In diesem Jahr werden wohl aus Lohn- und veranlagter Einkommensteuer plus Soli über 380 Milliarden € zusammenkommen. Das einkommensstärkste Zehntel ist mit ca. 220 Milliarden € dabei.
Da ist also selbst bei moderaten Tarifanstiegen allerhand zu holen, ohne dass es die Einkommensstärksten wirklich kratzt.
Wie kommst du aus diesen zwei Zahlen zu deiner Schlussfolgerung? Die zeigt mir, dass die oberen 10% bereits den Großteil der Steuerlast schultern.
Außerdem finde ich die Wortwahl „da gibt es ordentlich was zu holen“ wirklich furchtbar. Als ob diese Menschen das Geld zu Unrecht hätten und es eigentlich dem Gemeinwohl zusteht.
Oder anders herum, in Gangsterfilmen sprechen Räuber so über ihre möglichen Opfer/Ziele.
In der Arena ARD war ja auch die Frage, ab wann man reich ist. Das ist alles eine Frage der Perspektive. Ist man mit 100k brutto im Jahr reich? Mit 200k, mit 300k? Per Definition zahlt man ab 280k im Jahr den reichen Steuer Satz..
Oder ist man reich, wenn Einkommen gar nicht mehr der Treiber ist, sondern Zinsen und Erträge aus Aktien? Oder große Besitztümer? Also wenn arbeiten gar nicht mehr relevant ist..
Starke Schulter können mehr leisten? Naja, genau diese Schultern leisten ja schon sehr viel, zahlen einen Großteil der Einkommenssteuer? Ab wann ist genug denn genug?
Die Frage werden wir nie lösen.
Zudem da natürlich auch Leistung dahinter steht, nicht nur im Kontext der Arbeit , sondern auch allem davor. Viele gutverdiener mussten erstmal in der Schule gut sein, dann was nicht so leichtes studieren, in der Arbeit die Extra Meile gehen etc… meistens ist da nix vom Baum gefallen…
Und dann muss man Lebenshaltungskoszen dagegensetzen. Wenn man bspw in München gut verdient, aber 3500€ im Monat Miete bezahlt, und auch sonst alles super teuer ist, ist das schon ein Thema
Anyway, die Frage bekommen wir nie gelöst..
Die Idee, den Reichen Steuer Satz aber etwas Früher greifen zu lassen (was bei Familieneinkommen ja x2 bedeutet) und dafür die anderen Steuersätze etwas später greifen zu lassen, fühlt sich fair an… Familien mit 500k zu versteuerndem Einkommen sind ja wirklich eher selten…
Genau diese Diskussion wollte ich eigentlich anstoßen. Klare Grenzen für zu versteuerndes Einkommen zu ziehen, ist vielleicht dann später wichtig.
Für den Moment interessiert mich als Autor dieses Themas eher eine klare Trennung der verschiedenen Vermögens- und Einkommensquellen und wie diese fiskalisch gehandhabt werden ob und wenn ja welchen Missstand wir hier seit Jahren mitziehen, welche Konzepte es für mehr sozialen Ausgleich gibt und welche Kategorien langfristig Sinn ergeben.
Ich verstehe auch nicht, wieso man Gutverdiener und Reich immer in einen Topf wirft (zumindest nicht aus linker Perspektive, für wirklich reiche Menschen ist es natürlich sehr praktisch, dass sich die 1000€-Netto-Arbeiter mit den 4000€-Netto-Arbeitern streiten, während sie weiter 80% des Vermögens besitzen…)
Aber leider ist es so, auch in weiten Teilen dieses Forums… man schaue nur mal in Diskussionen zu Kitagebühren…
Klar gibt es irgendwo einen Tipping-Point. Wer so viel verdient, dass er bei einem guten Lebensstil innerhalb weniger Jahre relevantes Vermögen aufbauen könnte, den sollte man wie „reich“ behandeln. Wer alleine 6-stellig netto verdient, aber alles für Porsche-Leasing, Eskorts, Roulette und Luxusreisen ausgibt, den will ich hier nicht in Schutz nehmen.
Mit hohem Einkommen soll jeder machen, was er für richtige hält
Fiskalische Gerechtigkeit und Sozialstaat sollten wertende Faktoren über die Nutzung von Einkommen außer Acht lassen.
Während hohe Erwerbsinkommen mit 42% + Soli (bzw. Irgendwann 45%) belastet werden, fallen auf Stiftungsdividenden und -Vermögen nur 15% (Körperschafts-)Steuer an. Das ist ja schon ein signifikanter unterschied bei teilweise sehr unterschiedlicher Basis.
praktisch, dass sich die 1000€-Netto-Arbeiter mit den 4000€-Netto-Arbeitern streiten,
Das wissen leider auch Milliardäre, die Hetzplattformen wie Nius finanzieren. Solange sich Unter- und Mittelschicht streiten, hat die Oberschicht ihre Ruhe.
Ich kann es nicht mehr hoehren. Leistet die Pflege etwa nichts, oder die Jungs auf dem Bau, alle Menschen im Schichtdienst? Jeder macht dass was er kann, bzw. machen moechte. Machen wir uns doch nichts vor, man wird nicht Chefaerztin oder Kanzleipartnerin weil Frau an die Kohle will, sondern weil Frau eben gut in diesem Job ist. Genauso wie jemand nicht Kindergaertner wird, weil er wenig verdienen moechte, sondern weil er gut in diesem Job ist.
Und was steckt da eigentlich fuer ein Menschenbild drin? Wer hat mehr geleistet, das Arbeiterkind, dass es als erster in der Familie zur Uni schafft und am Ende Sachbearbeiter bei der Versicherung wird, oder die Bankierstochter, die nach dem BWL-Studium, mit dem sicheren Unterhalt von Papi im Ruecken, ein Unternehmen mit einem Kommilitonen von der Privatuni gruendet und nach 5 Jahren verkauft?
Wir koennen gerne die unteren Einkommen zu lasten der oberen Einkommen erhoehen, und schon koennen die unteren Einkommen einen groesseren Anteil leisten. Super einfach.
Selbst wenn das so wäre, verschleiert es m.E. einen wichtigen Punkt. Natürlich kann man sagen, dass man für Umverteilung so viel Geld braucht, dass am Ende auch die Einkommen der oberen Mittelschicht stärker besteuert werden. Allerdings ist das in der Reihenfolge der Besteuerungen, die sinnvollerweise angepasst/ erhöht werden sollten eines der allerletzten Elemente.
Viel relevanter wäre es m.E. darüber zu reden, was die nächsten Schritte für die Erhöhung des Steueraufkommens wären und da sind natürlich Erbschafts-, Finanztransaktions-, Vermögenssteuer und co. die ersten auf der Liste.
Nicht nur aus einer offensichtlichen Gerechtigkeitsperspektive sondern auch aufgrund der volkswirtschaftlichen Wirksamkeit. Einkommen wird in Deutschland im internationalen Vergleich hoch-, Vermögen verhältnismäßig gering besteuert. Ersteres hat auch sichtbare (negative) Auswirkungen auf Arbeitsteilung, Anreize für Mehrarbeit etc.
Insgesamt finde ich, dass es wenig Mehrwert bringt hier intensivst über Maßnahmen zu streiten, die völlig jenseits realistischer politischer Mehrheiten liegen. Und wie hier schon angemerkt
spielt das denjenigen in die Händ, die ganz realistisch als nächstes für ein höheres Steueraufkommen sorgen könnten.
Wenig überraschend ziehen vor allem öffentlichkeitswirksame männliche Sportler, Künstler und (Medien-)Unternehmer die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Alleine die ersten vier – Michael Schumacher, Franz Beckenbauer, Sebastian Vettel und Dirk Nowitzki – vereinigen 22 Prozent der Berichterstattung auf sich. Mit Friede Springer steht die erste Frau auf Platz 12 der Liste. Über gerade einmal 25 Personen wurden die Hälfte aller Artikel geschrieben. Umgekehrt werden 23 Prozent – beziehungsweise fast 400 Individuen – aus den Reichenlisten nicht ein einziges Mal in den Medien genannt. Ungefähr drei Viertel aller Individuen werden über den gesamten Zeitraum und über alle Medien weniger als 90 Mal genannt.
Der Clou der Analyse betrifft den historischen Ursprung des Reichtums. Ischinsky untersucht, ob die Häufigkeit der medialen Erwähnungen mit dem Gründungsjahr des Unternehmens, aus dem der Reichtum stammt (beziehungsweise dem Jahr des Karrierebeginns), zusammenhängt. Der Auswertung zufolge finden vor allem die neuen (nach 1945 erworbenen) und sehr alten (vor 1918 erworbenen) Vermögen mediale Aufmerksamkeit, während die Vermögen, die in der Weimarer Republik und der NS-Zeit gebildet wurden, am wenigsten erwähnt werden.
Würde mich auch sehr freuen, wenn die Lage sich ausführlich diesem Thema widmen würde
Oder aber die oberen Einkommen arbeiten nur noch halbtags, um eine bessere Work-Life-Balance zu bekommen. Beantwortet dann auch die Frage, wofür arbeitet man eigentlich.
Wenn ich an die Diskussionen denke, als unsere Kirche dem Dekan eine Halbtagsstelle mit Jobsharing genehmigen wollte - eher unrealistisch.
Unsere Führungskräfte sind 24 Stunden und am Wochenende erreichbar. Am liebsten schreibt man Mails um 23 und 5 Uhr und vor allem am Weihnachtsabend, um jedem zu zeigen, dass man das auch wirklich lebt.
Als wenn die das könnten… Es gibt Leute die brauchen das, und wollen das auch.
Dieser Eindruck täuscht. Wenn man nicht im 9-to-5-Hamsterrad steckt und sich die Arbeitszeiten selbst gestalten kann, dann lebt man sehr schnell antizyklisch zur arbeitenden Bevölkerung. Es geht nicht darum, ihr aus dem Weg zu gehen, aber wenn man es tut, ist es wie Urlaub in der Nebensaison. Es ist entspannter.
Um eins noch anzumerken, mir persönlich ist es völlig egal, auf welche Weise das nötige Umverteilungsvolumen zusammenkommt, um Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen hinreichend zu entlasten. Dass das auf dem Wege einer ausschließlichen Kapitalbesteuerung gelingen wird, bezweifle ich stark. Falls sich auf diesem Wege aber - wider Erwarten - wirklich substanzielle(!) Besserstellungen im unteren und mittleren Bereich allein mit den genannten Kapitalsteuern erreichen lassen, soll’s mir recht sein.
Bemerkenswert erscheint mir, dass selbst die CDU bei der Einkommensbesteuerung nun schon auf 47,5 % ab 210.000 € kommen will, statt wie bisher 45 % ab 277.827 €.
Bemerkenswert erscheint mir ebenfalls, wie ausgeprägt doch Besitzstandswahrung und Selbstlegitimierung sein können, wenn’s um den schnöden Mammon geht. Na ja, sprachlich suggeriert ja das Wort Verdienst auch irgendwie, dass man ihn verdient hätte, selbst wenn in nicht wenigen Fällen nur Minderleistung und Bullshit Jobs dahinterstecken. Und da will ich jetzt gar nicht den Finanzdienstleistungsmanager mit der Altenpflegerin vergleichen.
Jedenfalls wirkt wohl eine Art protestantischer Arbeitsethik bei vielen nach, wenn immer wieder auf eine angeblich akkumulierte Leistung abgehoben wird, um selbst massivste Einkommensunterschiede zu rechtfertigen.
Zum Schluss noch ein ketzerischer Gedanke: Wie wäre das Einkommensgefüge, wenn neben der bisherigen Erwerbsarbeit auch die bisher unbezahlte Care-Arbeit ihrem gesellschaftlichen Mehrwert entsprechend vergolten werden würde?
Das stimmt. Man arbeitet anders, nicht notwendigerweise weniger. Dafür selbstbestimmter, freier, eventuell sogar mit viel weniger Bullshit, weil man weiß, was sich lohnt. Man muss sich nicht beweisen, anbiedern oder „Karriere machen“. Man arbeitet nicht für jemanden, sondern für sich. Das kann sehr sinnstiftend sein.