Gefährliche Fehleinschätzungen: Wenn Stadtwerke Gas als Zukunft verkaufen und ETS2 ignorieren

Hallo liebe Lage,
ich möchte eine Beobachtung aus einer kommunalpolitischen Sitzung teilen, die mir ehrlich gesagt große Sorgen bereitet, vielleicht wäre das auch ein Thema für eure Sendung.

Ich war kürzlich bei einer Stadt- und Ortsratssitzung, an der auch leitende Mitarbeiter unserer Stadtwerke teilgenommen haben. Was ich dort gehört habe, hat mich ziemlich fassungslos gemacht: Es wurde sehr offen suggeriert, dass Gas mit der aktuellen politischen Entwicklung wieder eine Zukunft hätte und man sich energiewirtschaftlich wieder stärker in Richtung fossiler Energien orientieren könne.
Mehrere Aussagen liefen darauf hinaus, dass die derzeitige Bundesregierung – speziell Frau Reiche – angeblich „zur wirtschaftsorientierten Energiepolitik der Vergangenheit“ zurückkehre.

Was dabei komplett ausgeblendet wurde:

  • ETS2: Ich habe ausdrücklich auf die Auswirkungen des kommenden Emissionshandels ETS2 hingewiesen, der fossile Energien im Wärme- und Verkehrssektor deutlich verteuern wird. Diese Tatsache wurde seitens der Stadtwerke vollständig negiert. Dass man vor Ratsmitgliedern und Bürger:innen so tut, als ob Gas langfristig kostensicher sei, fand ich höchst irritierend.

  • Langfristige Verteuerung von Gas: Weder die CO₂-Preise noch die sinkende Auslastung der Gasinfrastruktur wurden erwähnt. Stattdessen wurde Gas als vermeintlich stabile Zukunftsinvestition dargestellt.

  • Andeutungen zu Nord Stream 2: Es fiel sogar die Bemerkung, die Pipeline sei „nicht endgültig vom Tisch“. Das impliziert ja, dass ein erneuter Handel mit Russland perspektivisch als realistische Option gesehen wird – was geopolitisch und wirtschaftlich kaum haltbar ist.

Besonders befremdlich fand ich auch die massive Ablehnung gegenüber Wärmepumpen.
Es wurde ein völlig verzerrtes Bild gezeichnet, als wären Wärmepumpen ausschließlich Tiefenbohrprojekte oder exotische Speziallösungen. Ich habe mehrfach darauf hingewiesen, dass es zahlreiche Varianten gibt (Luft-Wasser, Sonden, Flächenkollektoren usw.) und dass die Technik sich längst im breiten Markt etabliert hat. Dennoch wurde die Wärmepumpe von mehreren Akteuren aus dem Bereich der staatlichen Energieinfrastruktur geradezu verteufelt.

Ich bin ehrlich gesagt mit mehr als einem Fragezeichen aus dieser Sitzung gegangen.
Mein Eindruck war: Hier wird ein fossiler Status quo verteidigt, den es so in Zukunft schlicht nicht mehr geben wird und man kommuniziert das der Öffentlichkeit in einer Weise, die mit den realen energiepolitischen Rahmenbedingungen kaum vereinbar ist.

Mich würde interessieren:
Wie verbreitet ist diese Haltung in kommunalen Energieunternehmen?
Wie ordnet ihr diese Abwehrhaltung gegenüber ETS2, Wärmepumpen und dem notwendigen Strukturwandel ein?
Und welche Rolle spielen Stadtwerke wirklich im Transformationsprozess oder auch im Widerstand dagegen?

Ich fände eine Einordnung von euch sehr wertvoll.
Vielen Dank für eure Arbeit und euren Blick auf solche systemischen Themen!

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Klingt etwas erschreckend… Die Stadtwerke haben als Gasnetzbetreiber, je nach Alter und Zustand des Gasnetzes, natürlich ein ökonomisches Interesse an dem weiter so

Gibt es schon eine Wärmeplanung der Kommune? Wird interessant sein, ob diese mit den obigen Aussagen überhaupt vereinbar ist.

Hier hat der Oberbürgermeister auf einer Veranstaltung behauptet man müsse Wärmepumpen wieder abreißen wenn demnächst die Wärmeplanung kommt und man in einem Fernwärmegebiet läge. Ich hoffe einfach es war nur Unwissenheit.

Die örtlichen Stadtwerke haben sich in meinen Augen bisher auch nicht mit besonderem Transformationseifer hervor getan. Ich denke das liegt einfach daran, dass sie zu stark in fossiler Technologie investiert sind. Neben der Gasinfrastruktur selbst laufen hier auch Liegenschaften wie Schwimmbäder usw. über die Stadtwerke als Betreiber.

Immerhin haben sie seit wenigen Monaten drei, vier Ansprechpartner die das Thema Wärmepumpe voran treiben, beraten und sich mit der Komplexität auskennen. Man möchte sagen sie versuchen das Thema mittlerweile positiver zu framen nachdem man zuvor eher der Bild-Zeitung hinterher lief.

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