Also bitte. Wie kann man gegenüber einer existierenden Katastrophe „neutral“ sein? Das funktioniert nicht. Wer „nicht für erneuerbare Energien ist“, der ist halt dagegen und damit ein Problem. Genau solche „neutralen“ Leute sind dann eben diejenigen, die zwar nominell dafür sind, dass „die Regierung was gegen den Klimawandel tut“, aber bitte ohne dass ihr Benzin, ihre Flugreisen, ihre Kreuzfahrten oder ihr Schweinenackensteak auch nur einen Cent teurer werden, oder dass sie sonst in irgendeiner Form ihr Leben ändern müssten. Und die wählen dann halt die Parteien, die genau diesen Wählerauftrag umsetzen, nämlich Schönwetterreden für Klimaschutz halten aber alle Maßnahmen auf den Sankt-Nimmerleins-Tag hinauszögern, und die stellen eben mit Abstand die Mehrheit nicht nur in diesem Land.
Im übrigen möchte ich gerne mal wissen, wieviele von diesen „Uninteressierten“, die von solchen Aktionen angeblich abgeschreckt werden – und dadurch woran gehindert werden? – sich denn schon mal irgendwann in ihrem Leben für alte Gemälde interessiert haben. Hätte ich solche Verwandten, wäre meine erste Frage, was denn auf dem entsprechenden Kunstwerk überhaupt abgebildet ist, und wenn daraufhin keine Antwort kommt, kann man das Gespräch gleich beenden. Dann spricht aus denen nämlich mitnichten ihre eigene Empörung, sondern einzig und alleine die der BILD.
(Ich hab mich im übrigen auf Twitter mal auf diese Art „neutral“ gegenüber der Flutkatastrophe im Ahrtal geäußert, dass ich ja nichts dagegen hätte, wenn die Leute ihre Häuser an derselben Stelle wieder aufbauen, wo sie schon vorher unversicherbar waren, und dass die gerne auch weiterhin mehrheitlich CDU wählen dürfen. Aber dass ich als Bewohner eines anderen Bundeslandes, dass Hochwasserschutz ernst nimmt und u.a. deswegen seit 1962 keine derartige Katastrophe mehr hatte, keine Lust habe, dass auch nur ein Cent meiner Steuergelder in irgendeiner Art diesen Leuten für ihre Unvernunft geschenkt wird. Das fanden einige Kommentatoren aus dem Ahrtal komischerweise überhaupt nicht witzig.^^)
Tja, und das ist, weswegen viele linke Aktionsformen oder auch Diskurse mich immer weniger ansprechen. Meiner Ansicht nach gibt es im Grunde (ohne moralische Bewertung) nur drei Grundmechanismen um gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken: (Massenhaft) Geld, (militärische, paramilitärische oder zumindest unberechenbare) Gewalt und (gesellschaftliche) Mehrheiten.
Mit dem Geld ist das so eine Sache. Wer viel davon hat, ist in der Regel nicht links. Im Gegenteil unterstützen viele Superreiche eher das genaue Gegenteil. Schließlich wollen sie gerne superreich bleiben bzw. noch viel reicher werden. Gewalt ist als Strategie für eine absolut von Wehrdienstverweigerern dominierte Bewegung mit weitreichend pazifistischer Ausrichtung auch nicht unbedingt erfolgsversprechend. Auch da sind rechte Bewegungen sicherlich besser aufgestellt, nicht zu vergessen der Staat selber mit seinem Gewaltmonopol, Polizei, Armee usw.
Da bleibt dann eigentlich nur noch die Schaffung gesellschaftlicher Mehrheiten als Option übrig, aber bei vielen linken Bewegungen und Aktivisten hat man eher das Gefühl, es geht darum sich nicht nur moralisch überlegen zu fühlen, sondern das möglichst auch raushängen zu lassen und sich maximal vom Rest der Gesellschaft abzugrenzen – welches im Idealfall alle außer einem selber und vielleicht einer Handvoll Gleichgesinnter sind.
Naja, sieht man ja bei den Corona-Maßnahmen, wie das funktioniert. Rechte Verschwörungsdullis eskalieren gewalttätig auf der Straße bis hin zu terroristischen Anschlägen und die Politik reagiert darauf, indem sie die Corona-Maßnahmen abschafft.