Lieber Philip: Es gibt auch männliche Hebammen. Das “frau” statt “man” in einem Deiner Sätze in dem Beitrag fand ich daher unnötig.
Hallo in die Runde,
meine Freundin arbeitet als freiberufliche Beleghebamme im Kreißsaal. … Ich habe das Gefühl, die Arbeitsrealität von meiner Freundin und ihren Kolleg:Innen wird vollkommen unzureichend abgebildet. Da alle anderen Punkte bereits kommentiert wurden, möchte ich nur auf einen ausführlicher eingehen.
Aus meiner Sicht wird im Beitrag davon ausgegangen, dass es in Deutschland ausreichend viele Hebammen gibt und sich die Hebammen, die sich gegen die Arbeit als freiberufliche Hebamme entscheiden, entweder ins Angestelltenverhältnis wechseln oder ambulante Hebammen werden. Für meine Freundin und viele andere Hebammen geht es jedoch auch um die Frage, ob sie überhaupt weiter als Hebamme tätig bleiben. Das Beleghebammensystem war zumindest für meine Freundin ein Weg, Hebamme zu bleiben, ohne an 40 Stunden körperlich und psychisch anspruchsvoller Arbeit im Schichtdienst kaputt zu gehen. Dadurch, dass sie als Beleghebamme solides Gehalt bekommt, konnte sie ihre Stunden reduzieren, und damit eine akzeptable Belastung erreichen. Mit dem neuen Hebammenhilfevertrag steht das jetzt auf dem Spiel
Ich bin überzeugt, dass viele Hebammen sich durch den neuen Hebammenhilfevertrag einen anderen Beruf suchen werden. Und damit wird es zu einer Verschlechterung der Versorgung kommen, selbst wenn sich das Gehalt weniger Stark verschlechtert als erwartet.
Da ich schon jetzt einen Mangel an Hebammen sehe, finde ich auch den Punkt, dass die Krankenhäuser Hebammen einstellen müssen, wenn es nicht mehr ausreichend freiberufliche Beleghebammen gibt, nicht überzeugend. Nicht existierende Hebammen können nicht festangestellt werden.
Viele Grüße
Johannes
Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Ich möchte gerne einen Punkt aufgreifen, der meiner Meinung nach im Forum zu wenig Beachtung gefunden hat: die Tricksereien bei der Abrechnung.
Wie vieles im Leben sind Themen, die einen persönlich betreffen oder betroffen haben, besonders schwierig – oder sie bekommen nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Ich finde jede Art von legalem oder halblegalem Betrug sehr problematisch. Wir zahlen immer höhere Beiträge, weil die Personalkosten steigen.
Ich persönlich habe negativen Erfahrungen mit Abrechnungstricks bei meiner Hebamme gemacht: Ich musste Besuche unterschreiben , die sie nicht gemacht hat – nach dem Motto: „Naja, du verstehst, ich muss ja auch irgendwie leben.“ Besonders extrem wurde es jedoch bei der Geburtshilfe durch meine Frauenärztin.
Während meiner Geburt hat sie mir 64 Diagnosen gestellt, ohne auch nur eine davon mit mir zu besprechen. Auf meiner Diagnoseliste standen unter anderem Depressionen oder eine Steißlage – und das, obwohl die Ärztin am selben Tag im Mutterpass die völlig normale Lage meines Kindes gezeichnet hat. Zusätzlich wurde mir eine drohende Frühgeburt diagnostiziert – am Tag des errechneten Termins. Dass so etwas überhaupt durchgehen kann, macht mich ehrlich gesagt sprachlos.
Als ich meine Frauenärztin darauf ansprach und sie direkt mit den falschen Diagnosen konfrontierte, sagte sie lediglich, dass sie alles wieder löschen könne – ohne jegliches Verständnis dafür zu zeigen, warum dieses Vorgehen falsch und problematisch ist.
…
Ich arbeite als Pflegedienstleitung in einem mittelgroßen Krankenhaus und bin u.a. zuständig für den Kreißsaal sowie die geburtshilfliche Station. Es gab bis Dezember 24 in unserer Stadt (ca. 50.000 Einwohner + Umland) noch einen weiteren Kreißsaal in einem anderen Krankenhaus, welches zum 31.12. geschlossen hat. Natürlich sind nicht alle Frauen 1:1 in unsere Klinik für die Geburten gewechselt; aber wir haben einen Zuwachs von ca. 450 Geburten mehr pro Jahr bei insgesamt ca. 1800 Geburten. Einige Hebammen und Pflegekräfte sind zu uns gewechselt, aber natürlich nicht alle. Was ich sagen will: wir waren vorher schon (wie viele Kliniken) aufgrund des Fachkräftemangels relativ knapp besetzt. Den kurzfristig entstandenen erheblichen Mehraufwand in Form des massiven Geburtenanstiegs konnten wir, trotz der Übernahmen einiger Hebammen und Pflegekräfte, konnten wir eigentlich in keiner Weise personell auffangen. Also die Logik, Kreißsäle schließen aber woanders ist die Betreuung dadurch besser ist keinesfalls uneingeschränkt zu bejahen. Fachlich mag dies so sein, aber den Mehraufwand werden die wenigsten Kliniken (nicht nur Hebammen, auch Pflegekräfte, ärztlicher Dienst, …) einfach so leisten können. Wir haben auch ein massives Problem, die Frauen und Kinder räumlich unterzubringen. Wir konnten früher fast immer Familienzimmer anbieten (also der Vater wird mit aufgenommen); dies war dieses Jahr nahezu nie möglich. Was natürlich auch schade für die Familien ist.
Das ist natürlich nicht in Ordnung. Ich vermute du bist privatversichert, denn der normale GKV Patient kommt ja sehr selten mit den Anrechnungsdaten in Kontakt.
Die Frage ist jetzt ob man sehr viel bürokratischen Aufwand betreibt um sämtlichen Missbrauch zu verhindern, so wie es durch den Berichtspflichten im HHV wohl sein wird, oder ob man solche Fälle in Kauf nimmt weil es unterm Strich ökonomisch sinnvoller ist. Mein Eindruck ist, dass hier eher der GKV über das Ziel hinaus schießt als die PKV. Aber das ist nur ein Bauchgefühl.
Viel wichtiger ist hingegen die Frage was wir dagegen tun können? Meiner Meinung ziemlich wenig so lange Leute …den Abrechnungsbetrug mit ihrer Unterschrift unterstützen. Dagegen sind alle Maßnahmen die keine Einzelfallüberprüfung vorsehen schlicht machtlos.
Ich fand es schon sehr schade, dass in der Lage mehrfach darauf hingewiesen wurde, wie unsinnig es ist, beim Bürgergeld den paar tausend Missbrauchsfällen mit enormem Aufwand hinterherzurennen - dem stimme ich übrigens absolut zu - und gleichzeitig … zu anzudeuten…, dass ein ganzer Berufszweig, nämlich der der Hebammen, sich durch (legale) Abrechnungstricks reich macht.
Selbst wenn es so wäre kommt das Geld ganz sicher nicht bei den falschen Leuten an. Es wäre doch toll wenn der Beruf und die Nachtschichten finanziell so attraktiv wären, dass es genug Hebammen gäbe. In der Realität hat sich das wohl noch nicht rumgesprochen.
Das ist aber immer noch die Entscheidung der Mutter. Wir haben im August unseren ersten Sohn bekommen und uns viel mit den verschiedenen Wegen der Geburt beschäftigt. Meine Frau hat sich dann bei Hypnogeburt ein paar Sachen rausgenommen, die ihr zugesagt haben. Z.B. das sich Tiere zur Geburt zurückziehen, dass eine fremde Umgebung hinderlich ist zu entspannen, dass alleine der Weg zur Klinik schon eine kognitive und semantische Unterbrechung der Geburt ist. Das haben auch mehrere Freundinnen bestätigt, dass sie den Ortswechsel als störend empfanden.
Wir haben uns drei Kliniken angesehen. Zuerst wollte meine Frau ins Uniklinikum für den Fall der Fälle. Aber uns haben die kleinen Kliniken mit Hebammengeführten Kreißsaal und Babyfreundlich zertifiziert viel besser gefallen. Beim Uniklinikum kamen wir uns mehr vor wie eine Nummer, die abgefertigt werden muss. Fairerweise muss man sagen, dass eine Freundin von uns dort entbunden hat und zufrieden war. Wir hatten keine Risikogeburt, also haben wir uns für einen kleinen Kreißsaal entschieden. Die Geburt lief absolut problemfrei (Zitat Hebamme “Bilderbuchgeburt”) und ich meine das lag eben auch am Wohlfühlfaktor bei meiner Frau: wie gut wir die Hebammen fanden, wie gut wir die Räumlichkeiten fanden, wie gut uns einfach dieses KH gefallen hat mit einem möglichst natürlichem Gebäransatz ohne ärztliche Intervention.
Ich empfand vor allem genau diese Auswahl (natürlich wenn kein Risiko bis zu Kinderklinik, wenn Risiko), was doch unser Gesundheitssystem ausmachen sollte. Vor allem, wenn man sich anschaut bei der niedrigen Geburtenzahl, es den werdenden Eltern so angenehm wie möglich zu machen. Wenn ich oben, dann noch lese, dass wir hier über 0.28% Gesamtkosten diskutieren, dann fehlt schon etwas das Verständnis. Auch, weil es tatsächlich schwierig war, und nur über Kontakte, an eine ambulante Hebamme zu kommen. Den Beruf jetzt unattraktiver zu machen bei bestehendem Fachkräftemangel erschließt sich mir nicht.
Also Hebammen sind die richtigen Leute bei denen Betrug in Ordnung wäre und wer sind die falschen Leute bei denen Betrug nicht in Ordnung ist?
So nach dem Motto die freischaffenden Hebammen leisten gute Arbeit und dürfen sich neben dem Verkauf dubioser esoterischer Produkte (was natürlich nicht alle machen, aber uns kamen bei der Suche einige unter) noch durch falsche Abrechnungen das Einkommen aufpolieren und wer das nicht tut und deshalb zu wenig Einkommen hat ist quasi selbst schuld?
Edit:
Ich will hier natürlich nicht suggerieren alle Hebammen würden Abrechnungsbetrug machen, aber alleine die Tatsache diese Möglichkeit so herabzuspielen wenn es doch die Richtigen trifft triggert mich enorm.
Ich bin Beleghebamme und habe einige Anmerkungen zu eurem Beitrag:
Der Stundensatz für Hebammenarbeit wurde zwar heraufgesetzt auf 74,28€ für außerklinische Betreuung. Aber wir Beleghebammen dürfen bei der 1.Frau nur 80% davon berechnen, also 59,40€. Für die 2. und 3. Frau sind es dann nur noch 30%, also 22,32€. Dabei bleibt völlig unberücksichtigt, welche Risiken die Frau mitbringt. Ich hafte aber für alle Frauen gleich.
Die viel gepriesene. 1:1Pauschale beträgt 103,99. € bzw 121,67€ (Nachts) Und das für 4 Stunden in denen ich nur die eine Frau betreuen darf. Das wären dann pro Std 25,99€. Wow!
Grundsätzlich zum Thema Abrechnungsbetrug: So wie es in eurem Beitrag dargestellt wurde entsteht ein völlig falsches Bild. Richtig ist: im alten System durfte ich 2 Frauen parallel betreuen und eine dritte Frau für 1 Stunde. Für jede angefangenen 30 min konnte ich 22,67 € berechnen. Es konnten aber nicht 3 Hebammen die gleich Frau gleichzeitig abrechnen. Und schon gar nicht den vollen Stundensatz bei der gleichen Frau. Das ist einfach nicht möglich gewesen. Also 3 x 43Euro für eine Frau ist Quatsch. Wenn das eine Kasse bezahlt hat, dann hat bei denen aber auch jemand gepennt. Es gab sicherlich schwarze Schafe, die bewusst mehr aufgeschrieben haben. Aber das ist nicht die Mehrheit. Abrechnungsbetrug muss geahndet werden. Aber jetzt den ganzen Berufsstand in Sippenhaft zu nehmen ist nicht in Ordnung!
Ich habe bis jetzt auch in der ambulanten Betreuung gearbeitet. Ich höre jetzt auf damit, weil ich überhaupt nicht sehe, dass der Verdienst da besser ist. Diese 5 Min Regelung führt dazu, dass ich im Schnitt weniger verdienen würde als vorher. Ich arbeite so, dass ich die Besuche immer kürzer gestalten kann, je länger ich in der Familie bin. Am Ende ca 20-30 min. Dann bekomme ich für den Besuch noch 37€.
Die 5 Minuten Regelung bringt einen derartigen Mehraufwand an Bürokratie mit sich, dass es einem grotesk vorkommt. Wenn ich im Dienst pro Frau 10 bis 15 Unterschriften einholen muss, um nachzuweisen, wann ich im Raum war und wann nicht. Das ist auch für die Frauen eine Zumutung!
Und warum muss ich mich rechtfertigen wenn ich im Monat 3500€ verdiene. Wenn ich krank bin oder auch mal Urlaub mache verdiene ich nichts. Als Freiberuflerin muss ich für die Zeiten, in denen ich nicht arbeiten kann Rücklagen bilden. Von Altersvorsorge mal ganz abgesehen. Ich bin im Dienst für die Sicherheit von mehreren Frauen und Kindern verantwortlich. Sorry wenn es mir schwerfällt, dass mit eurem Job zu vergleichen. Eure Arbeit ist sehr wichtig, aber ich hafte in Millionenhöhe, wenn ich einen Fehler mache.
Ich hoffe das kommt nochmal zur Sprache….
Maartje Schouten
Ich vermute du bist privatversichert, denn der normale GKV Patient kommt ja sehr selten mit den Anrechnungsdaten in Kontakt.
Über die ePA können nun auch gesetzlich Versicherte die Kosten ihrer Behandlung einsehen.
Hallo liebes Lage Team,
ich habe vor etwas mehr als 2 Monaten meine Tochter auf die Welt gebracht. Ich hatte die Wahl zwischen einem großen Level 1 Krankenhaus mit ü. 1000 Geburten/Jahr & einem kleineren mit 400 Geburten/Jahr ohne Neo Abteilung. Meine Wahl fiel auf das letztere. Bei mir gab es 3 größere Herausforderungen (bspw. 10 Tage übertragen), die von den Hebammen professionell begleitet & gelöst wurden. Ich habe mich zu jedem Zeitpunkt sehr gut betreut gefühlt, alle Fragen wurden beantwortet & ich hatte oft Wahlmöglichkeiten. Bei der Geburt betreute mich eine sehr erfahrene Hebamme, die einen 24 Std. Dienst machte. Sie hat mich super begleitet & sowohl mich, meinen Partner als auch unsere Tochter mit viel Zeit, Hingabe & Professionalität behandelt. Das Haus hat 2 Kreißsäle, wir waren die ganzen 9 Stunden allein & hatten die Hebamme für uns. Ich bin überaus dankbar für die umfassende Betreuung auch von Anästhesie, Kinderarzt & Gynäkologie. Letztendlich hatten wir bei vielen Punkten Glück, selbstverständlich hätte es auch dort anders laufen können. Ich hatte bei jeder Intervention eine Aufklärung, Wahlmöglichkeiten und die Hebamme hat sich für eine (u.U. unlogische weil unter Wehen) Diskussion Pro-Kontra mit mir Zeit gelassen.
Das alles wäre in einem Haus, wo die Babys zu den Hochzeiten im 1 Stunden Takt raus purzeln nicht möglich gewesen. Ich würde jederzeit wieder diese Entscheidung treffen, denn es hat den Start ins Leben für meine Tochter & für mich ins Wochenbett sehr einfach gemacht. Sollte die Geburtsstation nun aufgrund des neuen Vertrages geschlossen werden, wäre das m.M.n. fatal. Sicherlich handelt es sich hierbei um eine individuelle Geschichte. Jedoch kommt m.M.n bei der Diskussion bzgl. des Gesetztes zu kurz, dass Hebammen einen unglaublich stressigen & risikenbehafteten Job leisten (bspw. Verklagt werden wenn etwas schief geht), jeder Fehler lebenslang fatale Folgen haben kann & Frauenheilkunde, Schwangerschaft & Geburt an sich immer eine ganz individuelle Geschichte sind. Hier gibt es kein Schema F. Wenn die Krankenkassen hier sparen, sparen sie am falschen Ende. Hebammen haben in der Vergangenheit aufgrund einer Lücke gut verdient? Gut so! Sie verdienen noch mehr!
Hallo zusammen,
die letzte Folge hat bei mir doch einige Fragezeichen hinterlassen – vor allem rund um die Einordnung und Bewertung des Themas Hebammenvergütung:
- Warum wird das Thema als „weniger politisch“ bezeichnet?
Im Podcast fiel der Satz: „Es war jetzt ja mal ein, sagen wir mal, weniger politisches Thema…“ das klang für mich fast schon wie eine Entschuldigung / Rechtfertigung
Ich frage mich: Wieso eigentlich? Nur weil es hauptsächlich Frauen betrifft? Die Versorgung von Gebärenden, die Finanzierung von Geburtshilfe und die Organisation unseres Gesundheitssystems sind hoch politische Fragen. Schließlich sollen doch in Zukunft wieder mehr Kinder das Licht der Welt erblicken.
• Entspricht die geschilderte Geburtsrealität wirklich der Lebensrealität vieler Menschen?
Es klang so, als könnten Gebärende „zur Not“ die Stunde ins Krankenhaus fahren. Aber:
– Haben wirklich alle ein Auto?
– Haben alle jemanden, der/die sie fahren kann?
- oft gibt es Geschwisterkinder die Zuhause versorgt werden müssen. Manche Frauen müssen länger in der Klinik bleiben. Pendelt man dann jeden Tag zwei Stunden mit dem nicht vorhandenen Auto zwischen Zuhause, Arbeit und Krankenhaus?
Gerade auf dem Land sieht das oft anders aus.
• Wird die Versorgung wirklich besser, wenn immer weniger, dafür größere Kliniken zuständig sind?
In vielen großen Häusern gibt es heute schon Aufnahmestopps, überlastete Kreißsäle und Hebammen, die mehrere Geburten gleichzeitig betreuen müssen. Wie soll die Qualität steigen, wenn die Wege länger und die Strukturen noch zentralisierter werden?
• Zeigt… das Thema …nicht auch unser gesellschaftliches Gender Health Gap?
Geburtshilfe und reproduktive Gesundheit werden regelmäßig unterbewertet – sowohl finanziell als auch in der politischen Debatte…Ich habe selbst zwei Kinder und ich hatte wirklich Schwierigkeiten überhaupt eine Hebamme zu finden und ich wohne in eine Grossstadt. Ich mag mir gar nicht vorstellen wie das in ländlichen Regionen ist.
• Ist die Darstellung der Verdienstmöglichkeiten von Hebammen wirklich repräsentativ?
Im Podcast wurde erwähnt, dass manche Hebammen bis zu 10.000 € monatlich verdienen können. Realistisch ist das nur in sehr speziellen Konstellationen – oft auf Kosten der eigenen Arbeitsbelastung und meist schwierig mit einer eigenen Familie vereinbar. Für die breite Masse bildet das nicht die Realität ab.
…
Nein, das hast du falsch Verstanden, eventuell kam das auch nicht ganz so rüber wie ich es meinte. Im Forumsbeitrag ging es um Betrug, nämlich Leistungen quittieren die es nicht gab. Das ist absolut zu verurteilen und nicht in Ordnung.
Mein Absatz hingegen bezog sich auf legale Abrechnungspraktiken wie sie in der Lage dargestellt wurden (die ggf. moralisch fragwürdig sind). Das halte ich grundsätzlich für in Ordnung, insbesondere wenn ein Berufsstand mit hoher Verantwortung, Stress und wichtiger gesellschaftlicher Aufgabe solche Möglichkeiten nutzt. Weniger in Ordnung finde ich beispielsweise die legale Korruption wie sie in der Politik gang und gäbe ist.
Hallo, ich bin Hebammenstudentin und ehrlich gesagt sehr froh, hier im Forum so viele Beiträge zu diesem Thema zu sehen, vor allem von Menschen, die in ihrem Berufsalltag direkt von dem Hebammenhilfevertrag betroffen sind. Ich finde es gut, dass ihr diesem wichtigen Thema Raum gebt. Allerdings habe ich den Eindruck, dass in der aktuellen LdN-Folge die prekäre Situation der Hebammen in Deutschland nicht wirklich deutlich wird.
Das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg hat den Eilantrag des Deutschen Hebammenverbands gegen das seit 1. November 2025 geltende neue Vergütungsmodell für Hebammen abgelehnt. Der Verband hatte beantragt, zentrale Teile des vorherigen Vergütungssystems vorläufig weiter gelten zu lassen, weil das neue Modell insbesondere für freiberufliche Beleghebammen in Kliniken nachteilig sei. Das Gericht entschied jedoch, dass keine ausreichenden Gründe vorliegen, um in das Ergebnis der Schiedsstelle einzugreifen, da diese bei der Festlegung des Hebammenhilfevertrags einen weiten Gestaltungsspielraum habe und keine klaren Anhaltspunkte für wirtschaftlich unangemessene Vergütungen ersichtlich seien.
Damit bleibt der neue Hebammenhilfevertrag bis auf Weiteres vollständig in Kraft. Das Hauptsacheverfahren zur grundsätzlichen Rechtmäßigkeit des Modells läuft zwar weiter, im Eilverfahren gibt es jedoch keine weiteren Rechtsmittel.
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