Goldreserven der Bundesrepublik in den USA

Ich habe gelesen, daß die Bundesrepublik Deutschland derzeit ca 1200 Tonnen Gold in den USA lagert. Besteht die Absicht diese Reserven bei der derzeitigen unsicheren Beziehung zu den USA nach Deutschland zurückzuholen? Es könnte doch unter dem derzeitigen US Präsidenten jederzeit passieren, daß die Goldreserven nicht mehr zurückgegeben werden. Ich mache mir darüber wirklich Sorgen.

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Gab es nicht vor Jahren schon Bestrebungen diese zurückzuholen. Glaube mich zu erinnern das das logistisch super schwierig war.

Es handelt sich um 1.236 Tonnen Gold, die in New York lagern und je nach Kurs aktuell einen Wert von ca. 150 Mrd € haben. Dies entspricht gut einem Drittel (37 %) der deutschen Goldreserven, wobei weitere 12 % in London und gut die Hälfte (51 %) in Frankfurt lagern.

„Zurückholen“ ist in diesem Zusammenhang nicht ganz das richtige Wort, da dieses Gold noch nie in Deutschland lag. Es stammt aus Zeiten des Bretton Woods Systems (bis 1973) und wurde zur Währungsstabilisierung aus deutschen Außenhandelsüberschüssen in den USA aufgekauft.

Der Transport von New York nach Frankfurt düfte nicht ganz trivial sein, hat aber in der Vergangenheit durchaus stattgefunden.
Eine komplette Auflösung der Goldreserven in den USA halte ich für etwas überzogen, aber eine weitere Reduktion wäre vermutlich durchaus angebracht.

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Im aktuellen politischen Klima wäre eine komplette Auflösung der richtige Schritt, um den USA zu verdeutlichen, wie sehr die Politik Trumps die internationalen Beziehungen ruiniert. Die USA arbeiten mit ungerechtfertigten Forderungen und Drohungen, in diesem Szenario ist eine Lagerung von Gold in den USA in etwa so sinnvoll wie eine Lagerung von Gold in Russland. Geht einfach nicht. Derartige Vermögensmassen kann man nur bei sicheren Verbündeten lagern, nicht bei Staaten, die auf dem klaren Weg zur Diktatur sind und mittlerweile alle Merkmale der gängigen Faschismus-Definitionen erfüllen.

Also ja, wir sollten vielleicht nicht alles Gold auf Einmal zurückholen, aber eben Schritt für Schritt. Und ja, wir sollten es Trump mit gleicher Münze zurückzahlen - so wie er ständig anderen Ländern (und Bundesstaaten, wie bei New York geschehen) damit droht, ihnen die Unterstützung zu entziehen, wenn sie den „falschen Kandidaten“ wählen, sollten auch wir klar ankündigen, dass wir jedes Jahr 20% unserer Goldvorräte zurückholen, so lange eine Regierung an der Macht ist, die uns Europäern mit Krieg droht, um ihre nationalen Interessen durchzusetzen. Und andere EU-Staaten, die Gold in den USA gelagert haben, sollten das Gleiche tun.

Inwiefern sollte sich Trump davon beeindrucken lassen? Dann wird halt weniger Gold in den USA gelagert. Die USA lagern das Gold übrigens kostenfrei.

Den Sicherheitsaspekt eigener Goldreserven im eigenen Land kann ich nachvollziehen, aber so viel

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Ökonomisch würde eine vollständige Rückholung der deutschen Goldreserven aus den USA zunächst wenig verändern. Gold bleibt Gold, egal ob es in Frankfurt oder New York liegt, es gibt keine laufenden Erträge und weder Geldmenge noch Zinspolitik werden davon beeinflusst. Die Kosten für Transport, Versicherung und Lagerung wären real, aber volkswirtschaftlich vernachlässigbar.

Der eigentliche Effekt einer Rückholung wäre daher weniger ökonomisch als politisch und psychologisch, nämlich ein starkes Signal. Es würde implizieren, dass Deutschland dem US Finanzplatz als Verwahrer weniger vertraut oder sich strategisch auf geopolitische Spannungen vorbereitet. Genau dieses Signal könnte Märkte verunsichern, andere Staaten zu ähnlichen Schritten animieren und langfristig das Vertrauen in die USA als neutralen Anker des globalen Finanzsystems schwächen.

Die Folgen einer möglichen „Beschlagnahmung“ deutschen Goldes durch die USA wäre wäre völkerrechtswidrig und käme faktisch einer wirtschaftlichen Kriegshandlung gleich.

Für Deutschland wäre der Schaden nur kurzfristig und vor allem rein bilanzieller Natur, ohne unmittelbare Auswirkungen auf Zahlungsfähigkeit oder staatliche Handlungsfähigkeit. Rechtlich ist das Gold Bestandteil der Währungsreserven der Bundesbank. Es gehört nicht dem Bundeshaushalt, nicht der Bundesregierung und auch nicht „dem Staat“ im politischen Sinne, sondern einer unabhängigen Zentralbank mit eigener Rechtspersönlichkeit. Sie hätte natürlich den Verlust in ihrer Bilanz, kann aber nicht insolvent werden, da sie als Zentralbank die Fähigkeit hat, Geld zu schöpfen. Dies bedeutet, dass sie theoretisch unbegrenzt Geld schaffen kann, um ihre Verbindlichkeiten zu decken. Insbesondere besteht auch keine „Nachschusspflicht“ des Bundes.

Für die USA wären die Folgen hingegen systemisch. Das Vertrauen in die sichere Verwahrung von Reserven wäre nachhaltig zerstört, andere Staaten würden ihre Bestände abziehen, die Rolle des Dollars als Leitwährung würde massiv unter Druck geraten und die Refinanzierung der USA verteuern. Leitwährungen funktionieren nicht durch Zwang, sondern durch Vertrauen, genau dieses Vertrauen würde eine Beschlagnahmung irreparabel beschädigen.

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