Das ist ein Kommentar zum Signal-Fishing in der Lage 476
Wieso ist eigentlich auchhier wieder automatisch “der Russe" schuld? Wie Sie sel dr berichten, haben auch die Amerikaner skrupellos spioniert - und sicher auch noch andere. Wie war das noch zu Angela Merkels Zeiten? “Ausspionieren unter Freunden geht gar nicht" . Hat aber nix genützt, dem Freund war das egal. Deshalb schade, wenn Sie … nur nach Osten gucken bei Fishing und anderen Cyberattacken. Genau wie es derzeit weit verbreitet ist in Politik und Medien. Entweder sind die Russen oder die Migranten ( nicht bei Ihnen zum Glück!
Die USA würden mit Sicherheit nicht einen Fishing-Angriff starten, sondern Google ins Pentagon einladen und fragen, ob da nicht was geht. Und wenn die sich quer stellen, hinterherschieben, ob man sich wirklich Trump zum Feind machen möchte.
Kleine Anmerkung am Rande: Formulierungen wie “der Russe” sind politisch problematisch. Die Nazis haben diese Bezeichnungen aus wissenschaftlichen Kontexten übernommen und missbraucht. Wie? “Der Russe” impliziert eine charakterlich homogene Masse ohne Individualität, ist also eine Form der Entmenschlichung. ‘Dem Russen’ wurden natürlich gefährliche Eigenschaften zugeschrieben, um Hass und Furcht zu schüren.
Verstehe das bitte nicht als Angriff auf dich persönlich, das ist vielmehr als Hinweis gedacht. Die Denkmuster hinter dieser Bezeichnung sind vielen Leuten nicht bekannt, wir sind aber (hoffentlich) als Gesellschaft schon etwas weiter.
Natürlich ist auch “die Russen” noch sehr unpräzise aber es lässt immerhin Raum für Heterogenität und Menschlichkeit.
Erstens sind wir im Krieg mit Russland, mag einigen nicht passen, aber ist nun mal ein Fakt. Außerdem hat Russland schon oft, wie in der Lage beschrieben, solche Angriffe gefahren. Es ist ehr gruselig, dass wir trotzdem noch mit diesem fragwürdigen Staat mit seinem Diktator gedealt haben. Hinzu kommt, dass es viele verschiedene Geheimdienste bestätigen und dann sollte man auch dem Wahrscheinlichsten in Auge sehen. Und die USA müsse wahrscheinlich wenn leider nicht mit solchen Maßnahmen agieren, die sind technisch noch auf ganz anderen Leveln unterwegs.
Ist das so? Bei einer negativen Aussage über „die Juden“ oder „die Araber“ oder „die Chinesen“ würde jeder vernünftige Mensch in Deutschland die Nase rümpfen. Wenn wir also korrekt sein wollen müsste es mindestens heißen „Putin-Russland“ oder eigentlich noch besser „die russische Regierung“ um den Problembären klar zu benennen und zu umreißen.
In der Nazizeit war der Russe auch faktisch falsch, die rote Armee bestand nicht nur aus Russen, sondern auch aus Weißrussen, Ukrainer, Kasachen, Armeniern, Aserbaidschaner, Kirgisen und so weiter.
Vielleicht sollte man lieber russsisch, Putin-Regime nutzen. Aber dass das Putin-Regime uns als Feind sieht, ist auch klar. Übrigens finde ich in der aktuellen Berichterstattung interessant, dass in Russland das Eis für Putin dünner wird. Das muss nicht unbedingt bedeuten, dass es in den nächsten Wochen das Regime zusammenkracht, es kann sich noch mal für Monate berappeln, aber da kann sich auch etwas entwickeln..
Wieso nicht einfach „Russland“? So wie „die USA“, „Deutschland“, „Berlin“, „die Ukraine“?
Zumal ein Angriff aus Russland nicht zwangsläufig staatlich initiiert ist. Die Trollfabriken sind zum Beispiel eigenständige Dienstleister, die zwar vom Staat finanziert werden, aber weitgehend unabhängig arbeiten.
In der Intention des TO, der ja die Konzentration auf Russland kritisieren möchte, ist dann „der Russe“ geschickt gewählt, da auf diese Weise der Eindruck erweckt wird, es würde ein Individuum angegriffen und keine gesichtslose Gruppe.
Ganz genau. Deshalb habe ich es auch in Anführungsstriche gesetzt. Es hat sich bei uns quasi eingebürgert, automatisch an KGB-Mann Putin und “sein" Russland zu denken und alles Böse diesem zuzuschreiben. Damit wird m. M. nach undifferenziert und unkritisch an einem monströsen Feindbild gearbeitet und jede Tür verschlossen wieder miteinander ins Gespräch zu kommen.
Es gab und gibt diplomatische Kontakte zum Putin-Regime. Nicht zuletzt durch die deutsche Botschaft in Moskau und die russische Botschaft in Berlin. Das ist richtig und wichtig. Insofern wird mit Putin zu jedem Zeitpunkt “gesprochen” und es gibt keinerlei Hürden für ihn, beispielsweise die Invasion der Ukraine einzustellen und einen politischen Dialog zu suchen.
Wenn aber mit “ins Gespräch kommen” eine schrittweise Rückführung der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen zum russischen Staat und zur russischen Gesellschaft auf den Status Quo Ante 2022 ohne parallele tiefgreifende Veränderungen in Russlands politischer Landschaft gemeint ist, dann lehne ich diese Idee zutiefst ab.
Der russische Neoimperialismus ist weit über Putins Person tief in der russischen Elite und Gesellschaft verwurzelt. Selbst wenn Putin irgendwann durch eine andere Person ersetzt wird, müssten wir erstmal davon ausgehen, dass das Regime die westeuropäischen Gesellschaften weiter als Feinde betrachten wird, die es zu dominieren und zu unterjochen gilt. Ich hoffe inständig, dass insbesondere die deutsche politische Spitze sich nie wieder wegen ein paar Kubikmeter Gas oder dem Export von ein paar Mähdreschern in einen naiven Scheinfrieden mit dieser Bande begibt.
Dass die aktuellen Phishing-Attacken Russland zugeschrieben werden ist naheliegend, weil auch jenseits konkreter Beweise Russland der wahrscheinlichste Schuldige ist. Wir wissen, dass Russland solche und ähnliche Angriffe regelmäßig gegen Deutschland und unsere Verbündeten unternimmt. Natürlich könnten es sich auch um einen anderen Angreifer handeln, z.B. China. Die Strafverfolgungsbehörden werden hier hoffentlich eine genaue Zuschreibung erarbeiten können. Aber selbst wenn dieser konkrete Vorgang nichts mit Russland zu tun hat, ist eine generelle Zuschreibung dieser Art feindlichen Verhaltens oder eine öffentliche Vermutung zu Russlands Verantwortung trotzdem nicht falsch.
Das trifft es besser. Besonders kompliziert wird diese Thematik eben dadurch, dass große Teile der russischen Bevölkerung Putins Imperialismus und Krieg grundsätzlich unterstützen, nur eben persönlich die Kosten nicht tragen wollen. Eine richtig gute Formulierung wüsste ich auch nicht.
Allgemeine Anmerkung zur Zuordnung solcher Attacken, nicht speziell bezogen auf die Signal-Phishing Attacke:
Geheimdienste und Polizei müssen sich schon recht sicher sein, um eine konkrete Zuschreibung zu machen. Umgekehrt gab es in der Vergangenheit auch schon Fälle, wo die Behörden explizit gesagt haben, dass sie (noch) nicht konkret sagen können, woher die Täter wahrscheinlich stammen.
Hinweise, auf die dabei in der Vergangenheit geachtet wurde:
manchmal gibt es in einer Schadsoftware einen Mechanismus, der versucht den Ort des Anwenders herauszufinden (i.d.R. über die IP-Adresse), und für bestimmte Länder stoppt die Schadsoftware dann einfach und tut nichts böses
manchmal gab es, z.B: bei Ransomware-Angriffen, eine kostenlose Entschlüsselung, wenn das Opfer einen russischen Pass übermittelt hat
in anderen Fällen konnte man zum Beispiel nachweisen, dass die Schadsoftware als erstes in Tibet oder einem Uiguren-Gebiet aufgetreten ist (was dann nur China als Urheber plausibel macht)
und schließlich erkennt man manchmal im Code von Schadsoftware, dass Kommentare o.ä, in einer bestimmten Sprache geschrieben sind (was man aber zugegebenermaßen auch einfach faken könnte)
Es sind solche Arten von Mustern, die Behörden nutzten, um Attacken einer bestimmten Gruppe bzw. einem bestimmten Herkunftsland zuzuordnen.
Alles korrekt, aber Attribution von Angriffen, speziell solche die quasi “durch jeden” durchführbar ist (wie dieser hier, dafür braucht man wenig technischen Background und Infrastruktur). Da müssen viele Hinweise der Herkunft korreliert werden. Leider wird diese Attribution selten offen gelegt, am Ende bekommt die Öffentlichkeit nur das Endergebnis mitgeteilt und muss es eben glauben.
Ich glaube nicht, dass dich das ehrlich interessiert. Wenn du in die Geschichte und Gegenwart guckst, dann wird aller Orten lebhaft mit Massenmördern, Kindesentführern, Folterern, Mördern gesprochen, z. B. mit George W. Bush, mit Alshara, mit Prinz Salman, mit Pinochet, bei uns jetzt auch wieder mit den Taliban und - nicht zu vergessen - Netanjahu
Ziemlich harter und dreister Vorwurf von jemandem, der hier ständig durch das verbreiten russischer Narrative auffällt oder durch das Relativieren der russische Aggression und dem russischen Morden.