Faktencheck zum Nikotin-Vergleich (im Teil zur Leipziger Drohne) (zu LdN491)

Liebes Lage-Team, lieber Philip, lieber Ulf,

vielen Dank für die gewohnt starke Folge LdN491 und eure tolle journalistische Arbeit jede Woche!

Im Segment „Drohnen-Bombe: Wurde Deutschland von Russland angegriffen?“ habt ihr einen Vergleich herangezogen, bei dem Nikotin als klassisches Beispiel für einen krebserregenden und massiv süchtig machenden Stoff genannt wurde. Aus Sicht der modernen Suchtforschung (wie u. a. von Prof. Dr. Bernhard-Michael Mayer, Toxikologe der Uni Graz, dargelegt) ist dieser Vergleich medizinisch leider ungenau. Hier solltet ihr zwei Punkte differenzieren:

  1. Nikotin ist nicht krebserregend: Reines Nikotin gilt nach aktuellem Stand (u. a. belegt durch das Deutsche Krebsforschungszentrum / DKFZ) nicht als Karzinogen. Die extreme Krebsgefahr entsteht beim klassischen Rauchen durch die Verbrennung von Tabak, bei der Tausende hochgradig toxische Verbrennungsstoffe wie Teer freigesetzt werden.
  2. Isoliertes Nikotin macht allein kaum abhängig: Dass Nikotin isoliert extrem süchtig macht, ist ein medizinischer Mythos. Die extreme Abhängigkeit beim Rauchen entsteht erst durch das Zusammenspiel von Nikotin mit den Verbrennungsprodukten und Zusatzstoffen im Tabakrauch (wie MAO-Hemmern), die das Suchtpotenzial im Gehirn um ein Vielfaches verstärken. Studien zu reinen Nikotiersatzprodukten wie Pflastern oder Kaugummis zeigen bei Nichtrauchern so gut wie kein Missbrauchs- oder Suchtpotenzial.

Das Fazit der Suchtforschung: Reines Nikotin ist in seiner Wirkung und seinem Abhängigkeitspotenzial eher mit Koffein vergleichbar als mit der Tabakzigarette. Es verengt zwar temporär die Gefäße, ist aber ohne den Tabakrauch um ein Vielfaches harmloser als oft dargestellt.

Da rauchfreie Produkte wie E-Zigaretten oder Nikotinbeutel im Rahmen der Schadensminimierung („Harm Reduction“) immer wichtiger werden, ist diese wissenschaftliche Unterscheidung essenziell, um Risiken im Alltag richtig abzuwägen.

Vielleicht ein interessanter Punkt für die nächste Korrekturschleife. Macht weiter so, ich höre eure Analysen jede Woche extrem gerne!

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Das ist natürlich sehr interessant. Da hier schon auf weit verbreitete Missverständnisse hingewiesen wird, würde ich doch gern um konkretere Quellen bitten als nur den Verweis auf einen Professor. Schließlich steht die historische Forschung zu Tabakerzeugnissen nicht gerade in bestem Licht.

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So geil :sweat_smile: selbst für die absurdesten Randinformationen und Vergleiche, die die meisten wahrscheinlich einfach überhören, findet man noch irgendeinen Experten der das widerlegt :rofl: top :+1:

Wikipedia selbst ist zwar keine Quelle, die Aussagen sind dort aber gut belegt:

Nicotin ist hauptsächlich mitverantwortlich für die Abhängigkeit von Tabakerzeugnissen.[71] Die Suchtwirkung des Nicotins wird durch im Tabakrauch enthaltene Monoaminooxidase-Hemmer verstärkt.[72] Vergleiche von Tierstudien und Studien über menschlichen Drogenkonsum zeigen auf, dass pures Nicotin nur wenig, Tabakzigarettenrauch ein sehr hohes Suchtpotenzial aufweist.[73][74][75] Lewin verweist in Phantastica schon 1924 auf diesen Umstand.[76] Nicotin hat in Verbindung mit anderen Stoffen im Tabakrauch ein extrem hohes Abhängigkeitspotenzial und kann sehr schnell zu einem abhängigen Verhalten führen.[77] Laut einem im Jahr 2007 veröffentlichten Papier von David Nutt u. a. liegt das Abhängigkeitspotenzial von Tabakrauch zwischen Alkohol und Kokain. Genauer gesagt, liegt das physische Abhängigkeitspotenzial bei dem von Alkohol bzw. Barbituraten und das psychische Abhängigkeitspotenzial bei dem von Kokain.[78] Ein Vergleich mit der Sucht nach Opiaten wie Diamorphin (Heroin) ist nicht angezeigt, weil die Entzugserscheinungen beim Heroin schwerwiegender sind. Es reichen wenige Zigaretten oder wenige Tage mit kleinem Zigarettenkonsum bis zum Eintritt der körperlichen Abhängigkeit. Das Abhängigkeitspotenzial von oral aufgenommenem Nicotin ist deutlich geringer, Pflaster haben fast kein Abhängigkeitspotenzial.[79]

Karzinogene Wirkung
Nicotin steht nicht auf der Liste karzinogener Stoffe der Internationalen Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation.[63]

Stimmt, das steht da so. Habe die Quellen auch nicht weiter überprüft. Allerdings steht da auch:

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärunglliegt das sowohl am verminderten Genusserlebnis, als auch an der Tatsache, dass ein Anfluten im Gehirn geringer ausfalle, als beim Inhalieren des Nicotins.

Damit ist zumindest das geringere Suchtpotential von e-Zigaretten fraglich. Und dann stellt sich natürlich noch die Frage welche Verunreinigungen im zugesetzten nicotin bzw. in den liquids ist. Der Rest dieses Absatzes redet nämlich von Pflastern und Kaugummis, die als apothekenpflichtige Präsentationsarzneimittel (habe den Begriff gerade auf Wikipedia gelernt, weiß rechtlich nichts darüber, allerdings steht Arzneimittel im Namen und daher) vermutlich höhere Standards zur Qualität(skontrolle) einhalten müssen?

Jedenfalls hat das nichts mit anderen dareichungsformen zu Genusszwecken zu tun.