Liebe Lage, seit Oktober 25 ist das Befüllen der ePa durch Mediziner gesetzliche Pflicht. Seit Januar 26 wird das Nichtbefüllen sanktioniert - so zumindest steht es in Wikipedia, siehe Screenshot. Das gesamte UKSH, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, in Kiel ist bis heute nicht dem ePa-System angeschlossen. Ist das für euch ein Anlass für eine Recherche, wie verbreitet die ePa im Medizinbetrieb tatsächlich ist, quasi als Follow-Up zur Lage 414?
Spannendes Thema! Bin gespannt, was andere so berichten.
Zum Anlass dieses Threads wollte ich noch einmal in meine E-Akte schauen. Ich hatte die App der Barmer vor ca einem Jahr installiert. Heute wird mir nur angezeigt, dass ich die App leider nicht nutzen könnte, da mein Handy (Samsung Galaxy s20) zu alt oder zu unsicher sei.
Und ich erinnere mich noch, wir kompliziert die Einrichtung damals war. Ich würde die E Akte gerne mehr nutzen. Bzw. würde ich sie in Krankheitsfällen gerne nutzen - das kam zum glück noch kaum vor. Aber wenn ich diese Anmeldeprozedur regelmäßig durchlaufen muss, dann wäre das für mich ein no go
EPA ist spannend. Schon weil man dann als GKVler mal die Kosten sieht.
Ich glaube, die Vergütung fürs Befüllen der ePA soll mit der KV Reform entfallen. Wird die Ärzte nicht freuen. Nutzen immer noch begrenzt, zusätzlicher Zeitaufwand, und nun entfällt die Vergütung.
Was übrigens 11 € zur Erstbefüllung und lachhafte 1,91 € oder sogar nur 0,38 € (je nach Fall) sind…aber nicht alles auf einmal ausgeben, liebe Ärzte!
Mit der richtigen Software wäre das Bespielen der ePA überhaupt kein Mehraufwand und müsste auch nicht nennenswert vergütet werden.
Denn jeder Arzt muss für seine eigene Akte ohnehin Aufzeichnungen erstellen und ebenso für die Abrechnung mit der Krankenkasse. Diese vorhandenen Informationen könnte man ohne Mehraufwand mit einem Klick in die ePA speichern.
Da es keine Standards gibt oder gab, gibt es sehr viele unterschiedliche Systeme, die Ärzte benutzen.
Die Daten von da in die ePA zu erbringen erfordert entsprechend viele Übertragungsprogramme.
Das ist leider auch der Grund dafür, dass die ePA nur ein pdf Zettelkasten ist und zb Blutwerte nicht strukturiert und über die Zeit auswertbar tabellarisch abgelegt werden können.
Das hat mich so geschockt, dass ich es nachrecherchiert habe. Und tatsächlich, armes Deutschland, Du hast recht!
Aktuell werden z.B. Laborwerte über den seit Jahrzehnten etablierten strukturierten Standard namens LDT (Labordatentransfer) in die Praxissoftware übernommen. So können Hausärzte tatsächlich Zeitreihen von Blutwerten sehen und auffällige Werte werden oft farblich markiert.
Das geht nur für vom Arzt veranlasste Laborwerte über eine Schnittstelle Labor-Arzt. Und es gibt m.W. keine strukturierte Schnittstellen zwischen von Haus- und Facharzt - die Schnittstelle KIM (Kommunikation im Medizinwesen) transportiert bislang nur Dokumente, keine strukturierten Einzeldaten - genau diese Brücke sollte ja die ePA übernehmen.
D.h., der (zumindest bei mir) übliche Weg - der Facharzt schickt einen Brief mit Diagnosen, Therapie und Werten per Brief an die Hausarztpraxis - führt heute zu dem PDF-Zettelkasten.
Für Laborbefunde ist gesetzlich zwar eine Einstellungspflicht vorgesehen, aber die Praxen scannen und laden den vom Facharzt geschickten Brief hoch, nicht die dahinterliegenden strukturierten Laborwerte, Diagnosen, Therapien aus Facharztpraxen-Briefen.
Der Grund ist das noch fehlende standardisierte Zielformat: Das sogenannte “MIO Laborbefund” (Medizinisches Informationsobjekt), das strukturierte Werte in der ePA ablegen soll, ist nicht noch nicht fertig! Im Fall von Laborbefunden soll der Standard ab Herbst 2026 umgesetzt werden.
Das MIO-Prinzip sind kleine, standardisierte, maschinenlesbare Datenbausteine statt PDF-Ablage, die Zeitreihen und Auswertungen erst ermöglichen. Bislang sind aber nur wenige MIOs tatsächlich im Einsatz (Impfpass, Mutterpass und U-Heft), während zentrale Anwendungsfälle wie Laborbefund, Diagnosen oder Medikation noch in der Entwicklung oder erst in Pilotphase sind. Die elektronische Medikationsliste ist der bislang am weitesten fortgeschrittene strukturierte Baustein, da sie automatisiert aus E-Rezept-Daten generiert wird.
Meine Vermutung, dass Künstliche Intelligenz Arztbriefe strukturiert ausgewertet werden könnte könnte – gibt es zwar Forschung, aber nur im Frühstadium. “FHIR-Starter” am Fraunhofer IESE entwickelt einen Softwaredienst, der mittels LLMs und NLP Freitext aus PDF-Arztbriefen automatisch in FHIR-strukturierte Daten überführen soll. Die technische Machbarkeit wird also gerade erst erprobt, ihre Verfügbarkeit in gängigen Praxissoftware-Produkten ist noch nicht in Sicht.
Der Grund: Medizinische Kodiersysteme sind komplex, teils lizenzpflichtig und erfordern konsistente Zuordnung, damit Werte über Systeme hinweg vergleichbar bleiben. Jedes MIO muss fachlich zwischen KBV, Gematik und Fachgesellschaften abgestimmt und dann von Dutzenden Praxissoftware-Herstellern implementiert und zertifiziert werden. Denn die Telematikinfrastruktur ist ein geschlossenes, stark reguliertes Netz mit eigenen Sicherheitsanforderungen, was Innovationszyklen gegenüber freier Software verlangsamt.
Ärzte müssen zudem bei der Übernahme in die ePA bei jedem strukturierten Datentyp klären, ob Einwilligung, Datenschutz und Haftungsfragen (z. B. bei automatisiert generierten Diagnosen) sauber abgebildet sind. Denn die ePA ist rechtlich nur eine freiwillige Sekundärdokumentation der Patienten.
Die ePA ist konzeptionell als strukturierte Brücke gedacht: Statt bilateraler Punkt-zu-Punkt-Kommunikation zwischen Haus- und Facharztsystem soll sie als zentraler, versichertengeführter Speicher fungieren, in den jede Praxis unabhängig vom Hersteller strukturierte MIOs einstellt und aus dem jede andere Praxis sie wieder auslesen kann. Wie vorher beschrieben, ist dieser strukturierte Teil aber erst in Aufbau, sodass die ePA aktuell faktisch denselben Zustand wie KIM abbildet: Dokumentenaustausch statt echter Datenstrukturierung.
Nun ja, im Grunde ist das Befüllen der EPA aber auch nur die Einlieferung der vorhandenen Daten aus der eh vorhandenen Praxissoftware per öffentlicher REST-Schnittstelle in das TI System der Krankenkassen. Wahrscheinlich lassen sich die Praxissoftware Hersteller das Modul aber gut extra bezahlen.
Was ich damit sagen möchte: Für den Arzt sollte die Befüllung transparent und ohne Mehraufwand für dei Dateneingabe sein.
Ich nutze die EPA seit ca. 9 Monaten.
Seitdem bekommt die Krankenkasse (oder wer auch immer die vorhandenen bugs nicht bearbeitet) es nicht hin, Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen fehlerfrei und konsistent pflegbar zu machen.
Oder zumindest auf Einzelsatzbasis kommentierbar.
Ich habe für beide Bereiche Wiedervorlagen in der EPA App die sich regelmäßig falsch melden.
Dafür weiß ich dann aber inzwischen auch nicht mehr, welche Einträge sich zu Recht melden und besser beachtet werden sollten. Was soll ich sagen …
Nachdem ich alles manuell gepflegt hatte, habe ich eigentlich gar keine Lust mehr, mich damit irgendwann nochmal zu beschäftigen.
Jein.
Klar sind die Daten bei den Behandlern alle irgendwo vorhanden, aber die dürfen nicht einfach auf dei ePA gebraten werden. Es gibt klare Vorgaben, was auf die ePA muss, was auf der ePA auf expliziten Patientenwunsch hin landen darf und was auf keinen Fall auf die ePA darf (bspw. Abrechnungsdaten).
Also das Vorhandensein der Daten allein erlaubt noch nicht Informationen „ohne Mehraufwand mit einem Klick“ in die ePA zu speichern - weil man hier immer noch die richtige Teilmenge selektieren muss etc. (Die ePA soll ja nach der Vorstellung des Gesetzgebers gerade keine Paralleldokumentation von Behandlungsblättern bzw Patienten-„Karteikarten“ sein, sondern nur durch das Teilen/Vernetzen von selektierten Informationen - nämlich die, die einen übergreifenden Wert für die Behandlung haben - wirken).
Hinzu kommt dann selbstverständlich noch, dass es die richtige Software im Nischenmarkt „Praxissoftware“ vermutlich auch nicht gibt. Da tummeln sich viele Programme, die bereits die basalsten Komfortfunktionen vermissen lassen, an die wir uns als Anwender seit Win98 gewöhnt haben - „ohne Mehraufwand und mit einem Klick“ funktioniert in diesen Programmen meist gar nichts. Der vergleichsweise kleine Markt bringt einfach Einschränkungen mit sich (so hat das BSI dieses Jahr erst bemängelt, dass fast alle Praxisverwaltungssysteme in puncto Sicherheit nicht auf der Höhe der Zeit sind. BSI - Presse - BSI bemängelt IT-Sicherheit von Software-Produkten des Gesundheitswesens ).
