Ihr Lieben,
ihr habt in eurer letzten Folge die Gesundheitsreform der Regierung als einigermaßen erfolgreiches Reformprojekt dargestellt. Als angehender Psychotherapeut (in Ausbildung) muss ich wirklich sagen, dass die bereits umgesetzten Kürzungen der Psychotherapiehonorare sowie die geplante Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen einen absoluten Rückschritt für Menschen mit psychischen Erkrankungen darstellen. Es ist letztlich nur ein schnelles Pflaster, eine kurzsichtige Maßnahme, die langfristig die Sozialsysteme noch stärker belasten wird. Als Person, die in diesem System arbeitet, fasst man sich wirklich nur fassungslos an den Kopf und fragt sich, ob es noch sinnvoll ist, diesen Berufswunsch weiterzuverfolgen.
Mir ist klar, dass die verschiedenen Lobbygruppen jetzt aufschreien, weil Veränderungen oft schmerzhaft sind. Aber manche der zahlreichen Gesundheitsberufe haben mit ihrem Widerstand hier sicherlich einen berechtigten Punkt.
Für euren Podcast würde ich mir wünschen, dass ihr das Thema etwas differenzierter darstellt. Nur weil 20 Milliarden Euro eingespart werden (das klingt viel und beeindruckend), heißt das noch lange nicht, dass es sich um eine erfolgreiche Reform handelt. Jeder Euro, der in Psychotherapie investiert wird, spart dem System drei bis vier Euro, weil beispielsweise Arbeitsunfähigkeitszeiten reduziert werden. Kurzfristige Einsparungen fallen uns daher später möglicherweise massiv auf die Füße.
Die Psychotherapie ist nur ein kleiner Teil des Gesundheitssystems. Dennoch denke ich, dass die Art und Weise, wie hier Reformen angegangen werden, exemplarisch zeigt, mit welcher Haltung die Regierung Themen im Gesundheitswesen behandelt: mit Fokus auf schnelle und gut klingende Lösungen, die langfristig gesellschaftlich erhebliche Schäden verursachen können.