Gesundheitsreform --> Gesetzliche Krankenkasse x93?

Es wird gerade extrem viel über die Gesundheitsreform gestritten. Aktuell sieht es ja so aus als würden die Kosten wieder auf den Patienten verteilt. Höhere Beiträge, höhere Gebühr bei Medikamenten und natürlich weniger Leistung (Homöopathie zu streichen halte ich für Überfällig, aber es werden ja auch sinnvolle Dinge gestrichen). Was ich aber überhaupt nicht höre ist das Problem der 93 gesetzlichen Krankenkassen. 93x Verwaltung, 93x unbezahlbare Chefetagen, 93x Verstrickung in die Politik. Warum geht man da nicht mal ran? Gesetzliche Krankenkasse so aufziehen wie z.B. in Schweden oder Spanien. Eine gesetzliche Krankenkasse. Fertig. Ich vermute dann wären die ganzen finanziellen Probleme auf einen Schlag weg und der Patient erhält auch noch mehr Leistung. Warum ist sowas kein Thema?

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Ich finde das Thema gut - dieser Teil hier ist aber der springende Punkt, dazu gibt es sicherlich Erhebungen usw. die man sich anschauen kann, damit diese Debatte nicht auf Bauchipedia beruht

Bei einer gesetzlichen Krankenkasse wäre ich sehr vorsichtig. Wettbewerb ist schon sinnvoll.
Die Frage ist wie viele GKVen sollten es sein, um den Wettbewerb zu gewährleisten?
5,10,20? Sicher nicht 93…

Quelle: Statista
Es waren mal 1800 Krankenkassen…

Dazu hat mal eine Journalistin im Presseclub, die Spezialistin für den Gesundheitssektor war, gesagt: das ist ein rein emotionales Thema. Finanziell hat das 0 Auswirkungen, denn a) sind die Kassen heute schon so effizient, dass es quasi keine Skalierungseffekte mehr gibt, wenn man zusammenlegt und/denn b) im vergleich zu den Gesamtkosten des Gesundheitssysstems von über 300 Mrd Euro machen die administrativen Kosten weniger als als 4% aus und da spielen ein paar CEO-Gehälter und Ausgaben für Marketing quasi keine Rolle.

Keine Quelle, einfach nur wiedergegeben von jemandem, der sich auszukennen schien.

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Die Expertenkommission des BMG zur Vorbereitung des Gesetzes hat sich in ihrem Bericht (ab S. 384) damit relativ ausführlich befasst. Ich hatte dazu vor einigen Wochen hier schon mal ausführlicher etwas geschrieben:

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Hier sehe ich ein Problem. Denn die privaten sind ja auch alle mit der Politik verbandelt.
Eine Gesetzliche gegen viele Private verliert an Stimme.
Eine Gesetzliche, die aufgeht in einer Bürgerversicherung wäre wohl die einzige Lösung, die funktionieren würde.
Und den Wettbewerb halte ich für nicht mehr existent. Der Leistungskatalog ist so eng gestrickt, dass es faktisch keine Unterschiede zwischen den Kassen gibt und nur um die eine oder andere Promille geht, die ich beim Beitrag sparen kann.

Was 12! Milliarden! sind. Also das ist bei weitem nicht wenig und das als administrative Kosten. Also Kosten ohne gesundheitlichen Mehrwert. Ich finde das schon sehr viel. Auch finde ich es schwierig das hier ein System existiert, in dem es zurzeit gesetzlich nicht möglich ist in Konkurrenz zu treten. Es ist faktisch, so wie es scheint, nicht möglich eine eigene gesetzliche Krankenkasse zu gründen.

Das war auch meine Intention. Also nicht eine “private” gesetzliche KK übrig lassen, sondern das System auf Staatlich umstellen.

Eine Zusammenlegung spart aber keine 12 Milliarden. Sondern irgendwas zwischen -4 und 4 Milliarden. Auch weniger Krankenkassen müssen ihre Mitglieder verwalten.
Krankenkassen können seit einigen Jahren auch insolvent werden und dieser Druck und die Konkurrenz scheint recht erfolgreich die Kostenentwicklung einzudämmen.

Mal in die Runde, vergleicht ihr eure Krankenkasse und wechselt zur günstigeren oder lasst ihr einfach laufen?

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Ich lese hier immer wieder das Argument, dass die Verwaltungskosten nicht so hoch sind. Aber wir sind uns schon alle einig, dass 93 Verwaltungsapparate und EIN Verwaltungsapparat ein Unterschied ist oder? Der Handlungsspielraum der einzelnen Krankenkasse ist doch eh extrem begrenzt. Daher denke ich durchaus das es einen Vorteil bringt alles zu verstaatlichen und dann eben nur einmal die Verwaltung zu brauchen.

Das kommt ein wenig darauf an, wie groß die jeweiligen Mengen sind, die ein Verwaltungsapperat zu bewältigen hat. Ab einer gewissen Organisationsgröße steigt auch wieder die Ineffizienz, weil die internen Abläufe komplexer werden. Es kann daher durchaus Sinn machen, die 75 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland nicht alle von einer Zentralverwaltung verwalten zu lassen. Sinnvoller wäre natürlich eine organisatorische Einteilung nach örtlicher Nähe, aber im Internet-Zeitalter ist auch eine Einteilung über geographische Grenzen hinaus sinnvoll.

Also ja, wir sind uns einig, dass zu viele einzelne Verwaltungen problematisch wären, dass jede Verwaltung (dh. jede Krankenkasse) ein Minimum an Versicherten haben muss, damit sich die Verwaltung rechnet, aber ich glaube nicht, dass eine „Riesen-Verwaltung“ für 75 Millionen Versicherte wesentlich effektiver wäre als 93 kleine Verwaltungen für jeweils i.d.R. eine sechs- bis siebenstellige Zahl an Versicherten.

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Wobei das ja auch zum Sparen zwingt, weil wenn man eben den Zusatzbeitrag nur gering anpassen kann um nicht dann doch spürbar Mitglieder zu verlieren, wird man gezwungen die Verwaltung effizient zu halten.

Den gleichen Effekt hätte man natürlich auch mit deutlich weniger Kassen.

Wäre aber am Ende nur mehr eine übrig gäbe es diesen Zwang nicht mehr. Sinkende Effizienz in der Verwaltung könnte man einfach an die Versicherten durchreichen.

Aber nicht alles was Verwaltung ist verwaltet ja nur die Krankenkasse als Institution, sondern vieles sind Prozesse die auch weiterhin erledigt werden müssen. Dann sitzt der Mitarbeiter halt nicht mehr bei TK, AOK und Co. sondern bei der Einheitskasse. Man hätte also mitnichten 1/93 der Kosten sondern eben vielleicht 75%.

Eine Einheitskasse hätte aber ja wie oben angesprochen keinerlei Druck zur Effizienz mehr. Wenn ich mir ansehe, dass z.B. in meiner Heimatstadt die Kommune eine Sportstättte die zuvor auf 400 € Basis durch einen Angestellten eines Fördervereins geleitet wurde dann durch eine Vollzeitkraft leitete, dann zweifle ich daran, dass eine staatliche Einheitskasse langfristig zu niedrigerer Verwaltungskosten führt.