Googles KI-Zusammenfassung bedroht Medien

Und dann wird es heißen: „Was du gegen Fruchtfliegen in der Wohnung tun kannst? Schau mein Video“
Und statt kurz einen Text zu überfliegen, kann man ein zehnminütiges Video in zweifacher Geschwindigkeit mit zwei Werbeunterbrechungen schauen.
Dann klappt das mit der Monetarisierung wieder.

Weil es ein Fakt ist. Die KI plappert meistens nach, was viele Artikel vorgegeben haben. Das ist sehr generisch. Der Aufwand der Rechecrhe wird nicht mehr entlohnt, das Zeitaufwändige im Journalismus ist die Recherche. Die KI fragt nicht noch mal im Kanzleramt nach, wie die Pressemitteilung gemeint ist.
Ich halte es für problematisch, dass auch Expertenwissen bei Journalisten entwertet wird, denn Expertise ermöglicht auch interessantere Fragen, die nicht gleich auf das Offensichtliche hinauslaufen. Das kann auch keine KI ausgleichen. Manchmal reicht es nicht aus, zu wissen, wo es steht. Manchmal muss man auch wissen, wo man etwas wie hinterfragen kann. Das scheinbar Nebensächliche kann doch wesentlich sein.

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Ich denke es wird einfach eine Transformation sein. Wenn die KI keine Antwort mehr weiß wie oben gesagt wird die Frage ja nicht aufhören und der Mensch wird dann in Foren oder auf anderen Wegen danach suchen. Als Beispiel die Lage. Sie ist durch diesen Trend nicht bedroht den das Geschäftsmodell funktioniert weiterhin. Eine komplette Redaktion zu unterhalten wird hingegen in Zukunft vermutlich schwieriger aber ist das denn noch nötig? Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit :man_shrugging:
Das die Menschen Angst davor haben was mit ihrem Job geschieht und nicht wissen wo die Entwicklung genau hingeht und deswegen für den Status quo kämpfen ist verständlich. Es muss auch vielleicht noch Anpassungen geben wie das immer Quellen genannt werden müssen am Ende der Antwort usw. aber da ist man ja dran. Da ist die Google Frage im Prinzip wie eine Frage hier im Forum…da muss man auch manchmal hinterfragen wo die Informationen herkommt :wink:

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Es gibt Sachen, wo wir erkennen mussten, dass sich etwas in die falsche Richtung entwickelt, einfgaches Beispiel ist der Asbest-Boom. Niemand würde heute mehr auf die Idee kommen, Asbest wieder einzuführen, weil es so ein toller Baustoff ist. Die Zeit irrt sich mitunter, einseitige Konzerninteressen irren sich vielleicht noch mehr.

Natürlich brauchen wir Redaktionen, die Kompetenz und Vermittlung miteinander so verbinden können, dass es die politische Debatte belebt und so dem Allgemeininteresse dient. Ich halte es für schwierig, wenn wir nur von Lobbypostionen gesteuert werden und niemand mehr mit Expertise gewichtet, Wir sind nicht nur Konsumenten, wir sind auch Bürger.

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Für Asbest wurden äquivalente Baustoffe gefunden und genauso wäre der Schritt bei Redaktionen. Die Lage der Nation ist ein gutes Beispiel. Crowdfunded eine gute Qualität liefern. Ebenso wäre das dann in Zukunft mit guten Redaktionen. Sie wären nur erheblich kleiner, weniger Overhead und spezialisierter. Aber das ist nur eine Idee. Um Jurassic Park zu zitieren. Der „Markt“ findet einen Weg :wink:

Die meisten Magzine haben nicht so viel Overhead. Sie sind vielfältiger aufgestellt, nicht nur Politik, sondern auch Wissenschaft, Ausland, Wirtschaft, Sport, Kultur im weitesten Sinne, Medien, der Spiegel, die Zeit und der Focus, FAZ, Süddeutsche, Tagesspiegel bieten oft diese Breite, das ist gut so. Es wäre eine massive Verarmung, wenn die Breite verloren ginge, wenn es sich nicht mehr rechnet…

So etwas wie die Panama-Papers können die Lage-Macher nicht in Angriff nehmen, weil es viel Zeit verschlingt.

Was ist, wenn die Macher mal nicht mehr können. Das wird zwar nicht so schnell vorkommen, aber perspektivisch kann es ein Problem werden.

Ich denke, sowas werden in Zukunft ohnehin eher spezialisierte Recherche-Kooperationen wie Correctiv, Bellingcat und co. machen. Gerade bei diesen Großprojekten, an denen alle Medien interesse haben, ist es schon jetzt merkwürdig, dass einige Magazine die ganze Arbeit schultern (meist bereits kooperativ), während andere, die nichts beigetragen haben, dann über die Sekundärberichterstattung mit einem Maximum von Clickbait die Früchte ernten. Bei den Panama-Papers lief das ja auch nicht über ein Medium, sondern über das Internationale Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ).

Der Bedarf an derartiger Berichterstattung scheint aktuell eher zu wachsen als zu schrumpfen, entsprechend sehe ich da keine Gefahr. Denn mit dieser Art der Berichterstattung über massive Skandale wird sich immer auch Geld verdienen lassen.

Um zum konkreten Thema zurück zu kommen:
Die einfachste Lösung wäre wohl, dass Google und co. den Content Creators Geld zahlen müssen, um deren Content zusammenfassen zu dürfen. Dann kann Google sich wiederum entscheiden, ob sie ihre AI-Zusammenfassungen ihrerseits hinter Werbung verstecken, um das zu finanzieren, den Service einstellen oder ihn als Verlustgeschäft weiter betreiben. Für die Medien wäre dann alles beim Alten, nur, dass das Geld nicht indirekt über Google Ads kommt, sondern über Google. Da das aber eh alles über Google läuft, könnte Google auch einfach die Werbung, die auf den Seiten der Content Creators vermarktet wird, auch bei den AI-Antworten ausspielen und damit ein Nullsummenspiel für die Zeitungen erzeugen.

Horrorszenario. Ich hasse nichts mehr, als nach einfachen Antworten zu googlen, und diese nur in Form von Videos zu bekommen. Passiert leider schon oft genug. Tatsächlich weil Videos besser entlohnt werden als Text mit ein paar Werbebannern. Dann doch lieber eine Pflicht für KI-Anbieter, die Journalisten bezahlen zu müssen…

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Die Panama-Rechercheure waren alle bei einer Redaktion angestellt, die sich alle finanziert werden müssen. Sie hätten auch finanziert werden müssen, falls sich die Geschichte im Sand verlaufen hätte, was sicherlich vorkommen mag. Solche aufwändigen Recherchen sind teuer.

Auch Korrespondendnetze überall auf der Welt, wie es einige Tageszeitungen, der Spiegel und die ARD/ZDF tun, zu unterhalten, ist ebenfalls teuer. Das alles muss dauerhaft finanziert werden.

Wenn KI tatsächlich das Geschäftsmodell von werbefinanzierter Berichterstattung à la Rupert Murdoch oder der Bild zu Grabe trägt, profitiert in erster Linie der beitragsgestützte öffentlich-rechtliche Rundfunk oder kleinere Anbieter mit Crowdfunding wie die Lage, die nicht so stark von Werbeeinnahmen abhängig sind.
Eine Win-win-Situation.

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Interessanter Punkt.

Tatsächlich ist die Frage, ob ein Zusammenbruch des Modells der werbefinanzierten Medien zu einer Stärkung beitragsfinanzierter oder aktivistischer Medien führen würde. Gerade Letzteres kann AI eben nicht ersetzen: Die politische Einordnung, die letztlich das Markenzeichen von Podcasts wie der Lage der Nation oder der Wochendämmerung ist. Gerade diese Formate sind ja auch sehr „personengebunden“, daher: Viele Hörer haben auch eine gewisse parasoziale Beziehung zu den Hosts. Ähnliches gilt für Zeitungen wie die Taz, die als Genossenschaft mit zusätzlicher Beitragsfinanzierung weniger auf Werbung angewiesen ist.

Größere Recherchen müssten dann über Beitragsfinanzierung laufen, was natürlich immer die Gefahr birgt, dass der Staat als zumindest indirekter Distributor der Finanzmittel eine Einflussmöglichkeit hätte, unliebsame Recherchen zu unterdrücken.

Also wie immer mit großen Veränderungen: Viel Licht und viel Schatten. Ich würde „mittige“ Zeitungen wie die Zeit, SZ, den Standard und co. aber durchaus vermissen. Und generell funktioniert deren Modell ja auch noch - wenn man die Weiterverbreitung durch AI kostenpflichtig macht. Insofern denke ich nicht, dass wir auf ein Zeitalter ohne werbefinanzierte Medien zugehen. Und generell fürchte ich, dass Podcasts, TikTok und andere soziale Medien den klassischen Tageszeitungen viel stärker zusetzen als AI-Zusammenfassungen. Seit ich so viele Nachrichtenpodcasts höre lese ich jedenfalls wesentlich weniger Artikel in Online-Zeitungen…

Das Folgende passt hier nur oberflächlich ins Thema (weil unabhängig vom Medien-Thema) , könnte auch ein separater Thread sein: „Verflacht KI das Menschheits-Wissen?“

Wer mich hier kennt, weiß, dass ich sehr fasziniert bin von KI und es auch privat wie beruflich als Anwender viel nutze. Dennoch versuche ich, KI mit Abstand kritisch zu betrachten.

Heute lese ich in der Süddeutschen: „Hundert Milliarden Wörter täglich erzeuge sein Unternehmen, sagte Open-AI-Chef Sam Altman im Februar vergangenen Jahres, das sind grob eine Million Bücher. Pro Tag. Inzwischen dürften es mehr sein.“

Offenbar führt KI und vor allem die AI-basierten Chat-Apps dazu, dass Wissen nicht mehr gesucht und nachgeschlagen wird, sondern ständig re-generiert. Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass die Qualität der regenerierten Texte gegenüber dem Original nicht besser werden. Diese Text fließen, denke ich, wieder als Trainingsmaterial ein. Dieser ständige Kreislauf droht, das Wissen der Menschheit zu erodieren.

Angeblich arbeiten OpenAI & Co. bereits an Methoden, KI von KI-generierten Inhalten fernzuhalten, um diese „Verschlankung“ des Wissens zu vermeiden.

Dagegen kann man argumentieren, dass KI wie ein „Filter“ wirkt und das re-generierte Wissen besser wäre, weil es auf vielen Quellen beruht und „Mist herausgefiltert“ wird.

In jedem Fall geht aber Tiefe und Originalität verloren, insbesondere bei komplexen, fachlich anspruchsvollen oder neuen Fragen. Dadurch droht, dass unpräzises und möglicherweise fehlerhaftes Wissen weiterverbreitet wird.

In jedem Fall führt das Re-Generieren statt Rechechieren dazu, dass Menschen die Kompetenz verlieren, den Ursprung oder die Validität von Informationen kritisch zu prüfen.

Droht uns eine Verflachung von Wissen?

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Den Korpus von Daten, auf welchem KI trainiert wird, kann man in zwei Teile teilen: einmal das Datenmaterial, welches vor des Anwachsen von KI-Output entstand, und dann das Datenmaterial, welches danach in den Korpus aufgenommen wurde. Unter der Annahme, dass die zugrundeliegenden Daten (also beispielsweise Büchersammlungen) ursprünglich mit einem Datumsstempel versehen wurden, dürfte das Risiko, dass das Wissen der Menschheit erodiert wird, gering sein. Die Informationen müssten alle noch da sein und auch die KI-Modelle müssten jederzeit auf einen „Stand 2020“ zurückgebracht werden können.

Bei neuerem Datenmaterial gibt es aus meiner Sicht ein höheres Risiko, dass neu entstehendes Wissen nicht in adäquat aufgenommen wird, da es mit KI-generierten Texten in einen Topf geworfen wird. Hier vermute ich allerdings auch, dass es Verfahren gibt, die Quelle einer Information nach Glaubwürdigkeit zu gewichten, um den Effekt abzumildern.

Noch ein Aspekt von „KI und Gesellschaft“: Nicht nur Wissen und Journalismus sind bedroht, sondern auch Marken:

(Leider hinter Paywall - der Artikel ist ein Tagespass wert)

Durch die unmittelbar bevorstehende „Zero Click Future“ in denen Ki- Agenten Zugang zur digitalen Welt übernehmen und faktisch die Kaufentscheidungen für uns treffen, werden Marken (Brands) wertlos. Das, wiederum, finde ich erst einmal alles andere als schlimm.

Unwohl wird mir beim Gedanken, dass KI faktisch zum Gatekeeper wird und Branchen und Produktionsweisen beeinflusst. Früher wichtige Distinktionskriterien wie die Herkunft von Produkten oder die Expertise von Meinungsmachern verlieren an Bedeutung. Oligopole des traditionellen Kapitalismus werden durch Monopole des Digitalkapitalismus verdrängt, was zu neuen Machtverhältnissen führt. Supermarken der künstlichen Intelligenz wie ChatGPT und Google Gemini werden die neuen Machthaber sein und den Zugang zur Welt kontrolliere

Zur Zukunft von Medien sagt der Autor: Eine Minderheit wird sich weiterhin für Hintergründe und Quellen interessieren und eher bereit sein, für Medien-Nutzung zu zahlen. Medienhäuser müssen ihre Inhalte stärker kontrollieren, um sicherzustellen, dass KI-Systeme nur auf relevante und hochwertige Informationen zugreifen. Die Musterprozesse und Sammelklagen gegen KI-Giganten wie OpenAI, Meta und Google sind notwendig, um Inhalte rechtlich und technisch zu schützen.

(Mit Unterstützung der KI-Zusammenfassung von Apples „Sprachtools“, von mir kuratiert).

Das Haupt-Problem ist aus meiner Sicht, dass AI aktuell dazu führt, dass weniger „menschlicher Text“ erzeugt wird - und auch der erzeugte menschliche Text oft durch AI „optimiert“ wird. Dadurch droht zumindest die Gefahr stilistischer Armut und übermäßiger Standardisierung von Sprache. Diesen Effekt haben wir schon bei der allgegenwärtigen Rechtschreibekontrolle (die natürlich noch keine AI ist…), wenn diese überall eingesetzt wird und dann Tipps gibt, wie z.B. „Vermeiden sie überflüssige Füllwörter“. Diese „überflüssigen Füllwörter“ sind Ausdruck eines spezifischen Stils und sollten nicht als „Fehler“ oder „optimierbar“ deklariert werden, aber genau das tut AI natürlich, wenn sie menschlich generierte Texte „optimiert“. Die stilistische Vielfalt wird dadurch in jedem Fall leiden.

Das glaube ich ehrlich gesagt nicht. Im Idealfall kann man die AI nach eigenen Vorlieben trainieren und einstellen - ich z.B. würde eine Personal Assistant AI, wenn ich sie nutzen würde (was ich nicht tun würde), ganz sicher so einstellen, das vom Preis-Leistungsverhältnis günstigste Produkt zu kaufen und bloß keine unnötig teuren Marken. Aber das ist auch so meine Einstellung, würde daher wenig ändern.

Die meisten Menschen hingegen kaufen Marken ja nicht, weil das deren einzige Option wäre, sondern weil sie sich bewusst dafür entscheiden, als Markensklaven - sorry: Stilikonen - auftreten zu wollen. (Okay, hier merkt man vermutlich, wie sehr ich Markenware ablehne, gerade bei Statussymbolen wie Kleidung :wink: ). Die meisten Menschen kaufen Marken, weil sie diese Marken haben wollen, und das würde ein guter AI-Assistent natürlich berücksichtigen.

Im schlimmsten Fall geht meine Befürchtung in die andere Richtung: Dass AI-Assistenten Marken irrational bevorzugen, im schlimmsten Fall, weil die Konzerne hinter der AI dafür bezahlt werden. Insgesamt denke ich aber, dass sich durch AI-Assistenten die Relevanz von Marken nicht verändern wird.

Davon gehe ich fest aus, denn das ist eigentlich nur die logische Weiterentwicklung der bezahlten Platzierung in Google-Rankings heute. Wir Nutzer sind nicht die Kunden, wir sind das Produkt!

Nicht nur die Vielfalt, sondern – und das ist wahrscheinlich viel schlimmer – das allgemeine Textverständnis und die generelle Kommunikation leiden.
Ich habe in den ersten Berufsjahren viel Zeit darauf verwendet, zu trainieren, komplexe Zusammenhänge so zu verschriftlichen, dass technische Laien sie möglichst einfach verstehen können. Das war für mich als jemanden mit technischer Ausbildung und rudimentärem Talent für Wort und Schrift harte Arbeit.
Ich bilde mir aber heute ein, dass sich diese „Lehrjahre“ ganz entscheidend auf meine Ausdrucksweise und mein Verständnis beim Lesen von Texten ausgewirkt haben.

Ich will das ja eigentlich nicht überdramatisieren, aber wenn ich überlege, dass in Zukunft dieser Lernprozess bei vielen Menschen durch KI wegrationalisiert wird, kann ich mir nicht vorstellen, dass das für die Weiterentwicklung der Menschheit von Vorteil ist.
(Und das sage ich als jemand, der grundsätzlich technikoffen ist und ChatGPT mittlerweile fest in den Arbeitsalltag integriert hat.)

Lesekompetenz und -interesse entwickeln sich jetzt schon abnehmend.

Die Lesefähigkeiten deutscher Schülerinnen und Schüler haben einen Tiefpunkt erreicht, das zeigen Vergleichsstudien der Kultusminister. Es betrifft nicht nur die Gruppe der bildungsschwachen Jugendlichen. Auch an den Gymnasien sinken die Leistungen seit 15 Jahren kontinuierlich.

Gleichzeitig steigt laut Pisa-Daten die Zahl der Lesemuffel. Hier gibt nur noch jeder zweite Neuntklässler an, zum Vergnügen zu lesen, vor 15 Jahren waren es noch fast zwei Drittel.

Das gilt auch für Deutschlands Akademiker. Jährlich erhebt das Allensbach-Institut das Leseverhalten verschiedener Bevölkerungsgruppen. 2024 lasen demnach nur noch 17 Prozent der Studierenden täglich, 2002 waren es 43 Prozent. Fast jeder fünfte Student schaut nicht einmal jeden Monat in ein Buch.

[D]ie Krise der Lesekultur reicht über Deutschland hinaus und betrifft auch Spitzenuniversitäten, die nur die besten eines Jahrgangs nehmen. „The Elite College Students Who Can’t Read Books“, titelte das US-Magazin Atlantic im vergangenen Oktober.

Tatsächlich verdichten sich die Belege dafür, dass Smartphones der Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne – und damit den Grundlagen des Lesens – schaden. Kognitionsforscher Christian Montag, der die Auswirkungen der Digitalisierung auf unser Denken erforscht, sagt: „Wir wissen mittlerweile, dass eine exzessive Smartphone-Nutzung mit schlechteren akademischen Leistungen und mit weniger Volumen in manchen Bereichen des Gehirns korreliert.“

Eine Reihe von Metastudien zeigt, dass das Lesen auf Papier der digitalen Lektüre überlegen ist – insbesondere bei komplexen Texten. Das liegt nicht nur an dem Ablenkungspotenzial digitaler Geräte: Hier eine neue WhatsApp-Nachricht, dort ein Herzchen für einen Post, und wieso scrolle ich jetzt schon wieder seit zehn Minuten … Der Bildschirm selbst konditioniert dazu, Texte bloß zu überfliegen. So wandern die Augen – das zeigen Studien zur Blickerfassung – bei der Digitallektüre oft im Zickzackmuster über den Text, ohne ihn ganz zu erfassen. Andere Bildschirmleser springen von einem Satzanfang zum nächsten auf der Suche nach relevanten Informationen. Das gilt insbesondere für Sachtexte. Was dem schnellen Erfassen einer E-Mail nützt, schadet dem Deep Reading.

„Das Lesen langer Texte ist von unschätzbarem Wert für eine Reihe kognitiver Leistungen wie Konzentration, Aufbau eines Wortschatzes und Gedächtnis“, heißt es darin [sc. in der Stavanger-Erklärung]. […] Drei Jahre später erscheint ein digitales Werkzeug, das den Studierenden das Lesen langer Texte vollständig abnimmt: ChatGPT.

Lernforscher Peter Gerjets schätzt, dass für „70 bis 80 Prozent“ der Studierenden KI zum normalen Werkzeug geworden ist, um Texte zu formulieren oder Lektüren abzukürzen.

Diese möglichen langfristigen ökonomischen Auswirkungen würde ich noch weit höher einschätzen als die Einbußen von ‚Content-Kreatoren‘.

Für den Erhalt journalistischer Erzeugnisse könnte ich mir eine Art weiterentwickeltes österreichisches Modell vorstellen.