Liebes Lage Team,
ich fürchte in eurer Reform-Euphorie folgt ihr nun dem Narrativ, dass ihr in einer eurer Folgen schon entlarvt habt: die Deutschen arbeiten zuwenig, daher muss man, so eure Einschätzung länger im Alter arbeiten und wir brauchen mehr Menschen in Arbeit. Dazu braucht es mehr Anreize, die wir durch Abschaffung Ehegattensplittings und Kürzung Familienversicherung schaffen. Wir Männer, wissen also anscheinend am Besten, was Frauen brauchen, um mehr zu arbeiten. Aber arbeiten wir als Gesellschaft zu wenig? Wer verdient denn daran, wenn wir mehr arbeiten?
Wir haben aus meiner Sicht eine Schieflage in der Betrachtung von Wohlstand und Wachstum. Während in den vergangenen Jahren die Zahl der Milliardäre gestiegen ist, sind mehr Kinder und alte Menschen in Armut. Mindestlohn und Löhne sind von der Wachstunsentwicklung entkoppelt.
Während Politiker und Manager haufenweise falsche Entscheidungen treffen, falsche Anreize setzen (Steuersenkung ohne Kopplung an Investitionen) und auf kurzfristige Rendite (Wahlerfolge) schielen, wird suggeriert die Gesellschaft sei zu faul und reformunwillig.
Während Gewerkschaftbashing, Lohndumbing und Niedriglohnbereiche normal werden, diskutieren wir, wie wir den Gürtel noch enger schnallen müssen und bereiten uns im reichsten Land der Erde auf „harte Zeiten“ vor. Arbeiter*innen sehen ihre Interessen nicht bei Gewerkschaften und sozialen und demokratischen Parteien vertreten, sondern bei der AFD und der CDU. All dies ist aus meiner Wahrnehmung eine Folge der destruktiven Narrative. Ich würde mich freuen, wenn ihr dem nicht folgt und konstruktiv bleibt. Reformen sollen das Leben der Menschen verbessern.