Fahrradurlaub mit der DB

Der Staat hat auch für sich seine Wirtschaftlichkeitsprinzipien verankert, die kraft Gesetzes einzuhalten sind, aber primär muss ein Staat funktionieren und nicht kostendeckend sein. Der Staat ist schließlich kein Unternehmen.

Das würde jetzt aber von der eigentlichen Diskussion wegführen.

Ein anderes Problem ist das Buchungssystem.
Nehmen wir das Szenario von 2 Radreisenden.

  1. Hamburg → Berlin Stellplatz 1
  2. Berlin → München Stellplatz 2

Es kann sein (so bereits erlebt), dass 1 und 2 nicht den gleichen Stellplatz zugeweisen bekommen. Jede Buchung wird einzeln betrachtet. So wird 1 Stellplatz unnötig belegt und blockiert. Wenn Stornierungen kommen, wird auch nicht neu zugewiesen.
Eigentlich müsste das System regelmäßig neu zuordnen und den Platz minimieren. Der Stellplatz ist beim Fahrrad ja egal, solange es mitkommt. Fensterplätze können Fahrräder nicht genießen.
Den festen Stellplatz bekommt man dann 1 Tag vor Abreise. Natürlich im gebuchten Zug.

Ich finde es sinnvoll, zwei Ebenen voneinander zu unterscheiden, die in diesem Thread m. E. oft zusammen verhandelt werden: 1. die generelle Zielsetzung und 2. die praktische Umsetzbarkeit.
Was das Ziel angeht, bin ich absolut der Meinung, dass im Sinne einer nachhaltigen Veränderung des Mobilitätsverhaltens eine einfache und unkomplizierte Fahrradmitnahme in der Bahn Standard sein sollte, auch im Fernverkehr. Dass dazu ein angemessenes Angebot gehört, auch was Preise und Zuverlässigkeit (Pünktlichkeit, Anschlüsse) gehört, versteht sich denke ich von selbst. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Kapazitäten in jedem Fall nach der Nachfrage bestimmter touristischer Destinationen in Spitzenzeiten ausgelegt sein solten. Wenn ich z.B. in den Sommerferien auf eine Nordseeinsel fahren will, kann ich nicht erwarten, dass die Bedingungen dieselben sind wie bei einer Fahrt in die Lüneburger Heide im März. Hier gibt es viel Ausbau- und Nachholbedarf und viel Gutes in anderen Ländern, was man sich abgucken könnte.
2. Was die praktische Umsetzung angeht braucht es - wie überhaupt für das Ziel einer attraktiven und zuverlässigen Bahn - sehr viel Geduld. So viel wie da über Jahrzehnte verschleppt und verbockt wurde, wird sich das selbst mit ausreichend Geld (was ja keineswegs sicher ist) nicht mal eben schnell lösen lassen. Selbst die sogenannten „Korridorsanierungen“ der Bahn die - wie man inzwischen sieht - bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein sind, sind für mehrere Jahre geplant.
Dazu kommt, dass der Zugverkehr einfach nicht mehr funktioniert wie in den 1990ern. Es gibt keine Gepäckwagen mehr, auch so gut wie keine Kurswagen mehr (einzelne Wagen, die an unterschiedliche Züge angehängt werden, um mehr Direktverbindungen zu ermöglichen - etwa im Sommer an die Nordsee), es gibt oft sehr viel dichtere Belegungen der Strecken (vulgo mehr Verkehr) und insgesamt wird, wie auch in vielen anderen Branchen, mit sehr viel weniger Reserven geplant, weil diese einfach enorm teuer sind. Und wegen mehr Fahrradplätzen Milliarden von Euro für neue Zuggarnituren auszugeben wäre einfach betriebswirtschaftlicher Wahnsinn.
Hinzu kommt die Aufteilung in Regional- udn Fernverkehr, die völlig unterschiedlich funktionieren. Bei Letzerem bestellen die Länder bestimmte Verkehrsleistungen, d. h. es wird politisch bestimmt, wie viel fahren soll. Das ist träge, weil Lizenzen für mehrere Jahre vergeben werden und abhängig von viel zu geringen finanziellen Ressourcen. Aber selbst wenn es beides nicht gäbe, würde z.B. die Kapazität der Regionalzüge von Berlin an die Ostsee nicht so geplant, dass an einem Sonntagnachmittag im Hochsommer auf jeden Fall noch das allerletzte Fahrrad mitkommt - da gibt es einfach noch viele andere Faktoren zu berücksichtigen. Es wird also immer Grenzen und Abwägungen geben.

5 „Gefällt mir“

Ich würde nie auf langen Strecken Fahrräder mitnehmen wollen.
Letztens gab es wieder „Personenschaden an einer Oberleitung“. In der Folge war die Passage mehrere Tage nicht befahrbar, damit Schienenersatzverkehr.
Mit Fahrrad hast da Pech gehabt.

Ich war in Schottland mit als Bikepacker unterwegs. Dort habe ich weder im Zug noch auf den Fähren für meine Rad gezahlt. Beim Ein- und Ausstieg bekam ich Hilfe, wenn es zu eng war. So hat alles gut und schnell geklappt und ich habe als Radreisende auch nicht zu einer Verspätung beigetragen.

Ein Versand mit der Bahn wäre für mich keine Alternative gewesen, denn ich habe mehrmals die Bahn genutzt, oft sehr kurzfristig bebucht. Das ist bei der DB teilweise auch mit den Regionalbahnen möglich, aber wesentlich teurer, wenn ich auch nur eine kurzes Stück mit der Bahn fahre.

Die Situation ist ICs und ICEs finde ich eine Katastrophe. Reisende müssen schon ein Jahr im Voraus buchen, um einen Stellplatz zu bekommen. Daran sieht man doch, wie hoch der Bedarf ist.

4 „Gefällt mir“

Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie es laufen könnte und sollte - ich kenne Ähnliches aus skandinavischen Ländern.
Wie schon gesagt: Grundsätzlich ist die Zielsetzung vollkommen klar und richtig. Und wie du am Beispiel Schottland zeigt, gibt es jede Menge best practice, von der die DB lernen könnte. Bleiben aber die genannten Hürden bei der Umsetzung, die nicht einfach dadurch verschwinden, dass man den Bedarf unterstreicht.

5 „Gefällt mir“

Da ist man nur mit dem Rad dann vermutlich am schnellsten.