GEAS bzw. Integration durch Arbeit

Ich arbeite in der Flüchtlings- und Integrationsberatung in einer Kleinstadt im Norden Bayerns. In meiner Arbeitspraxis habe ich erlebt, dass es nur einige wenige Möglichkeiten gibt eine Bleibeperspektive durch Arbeit zu schaffen. Bisher habe ich nicht mitbekommen, dass ein Spurwechsel, im konkreten Fall ein Wechsel vom Asylantrag in einen Aufenthaltstitel für Fachkräfte möglich war. Hierzu sieht das Gesetz vor, dass die Person vor einem bestimmten Stichtag (29.03.2023) nach Deutschland eingereist sein muss und den Asylantrag zurückgenommen hat.

Auch alle anderen Möglichkeiten wie man sich durch Arbeit eine Bleibeperspektive schaffen kann, sind vom Gesetzgeber stark eingeschränkt. Es ist schlicht nicht gewollt, dass die Menschen vom Asylsystem in einen Aufenthaltstitel rutschen können, wenn der Asylantrag abgelehnt wurde. Die Möglichkeiten, die bestehen bleiben sind eine Ausbildungsduldung (oder ein Aufenthalt nach Paragraf 16g AufenthG) oder eine Beschäftigungsduldung. Die Beschäftigungsduldung wiederum gilt nur für Menschen, die vor dem 31.12.2022 nach Deutschland eingereist sind und weitere Voraussetzungen erfüllen. Die Zahl derjenigen, die das in Anspruch nehmen können wird gegen Null gehen. Auch der Chancenaufenthalt nach Paragraf 104c ist an eine ähnliche Einreisefrist geknüpft und auch hier wird es kaum mehr jemanden geben, der sich darauf beziehen kann.

Was ich versuche zu sagen ist, dass es unglaublich schwer ist allein aufgrund von Integrationsleistungen einen Aufenthaltstitel zu erhalten. Ein Spurchechel vom Asylsystem in eine Arbeitsmigration, wie ihr es beschreibt wäre sehr wünschenswert, ist jedoch in der Praxis kaum möglich. Und wird durch GEAS auch nicht besser.

Eine Eine Duldung in Verbindung mit einer Arbeit eröffnet leider noch lange keine Bleibeperspektive. Anders herum gesagt: Arbeit schützt vor Abschiebung nicht. Und wenn vermutlich auch nur im Einzelfall: es passiert immer wieder, dass Menschen aus Arbeit abgeschoben werden. Das ist sehr frustrierend. Es kommen junge Männer zu mir in die Beratung, die seit knapp drei Jahren in Deutschland leben, hier in die Berufsschule gegangen sind, einen Ausbildungsplatz gefunden haben und jetzt nach Griechenland ausreisen mussten, weil dort bereits ein Schutzstatus besteht und sie hier keine Arbeits- oder Ausbildungserlaubnis bekommen haben - Mit der Begründung, dass sie ja auch ein Ausbildungsvisum beantragen können. Das schafft nicht nur Frust bei den jungen Menschen, sondern auch bei den Ausbildungsbetrieben und Berufsschulen. Aber die Weisung in den Ämtern ist klar: Ausweisung vor Integration.

Zum Thema, dass durch GEAS bessere, bzw. mehr Beratungsangebote geplant sind, bin ich sehr skeptisch. Ich hoffe, dass das in anderen Ländern so kommen wird. In Deutschland ist ein klarer Rückgang zu erkennen was Beratungsangebote angeht. So hat Dobrint ja bereits angekündigt die Asylverfahrensberatung zu streichen. Bei uns in Bayern wurde nun durch die Landesregierung eine Stellenkürzung der Flüchtlings- und Integrationsberatung um 20 Prozent durchgesetzt, ohne mit den Trägern vorher darüber zu sprechen.

Bleibt abzuwarten, ob durch GEAS die Beratungssituation in Deutschland noch verschlimmert wird, weil auch die Asylbehörde, also das BAMF, die Beratung anbieten könnte.

Auch im Bereich bessere Integration der Menschen, die sowieso schon hier sind, sieht es schlecht aus. Bis vor kurzem war es nahezu jedem Asylbewerber möglich einen Integrationskurs zu besuchen und deutsch zu lernen. Das hat nicht zuletzt dazu geführt, dass die Menschen viel schneller eine Arbeitsstelle gefunden haben. Die Gelder für die Integrationskurse wurden stark gekürzt, sodass die Menschen nun erst nach dem erfolgreichen Abschluss eines Asylverfahrens zum Integrationskurs gehen können. Vordergründig gilt hier Arbeit vor Spracherwerb. Allerdings, so kann ich für unseren ländlichen Raum sprechen, ist Arbeit ohne Deutschkenntnisse kaum möglich. Hier werden Gelder gestrichen, die später doppelt ausgegeben werden müssen, weil die Leute keine Arbeit finden und länger Jobcenterleistungen/Sozialamtsleistungen beziehen und dann doch erst einen Deutschkurs machen müssen, bevor sie eine Arbeit finden. Abgesehen davon, dass es vielen Menschen hilft durch die Teilnahme am Integrationskurs einen geregelten Tagesablauf zu haben.

Es ist nicht nur aus sozialer Perspektive ein Problem, auch wirtschaftlich gesehen kann ich niemandem diese Politik erklären. Vor allem nicht den Menschen, die zu mir in die Beratung kommen.

Ich fürchte die Situation der Menschen werden durch die GEAS Reform nicht besser, sondern spitzen sich zu.

Vielen Dank, dass ihr dieses Thema immer wieder aufgreift! Bitte bleibt da dran. Ich habe sonst das Gefühl, dass die negative Presse zu sehr Überhang gewinnt.

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Deshalb sehe ich den Ansatz grundsätzlich positiv, möglichst früh zu klären, welche Perspektive eine Person hat und welcher Staat für das Verfahren zuständig ist. Diese Zuständigkeitsregelungen müssen dann auch konsequent umgesetzt werden.

Aus meiner Sicht sollte die Registrierung und Zuständigkeitsprüfung grundsätzlich an den Außengrenzen der EU erfolgen. Ziel sollte sein, möglichst früh festzustellen, welcher Mitgliedstaat für das Verfahren zuständig ist. Dadurch würden Situationen vermieden, in denen Menschen zunächst in andere EU-Staaten weiterreisen, dort über Jahre leben, arbeiten oder eine Ausbildung beginnen und erst später die Zuständigkeitsfrage geklärt wird.

Mir geht es dabei vor allem um klare Zuständigkeiten und verlässliche Verfahren. Wenn von Anfang an feststeht, welche Einrichtungen und Behörden für die Bearbeitung zuständig sind, schafft das mehr Planungssicherheit für alle Beteiligten und vermeidet viele der heute entstehenden Widersprüche.

Langfristig würde ich mir wünschen, dass die europäischen Staaten die Verantwortung stärker gemeinsam tragen. Dazu gehören nicht nur finanzielle Beiträge an die Grenzländer, sondern auch gemeinsames Personal, gemeinsame Infrastruktur und gleiche Standards bei Registrierung, Verfahren und Unterbringung. Viele Staaten an den Außengrenzen haben selbst erhebliche Personalengpässe. Geld allein löst dieses Problem nicht.

Ein gemeinsames europäisches System kann aus meiner Sicht nur funktionieren, wenn die Zuständigkeiten für alle Beteiligten nachvollziehbar sind und die notwendigen personellen und organisatorischen Ressourcen gemeinsam bereitgestellt werden.

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Es geht vor allem um Fördern und Fordern.
Und zwar Fordern vom Staat, dass er erstens früh niedrigschwellige Arbeitsplätze und zweitens sofort Deutschkurse anbietet. Die Arbeitsplätze dürfen dann auch gerne vom Mindestlohn freigestellt sein. Im Gegenzug sollten sie dann mit den Deutschkursen abgestimmt sein (3 Tage+2 Tage).
Effekt: die Asylbewerber haben eine Beschäftigung und können schneller Zugang zur Bevölkerung finden.
Integrieren sie sich gut und sind sie arbeitswillig, muss schnell eine Bleibeperspektive geschaffen werden. Wer kein Deutsch lernt, Straftaten begeht oder die Arbeit schwänzt, wird genauer geprüft und mit Sicherheit eine Möglichkeit gefunden, warum er hier nicht bleiben kann.
Die aktuelle Situation ist, dass das beste nach dem Stellen des Antrags ist, sofort abzutauchen und sich illegalen Banden anzuschließen. Denn wenn der Staat einen nicht findet, ist ihm der Aufwand zu groß und er wendet sich dem zu, den er findet. Dummerweise der, der sich integriert hat, brav zu den Terminen kommt, einen Job hat.

Oh, bitte nicht! Dann substituieren viele Arbeitgeber Mindestlohn-Empfänger durch Migranten, die unter Mindestlohn arbeiten dürfen. Damit produziert man eine ganz blöde Stimmung „Migranten nehmen uns die Arbeitsplätze weg“.

Diese Formulierung bereitet mir arge Bauchschmerzen. Ich glaube nicht, dass Du so gemeint hat, wie es verstanden werden könnte, oder?

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Wie es verstanden werden könnte, ist bei dem Thema ja so eine Sache, siehe „Stadtbild“ u.a. Ich meine nicht, dass das so passiert bzw. meine ich, dass das in Einzelfällen sicher passiert, gerade, wenn dem Antragsteller suggeriert wird, dass die Chancen auf Bleiben gegen Null gehen und dass es dann keine bessere Möglichkeit gibt, sich dem Zugriff zu entziehen.
Wir haben hier Menschen in Ausnahmesituationen, da muss man akzeptieren, dass die auch bereit sein können, außergewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen.
Und ich sehe in der Ghettoisierung in den Asylantenheimen ohne Kontakt nach außen ein Problem.

Ja, das ist natürlich ein Problem. Auf der anderen Seite hast Du Arbeiter, die die Sprache nicht können und nicht flexibel eingesetzt werden können (wegen Sprachkursen). Ob die Kommunen da dann genug Stellen schaffen können? Grundsätzlich bekommen sie Leistungen, (im Moment nicht in angemessenem Maße weswegen ich da keine Einbahnstraße sehe) und da kann der Staat dann auch eine Gegenleistung verlangen und sieht, wer welche Qualifikationen einbringt und wie motiviert ist.

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