Dies dürfte aber nur ein kleiner Effekt sein. Und das führt zur ursprünglich genannten Auswirkung 2, die noch gravierender ist: Wenn wir die Rente zukünftiger Rentnergenerationen zu immer größeren Teilen über Kapitalerträge finanzieren wollen, dann sollte das Kapital auch in reale Investitionen fließen, die dann auch reale Erträge bringen und so letztlich das Bruttosozialprodukt steigern. Wenn dagegen während des mehrere Jahrzehnte dauernden Ansparens das Kapital hauptsächlich in steigende Aktienkurse fließt, dann erfolgt das böse Erwachen in mehreren Jahrzehnten. Dann beginnen die ETF-Verkäufe die -Käufe zu übersteigen und die Blase beginnt zu platzen.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich deinen Punkt verstehe.
Meinst du, dass Unternehmen an Wert gewinnen, einfach nur weil sie in einem Index vertreten sind? Diese Wertsteigerung also nicht durch einen realen Mehrwert gerechtfertigt ist? Falls ja, würde ich auch hier sagen, dass du den Einfluss von ETFs überschätzt. Der Aktienkurs wird immer noch maßgeblich durch Trades von Aktien bestimmt - und nicht bzw. kaum durch den Verkauf/Kauf von Anteilen in einem ETF.
Unternehmen können aus Indizes rausfallen bzw. neue können in Indizes aufgenommen werden.
Dann beginnen die ETF-Verkäufe die -Käufe zu übersteigen und die Blase beginnt zu platzen.
Auch hier würde ich sagen, du überschätzt das. Außerdem sehe ich hier keine Blase. Denn ein ETF bundelt ja nur Aktien von einem Unternehmen. Wenn die Aktienkurse dieser steigen, steigt der Index, ansonsten fällt er. Das heißt, wir haben hier keine Blase in dem Sinne, dass Preise ungerechtfertigt steigen.
Und da in der LdN wiederkehrend ETFs einseitig sehr positiv dargestellt wurden und werden, halte ich diese kritischen Anmerkungen in diesem Forum auch für wichtig.
Man muss sich die Frage stellen, was man will. Wenn man sich am weltweiten Wirtschaftswachstum beteiligen will, sind ETFs vermutlich mit Abstand die beste Wahl. Man hat eine vernünftige Rendite und dabei - sofern man einen diversifizierten Index nimmt - ein sehr geringes Risiko.
Ich finde das Verhältnis vieler zum Aktienmarkt irgendwie leicht paradox. Auf der einen Seite merkt man kritisch an, dass die Reichen immer reicher werden. Gleichzeitig wehrt man sich dagegen, selbst vom Aktienmarkt zu profitieren.
Sicher, man wird durch 1800 € im Jahr nicht zum neuen Elon Musk. Das ist klar. Aber vom Nichtstun wird man auch nicht reich. Und beim Sparbuch hat man quasi die Garantie, nicht reicher zu werden. Warum also so kritisch gegen eine Möglichkeit, die quasi allen recht einfach ermöglicht, am Wirtschaftswachstum zu partizipieren?