Hybrid-Fahrzeuge nicht generell schlecht reden

In der aktuelle Folge wurden Hybrid-Fahrzeuge generell negativ dargestellt. Dabei muss man doch sehr differenzieren: Range Extender= kleine Motoren, die den Akku laden und damit die Reichweite verlängern - solche Fahrzeuge gibt es kaum mehr. Nachteil: die Akkus werden rein über die Verbrennung von Treibstoff und etwas Rekuperation geladen.
PlugIn-Hybride = Fahrzeuge mit einem eigenständigen E-Motor und Verbrenner-Motor, die sowohl rein elektrisch, rein mit Verbrenner oder im Mischbetrieb gefahren werden. Fahre seid 2018 einen PlugIn-Hybriden, der nur einen relativ kleinen Tank hat (für ca.350 km), komme aber regelmäßig mit einer Tankfüllung ca. 600 km weit. Alle Kurzstrecken werden elektrisch gefahren (Akku geladen mit Strom aus der hauseigenen Solaranlage, also ohne Emissionen in der Stadt), auf den längeren Strecken kommt dann der Benzin-Motor zum Einsatz. Das war in den vergangenen Jahren mit dem zeitweise noch nicht so gutem Ausbau der Lademöglichkeiten ein guter Kompromiss. Je nach Wohnort und Lademöglichkeit sehe ich ein Hybrid-Fahrzeug auch jetzt noch durchaus als Alternative, und Skeptiker können sich mit der E-Technik vertraut machen, ohne ganz auf die Sicherheit ihres gewohnten Verbrenners zu verzichten. Natürlich gibt es Hybrid-Fahrzeuge mit unbenutzten Ladekabeln im Bereich der Firmenwagen, aber im Privatbereich kenne ich etliche Leute, die den Hybriden sinnvoll nutzen. Ob der Kauf von Hybridfahrzeugen weiter bezuschusst werden soll? Ich bin noch unsicher…

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Der Grund, warum (die steuerliche Förderung von) PlugIn-Hyprid-Fahrzeuge kritisch gesehen werden, ist dass sehr viele Geschäftskunden aufgrund der steuerlichen Besserstellung PlugIn-Hyprid-Fahrzeuge kaufen, aber nie laden. Frage mal Dienstleister und Autohäuser, die Leasing-Fahrzeuge zurücknehmen.

Eine Wissenschaftliche Untersuchungen von Fraunhofer ISI und ICCT (2020/2022) analysieren reale Verbrauchsdaten von Tausenden PHEV und zeigen, dass der elektrische Fahranteil bei Dienstwagen-Leasing nur 11–15% liegt. Das führt zu realen Verbräuchen, die 3- bis 5-mal höher sind als im Testzyklus.

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Die gleiche Untersuchung kam aber auch zu dem Ergebnis, dass die rein elektrische Nutzung von Privat gehaltenen PHEVs bei 45% bis 49% liegt.

Gerade im Hinblick darauf, dass die neue Förderung eben ausschließlich für Privatanschaffungen gilt, ist der Verweis auf die Realnutzung von Firmenwagen irrelevant.

Hier der Link zum Whitepaper:

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Das lag mir nach der Folge auch auf dem Herzen. Ich verstehe die Kritik und war noch vor wenigen Jahren fest überzeugt niemals einen so sinnlosen Konpromiss zu kaufen, aber fahren nun seit drei Jahren einen Plug-in Hybrid, weil es zu dem Zeitpunkt (vielleicht auch nich heute?) schlicht keinen passenden Volleketrischen gab, d.h. (große) Kompaktklasse mit realen 300km. Es standen entweder Klein(st)wagen oder Oberklassewagen zur Wahl oder -für mich noch schlimmer- SUVs.

Förderung muss wohl nicht sein, da stimme ich zu, aber sie gegenüber 100% E-Autos zu verteufeln oder gar gegenüber Verbrennern macht aus meiner Sicht keinen Sinn. Mich hat es restlos vom “E” überzeugt. Und der größte Kritikpunkt mit “sie werden nicht geladen” liegt vielleicht weniger an der Faulheit der Leute als an deren Möglichkeiten. Ich hab zum Glück auf Arbeit die Chance zu laden, aber privat im Mehrfamilienhaus in 2. Etage bräuchte ich schon eine abenteuerliche Konstruktion; undin er Nähe kam auch erst im letzten Jahr eine Lademöglichkeit hinzu. Und hier ist dann noch anzumerken, dass die dort verlangten Srompreise sich für Hybridfahrer finanziell kaum oder nicht lohnen. Teilweise 0,60€/kWh plus Einmalbetrag und ggf. Blockiergebühr. Wer dann gegenrechnet mit Benzin/Diesel wieviel der km kostet würde sich eher für letzteres entscheiden. Der private Strom ist halb so teuer!

Ich finde deinen Beitrag total nachvollziehbar – und ich sehe das ganz ähnlich..

Was mich aber zunehmend stört – und darum ging es ja auch in der aktuellen Podcastfolge – ist die politische Dimension der Förderung:
Aktuell werden eben nicht die effizient genutzten Plug-in-Modelle wie deiner gezielt unterstützt, sondern völlig übermotorisierte Luxus-Modelle, die im Alltag häufig fast ausschließlich mit Verbrenner gefahren werden – auch, weil sie über zwei Tonnen wiegen und kaum jemand regelmäßig lädt. Diese Fahrzeuge können durch die neuen Förderbedingungen plötzlich bis zu 6.000 Euro erhalten – obwohl sie im Realbetrieb oft mehr CO₂ ausstoßen als viele reine Verbrenner.

Ich sehe hier eine massive Fehlsteuerung: Statt gezielt klimafreundliches Verhalten zu fördern (wie bei dir), wird ein Schlupfloch geöffnet, das ausgerechnet die PS-starken PHEVs von Porsche, Mercedes & Co. begünstigt – auf Kosten des Klima- und Transformationsfonds. Und das, obwohl der Verkehrssektor seine Klimaziele seit Jahren verfehlt.
Das untergräbt in meinen Augen das Vertrauen in die Klimapolitik.

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Die Förderung für PHEVs ist immerhin niedriger als für reine BEV. Glaube maximal 4.500 €.
Die PHEVs, die genug elektrische Reichweite haben und somit förderberechtigt sind, kosten aber so viel, dass die sich eh kein Mensch mit niedrigem Einkommen leisten kann. Auch nicht mit der Förderung. Folglich werden hier wirklich nur teure PHEVs bezuschusst, für Menschen, die keine Förderung benötigen… Ob diese Menschen die Autos dann laden oder nicht, ist noch eine andere Frage. Aber den förderfähigen PHEV für unter 25.000 € gibt es gar nicht

Und der Vollständigkeit halber:

Allerdings mittlerweile ein paar reine BEV: Citroen e-C3, Hyundai Inster …

E-Autos (BEV) ja, auf jeden Fall. Aber ich sagte keine Plug-In-Hybride (PHEV). Erst recht keine mit mindestens 80 km elektrischer Reichweite

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Hybrid-Fahrzeuge verbrauchen fossile Kraftstoffe. Genau deshalb sind sie abzulehnen. Alles weitere zu Hybrid-Fahrzeugen ist unnötiges Schönreden und Selbstrechtfertigung.

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Bin mal zufällig bei Toyota rumgeschnurrt, wollte mir den neuen Toyota Urban Cruiser anschauen, neues kleineres E-Auto von Toyota.
Lange mit der Chefin nett geplaudert, auch über Hybrid (ist ja ein Toyota-Thema).
Sie versuchte mir dann einen neuen Prius schmackhaft zu machen. Knallige Farbe, gehobene Ausstattung, Vorführwagen. 65-80 km elektrische Reichweite. 2l-Benziner dazu.
Steht seit 1,5 Jahren da, knapp 10.000 km gelaufen.
Schickes Auto. Will offenbar keiner kaufen, sagt die Chefin offen. Preis jetzt von 52.800€ auf 40.000€ gesenkt, winterkompletträder dazu, neue Inspektion, und der Preis sei noch grosszügig verhandelbar.

Also ein Renner ist soviel Hybrid jetzt nicht, auch wenn der neue Prius ganz hübsch geworden ist.

Da war blanke Verzweiflung dabei …

Verständliche Argumentation, aber mit dieser Logik werden wir die Welt nicht retten. Dann heißt es immer ganz oder gar nicht. Kein Fliegen, kein Fleisch, kein Plastik, keine Badewanne,…Konsequenterweise müsste man sonst auch E-Autos ablehnen. Da werden nicht viele mitgehen. Dabei wäre es besser wenn ganz Viele zumindest ein Stück mitgehen auf irgendeinem dieser Felder. Wenn es nicht Fleischverzicht sein kann dann zumindest lieber Stufe 3 Fleisch als Stufe 1 und eben lieber Hybrid als Verbrenner (Voraussetzung ist der richtige Grund und damit auch die richtige Nutzung).

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Das E-Auto ist als für die meisten Käufer tragbare Alternative vorhanden. Was ist die Alternative zum Elektroauto? Ich habe ernsthaft einen Elektroroller überlegt. Aber da mittlerweile alle Lebensmittel in Plastik verpackt sind, könnte ich damit nicht mal meinen Müll zum Wertstoffhof bringen, der in Niederbayern Standard ist. Damit ist eine ganze Region auf irgendeine Art von Auto angewiesen. Die kannst du nicht einfach außen vor lassen.

Das war ja mein Punkt: Eine 0/1 oder Schwarz/Weiß Sichtweise hilft nicht weiter, weil die Wenigsten so konsequent sein können/wollen

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Förderung ist immer eine 0/1-Entscheidung.
Meines Wissens kann man mittlerweile auslesen, wieviel der Hybrid elektrisch genutzt wurde.
Wieso nach drei Jahren beim TÜV nicht auslesen und an die Förderstelle übermitteln und wer nicht auf 60% elektrisch kommt, zahlt 50% der Förderung zurück, wer unter die Hälfte kommt, alles. Wäre auch für Dienstwagen eine gute Lösung, wo ich außerdem elektronisches Fahrtenbuch zur Pflicht machen würde und das Finanzamt kann das dann bei Bedarf auslesen und mit den Verpflegungspauschale-aufzeichnumgen decken. Und wer unter 50% betriebliche Nutzung kommt, kriegt die pauschale Nutzung gestrichen.

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Diesel mit AdBlue fahren z.B. nicht mehr, wenn der AdBlue-Tank leer ist. Man wird lange genug vorgewarnt. Tankt man kein AdBlue nach, startet der Motor nicht mehr.
Denn in der Fahrzeughomologation ist das AdBlue eine Anforderung, mit der die fahrzeugspezifischen CO2-Werte erreicht werden.
Warum nicht etwas ähnliches bei PHEV vorsehen?

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Für wen wären denn Hybrid derzeit eine bessere Option zum reinen E-Fahrzeug?

Mal als Gedanke.

Falsch. Wir müssen so konsequent sein, es gibt keine Alternative mehr.

Es ist Fakt, dass wir schnellstmöglich aufhören müssen, fossile Energieträger zu verbrauchen. Alle Prozesse, die auf deren Verbrennung basieren, müssen auf elektrische Prozesse oder Alternativen wie Wasserstoff wechseln.

Hybridfahrzeuge sind ein Mittel zur Prokrastination. Sie sind keine Übergangstechnologie (mehr), sie sind keine Alternative, sie müssen weg.

Alles andere dazu in diesem Thread sind die gleichen Rechtfertigungen wie von Alkoholikern mit drohender Leberzirrhose, die wenigstens noch ab und zu weiter ein Bierchen kippen wollen wegen der alten Tage, nun seid mal nicht päpstlicher als der Papst mit Eurem Schwarz-Weiß-Denken, man muss doch noch ein wenig weiter Genuss im Leben haben.

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Wenn wir wirklich konsequent wären bzw. sein wollen, stellen wir ab Montag alle Gas- und Kohlekraftwerke ab, verbieten den Betrieb fossiler Heizungen und Verbrennermotoren ausnahmslos (!).

Nur: was wären dann die Konsequenzen? Tragen das dann so alle Bürger im Namen des Klimaschutzes klaglos mit?

Sehr überspitzt, aber einfach Dinge verbieten und die Leute sollen zusehen, wie sie dann klar kommen, ohne Alternativen für alle anzubieten, halte ich zumindest für schwierig.
:wink: