Frage zur aktiven Sterbehilfe

Ich würde gern erfahren, was Menschen zu folgendem denken (es ist heikel, ich bin gespannt): Meine Großeltern waren beide im Altersheim und haben beide unter Krankheiten jahrelang sehr gelitten. Sie wollten nicht mehr, sie haben wirklich auf den Tod gewartet. Es war eine Qual, dabei zuzusehen - vor allem war das aber für sie selbst eine Qual. Das ganze ging ca. 36 Monate x 2 Personen x 3500 € so.

Wäre eine Stärkung der Möglichkeiten zur Sterbehilfe hier nicht ein möglicher Ausweg, der allen Beteiligten helfen würde?

Sterbehilfe mag sicher ein relevantes Thema sein, gerade für Menschen die leiden - aber gerade die Verknüpfung mit einem Kostenthema fände ich hier sehr schwierig (niemand sollte sich für einen unterstützen Suizid entscheiden um Kosten zu sparen)

Und selbst wenn man sich auf diese Debatte einlässt sind auch mit Sterbehilfe noch Kosten verbunden -

In der Vollkostenrechnung beläuft sich ein Freitod mit EXIT laut Geschäftsführer Bernhard Sutter auf über CHF 7’000

Quelle

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Das ist klar. Aber so einfach ist es meiner Meinung nach nicht. Die immensen Kosten können neben der gesundheitlichen Verfassung ein weiterer Faktor sein, der für die Betroffenen mental schwer wiegt, wenn man dabei zusehen muss, wie das Vermögen, das man sein Leben lang erarbeitet und durch sparsame Lebensführung aufgebaut hat, innerhalb kürzester Zeit verschwindet und man nichts hinterlassen kann. Und doch: Das war nicht der Grund, sondern ein weiterer belastender Faktor.

Die Kosten, die Sie für den selbst gewählten Suizid angeben, stehen ja unter Umständen in keinem Verhältnis zu den Pflegekosten… (Das entspricht etwa zwei Monaten Pflege).

Persönlich wäre mit deutlich leichter ums Herz, nachdem ich das mit angesehen habe, wenn ich wüsste, dass ich selbst diese Option in so einem Fall hätte… ggf. mit vorheriger Patientenverfügung oder so.

Sollte. Sicherlich. In einer idealen Welt.

Versetzt man sich aber in einen z.B. schwerkranken, bettlägrigen 70-jährigen, der weiß, dass jeder weitere Monat seines Lebens nicht nur mit vielen Schmerzen und wenig Freude verbunden ist, sondern auch dazu führt, dass aktiv das Erbe für die Kinder und Enkel wegfällt, müssen wir glaube ich schon akzeptieren, dass das auch einen Einfluss auf die Entscheidung haben wird.

Niemand sollte sich nur für Sterbehilfe entscheiden, um Geld zu sparen. Vor allem sollte niemand zur Sterbehilfe gezwungen sein, weil er kein Geld hat. Aber dass Geld einen Einfluss auf die Entscheidung hat ist eine knallharte Realität, die wir glaube ich nicht leugnen sollten - und die natürlich, mit Recht, von Gegnern der Sterbehilfe auch als Argument angeführt wird. Denn natürlich erzeugt die Tatsache, dass man gerade durch die Pflege die Erbschaft verbrennt, zu einem sozialen Druck, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Ich wüsste aber auch beim besten Willen nicht, wie man das verhindern könnte.

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Grundlegend sollte die aktive Sterbehilfe in Deutschland liberalisiert werden. Ich habe das Glück noch ein paar Großeltern und Schwiegergroßeltern zu haben, die selbst aber schon seit einigen Jahren darauf hinweisen, dass sie im Falle schwerer Pflegebedürftigkeit lieber abtreten möchten und das sogar in entsprechende Verfügungen geschrieben haben. Auch weil sie den schlimmen Verlauf eines meiner Verwandten mit schwerer, terminaler Krebserkrankung, aber auch den dementer früherer Freunde miterleben mussten.

Dennoch müssen sie akzeptieren, dass diese Verfügungen quasi keine Bedeutung haben, sofern sie nicht ins Ausland gehen oder in einen medizinischen Notfall geraten, an dessen Ende die Geräte abgestellt werden können.

Es kann doch nicht sein, dass das deutsche Rechtssystem jemandem, der am Ende seines Lebens steht, nicht zugesteht, dieses menschenwürdig selbst zu beenden.

Die Rettung des Krebserkrankten war schließlich eine mitfühlende Pflegerin, die die Morphiumrate den Schmerzen des Patienten anpasste bis dieser einschlief und nicht mehr aufwachte. Andere Pfleger und auch Ärzte weigerten sich zuvor die starken Schmerzen zu dämpfen mit exakt dem Grund, der Kranke könnte dabei einschlafen und möglicherweise nie mehr aufwachen. Und ihnen könne diese humane Tat dann als Sterbehilfe ausgelegt werden. Ein Unding aus dem Jahr 2021.

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