"Gravitationsspeicher" für saisonalen EE-Pufferung?

Eines der Probleme der erneuerbaren Energien sind ja die saisonalen Schwankungen, insbesondere bei der Erzeugung von Solarenergie. Soviel Solaranlagen bauen, bis auch im Winter genug Solar-Strom erzeugt wird, bräuchte enorm viel Fläche. Besser wäre es da natürlich, überschüssige Energie im Sommer zu speichern und im Winter zu verbrauchen.

Eine Speicher-Medium, das dafür eigentlich ideal wäre, ist die Lageenergie (oder „potentielle Energie“), mit der man so etwas wie „Gravitationsspeicher“ bauen kann. Eine solche Anlage hat eine chinesische Firma letztes Jahr zusammen mit der Schweizer Firma Energy Vault errichtet:

Energy Vault Project – China, Rudong (weitere Bilder)

In diesem 148 m Meter hohen Gebäude sollen (final) 12.000 Gewichte à 25 t insgesamt 100 MWh elektrische Leistung speichern (Quelle). Dazu werden die Gewichts-Blöcke im Inneren über Kräne nach oben gezogen und dort eingelagert. Bei Bedarf lässt man die Blöcke dann wieder herunter, treibt einen Generator an und erzeugt somit Strom.

Als Hauptvorteile der Technik sehe ich dabei:

  1. Lebensdauer: Auch wenn das aktuelle Projekt nur auf 35 Jahre ausgelegt ist, handelt es sich am Ende um ein Gebäude, ein paar Kräne und Betonklötze. Es sollte also eigentlich möglich sein, so einen Speicher auch für 100 Jahre auszulegen, mit entsprechender Wartung der wenigen elektrischen Teile versteht sich.

  2. Quasi vollständige Unabhängigkeit von kritischen Rohstoffen.

  3. Umweltfreundlichkeit: Das Gebäude ist natürlich eine Betonkonstruktion, aber die Gewichte kann man aus Bauschutt herstellen oder auch aus Stein, da sie, außer ihrem Gewicht, quasi keine Anforderungen erfüllen müssen.

  4. Faktisch ungefährliche Technik: Es braucht keine chemischen Substanzen und birgt keine Brandgefahr.

  5. Quasi unbegrenzte Langzeitspeicher-Fähigkeit für den saisonalen Ausgleich von EE-Erzeugung.

Natürlich gibt es auch Nachteile, mir fallen da z.B. diese ein:

  1. Flächen- bzw. Volumenverbrauch:
    Die Prototypenanlage in Rudong ist 148 Meter hoch und hat eine Grundfläche von 110 m x 120 m, also etwa 1,3 Hektar für die 100 MWh gespeicherte Energie (Quelle). Zum Vergleich: Der geplante Gigawattspeicher in der Lausitz benötigt für 4000 MWh laut Betreiber 10 Hektar Fläche (Quelle). Das ist zwar etwas mehr als Faktor 4 kompakter als beim Gravitationsspeicher, aber auch nicht um Welten besser, finde ich.

  2. Die Kosten:
    Für die Anlage in China sind Kosten von knapp 90 Mio. Dollar (ca. 77 Mio. Euro) angegeben worden (Quelle). Zum Vergleich, das Franhofer ISE hat 2022 in einer Kurzstudie (Quelle) für große Lithium-Batteriespeicher (>1 MWh) Kosten von 250-500 EUR/kWh abgeschätzt. Bei 100 MWh wären das also 25 - 50 Mio Euro. Das ist zwar nur etwa halb so teuer, bedenkt man aber, dass Batteriespeicher keine so lange Lebensdauer erreichen dürften, relativiert sich dieser Nachteil des Gravitationsspeichers wieder.

  3. Die Optik?:
    Vielleicht müssen sich einige erst an den Anblick gewöhnen. Aber da diese Speicher ja überall gebaut werden können, kann man sie einfach in Industriegebieten oder z.B. auf abgerissenen Kohle-Kraftwerken bauen.

Alles in allem finde ich, dass die Vorteile enorm groß sind. Vor allem die hohe Nachhaltigkeit aufgrund der langen Lebensdauer und des einfachen Aufbaus ohne Chemikalien finde ich absolut überzeugend. Und gegenüber anderen mechanischen Speichern, wie Stauseen etwa, macht die universelle Einsetzbarkeit diese Technik sehr gut skalierbar.

Mit solchen Speichern ließe sich dann auch die Notwendigkeit für Gaskraftwerke als Puffer bei Dunkelflauten effektiv verringern, wenn auch nicht ganz beseitigen.

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I’ll just leave this here: https://www.youtube.com/watch?v=iGGOjD_OtAM

The energetics version of Gadgetbahn, debunked within 4 minutes, or your money back!

tldr: Mit dem selben Aufwand könnte man auch einfach einen Wasserpumpspeicher bauen.

Außer natürlich bei den Generatoren/Motoren, die gebraucht werden.

Außerdem ist Beton zwar kein “kritischer Rohstoff”, emittiert aber jede Menge CO2.

Sie müssen alle die selbe Form haben und maßhaltig sein. Je nach Wettereinwirkung müsste man vermutlich Stahlbeton verwenden um die von dir beschriebene Lebensdauer zu erhalten. Brücken aus Stahlbeton halten ca. 50 Jahre.

Da rechnest du dir glaube ich ein wenig was schön. Meine 12kwp PV-Anlage erzeugt eine Jahresüberschuss (den ich derzeit einspeise) von gut 5 Mwh. Wenn ich den in so einer Anlage speichern will, dann brauche ich dafür einen Würfel von ca. 100.000 m3. Mein haus hat weniger als 500 m3 Volumen.

Ein einzelnes Windrad erzeugt im Jahr ca. 10 Gwh Strom. Wenn ich davon 10% längerfristig speichern möchte, dann brauche ich 19 Millionen m3 Gravitationsspeicher. Das ist ein mittlerer Stausee - pro Windrad.

Das wird dir schwer fallen, wenn du neben jedes Haus in Deutschland einen deutlich größeren Betonklotz setzen musst, um nennenswerten saisonalen Speicher zu haben :wink:

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Für das Geld kann man locker 65.000 kwp PV in die Landschaft setzen, die dann selbst in Deutschland im Dezember noch 1,3 Gwh Strom erzeugen. Im Schnitt also etwa 40 Mwh pro Tag. Anstatt einem Mega-Betonturm, der einmalig 100 Mwh aus dem Sommer in den Winter übertragen kann, würde ich entsprechend eher eine PV-Anlage bauen, die im Dezember täglich zwischen 10 und 50 Mwh produziert und diese bei Bedarf mit Kurzzeitspeichern ergänzen.

Als Bonus kriege ich dann im Sommer mehr Strom, als ich jemals verbrauchen könnte :wink:

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Deutschland braucht ungefähr 60 GW elektrische Leistung, also 100 MWh elektrische Energie in einer Zeit von 10 s. Da bräuchte man also sehr, sehr viele solche Speicher für saisonale Pufferung.

Für kurzfristigere Speicherung könnte man das aber vielleicht sinnvoll verwenden.

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Bauschuttcontainer sind beispielsweise maßhaltig und lassen sich mit Bauschutt füllen. Dass zwei Container beladen nicht 100%ig gleich wiegen, spielt hier keine Rolle, da man die benötigte Energie sowieso über die Geschwindigkeit des Kranes reguliert.

Ich finde das Projekt als Versuch mehr als spannend. Es gab ja auch schon die Idee, jeweils 25to in den Windkraftanlagen aufzuhängen.

Ich find’s gut, dass die Schweizer und Chinesen das ausprobieren. Dann wissen wir am Ende auch, ob es Vorteile ggü von Pumpspeicherwerke hat. Denn man muss dafür ja kein extra Gebäude bauen. Eigentlich reicht jeder Ort, an dem es >100m abwärts geht, man einen Kran installieren könnte und ein paar Roboter, die oben und unten Gewichte ein/auslagern können…

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Bauschutt hat eine wesentlich geringere Dichte (1,3 t/m3) als reiner Beton (2-2,6t/m3). Für die selbe Speichermenge müsste man das Volumen der Speicheranlagen also nochmal grob verdoppeln. Um 10% der Jahresproduktion eines Windrads zu speichern, müsste man also schon das Volumen-Äquivalent von zwei Stauseen oberirdisch in die deutsche Landschaft setzen. Das ist doch absurd.

Davon gibt es sehr, sehr wenige, wenn du eine (mehr oder weniger) senkrechte Steigung brauchst und oben und unten (nennenswerten) Platz zur Lagerung von Gewichten haben willst.

Es mag einige sehr wenige Situationen geben, in denen sowas theoretisch möglich ist. Ehemalige Tagebaue sind beispielsweise schon große Löcher im Boden, die man mit einem Kran überbrücken könnte, um Material zu heben und zu senken. Das Problem: tiefe Gruben im Boden müssen konstant entwässert werden. Allein im rheinischen Braunkohlerevier werden jährlich 520 Mio m3 Wasser aus den Gruben gepumpt. Da sind wir denken ich im Bereich mehrere Gwh Stromverbrauch im Jahr, die auch ganzjährig (also auch während Dunkelflauten) anfallen. Ein Teil der in so einer Anlage gespeicherten Energie wird also nur darauf verwendet, das anfallende Wasser abzupumpen.

Wird es irgendwo auf der Welt irgendeine Situation geben, in der man einen Gravitationsspeicher sinnvoll einsetzen kann? Bestimmt. Aber mehr als eine Nischenlösung für ein paar Promille des deutschen und globalen Speicherbedarfs wird es nicht sein.

Solange das nicht mit öffentlichen Geldern passiert soll irgendein Venture-Capital-Bro da gerne Geld verbrennen (auch wenn er mit dem selben Geld auch nett ein paar PV-Anlagen, Windräder oder Batteriespeicher hätte bauen können …).

Aber ganz ehrlich: die Physik ist unerbittlich und ich kann mir nicht vorstellen, dass es irgendein CO2-ärmeren, billigeren und effizienteren “Gravitationsspeicher” gibt als diesen hier:

Power plants: Goldisthal - Vattenfall

Und auch das ist (wegen der geringen Energiedichte) keinerlei Lösung für saisonalen Speicher im nennenswerten Umfang. Dafür sind wir auf Wasserstoff oder ähnliches angewiesen.

Potentielle Energie 1m3 Wasser in 100 m Höhe: 981 kJ

Energiegehalt 1m3 Wasserstoff (gasförmig): 12.700 kJ

No contest.

Meine Vermutung ist, dass wir durch eine starke Überversorgung mit PV und Wind sowie durch besser ausgebaute Stromnetze auf saisonale Speicher sowieso weitgehend verzichten können und das der kleine Restbedarf durch deutlich günstigere (und subventionierte) Batteriespeicher, Pumpspeicher an geographischen Vorzugslagen und ein wenig H2 problemlos befriedigt werden kann.

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Um hier mal abstrakt das Positive hervorzuheben: Es gibt eine Menge kleiner und größerer Lösungen, die ein bisschen und in jeweils bestimmten Kontexten helfen. Seien es Pumpspeicher, Gravitationsspeicher, Schwungmassen, Zeolithe, Batterien, thermische Speicher, Power to Gas, Biogas, Verbrauchsflexibilisierung usw. usf.

Angesichts dieser Vielfalt und der technischen Dynamik verstehe ich sehr wenig, warum man Zweifel an der technischen Machbarkeit der Energiewende haben sollte. Fraglich ist doch nur, ob wir willens sind, die richtigen ökonomischen Rahmenbedingungen herzustellen. :slight_smile:

An Orten mit wenig verfügbarem Wasser und hoher Verdunstung dürfte ein solcher Gravitationsspeicher bspw. konkurrenzfähig sein. :slight_smile:

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Das würde ich allerdings anders sehen. In der Tat macht es natürlich Sinn erneuerbare Überkapazitäten aufzubauen und das europäische Netz auszubauen. Wie stark wir dadurch auf Langzeitspeicher verzichten können, ist am Ende dann eine ökonomische Frage, die von sehr vielen Annahmen abhängig ist.

Allerdings hat sich Agora mit diesem Thema sehr ausführlich beschäftigt und einige interessante Ergebnisse veröffentlicht [1]. Zwei Dinge finde ich besonders interessant:

  1. Im Gegensatz zu Kurzzeitspeichern ist bei Langzeitspeichern die Rentabilität relativ robust gegenüber der Preisentwicklung.
  2. Wenn wir Power to Gas als Speicher verwenden, sind die Kosten vor allem von der Leistung und weniger von der Kapazität abhängig.

Die Autoren untersuchen unter anderem ein Szenario mit 90% erneuerbaren Energien in Deutschland. Hier zeigt sich, dass ein Zubau von Langzeit-Speichern mit einer Leistung von 16GW bei Ausspeicherdauern von 1500-2000h am ökonomischsten ist. Das wären Kapazitäten von 24-32 TWh. Mal zum Vergleich: die Pumpspeicher, die wir heute haben, fassen ca. 40 GWh. Ja - da liegt Größenordnung 1000 dazwischen. Wichtig ist auch festzuhalten, dass man hier von 90% Erneuerbaren ausgeht. Alles darüber hinaus würde laut Autoren deutlich mehr Langzeitspeicher brauchen. Wenn man mal in andere Publikationen schaut, läuft einem diese Aussage übrigens immer wieder über den Weg. Das Szenario > 90% Erneuerbare scheint alles andere als trivial.

Mit anderen Worten: natürlich gibt es viele Unsicherheiten bei derartigen Zukunftsprognosen. Aber zum einen scheint das auf Basis der Agora Studie bei Langzeitspeichern eher weniger der Fall zu sein. Und zum anderen ist glaube ich durch die Zahlen klar geworden, dass wir in jedem Fall eine ganz andere Liga von Speichern brauchen, als wir sie heute haben.

[1]

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Wüsste nicht, wo ich diesen Ansatz schon mal gelesen habe. Hast du Quellen, dafür?

Und nur mal so:
Deine Lösung wäre also, massenhaft Solar- und Windenergie zu bauen und dann z.B. im Sommer, bei massivem Überangebot von Solarstom 60 - 80 % davon abzuregeln, nur damit im Winter immer genug Strom erzeugt wird? Müsste man die Anlagenbetreiber da nicht jedes Jahr mit Milliarden entschädigen, Stichwort: Einspeisemanagement? Wirklich sinnvoll klingt das nicht. Und was ist mit dem Flächenverbrauch und dem Materialeinsatz dafür?

Wenn die geologischen und geografischen Voraussetzungen dafür erfüllt sind, dann sicher. Aber das ist offenbar nur an wenigen Orten der Fall. DW hat zu dem Thema Gravitationsspeicher letztes Jahr ein Video gemacht (Link), in dem es u.A. heißt, dass Pumpspeicherkraftwerke sich nicht skalieren lassen, wenn der EE-Ausbau in Fahrt kommt.

Man könnte da auch mit Asynchronmaschinen ohne Permanentmagneten arbeiten, hat man bis vor wenigen Jahren auch noch bei Windrädern genutzt. Der Wirkungsgrad ist ein paar Prozentpunkte geringer, aber nicht gravierend schlechter.

Am besten wäre wohl Recycling-Beton. Daraus kann man formstabile Blöcke machen. Und wie gesagt, da man keine besonderen Anforderungen an Tragfähigkeit usw. hat, kann man da vermutlich auch sehr groben, günstigen Recycling-Beton nehmen.
Außerdem brauchen z.B. Lithium-Speicherbatterien zur Herstellung ja auch CO2, und natürlich für die Entsorgung.

Richtig, 19 mio m3 sind 10 der „Blöcke“, die sie in Rudong gebaut haben. An den Gedanken muss man sich in der Tat erst mal gewöhnen. Aber das war bei Windrädern und Solaranlagen nicht anders, oder? Wer konnte sich vor 30 Jahren vorstellen, wie viele davon heute in der Landschaft stehen?

Das sehe ich auch so.

Damit kann man ganz gut abschätzen, welche Rolle diese Betontürme für die Langzeitspeicherung spielen düften:

  • 12.000 * 25t für 100 MWh bedeutet eine Energiedichte von gerade mal 1/3 kWh pro t Beton.
  • Wollte man den deutschen Bedarf an Langzeitspeichern dadurch decken, wären das für 24 TWh also 72 Mrd t Beton
  • Das wären ca 18 Mrd t Zement, also etwa das vierfache der weltweiten Jahresproduktion [1] oder das 500 fache der deutschen Jahresproduktion [2]
  • Mit 0,59t CO2 pro t Zement [3] würde das einem CO2 Ausstoß von 10,6 Mrd t entsprechen, also etwa dem 16 fachen der gesamten CO2 Emissionen von Deutschland im letzten Jahr [4].

[1]

[2]

[3]

https://www.baunetzwissen.de/beton/fachwissen/herstellung/betonherstellung-und-klimaschutz-7229519

[4]

Deutscher Bundestag - Bundesregierung legt Klimaschutzbericht 2025 vor .

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Wie oben gesagt, Recyclingbeton sehe ich da als vielversprechenden Ansatz (Link):

In der Schweiz wird beim Betonrückbau manchmal der komplette Abbruch rezykliert.

Schon für „normalen“ recycelten Beton (normierte Tragfähigkeit usw.) sind wohl bis zu 45 % Recycling-Anteil. Bei einfachen Gewichts-Blöcken dürfte sich dieser Anteil sicher noch steigern lassen.

Aktuell ist außerdem geplant die Gebäude 2-3 mal höher zu bauen, wodurch man die gespeicherte Energie um den gleichen Faktor erhöhen würde, während sich der Betoneinsatz lediglich im Gebäude selbst erhöht.

Und man sollte auch bedenken, das ganze ist noch im Prototypen-Stadium. Da dürfte sich also bei Technik, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit noch einiges tun.

Zum Vergleich: 24 TWh Speicherkapazität in Lithiumbatterien wäre schon mit (optimistischen) 60 kg(CO2)/kWh etwa 1,44 Mrd. t CO2. Und die Batterien müssten mehrfach getauscht werden, damit der Batteriespeicher die Lebensdauer des Gravitationsspeichers erreicht. Damit liegen beide Technologien also nicht so weit auseinander.

Und was macht man mit den Lithiumbatterien, wenn sie nicht mehr gebraucht werden? Entsorgen ist jedenfalls viel teurer und aufwendiger als bei Beton. So etwas sollte man ja auch bedenken, wenn man über die Energiewende nachdenkt.

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Um es kurz zu machen: es wäre Wahnsinn, saisonale Speicherung über Lithium Batterien zu realisieren. Ein fairer Vergleich wäre Power-to-Gas. Selbst wenn man über Recycling den Ressourcenbedarf um 1/3 reduziert - die Größenordnung ist einfach völlig illusorisch.

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Nein, im Gegensatz zu Batterietechnologie sind Gravitation, Winden, Materialdichte und Statik ziemlich ausgeforscht. Hier kann man auf dem Papier (siehe einige vorherige Beiträge) bereits erkennen, dass es nur eine Nischenlösung wird.

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Ernsthaft?

Ich halte das für eine völlige Schnapsidee für alles, was über vereinzelte Anlagen für besondere Umstände hinausgeht.

Ihr redet davon zehntausende Türme in Windrad-Höhe, aber mit 100x100m Seitenlänge in die Landschaft zu stellen. Das ist doch absurd. Und unnötig. Und eine politische Totgeburt. Je weniger darüber geredet wird, desto besser, sonst kommt Söder noch auf die Idee, dass man sowas ja “fördern” könnte, um damit Energiespeicher völlig in Verruf zu bringen und die Energiewende vollends abzuwürgen.

Technisch lässt sich da auch kaum etwas optimieren. Elektromotoren und -Generatoren sind nahe an ihrer theoretischen maximalen Effizienz. Und auch bei Statik und Kranbau würde ich keine krassen Innovationen erwarten, die den Bauingenieuren nach tausenden Wolkenkratzern noch nicht aufgefallen sind. Wo wir gerade davon sprechen: hat eigentlich irgendjemand mal über das Fundament nachgedacht, dass es braucht um 25-Tonnen-Blöcke 200 Meter hoch zu stapeln? Da muss wahrscheinlich gleich nochmal so viel Beton versenkt werden.

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Stimmt, aber ich finde es trotzdem sinnvoll den Vergleich zu einer Technik zu ziehen, die heute tatsächlich im Einsatz ist.

Das ist bei Windrädern ähnlich, oder? Trotzdem werden diese kontinuierlich weiterentwickelt, sei es durch bessere Motoren oder eine effizientere Größe des gesamten Windrades. Und so eine Entwicklung hin zu einer möglichst effizienten und auch akzeptieren Form von Gravitationsspeichern würde es dann natürlich auch geben.

Oder in größere Städte, wo sie neben den anderen Gebäuden kaum auffallen?

An der Stelle gebe ich dir Recht. Politisch wird das erst mal schwer zu verkaufen sein. Aber das war bei den Windrädern nicht anders.

Und wir müssen halt irgendwann bei der Energiewende weg von wenig nachhaltigen Lösungen wie Batterien, zumindest da wo man sie ersetzen kann, wie eben bei stationärer Speicherung. Man kann sicherlich noch hier und da Wasserkraft zubauen, aber das dürfte vermutlich kaum reichen, auch wenn es schön wäre. Power-to-Gas ist auch kein schlechter Ansatz aber, ich meine, da war der Wirkungsgrad schlechter und passende Speicherstätten sind auch nicht endlos verfügbar.

Ich halte den Vergleich mit Batterien für legitim, denn ich glaube nicht, dass das Projekt als Langzeitspeicher dienen soll. Stattdessen wird es bei Produktions-Spitzen die Energie speichern und bei Verbrauchs-Spitzen die wieder abgeben.

Bei der Weiterentwicklung der Windräder geht es aber meines Wissens weniger um die Entwicklung effizienterer Generatoren, sondern vorwiegend darum die Konstruktion und Produktion dahingehend zu optimieren, dass größere Windräder (die wegen der höheren Lage effizienter sind) kostengünstiger erstellt werden können. Wahrscheinlich gibt es bei der Geometrie der rotoren mehr Entwicklungspotenzial als bei den Generatoren.

Ich sehe daher diese Speicher auch eher als theoretische Alternative zu Akkus mit eher lokalen Anwendungsbereichen.

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Windenergie wird seit über 1.000 Jahren ökonomisch genutzt (deutlich länger, wenn man auch die Nutzung von Segeln einbezieht). Die ersten wirtschaftlichen Windturbinen sind vor ca. 100 Jahren zum Einsatz gekommen. Und auch im deutschen Kontext gab es von Anfang an einen klaren Pfad zur Wirtschaftlichkeit über offensichtliche und realistische technische Weiterentwicklungsmöglichkeiten innerhalb eines gut verstandenen physikalischen Grundgerüsts. Nichts davon trifft auf “Gravitationsspeicher” zu. Bitte ziehe hier keine Vergleiche, wo es keine gibt, nur um eine schlechte Idee irgendwie schmackhaft zu machen.

Das machen Batteriespeicher heute schon wirtschaftlich und mit geringeren CO2-Emissionen und werden dabei nur noch besser werden.

Nur um das mal durchzuspielen:

  • Mit 90 Mio Euro (angebliche Kosten des 100 Mwh-Gravitationsspeichers in China) kann ich in Spanien eine 65 MWp-PV-Anlage in Spanien bauen (bei 1.300 Euro/kwp)
  • Die erzeugt auch im Dezember noch 6,3 Gwh Strom im Monat
  • Round-Trip-Efficiency für Elektrolyse ist für aktuell am Markt verfügbare Systeme zwischen 18 und 46% (einschließlich Verluste bei Transport und Speicherung)
  • Bei konservativ angenommen 25% Effizienz könnte man so im Dezember 6,3 Gwh Strom in Spanien in H2 umwandeln, nach Deutschland transportieren und dort wieder als 1,5 Gwh Strom einspeisen.
  • Und das ist der schlechteste Monat. Spanien hat eine deutlich niedrigere jahreszeitliche Variabilität beim PV-Ertrag als Deutschland, aber der Sommer ist natürlich besser. Anstatt für 90 Millionen Euro einmal im Jahr 100 MWh zu speichern, kann ich jeden Monat >1,5 GWh nutz- und speicherbare Energie erzeugen.

Capex für die H2-Infrastruktur ist hier nicht aufgeführt, weil sich das ohne Berücksichtigung der Skaleneffekte für so ein System nicht schätzen lässt. Nebenbei lässt sich das H2 mit besserer Effizienz auch noch direkt als Prozesswärme in der Chemie nutzen.

Natürlich ist das aktuell kein ökonomisch sinnvoller Prozess. Aber es wäre als Jahreszeitenspeicher jetzt schon wirtschaftlicher und emissionsärmer (gemessen an der Speicherkapazität über die Lebensdauer) als ein Gravitiationsspeicher. Gleichzeitig hat “Power to Gas” (ähnlich wie Windkraft vor 100 Jahren) einen relativ klaren Innovationsweg vor sich. Im Labor können heute Round-Trip-Efficiency-Werte von deutlich über 50% erreicht werden, theoretisch möglich sind Effizienzen > 70%.

Die Effizienz einer Gravitationsbatterie kann ich aber nicht mehr steigern, wenn ich nicht neue physikalische Gesetze erfinde: Die Motoren/Generatoren sind nahe ihrer theoretisch maximalen Effizienz und die potentielle Energie eines Betonblocks in 100 Meter Höhe kann ich nunmal nicht verändern. Eine höhere Energiedichte kann ich nur durch ein anderes Material erreichen, aber alles was schwerer als Beton ist, ist gleichzeitig auch extrem viel teurer (und emittiert noch mehr CO2).

Man muss Versuchsanlagen für Gravitationsbatterien darum nicht gleich verbieten. Aber erhöhte Aufmerksamkeit oder irgendeine Form von Subvention sollte man ihnen auch nicht geben. Dafür gibt es zu viele sehr gute Alternativen mit klarem Pfad zur Wirtschaftlichkeit. Jeder Euro Investition, der in die Nischenlösung Gravitationsspeicher fließt ist ein Euro, der nicht für die Weiterentwicklung tatsächlich skalierbarer Lösungen bereitsteht.

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Und nochmal zum Thema Wirtschaftlichkeit. Bei 90 Mio Euro für 100 Mwh Speicher müsste ein Gravitationsspeicher 300 Zyklen im Jahr durchlaufen, um nach 20 Jahren profitabel zu sein (laufende Kosten nicht eingerechnet). Und das bei angenommenen 15 Cent/kwh Profit pro abgegebene kwh, was ich ehrlich gesagt für extrem optimistisch halte.

Seien wir mal extrem großzügig und nehmen an, durch Standardisierung könne wir die Kosten auf 10% des aktuellen Preises senken. Selbst wenn ich weiter von 20 Jahren bis zur Profitabilität ausgehe (was für keinen Investor ein interessantes Geschäft ist, egal wie lange die Anlage nutzbar sein wird), selbst wenn ich weiter die laufenden Kosten ignoriere und selbst wenn ich weiter von unrealistisch hohen 15 Cent/kwh Profit ausgehe, brauche ich trotzdem 30 Zyklen im Jahr.

Das ist von einem praktikablen Jahreszeitenspeicher sehr weit entfernt. So weit, dass ich keinerlei Pfad zur Wirtschaftlichkeit sehe.

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