Ich möchte als auch homöopathisch tätiger Allgemeinarzt die Homöopathie vor einer pauschalen Verurteilung als unwirksam und gefährlich in Schutz nehmen.
In unserer täglichen Praxis hilft uns der Einsatz von Homöopathie eher dabei, Kosten für teurere Therapien einzusparen.
Gefährlich wird die Homöopathie außerdem eher, wenn sie nicht-ärztlich ausgeübt wird, weil ich als Arzt mit homöopathischer Zusatzausbildung die Grenzen der Methode und mögliche Risiken für den Patienten besser einschätzen kann, als ein Heilpraktiker. Die Einsparungen, die diskutiert werden, betreffen ja die Erstattung von ärztlicher homöopathischer Behandlung.
Ich bin immer wieder erstaunt, wie Mediziner, welche dem Grunde nach auch ein naturwissenschaftliches Studium durchlaufen haben, der Überzeugung sind das Homöopathische Mittel über den Placebo effekt hinaus wirken können. Das ist nach heutigem naturwissenschaftlichen Verständnis nicht möglich.
Ich erlaube mir sagen zu können, dass der wissenschaftlich Konsens dazu weitaus ausgeprägter ist, als der zum Klimawandel und der ist schon glas klar.
Ich glaube das Thema wurde schon lang und breit an anderer Stelle diskutiert.
Ich gebe dir zu 100% recht und bin ebenso ein Verfechter die Homöopathie als GKV Leistung zu streichen.
Dennoch kann man das Thema etwas differenzierter betrachten, es ist das eine wenn ein Mediziner Homöopathie verabreicht als oder ein Heilpraktiker.
Patienten erwarten bei einer einfachen Erkältung mehr vom Arzt als Ruhe und Tee trinken verschieben zu bekommen, Homöopathie kann Akzeptanz und Selbstwirksamkeit fördern.
Gleichzeitig sollte ein studierter oder gar promovierter Mediziner wissen dass es dabei keine Wirkung geben kann
Ok, diese neue Quelle ist nun von der “Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie”. Ich präzisiere dann noch einmal: gibt es unabhängige Studien, die es bestätigen?
Placebo-Effekt sollte keine teure Kassenleistung sein.
Wenn man sich die Mühe macht, die Quellenangaben in der PDF durchzulesen, findet man doppelblinde randomisierte Studien.
Teuer ist die Homöopathie nicht, sie macht nur einen verschwindend kleinen Teil der Gesamtkosten aus. Sie hat aber keine so mächtige Lobby wie Siemens, Pfizer, etc
Also ich weiß ja nicht wie Literaturverweise in der Medizin funktionieren aber soweit ich weiß sollten Kurzverweise im Text (zb: ‘Fraser 2020’) an eine ausführliche Quellenangabe im Anhang geknüpft werden. Die fehlen aber im verlinkten Text des DZVhÄ. Da geht’s also schon los mit der unsauberen wissenschaftlichen Arbeit.
Dann finden sich noch solche Aussagen:
“Im Rahmen einer umfangreichen Metaanalyse (Shang, 2005) wurde die wissenschaftliche Qualität von 110 homöopathischen Studien mit konventionellen medizinischen Arbeiten in je zwei Kategorien (hochwertig; weniger hochwertig) zusammengefasst. Dabei erwiesen sich die Homöopathie-Studien als sehr solide.” (Seite 5).
Wie ‘solide’ eine Studie ist war doch offensichtlich nicht Untersuchungsgegenstand. Außerdem sind Begriffe wie ‘hochwertig’ ohne Definition oder zumindest Erläuterung nutzlos.
Auch Aussagen, wonach homöopathisch ‘weiter’gebildete Ärzte weniger Psychopharmaka, Schmerzmittel und Antibiotika verschreiben (S. 3) sind nicht sehr hilfreich. Das bloße Verschreiben sagt ja noch nichts über die Wirkung aus.
Außerdem wird sich auf Beobachtungsstudien (Alltagsbedingungen, nicht Labor) berufen, bei seien “klinisch relevante Verbesserungen ihrer Symptome, sowie Zugewinn einen an Lebensqualität” (S. 3) erkennbar. Dass dafür nicht einfach der Placeboeffekt verantwortlich ist (/sein könnte) wird unterschlagen.
Seite 2 wirkt auf mich außerdem auch nur wie eine kompliziert formulierte Irreführung (über Erklärungen und Korrekturen freue ich mich). Da wird gesagt, es gebe etwa 1.400 Studien, davon 200 randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert. Es wird nie explizit gesagt, dass diese Studien homöopathische Produkte untersuchen. Dafür endet das Kapitel mit der Aussage, dass Homöopathie-bezogene Studien vermutlich ähnlichen qualitativen Schwankungen unterliegen wie andere Studien obwohl sie viel schwerer durchzuführen seien. Nachweise dafür werden nicht vorgelegt. Was genau das erklären soll bleibt auch unklar.
2 Seiten des Textes befassen sich mit Grundlagenforschung (2 Studien zu Pflanzen werden genannt) und Veterinärmedizin. Nur auf Seite 3 findet sich 1 Verweis auf eine klinische Studie mit Menschen. Ziemlich dünn, für die aufgestellten Behauptungen.
Auch wenn das Lobby Argument ein Totschlagargument ist gehe ich mal drauf ein und frage mich welche Lobby dafür gesorgt hat dass der ehemalige Gesundheitsminister Lauterbach sein Gesetz Homöopathie als Kassenleistung zu streichen nicht durchbringen konnte.
Da hätte ich gerne mal ein Beispiel. Bei “harmlosen” Erkrankungen mag ich mit dem Placebo-Effekt der Homöopathie ja weiterkommen. Aber Globuli gegen den Schnupfen kosten ja auch Geld. Wie hoch ist da der Einspareffekt gegenüber zugelassenen Medikamenten tatsächlich?
Und bei komplexeren Erkrankungen hoffe ich doch sehr, dass da kein Arzt ernsthaft homöopathisch aktiv wird, sondern eine sinnvolle Therapie auf der Grundlage nachgewiesener Wirksamkeiten zusammenstellt.
Die Behauptung eines Einsparpotenzials muss meiner Meinung nach also gut belegt werden, damit man sie ernst nehmen kann. Zumal es eine eindeutige Alternative gibt: der behandelnde Arzt könnte statt verhältnismäßig teuren Globuli auch einen billigen Kräutertee “verschreiben”, der hat dann ja den selben Placebo-Effekt, wenn er nur überzeugend genug empfohlen wird.
Meine Meinung ist: Jede:r soll mit Homöopathie rummachen, wie er/sie will, aber als GKV-Versicherter will ich dafür nicht zahlen. Egal wie viel Geld das im Großen und Ganzen ist. Ein paar Millionen sind auch ordentlich Kohle. Gleichzeitig sollte natürlich auch die Gabe verschreibungspflichtiger Medikamente ständig weiterentwickelt und kritische hinterfragt werden. Da gibt es sicher auch eine ganze Reihe von Praktiken, die einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten würden.
Hhm, wäre es da nicht sinnvoller, Patienten aufzuklären, dass Ruhe und Tee trinken vermutlich genau das sind, was ihnen am besten weiterhilft bei einer einfachen Erkältung? Anstatt irgendwelche wirkungslosen Zuckerkügelchen zu verschreiben, um einen Placebo-Effekt auszulösen?
Also ich erwarte beim Arzt eine Behandlung auf Stand der aktuellen Forschung. Wenn mein Arzt sagt “Tee und Ruhe für 3 Tage, wiederkommen, wenns nicht besser ist” müsste ich ja ziemlich dumm sein, mir einzubilden, es besser zu wissen und irgendwelche extra teuren Zuckerkapseln zu nehmen, statt einfach die Süßigkeitenabteilung zu plündern.
Das ist an den Statistiken über unsere Arzneimittelverordnungen ablesbar, die wir wie jede Praxis von der Kassenärztlichen Vereinigung jedes Quartal bekommen. Da liegen wir insbesondere bei den Antibiotikaverordnungen seit Jahren deutlich unter dem Durchschnitt der Vergleichsgruppe.
Warum? Entweder ist ein Antibiotikum angezeigt, dann will ich eins haben. Oder nicht. Dann kann ich auf die Nebenwirkungen verzichten. Wofür braucht es da Homöopathie?
Ich geh doch nicht zum Arzt, damit der mir einfach irgendwas verschreibt als wäre das ein Süßwarenladen, wo man erst zufrieden ist, wenn genug bunte Weingummi in der Tüte sind?
Ich glaube sofort, dass in Deutschland tendenziell zu viele Antibiotika verschrieben werden. Aber die Lösung dafür ist doch nicht Homöopathie. Ich kann nur hoffen, dass kein Arzt auf eine homöopathische Bahandlung setzt, wenn eigentlich ein Antibiotikum indiziert wäre – meines Wissens nach behaupten auch die meisten Homöopathen nicht, dass Globuli das selbe Wirkungsspektrum wie Penicillin entfalten können.
Bleibt also der Fall, dass man eine nicht benötigte Verschreibung von Antibiotika durch homöopathische Intervention ersetzt. Aber wenn ein Antibiotikum nicht benötigt wird, dann kann ich es doch auch weglassen, ohne stattdessen Globuli zu geben. Ich verweise erneut auf den Kräutertee.