Ich wäre da auch eher bei Myke mit Hinblick auf die Ersatzstimme.
Mit der Ersatzstimme kann ich entscheiden wo meine Stimme hingehen soll und warum.
Andernfalls kann aber der gleiche Effekt wieder eintreten, dass, nur als Beispiel, Volt die SPD als Weitergabestimme festsetzt und Voltwähler aber mit Scholz unzufrieden sind, als dass sie dann auch Volt nicht wählen, weil sie erwarten, dass die 5% nicht geschafft werden und Sorge um eine Verlängerung der jetzigen Kanzlerschaft haben, Volt daher gar nicht erst ihre Stimme geben möchten, aber auch nicht weiterhin taktisch wählen wollen.
Von der Traufe in den Regen. Zwar mit einer Nässeschutzjacke, aber mit einer niedrigen Wassersäule.
Da denke ich, die Möglichkeit eine Zweitstimme direkt abgeben zu können, für den Fall, dass die Erststimme unter 5% erhält, würde das Problem ähnlich angehen aber direkter und einfacher lösen.
Und man darf nicht vergessen, die 5% Hürde hat auch einen Grund. Ggf, das gilt für beide Ideen.
Ein Wust aus Kleinstpartein wäre begünstigt, die mit Partikularinteressen Fördermittel binden, aber vor allem Wahlvorgänge und Auswertungen verlängern und erschweren. Viele Wähler bevorzugen jetzt schon sehr einfache Lösungen. Das muss man ja nicht gut finden, aber man muss es respektieren, wenn man etwas umgestalten möchte.
Und im dümmsten Fall hast du, als überspitztes Beispiel, 100 Kleinstparteien, die Volt Ihre Zweitstimme geben, die fallen aber aus, Volt (ich bleibe jetzt nur mal hier, weil oben schon als Beispiel genutzt) saugt deren Stimmen auf, da die Kleinstpartein dort ihren insgesamt höchsten Wiedererkennungswert haben, dort reicht es dann für 4,8% beispielsweise,also wandern diese Prozente dann auch weiter zur SPD oder Grüne, sind also nach einigem Fehler-anfälligen Rechnereien doch wieder dort gelandet und die Wähler doch wieder mit gemischten Gefühlen da gestanden.
Am Ende geht es um Mehrheiten mit Gesamtinteressen und nicht darum, mehr Einheiten mit Parteikularnteressen zu haben.
Und am Ende muss es (leider?) auch so sein, denn ohne geschlossene Mehrheiten (sehen wir ja jetzt) kommt gar nichts Vernünftiges zusammen.
Und nächster Effekt
Das Fehlen so vieler zerstreuter Interessen zwingt Regierungen auch in Koalition mit starker Gegenkraft aber innerer Meinungsfindung.
Ich meine damit: In einer GroKo kommen zwei mehr oder minder verschiedene Pole zusammen, was grundsätzlich schon einmal dafür sorgt, dass möglichst breite Interessen vertreten werden, weil man sich ja einigen muss, zu Lasten der Schärfe der Interessensvertretung.
Ein Baukasten, aus dem sich der Wahlsieger bis 51% aus Kleinstpartein am 5% Rand bedienen kann oder sogar muss, führt nicht nur zu elendig lange Kompromissfindungen, Störanfälligkeit (siehe aktuell, wie der kleinste Koalitionspartner die größte Unruhe verursacht), sondern birgt auch die Gefahr, dass sich sehr stark einseitige Positionen relativ einfach zusammenbauen lassen, ohne dass man auf eine Partei die andere Interessen vertritt einen Schritt zugehen muss.