Moin, langjähriger Fan und treuer Podcast-Hörer und Tierarzt hier.
Ich habe in der Zeit, als es völlig utopisch war, als Angestellter halbwegs Geld zu verdienen, versucht und bin daher zehn Jahre an der Uniklinik in Hannover angestellt gewesen und bin jetzt weiter an der Uni in anderer Funktion. Bin also nicht in der Praxis tätig.
Der Grund dafür war, dass man zu der Zeit, als ich in die Praxis hätte gehen sollen, mit circa 1.500 € netto im Monat hätte arbeiten sollen. Die schlechte Bezahlung hat mich tatsächlich abgehalten, in die Praxis zu gehen.
Ich denke, er hat versucht, alle Aspekte der GOT zu beleuchten, außer einem, wie ich finde, sehr wichtigen Punkt: Arbeitszeitgesetz. Da gibt es jetzt klare Vorgaben. Die gab es vielleicht zu meiner Zeit auch schon, hat aber keinen interessiert.
Um also einen Notdienst kontinuierlich zu erhalten, auch in einer Klinik, sind heute deutlich mehr Leute notwendig als früher. Ich habe Dienste geschoben von Samstagmorgen bis Montagmittag am Stück durch, inklusive der Nacht. Das wäre heute sicher nicht mehr drin.
Wenn dann noch Feiertage dazukommen, wundert mich die Rechnung der Katze nicht. Überhaupt sind einige Beispiele genannt worden, die völlig normal sind, wenn man sich mal hinsetzt und genau ausrechnet, wie viele Leute man für OPs und den Betrieb einer Klinik und die Sicherstellung des Notdienstes wirklich braucht. Denn während die Katze operiert wird, sitzen ja im Wartezimmer auch noch wieder Menschen mit Notfällen, die wollen auch alle versorgt werden. Sie können sich vorstellen, was los ist, wenn die Versorgung des geliebten Tieres länger dauert, weil eben nur ein OP-Team da ist und sich die Patienten stapeln. Dieser Aspekt kam etwas zu kurz. Danke, dass das noch kam.
Eine Abschaffung der GOT halte ich für sehr gefährlich. Man braucht nur in die Länder zu schauen, in denen die GOT abgeschafft wurde, und wie dort die Preise sind: nämlich höher. Das kommt am Ende zum Glück auch raus. War schon besorgt, weil den Lobbyverbänden so viel Platz eingeräumt wurde. Dabei wurden doch extreme Beispiele genannt, die sicher nicht die Regel sind. Ich kenne keinen Kollegen oder Kollegin, die zum dreifachen Satz abrechnen. Der einfache Satz ist in der Regel niedrig und wird vor allem bei sogenannten Nutztieren angewendet. Die Rechnung für einen Kolikpatienten über 80k würde ich gerne mal sehen. Das ist sicher ein extremes Beispiel, davon habt ihr einige hergenommen.
Und ist es eigentlich bei anderen Gebührenordnungen auch so, dass alle Beteiligten gefragt werden? Wenn die Gebührenordnung der Rechtsanwälte geändert wird, werden kaum die Mandanten gefragt, oder?
Ihr habt der Tierhalter-Lobby sehr viel Raum gegeben, auch ihre extremen Ausreißer zu präsentieren. Die Tatsache, dass diese Leute mit am Tisch sitzen, ist aber doch eher eine Ausnahme bei allen Gebührenordnungen, die der Staat so verordnet, oder?
Tierhaltung ist ein Luxus! Das ist das Problem. Neben den Ketten! Lösung kann nur eine flächendeckende Versicherung sein.
Liebe Grüße
Rolf
PS
Bereits jetzt muss jede einzelne Position aufgeschlüsselt werden, und ich sehe täglich Rechnungen, die zehn oder mehr Seiten sind. Da hat der „Dude der Bundesärztekammer“ vollkommen recht. Da habt ihr was falsch verstanden. Die Aufschlüsselung ist da: Da steht hinten ein Preis, und jeder kann sich die GOT hernehmen und schauen, wie hoch der Faktor ist. Einzig die Darstellung des Faktors ist optional, aber die Aufschlüsselung ist Pflicht, und dementsprechend sehen die Rechnungen auch aus.