Bisher macht sich der demografische Wandel nicht in der Rente bemerkbar, denn es wird ja mehr Erwerb am Arbeitsmarkt betrieben als jemals zuvor. Für die kommenden Jahre wäre es aber etwas überraschend, wenn das so bliebe. Diskutiert wird an der Stelle, dass das zu Problemen bei der Finanzierung führen würde. Dem stimme ich schon an sich nicht ohne Weiteres zu. Es ergibt aber erst recht keinen Sinn zu behaupten, dass eine Deckung mit inländischem Kapital das hypothetische Problem lösen würde. So oder so müssen von anderen Marktteilnehmern Finanzen zu den Ruheständlern fließen. Es sei denn, man entkoppelt ein Stück weit die Beiträge zur Rente von der Auszahlung der Rente. Das ist am Kapitalmarkt aber nicht möglich.
Geld zu drucken ist eine gängige Metapher, die aber auch ziemlich ungenau ist. Mit dem WD BT stimme ich überein, dass durch jede Ausgabe des Staates neues Geld erzeugt wird. Das meine ich an der Stelle aber nicht. Sondern ich meine, dass der Zuschuss des Staates zum Sparen nur Sinn ergibt, wenn er das Geld erzeugt, ohne entsprechend Geld durch Steuern, Beiträge, Gebühren oder ähnliche Einnahmen aus dem Markt zu entfernen. Er muss also für das zusätzliche Sparen auch zusätzliches Geld erzeugen, das heißt, den Schuldenstand anheben, wenn er die Probleme am Markt, die das Sparen hervorruft, nicht vergrößern will. Das Sparen in Deutschland stellt ohnehin eine große Belastung für das Land dar. Würde es sich bei den Zuschüssen nicht um Ausgaben, sondern das handeln, was das Grundgesetz finanzielle Transaktionen nennt, wäre das möglich, ohne die Regeln der Schuldenbremse zu ändern. Allerdings wäre mir auch nicht bekannt, wie es möglich wäre, die Zuschüsse so zu gestalten, dass es sich um finanzielle Transaktionen handelte.
Der Hintergrund ist gar nicht so kompliziert. Sparen meint ja die Zunahme von Geldvermögen. Geld ist ein Schuldverhältnis und gemäß § 241 I BGB setzt das drei Elemente voraus: Gläubiger, Schuldner und Leistungspflicht. Im Bilanzrecht nennt man die Leistungspflicht aus Sicht des Gläubigers Forderung und aus Sicht des Schuldners Verbindlichkeit. Die Summe aller Verbindlichkeiten nennen wir da Schulden. Wenn wir von Geld sprechen, meinen wir in der Regel Guthaben bei einer Bank oder Bargeld. Bei beidem handelt es sich um bestimmte Formen der Forderung. Es gibt aber keine Forderung ohne Schulden. Ergo gibt es immer exakt genauso viel Geldvermögen wie Geldschulden. Wenn die Geldvermögen durch Sparen zunehmen sollen, kann also nur entweder mehr Geld aus dem Markt entnommen werden, sodass weniger Löhne, Dividenden, Verbrauch und so weiter bezahlt werden können, oder ich muss neues Geld durch Aufnahme von Schulden drucken. Wenn der Staat es nicht schafft, dass die Unternehmen ihre Schulden ausweiten, was sie seit den 80ern nicht mehr tun, die Haushalte sich nicht immens verschulden sollten und das Ausland für meinen Markt nicht mehr genügend Schulden aufnimmt, bleiben nur noch die Optionen, den Markt zu verkleinern oder Geld zusätzlich zu erzeugen.