Ich würde sagen, das primäre Argument ist die gegenwärtige Realität.
47% aller Haushalte und 57% aller Bürger (vermutlich da Tierhalter-Haushalte seltener Singles und häufiger Familien sind) haben ein Haustier. Wir müssen wohl bei diesem Anlass wirklich erstmal klären, was wir meinen, wenn wir von „Luxus“ sprechen. Die übliche Definition ist, dass Luxus das ist, was weit über den durchschnittlichen Lebensstandard hinaus geht. Der Ferrari, das Haus am See, die 20.000 Euro-Armbanduhr. Das ist Luxus. Generell ein Auto fahren, einmal im Jahr in den Urlaub fahren zu können und übliche, auch etwas teurere Hobbies zu haben ist kein Luxus.
Hier wird meines Erachtens der Fehler gemacht, alles, was nicht „Existenzminimum“ ist, als „Luxus“ zu verklären. Zwischen „Existenzminimum“ und „Luxus“ liegt allerdings der Großteil aller Güter und Dienstleistungen unserer Gesellschaft.
Haustiere sind daher kein „Luxus“, sondern Teil des durchschnittlichen Lebensstils. Die Frage ist: Wollen wir das ändern? Ich bin da durchaus offen für, allerdings müssen wir auch diskutieren, ob das gesellschaftlich durchsetzbar ist. Wenn jetzt Schwarz-Rot auch noch entscheidet, über Gesetzesänderungen die Haustierhaltung so weit zu verteuern, dass Haustiere tatsächlich zum Luxus werden, sehe ich die „Die Regierung will uns unsere Tiere wegnehmen“-Wahlplakate der AfD schon vor dem geistigen Auge. Haustiere sind für viele Menschen ein extrem emotionales Thema und damit leider genau die Art von Thema, auf die sich Populisten stürzen werden (nicht, weil denen irgendwas an Haustieren liegen würde, sondern weil sie es perfekt instrumentalisieren können).
Das ist (für mich) zwar kein Argument gegen „Tierhaltung = Luxus“ aber ein sehr gutes Argument für eine gewisse allgemeine Beteiligung an den Kosten. Um ehrlich zu sein ganz vergessen, das Tierschutz Verfassungsrang hat.
Nun macht nicht „die Regierung“ das Halten von Haustieren teurer, sondern die Realität. Bislang war es nämlich so, dass die Tierhaltung auf Kosten der angestellten Tierärzt:innen so günstig lief. Das will heute verständlicherweise keiner mehr machen. Daher großes Kliniksterben (kam auch zu kurz im Bericht) und nun wird es langsam (!) realistisch teuer! Das sieht man auch am internationalen Vergleich.
Man sollte auch immer dazu sagen, dass niemand mit seinem Tier zur Tierärztin geht und dann wird es weggenommen und man bekommt es mit einer 3000€ Rechnung zurück.
In aller Regel werden alle Schritte mit den Patientenbesitzerinnen abgesprochen und man kann jeder Zeit sein Veto einlegen und sich über die Kosten informieren.
Ich finde es ist aber schon zu kritisieren, dass die Gebühren extrem gestiegen sind aber davon anscheinend nur die selbstständigen Tierärzte profitieren. Die aber wohl vorher auch nicht extrem schlecht verdient haben.
Das kann ja nun nicht Sinn der Sache sein.
Die selbstständigen Tierärzte müssen das schon an die Angestellten weitergeben. Ansonsten macht die Erhöhung ja überhaupt keinen Sinn.
Danke für die tollen Kommentare und Einblicke hier! Mich schmerzt es im Nachhinein immer noch, was (auch meinen) Tieren früher bei Narkosen zugemutet wurde. Zum Glück ist der Fortschritt da und wird auch umgesetzt, da sind höhere Preise klare Konsequenz.
Die Lage hat eine Hörerschaft, die informiert und differenziert ist - warum wird sie bei solchen Themen nicht vorab mehr einbezogen?
Ansonsten gilt auch für die Lage: man muss und kann nicht jedes Thema bearbeiten. Schuster und Leisten und so
einen guten Kommentar zum SWR Bericht über die bösen Tierärzte verfasst. Sehr ausgewogen, sehr differenziert und dadurch auch lang. Da es goße thematische Überschneidungen gibt, lasse ich den Link mal hier.
In den Shownotes zur neuen Folge, also der Folge nach der Tierarztfolge habt ihr den sehr gschätzten Kollegen Ralph Rückert verlinkt.
Da hatte ich schon Hoffnung, dass Ihr das Thema nochmal kurz aufgreift. Das ist leider nicht passiert. Aber Kollegen Rückert wollte ich auch schon verlinken. Nicht nur diesen Artikel, sondern vor allem diese Serie:
Aber auch viele andere Artikel dort beschäftigen sich ausgiebig und fachlich fundiert mit diesem Thema