Ihr habt die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der Folge ja erwähnt und auch in der Studie wird diese genannt. Soweit ich das sehe wird in der Studie aber nur diskutiert diese anzuheben. Was ich ehrlich gesagt nicht verstehe, ist, warum wir die BBG überhaupt haben/brauchen. Das höhere Einkommen in absoluten Zahlen einen höheren Beitrag leisten ist schon klar, aber prozentual gesehen begünstigt das System hohe Einkommen. Könnte man die BBG nicht abschaffen, so dass alle den gleichen Anteil des Gehaltes zahlen und dafür den Beitragssatz insgesamt um x% senken? Oder anders gefragt, was ist der Grund dafür, dass man höhere Einkommen hier schützen muss? Die Angst, dass die Menschen sonst in die private KV wechseln?
Solange es die PKV als Alternative gibt ist das sicherlich einer der Gedanken.
Ein anderer ist aber, dass es sich ja trotzdem noch um eine Versicherung handelt. Hier ist eben die Abwägung wie hoch hier Beiträge sein dürfen um am Ende noch das Prinzip einer Versicherung beizubehalten. Sähe man die GKV als reinen Umverteilungsmechanismus, dann könnte man natürlich auf die BBG verzichten, dann stünden bei hohen Einkommen aber eben Beitrag und Gegenleistung in gar keinem adequaten Verhältnis mehr. Da könnte man dann streng genommen auch gleich ein Steuerfinanziertes Gesundheitssystem in Betracht ziehen.
Also letztlich gibt es Argumente die gegen die BBG sprechen genauso wie solche die für eine Versicherung mit gleichem Beitrag für alle sprechen, genausi wie Beiträge die sich nach persönlichen Risiken errechnen. Am Gehalt orientierter Beitrag mit BBG liegt da irgendwo in der Mitte.
Eben nur auf durch die BBG gedeckelte Beiträge (GKV/Rente) bezogen. Eben solche bei der auch die Gegenleistung gedeckelt ist.
Die Umverteilung (wo es prozentual gesehen andersrum aussieht) passiert eben über die Lohn-/Einkommensteuer.
(Ob die Umverteilung da hoch genug ist, ist eine andere Frage - die hier nicht hingehört)
Die Kommission hatte den Auftrag, bis Ende März Vorschläge vorzulegen, die explizit ab 2027 zu Einsparungen und damit mindestens einer Stabilisierung der Beiträge führen können.
Parallel gibt es den Auftrag, ganz grundsätzliche Vorschläge für die längerfristige Perspektive zu machen. Änderungen an der Systemgrenze zwischen PKV und GKV gehören ganz sicher zu den Reformen, die nicht auf die Schnelle wirken. Insofern ist es konsequent, dass dazu nichts im ersten Bericht steht.
Änderungen nur an der Beitragsbemessungsgrenze ohne grundlegende Systemveränderung hat die Kommission geprüft, empfiehlt sie aber nicht. Grund ist, dass die Auswirkungen je nach Annahmen zwischen mehreren Milliarden Mehreinnahmen und mehrere Milliarden Mindereinnahmen schwanken.
Meiner Meinung nach hätte in dem Moment als der GKV vermehrt „Versicherungsfremde Leistungen“ aufgebürdet wurden auch die Umwandlung in eine Steuerfinanzierung erfolgen müssen.
Hier muss man die Themen Familienversicherung und Bürgegeldempfänger nennen, weil der Beitrag der für die Bürgergeldempfänger an die GKV geht bei weitem nicht kostendeckend ist.
Ah I see, danke, dass macht die Sache klarer.
Bei der Diskussion über die Steuerfinanzierung wird vergessen, dass man auch die Privatversicherten über einen Aufschlag zu ihrem Versicherungsbeitrag an den zusätzlichen Kosten für die Bürgergeldempfänger/Grundsicherungsempfänger beteiligen könnte. Das würde keine zusätzlichen Milliarden im Bundeshaushalt kosten.
Grundsätzlich ist es unverständlich, warum nur die GKV-Mitglieder solidarisch sein sollen.
Wenn ich an der Beitragsbemessungsgrenze bin, jung, gesund, kinderlos, zahle ich (inkl Arbeitgeberanteil) 1150 Euro an die GKV. Jeden Monat wohlgemerkt. Das ziemlich viel Geld dafür, dass ich damit keine Termine beim Hautarzt bekomme und für praktisch alles noch zuzahlen muss.
Habe ich 3 Kinder, bin stark Übergewicht, Kettenraucher und in der Grundsicherung zahle ich nichts.
Gerecht ist das nicht. Die GKV ist eigentlich keine Versicherung, sondern ein weitere Solidargemeinschaft (neben zB der Einkommensteuer). Wenn ich die BBG abschaffe würden sich gerade die gesunden gutverdiener (die das System tragen) in die PKV verabschieden, darüberhinaus würden die Lohnnebenkosten noch weiter steigen. Außer man würde den AG-Anteil auf die BBG begrenzen ‐ schwierig zu vermitteln.
Was es eigentlich bräuchte wäre eine grundsätzliche Reform, wie sie 2005 mal angedacht war:
Variante 1 Bürgerversicherung (SPD/Grüne/Linke):
Alle zahlen in einen Topf – auch Beamte, Selbstständige und Gutverdiener. Die Trennung zwischen gesetzlicher (GKV) und privater Krankenversicherung (PKV) wird aufgehoben.
Variante 2: Die Kopfpauschale / Gesundheitsprämie (CDU/FDP):
Jeder zahlt den gleichen festen Betrag, unabhängig vom Einkommen. Ein Sozialausgleich erfolgt über Steuern.
Ich meine mich zu erinnern, dass da doch auch bei einer Finanzierung der Krankenhäuser nur die GKV gezahlt hatte und die PKV nicht, oder war das eine der geplanten Reformen die mit der Ampel gestorben sind?
Ich meine mich zu erinnern, dass da doch auch bei einer Finanzierung der Krankenhäuser nur die GKV gezahlt hatte und die PKV nicht, oder war das eine der geplanten Reformen die mit der Ampel gestorben sind?
Für diese Ausgaben, die ursprünglich nur von der GKV geplant waren, bedient sich die Koalition mittlerweile am Sondervermögen für Infrastruktur, weil sie als Transformationskosten verkauft, obwohl es de facto reine Betriebskosten sind. Ein reiner Verschiebebahnhof. Aber im Ergebnis immerhin gemeinschaftlich finanziert, nicht aus GKV-Mitteln.
Mir auch unverständlich. Ich hebe damit zwar die Mehr-Klassen-Medizin nicht auf, sondern verschiebe nur die Relationen zwischen GKV-Versicherten und “Selbstzahlern”, die Finanzierung im GKV-Schenkel wäre damit aber besser aufgestellt.
Bleibt das so, oder hast du vor mal alt und krank zu werden? In dem Fall könnte klar werden, wie Versicherungen so funktionieren…
Klar muss in der PKV im Alter mit steigenden Kosten rechnen, Aber dann koste ich das System ja auch mehr. Wenn bei dir 3x hintereinander eingebrochen wird, steigt ja auch der Beitrag für deine Hausratversicherung.
Wenn du als junger Mensch in der PKV 1000€ zahlst, dann machst du etwas falsch.
Warum sollte man damit etwas falsch machen? Ich würde behaupten, dass man mit diesem Beitrag höchstwahrscheinlich Rückstellungen bildet, welche die Beitragserhöhungen im Alter dämpfen. Das halte ich sogar für äußerst sinnvoll.
Offensichtlich hat er mit der Höhe des Beitrags ein Problem. Also nein, es ist sein Fehler.
Das ist so, weil die Mehrzahl der 1,7 Mio Beamten in Deutschland privat krankenversichert sind. Mit dieser Klientel will es keine der beiden Regierungsparteien verscherzen, Vorschläge hier sind also sakrosankt. Übrigens beträgt 2026 die Beitragsbemessungsgrenze für Rentenversicherungsbeiträge etwa 88.000,00 € Jahreseinkommen, die BBG für die GKV endet jedoch bei 66.600,00 €. Eine Angleichung der BBG für die GKV kommt wegen des zu erwartenden Protestes der Arbeitgeber in der Diskussion erst gar nicht vor.
“Eine Idee wäre, die Beitragsbemessungsgrenze auf das Niveau der Rentenversicherung anzuheben.”
“Konkret schlug die SPD eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze um rund 2500 Euro vor. Der Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis, sagte gegenüber der „Bild“, eine Anpassung der Beitragsbemessungsgrenze etwa auf das Niveau der Rentenversicherung könne „ein Beitrag zur finanziellen Entlastung der Krankenkassen sein, ohne die Versicherten über Gebühr zu belasten“.”