Gedankenexperiment Gesundheitssystem

Gedankenexperiment Gesundheitssystem

Wie wäre es, wenn wir, statt Gesundheitsleistungen immer weiter zu kürzen, sie mal um präventive Maßnahmen erweitern würden?

Nur mal ein kleines Beispiel: eine Patientin mit sehr starken zyklusabhängigen Schmerzen (aufgrund ihrer Endometriose) kommt in die Hausarztpraxis und bittet um Hilfe. Es werden nacheinander immer stärker werdende Schmerzmittel verschrieben, bis hin zu morphinähnlichen Präparaten (die nur wenig Linderung schaffen) und auf ihren Wunsch hin wird ein Blutbild gemacht - Ergebnis: keine Auffälligkeiten. Weil das Leiden so groß ist und sie mittlerweile jeden Monat 10 Tage mit starken Schmerzen auf der Couch liegt, geht sie zum Ernährungsmediziner, den sie privat bezahlen muss. Nach einem deutlich ausführlicheren Blutbild, einer Stuhl- und Urinprobe sagt der Ernährungsmediziner zu ihr: „Bei den Werten ist es kein Wunder, dass es Ihnen so schlecht geht.“ Er empfiehlt eine Reihe verschiedener Nahrungsergänzungsmittel, eine Darmaufbaukur und einen Ernährungsumstellung. Nach 8 Wochen ist die Patientin so gut wie beschwerdefrei und kommt mit einer einzigen Paracetamol-Tablette über den Monat.

Dieses Beispiel zeigt, wie viel ungenutztes Potential unser Gesundheitssystem liegen lässt. Wäre diese Patientin nicht auf eigene Kosten los gegangen um nach Hilfe zu suchen, wäre sie wahrscheinlich noch weitere Jahre regelmäßig mindestens 10 Tage im Monat krank gewesen. Die Krankenkasse hätte starke Schmerzmittel und den regelmäßigen Arbeitsausfall zahlen müssen. Dabei hätte sie ihr mit ein paar 100€ Invest in eine umfangreichere Untersuchung schnell wieder dauerhaft auf die Beine helfen können. Was ist das für eine Idiotie?

Wenn man das ganze mal mit einen Auto vergleicht, wird in dem Standardprogramm von dem was die Krankenkassen an Kosten übernehmen, nur geschaut, ob das Auto noch fährt. Es wird nicht geguckt, ob die Blinker, Bremsen oder Scheibenwischer noch funktionieren und es wird auch nicht geschaut, ob noch genug Bremsflüssigkeit, Kühlwasser, Motoröl oder Sprit im Tank ist. Ob das Auto noch um die nächste Kurve kommt ist egal. Wenn wir aber noch ein bisschen was von unserem Fahrzeug haben wollen, es noch ein paar Mal durch den TÜV bringen wollen und es noch 100.000 km fahren möchten, dann müssen wir Prävention betreiben und nicht nur das Motoröl regelmäßig kontrollieren.

Und nichts anderes ist es doch mit uns Menschen. Wenn wir möchten, dass diese Gesellschaft leistungsfähig ist/bleibt/wird, dann müssen wir vorsorgen. Wenn wir bspw. rechtzeitig einen Vitamin-D-Mangel erkennen und VitD substituieren, dann kann das Schmerzen vorbeugen, die Knochen- und Zahngesundheit erhalten, Antriebslosigkeit, Müdigkeit und schlechter Stimmung vorbeugen, und das Immunsystem unterstützen. All das wirkt sich positiv auf die zukünftigen Krankheitskosten, auf die Krankheitstage, auf die Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmenden und auf das Betriebsklima im Unternehmen aus.

Ähnliche Effekte gibt es bei vielen weiteren Werten, deren Untersuchung nicht von der Krankenkasse bezahlt wird.

Hinzu kommt, dass Hausärzte häufig wenig Ahnung davon haben und Patient*innen diesbezüglich daher nur dürftig bis gar nicht aufklären. Zusätzlich werden Selbstzahler-Leistungen von Patient*innen häufig gemieden, weil es nicht wenige Menschen gibt, die sich solche Untersuchungen schlichtweg nicht leisten können.

Wenn die Kassen also mehr Leistungen zahlen würden, wäre langfristig nicht nur den Arbeitnehmenden geholfen, weil es ihnen gesundheitlich besser gehen würde, sondern auch dem Staat (mehr Steuereinnahmen, da weniger Krankheiten und langfristige Arbeitsunfähigkeiten), der Gesellschaft (höhere Zufriedenheit) und den Unternehmen (weniger Krankheitstage der Arbeitnehmenden, bessere Stimmung, mehr Leistungsfähigkeit).

Im oben genannten Beispiel sieht man, wie schnell sich derartige Investitionen in Gesundheitsbereich amortisieren können.

(Hinzu kommt, dass viele Blutwerte, die in Deutschland als „im Normbereich“ angesehen werden, in anderen Ländern bei weitem nicht als optimal angesehen werden.)

Die Tatsache, dass solche simplen Dinge nicht umgesetzt werden, zeigt, wie mächtig die Pharmalobby ist…

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Du triffst hier den Nagel auf den Kopf und sprichst ein Problem an, dass man angehen sollte. Unser komplettes System belohnt Krankheit, nicht Gesundheit, was historisch gewachsen ist und sich z.B. in Honoraren und Vergütungen von Ärzten zeigt.

In einem Punkt muss ich dir widersprechen: Mit der Pharmalobby hat das ausnahmsweise eher wenig zu tun. Big Pharma folgt der marktwirtschaftlichen Logik und weiß sich nur in den Bahnen unseres Systems optimal zu bewegen.

Gesetzgeber, Kassen und letztlich auch der Patient sind einfach anderes gepolt. Siehe Prävention-Paradoxon.

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Ich denke, dass die Pharmaindustrie sehr wohl ein großes Interesse daran hat, dass alles so bleibt wie es ist. Mit Nahrungsergänzungsmitteln ist ziemlich sicher deutlich weniger Geld zu verdienen, als mit Schmerzmitteln, Antidepressiva und Co. (Damit meine ich nicht, dass NEMs andere Medikamente in jedem Fall ersetzen können, aber ihre Wirkung sollte nicht außer Acht gelassen werden).

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NEMs könnten theoretisch echte Medikamente ersetzen. Um das zu beweisen, müssten die Hersteller jedoch aufwändige Studienprogramme aufsetzen, sich direkt mit der Standardtherapie vergleichen und eine offizielle Arzneimittelzulassung erwirken. Das ist extrem teuer und in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt – denn zugelassene Medikamente sind in ihrer Wirkung meist hochpotent und schwer zu schlagen.

Zudem sind Nahrungsergänzungsmittel rechtlich als Lebensmittel eingestuft. Krankenkassen dürfen sie somit gar nicht erstatten. Für die Hersteller ist das eigentlich ein Traum: Sie können ihre Produkte völlig ungeprüft und ohne jeglichen Wirknachweis auf den Markt werfen. Die Kunden wiederum kommen überall spielend leicht an die Präparate heran. Ob diese regulatorische Lücke gut oder schlecht für die Patienten ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Eines steht jedoch fest: Die Gewinnmargen in diesem Geschäft sind gigantisch.

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Das ist übrigens der Klassiker, den ich oft höre und auch am eigenen Leib erleben durfte. Es hilft, keine Frage. Vielen Diabetikern wäre auch ohne teure Medikamente zu helfen. Welche der Maßnahmen am Ende hilft, ist aber nicht genau zu sagen und vieles bleibt im Vagen. Bei mir reicht mittlerweile die Ernährung, um diese eine chronische Beschwerde stets wieder in den Griff zu bekommen.