Ganztagsschule ab 2026 § 24 Abs. 4 SGB VIII

Hallo Lage-Team,

Ich bin Elternteil eines Kindes, das nächstes Jahr in Baden-Württemberg eingeschult wird. Meine Frau arbeitet in Teilzeit, da die kurzen Betreuungszeiten in Kindergarten und Grundschule nur Teilzeit möglich. Mit dem 2021 beschlossenen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung hatten wir gehofft, dass sich das mit dem Schuleintritt ändert.

In unserer kleinen Gemeinde werden Kindergarten- und Schulbetreuung jedoch nur bis etwa 14 Uhr angeboten, eine Ausweitung auf die vorgesehenen 8 Stunden ist laut Kommune nicht geplant. Dabei entscheidet die Gemeinde selbst über das Betreuungsangebot.

Das wirft für mich die Frage auf, warum es ein Bundesgesetz zur Ganztagsbetreuung gibt, wenn es vor Ort offenbar keine verbindliche Umsetzung gibt und auch keine Konsequenzen bei Nichteinhaltung vorgesehen sind. Zuständigkeiten zwischen Gemeinde, Land und Jugendamt wirken unklar, verlässliche Informationen sind schwer zu bekommen

Mich interessiert, wie andere Familien das erleben und welche Möglichkeiten es gibt, den gesetzlichen Anspruch tatsächlich durchzusetzen oder Veränderungen anzustoßen – ohne die wohnortnahe Schule wechseln zu müssen.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel

P.S.: Weitere Info habe ich eine Email gepackt und euch zugesendet.

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Kinder sind unsere Zukunft: wie viel Qualität steckt eigentlich in der Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Ganztagsschulplatz?

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Ich finde das Thema auch relevant.

Eine gute Ganztagsschule zu finden, ist Glückssache in Deutschland. In NRW gibt es ein Kinderbildungsgesetz - das regelt aber nur die Qualität in der Kita, nicht in der Offenen Ganztagsschule (OGS). Hier sind die einzelnen Schulen sehr unterschiedlich ausgestattet. Wir haben uns die Schule speziell wegen der OGS ausgesucht, die einen sehr guten Ruf hat. Die hat sogar bis 17 Uhr auf und auch 5 der 12 Ferienwochen.

Trotzdem gibt es auch hier Schwierigkeiten - etwa kurzfristige Schließung der OGS ca. 1 Monat vorher.

Wir haben jetzt zwei Kinder im Kindergarten und ab nächstem Jahr dann die Große in der Schule.

Bei uns (BW/Ostalbkreis) gibt es zwar Ganztagsbetreuung, aber die Qualität ist der letzte Schei*.

Zum einen meldet sich regelmäßig die halbe Belegschaft krank und zum anderen ist die Betreuung so mies, dass wir die Kinder in diese Verwahranstalt zwingen müssen. Die Erzieher sitzen im Grunde den ganzen Tag in ihrem Raum vorm iPad und „protokollieren dort die Entwicklung der Kinder“.

Geld zurück gibts bei Betreuungsausfall nicht und andere Kitas haben zwei Jahre Warteliste.

Meine Frau arbeitet schon 24h/Woche und das geht nur weil momentan die Großeltern noch helfen können.

Auch die Schule wird zwar Ganztagsbetreuung bis 16:30 Uhr anbieten, aber weil ich von Kollegen schon gehört habe, dass die Qualität der Betreuung dort auch Mist ist und die Kinder keine Hausaufgaben machen, werde ich wohl dann auch meine Stunden auf 35 oder 32 reduzieren.

Für mich ist die Ganztagsbetreuung eine nicht funktionierende Schnappsidee und ich wünsche mir die Zeiten zurück in denen eine Familie von einem Gehalt leben konnte.

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Kann leider als ehemalige Lehrerin an einer großen Gesamtschule im Ruhrpott auch nichts Gutes berichten. Bei uns bedeutete Ganztag einmal die Woche eine AG, der Rest war Unterricht bis kurz vor 16:00 ab der 5. Klasse an. Manche Fächer lagen nur im Nachmittagsbereich. Da konnte man versuchen seinen Unterricht noch so interessant zu gestalten, die Kinder waren einfach durch mit überfüllten Klassen und den ganzen Tag Lärm, nie Ruhe und Rückzug. Wenn ich nachmittags in Klassen kam, gab es fast immer Tränen, Streit und teilweise Prügeleien. Das war eher eine Verwahranstalt und schauen, dass sich keiner verletzt.

Ich hätte mir viel lieber nur kleinere Gruppen mit AG’s, Nachhilfe, Förderung und Zeiten für die Bibliothek etc. gewünscht.

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Auch heute kann eine Familie noch von einem Gehalt leben. Nur 1 Auto, kein in Urlaub fahren, Fleisch nur hin und wieder und wenn für jeden nur ein kleines Stück. Obst/Gemüse selber anbauen und gebadet wird nacheinander im Badezuber. Ich frage mich ein wenig wann die Zeit gewesen sein soll, in der bei einem Gehalt ein Leben für eine Familie nach heutigem Standart üblich war.

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Mir graust es vor dem Gedanken Kinder in dem gleichen Kontext 40h die Woche einzusperren. Ein Konzept, dass den Nachmittag auflockert oder wie oben bereits beschrieben, kleine AG, kann ich mir noch vorstellen. An meine eigene Kindheit zurück gedacht, waren die Freundschaften außerhalb des Klassenverbundes die, die mir den Ausgleich ermöglichten um die „Dramen“ in der Schule ertragen zu können.

Kurzgesagt: Ein Rechtsanspruch durchzusetzen der dann schlechte Umsetzung erfährt wollte ich nicht.

Am Namen mache ich einmal aus, dass Sie evtl. aus der Boomer-Generation kommen. Ist zwar off-topic, aber ich Grüße mal aus der Realität:

Meine Frau und ich, drei Kinder, 1,5 Gehälter im gehobenen Einkommensbereich, Urlaub grundsätzlich Camping, Auto 1 (steht meistens weil Fahrradfahrer), Wohnkosten 2.000€ kalt (und das ist für 120qm noch günstig) und nein, im Umkreis von 100 km gibt es keinen günstigen ländlichen Raum, Energiekosten wegen Wärmepumpe und PV kaum erwähnenswert, Smartphone erst neu wenn Softwaresupport ausläuft und nicht über 200€, Fernseher und PC 12 Jahre alt: am Ende des Monats froh, wenn noch ein paar hundert Euro übrig bleiben. Ohne das halbe Gehalt wären wir jeden Monat deutlich im Dispo. Warum? Weil das Preisniveau im Verhältnis zum Gehalt nicht mehr stimmt und öffentliche Abgaben im Gegensatz zum Gehalt stetig an die Inflation angepasst werden.

Link zum Thema: alleine für die Betreuung in OGS und Kita zahle ich inkl. Verpflegung derzeit über 600€. Es waren Mal über 900€, von daher bin ich schon froh.

Zum Thema OGS: es steht und fällt auch mit der jeweiligen Schule und dem dortigen Engagement. Unsere OGS ist der Wahnsinn: wird gemeinsam mit den Lehrkräften konzipiert, 20 AGs zur Auswahl, gute pädagogische Arbeit der OGS Kräfte - aber keine Hausaufgabenbetreuung. Warum? Weil die Schule statt Hausaufgaben mehr Unterricht anbietet, um soziale Härten zu vermeiden.

Ich stimme zu: entscheidend ist die jeweilige Gemeinde und der Wert, den diese Gemeinde dem Thema widmet. Allein ein Rechtsanspruch bringt gar nichts, brachte er schon im kitabereich nicht. Aber auch die Schule muss das Konzept leben. Genau wie in der Kita vermute ich, dass die vorherigen Generationen, die Schule oder Kita leiten, zum Teil nicht hinter dem Ganztag stehen, weil sie in einer Zeit sozialisiert sind, in der es Ganztag nicht gab und sogar in der Gesellschaft gesagt wurde, den ganzen Tag Schule oder Kita wären schlecht für die Kinder. Damit wieder Link zurück zum off topic von vorhin.

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Es war schon so, dass früher ein gutes (nicht überbezahltes) Industriegehalt gereicht hat, wenn (eben meistens leider) die Frau noch ein paar Stunden nur arbeiten war (ohne Mindestlohn). Jetzt müssen 2 arbeiten um eine gewisse finanzielle Sicherheit zu gewährleisten. Um irgendwie für das Alter vorzusorgen, weil die Rente nicht mal annähernd reicht. Man oft 2 Autos braucht wenn beide fast Vollzeit arbeiten und Kinder dabei sind. Daher gebe ich @Schorschie recht, dass es gerade nicht wirklich toll ist. Und wir reden hier nicht von Luxus. Man ist als Eltern schon immer hart an der Kante zum Burnout. Und da ich selbst schon unter schweren Depressionen gelitten habe kann ich das auch so wirklich sagen.

Dass das Recht auf Ganztagesbetreuung wieder mal ins Leere läuft wundert mich nicht. Unterstützung für Familien sind doch oft hohle Worte.

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Nein bin ich nicht. Rein statistisch ist die Kaufkraft gestiegen. Das wir heute nicht mehr mit einem Gehalt auskommen liegt halt an einem anderen Standart. In den 60er Jahren war für eine 5 köpfige Familie z.b. 70-85qm laut Wohnungsbaugesetz vorgesehen (laut Gemini). Ich kann mich wie gesagt nicht erinnern wann ein Gehalt für den heutigen Standart ausreichend war. Was wird für Kleidung und Nahrung ausgegeben? Was für sonstige Aktivitäten wie Musikunterricht oder Vereine/Hobbys. Ich glaube es wird extrem verklärt wie es damals wirklich war mit nur einem Gehalt in einer typischen Arbeiterfamilie. Aber wie gesagt..das ist eigentlich ein anderes Thema und schwer darüber zu diskutieren ohne das man sein Leben offenlegt, was vermutlich auch nicht im Interesse ist. Rein statistisch ist die Kaufkraft für ein Großteil der Bevölkerung gestiegen. Die Ansprüche allerdings auch.

Die Kaufkraft ist eine Kenngröße. Die Lebenshaltungskosten sind mehr gestiegen. Und die Kosten für Vereine und Musik (was jedem Kind offen zu stehen hat) sind dadurch auch hochgeschossen. Nur für Sportvereine, Schwimmunterricht (1 Kind) und Musik in der Gruppe ( 1 Kind) zahlen wir 150-200€ pro Monat. Und das ist normale Teilhabe. Ansonsten akzeptieren wir dass Startchancen nur für privilegierte Kinder gut sind, was jetzt schon ätzend genug ist.

Die Kaufkraft mag im Mittel gestiegen sein, ich bezweifle allerdings dass in dem dafür standardisierten Warenkorb öffentliche Abgaben und Gebühren enthalten sind.

Mal abgesehen davon, sehen wir im Mittel vermutlich auch einen Anstieg von privatem Vermögen, während der Zuwachs eigentlich nur bei dem obersten 1% erfolgt. Dort jedoch massiv.

Einen gestiegenen Anspruch stelle ich nur bei Leuten fest, die sich diesen dann “auf Pump” erfüllen. Wer vernünftig ist, der lebt, wie sie es fordern zwangsläufig mit Verzicht, aber heutzutage mit 1,5-2 Gehältern und Verzicht. Aus meinem eigenen Beispiel: weil sie schnell heraus wachsen bekommen meine Kinder zu 80% gebrauchte Kleidung. Fleisch essen wir übrigens gar nicht - Vegetarier. Das Fleisch von heute ist allerdings preislich auch eher das Biogemüse. Ich wage einmal zu behaupten, dass es heute günstiger ist, sich in Deutschland von Fleisch zu ernähren, als von hochwertigem Obst und Gemüse.

Ich sehe im Vergleich zur Generation meiner Eltern einen deutlichen Verlust in den Möglichkeiten der Lebenshaltung. Und wir reden hier nicht von Arbeiterfamilien. Heute trifft das alle, bis hin zu einem Gros der Akademikerfamilien.

Damit wir nicht vollkommen Off topic unterwegs sind: um genau die Grundbedürfnisse zu befriedigen, müssen beide arbeiten. Damit das geht, muss der Staat eigentlich für Entlastung sorgen. Mit dem Anspruch auf Ganztag in der Schule tut er dies aber nur auf dem Papier. Mit ins Gesetz gegossenen, losen Absichtserklärungen ist niemandem geholfen.

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In den 60er Jahren kostete 1qm Kaltmiete im Schnitt 1,11DM (S. 33) [edit:1998 West: 11,28, Ost: 9,43]. In 1998 waren bereits 2,8 Millionen Haushalte, die über 40% ihres Haushaltseinkommens für die Miete aufwandten (S. 39). Die Preissteigerung von 1960 bis 1998 betrug 237,17% (Quelle: Inflationsrechner).
Und hier zum PDF der obigen Zahlen:

https://www.bundestag.de/resource/blob/958066/06942611b2631ed20b9e70d31affc8e6/WD-7-008-23-pdf.pdf

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Das hat hier aber alles nichts mehr mit dem Ursprungsthema der Ganztagsschulen zu tun.

Bezugnehmend auf das Thema würde ich bitten, auf Polemik zu verzichten und faktisch zu argumentieren.

Ich nehme an, dass die Erzieher im Rahmen ihrer Möglichkeiten versuchen ihr bestes zu geben.

Es ist auch so, dass eben nicht jeder die gleichen Erwartungen hat.

Andere finden es aber toll, wenn es Hausaufgabenbetreuung gibt und die Kinder „frei“ sind, wenn sie heim kommen.

Wer in der Schule gemobbt wird, wird eben am Nachmittag weiter gemobbt. Für Vereine wird es schwerer, um Kinder und Jugendliche zu werben, wenn sie den ganzen Tag in der Schule sind.

„wird eben am Nachmittag weiter gemobbt“? Können sie das kurz einordnen?

Zum Thema inwiefern ein Job reicht oder nicht ist es natürlich etwas komplexer. Mit dem Lebensstandard von 1990 wird sicher ein Job eher reichen als mit dem von heute, aber gleichzeitig sind viele Dinge eben auch heute anders als früher. Der Sportverein der in den 90ern mit 35 Mark Mitgliedsgebühr nutzbar war weil alles durch Ehrenamtliche abgedeckt war kostet heute schon 80 € für die Mitgliedschaft und nochmal 350 € Aktivenumlage, weil der Trainer nun bezahlt wird und die Sportanlage Miete kostet. Jetzt kann man sich natürlich einfach einen anderen Sportverein aussuchen, aber dann muss das Kind auch wieder gefahren werden, hat weniger Training, etc. Ich finde daher generell schwierig die Zeit damals mit der von Heute zu vergleichen, weil einfach zu viele Dinge heute anders sind, zumal das regional (Lebenshaltungskosten und Lohnniveau) auch höchst unterschiedlich ist.

Zur Ganztagsschule habe ich auch ein differenziertes Bild. Einerseits befürworte ich eine umfassende Betreuung der Kinder mit mehr Zeit Inhalte zu strecken, aber auch neue Inhalte dazunehmen zu können.

Auf der anderen Seite weiß ich, dass Musikschulen, Sportvereine, etc. historisch so gewachsen sind, dass sie die Nachmittage komplett nutzen. Sportanlagen sind oft zu klein um alle Altersklassen ab 16.30 Uhr parallel trainieren zu lassen und werden heute oft ab 15.00 Uhr genutzt.

Reden wir über reine Betreuungsangebote, dann ist die Qualität meist höchst unterschiedlich. Es gibt vom Hort mit familiärer Athmosphäre bis zur Großeinrichtung bei der Erzieher nicht mal die Namen aller Kinder kennen können ja auch eine große Bandbreite. Projekte können gut umgesetzt sein oder reines Alibi.

Hier gilt wie bei fast allem eben auch, dass man nur die Qualität bekommt für die man auch bezahlt. Gute Angebote brauchen also am Ende auch eine gute Finanzierung die nach Möglichkeit auch die Eltern nicht so stark belastet, dass am Ende doch wieder nur die Kinder von wohlhabenden Eltern bei den guten Angeboten landen und der Rest eher verwahrt wird.

Wir hatten mal einen Austauschschüler aus Wyoming, den ich sehr beneidet hatte für das, was er von seiner Ganztagsschule erzählte. Er war aber gar nicht so begeistert. Als Indigener und schüchtern hatte er es sehr schwer in der Schule und das setzte sich dann am Nachmittag fort. Abseits einer Ganztagsschule hätte er die Möglichkeit gehabt, Menschen zu finden, bei denen er besser akzeptiert worden wäre und wenigstens nachmittags eine schöne Kindheit zu haben.

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