zweifel.
Wenn es dir um die Rhetorik geht: das kann die BRD auch. Übrigens auch die Lage selbst, da kann man immer häufiger und ganz ausdrücklich hören, wer der Feind ist.
Naja, da liegen aber noch Welten zwischen.
Sowohl die deutsche Politik als auch die Hosts der LdN machen immer wieder sehr deutlich, dass man keinerlei Interesse an einem Krieg mit Russland hat. Dass man einen solchen Krieg in jedem Fall verhindern müsse.
Medwedew hingegen lässt keine Chance ungenutzt, europäischen Ländern (inklusive UK) mit dem nuklearen Holocaust zu drohen. Willst du das ernsthaft vergleichen und zum Ergebnis kommen, dass es eine ähnliche Tragweite hätte?
Ich habe mehr Angst vor einem Russland der kleinen Nadelstiche als vor einem Russland, das offen den Krieg erklärt. Momentan sehen viele in Europa noch billiges Gas und Brennstoff für Atomkraftwerke. Wenn das nicht mehr da ist und Russland eine echte Gefahr, steht Europa zusammen und auch China und USA werden das nicht gut heißen.
Was auch höchste Zeit war, schließlich hat Russland mit seinen Aggressionen darum gebettelt endlich so gesehen zu werden. Und so kann man sich endlich von den naiven Politikern wie Mützenich, Stegner, Wagenknecht und co lösen.
Dann sind wir wohl auch im Krieg mit der Ukraine die durch die Sprengung der Pipeline die deutsche Infrastruktur direkt angegriffen hat.
Und wo bleiben die Sanktionen nach dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA auf den Iran.
Ich bin nicht im Krieg mit Russland. Habe keine Lust mich in den Schützengraben zu legen und auf der anderen Seite jemanden zu erschießen nur weil Politiker es nicht hinbekommen. Und die Bürger auf der anderen Seite denken genauso. Zumindest die die kennengelernt habe.
Interessant wäre, wie man uns in der russischen Bevölkerung sieht.
Sind wir die „bösen Deutschen“ oder Westen, der Russland angreifen und unterjochen will?
Bilder in Köpfen werden ja auch „gemacht“…
Das ist falsch. Nordstream gehört Gazprom und ist somit keine deutsche Pipeline. Somit war, sofern es direkt von der ukrainischen Regierung ausging, ein Angriff auf russische Infrastruktur und somit Teil der Verteidigung.
Du meinst den Mörder Putin oder? Alles andere wäre halt nicht wahr. Weil die anderen Staatschefs ständig versuchten zu reden und wir haben ja auch lange genug Geld zum Morden in Putins Kasse gespült und tun es noch.
Erstens wer verlangt das gerade? Und zweitens was machst du wenn Russland hier einmarschieren will. Immer mit dem Wissen dass Folter, Vergewaltigung und Kindesentführung zur Kriegstaktik Russlands gehören? Ich hoffe doch dass du dann in der Logistik oder so hilfst, weil fliehen wäre egoistisch und dann bitte auch nicht mehr wieder kommen.