Ich kann mir nicht helfen, aber mit dieser verkopfte Erklärung bekomme ich das Ergebnis in Sachsen-Anhalt nicht gegriffen. Wenn die Ablehnung der Zuwanderung den Faktor 10 ausmacht, welchen Faktor macht der Spitzenkandidat dann aus, der mit ner Simson das perfekte Bild vom „Ich bin einer von euch“ produziert?
Es gibt auch noch den Bandwagon-Effekt.
Aber auch ansonsten:
Da ist es fast noch ein Wunder, dass die AfD ‚nur‘ auf 44,x % gekommen ist.
Korrektur: Die ca. 5 % fürs BSW kommen ja noch dazu („BSW-Wähler haben oft rechtsextreme Positionen“).
Laut ARD Zahlen gab es hauptsächlich eine wählwanderung von AfD zu BSW. Also „taktisches“ wählen für AfD Anhänger ?
Aktuell ist das BSW drin, CDU, SPD, Grüne und Linke hätten 40 Sitze, die Afd 39. Wenn sich das BSW tatsächlich bei der Wahl des MP enthalten würde, könnte Sven Schulze tatsächlich gewählt werden. Sollte er das aber?
Alleine schon das letzte Diagramm spricht eine andere Sprache und meine persönliche Wahrnehmung ist ebenfalls eine andere.
Natürlich gibt es mehrere Gründe. Aber Teil der Wähler haben die Absicht, der ‚Berliner Blase‘ einen Denkzettel zu verpassen und sie zum Nachdenken zu zwingen. Und wie Giovanni di Lorenzo gerade sagte, für viele Weitere ist die Wahl der AFD tatsächlich eine Wahl der Hoffnung geworden. Der Hoffnung auf Veränderung, die man aus Berlin und von den etablierten Parteien nicht mehr erwartet.
Wenn es so eine Ablehnung der großen Bundesparteien gibt, bräuchte es dann mehr regionale mitte-links Parteien?
Und was macht die AFD da attraktiver als die Linke, außer rechten Populismus und Krawall?
Und das SED-Argument ist keins mehr, weil niemand aus der jetzigen Generation damit mehr etwas zur tun hat.
Oh Veränderungen wird eine Machtübergabe an Rechtsextremisten reichlich bringen. Und wie bein letzten Mal werden alle daran Schuld sein sollen, außer den Tätern.
Wer mitte-links ist, hat wohl verantwortungsvoll gewählt.
Man könnte sich jetzt in Zynismus flüchten:
Aber die Lage ist dazu zu ernst:
Zum vorläufigen Ausgang der heutigen Landtagswahl in Sachsen- Anhalt betonte in München Dr. Eva Umlauf, Auschwitz-Überlebende und Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees:
„Dieses Wahlergebnis macht uns Angst! Auf welchem Weg ist Deutschland? Dem Weg, den es schon einmal gegangen ist? Die Tatsache, dass noch einmal in einem deutschen Landesparlament eine rechtsextreme Partei als stärkste Fraktion Platz nehmen wird, hätten wir als Überlebende des Holocaust nie für möglich gehalten. Wir werden weiter für die Demokratie und die Erinnerung kämpfen. Das sind wir unseren ermordeten Angehörigen schuldig und das ist unsere Verpflichtung den jungen Menschen in Deutschland gegenüber.“
Und in Berlin fügte Christoph Heubner, der Exekutiv-Vizepräsident des Komitees hinzu: „Nicht nur der Blick von Holocaust Überlebenden auf unser Land verdüstert sich. Nach diesem Wahlergebnis werden sich Menschen in vielen Ländern Europas fragen, welche Antworten die demokratischen Parteien jetzt in Deutschland finden und wie stabil die Demokratie der Deutschen ist.“
Es geht ja um die Protestwähler der AFD.
Wenn man davon ausgeht, dass man die sogenannten Altparteien für unwählbar hält, Teile der AFD Politik aber auch kritisch sieht, dann bleibt von den relevanten Parteien nur das BSW.
Gäbe es aber noch andere neue, relevante Parteien, wie in etwa die Freien Wähler, auch in S A, die hauptsächlich regionale Themen bedienen, dann hätte man eine Alternative.
Das BSW hat ja gezeigt, wie schnell man mit bekannten Persönlichkeiten an Stimmen kommt.
Und was macht die AFD da attraktiver als die Linke, außer rechten Populismus und Krawall?
Für dich (und mich und wahrscheinliche jeden hier im Forum) nichts.
Aber wenn jemand bereit ist, die AfD zu wählen, dann ist doch irgendwie offensichtlich, dass die Linke für ihn keine Alternative ist, oder?
Als Jude in Deutschland macht mir das Ergebnis maximal Angst. Mit der rechtsextremen AFD bei 44% und einer Linken mit einem massiven Antisemititismusproblem bei 9% haben wir mehr als 50% an Bürgern in Sachsen-Anhalt, die Feinde des Judentums in Deutschland unterstützen oder zumindest akzeptieren. Dunkle Wolken über Deutschland…
Diese Haltung kann man halt auch nur vertreten, wenn man privilegiert genug ist, um davon ausgehen zu können, dass man sein eigenes privilegiertes Leben auch unter einer AfD-(Landes)Regierung mehr oder weniger genauso weiterleben kann wie bislang. Die AfD ist eine Radikalisierungsmaschinerie und die Menschen, die von dieser Partei zur Zielscheibe gemacht werden, leiden schon seit Jahren darunter und das wird jetzt noch schlimmer. Jetzt ist Zeit für Solidarität, Zeit ein Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht anzustoßen und nicht einfach schulterzuckend diese „Lassen wir sie mal machen“-Haltung einzunehmen.
Keine seriösen Wissenschaftler:innen in den ÖRR.
Der Nachwahldiskurs ist mal wieder weitestgehend unter aller Kanone.
Der Politologe bei Miosga hält den rechtsextremistischen „Ethnopluralismus“ für eine legitime Position. Wtf?!
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Na ja, lt. ARD-Daten sind mehr FDP-Wählende zur Linken gewechselt als AfD-Wählende zum BSW.
Fast die Hälfte für Putin-Parteien ist natürlich trotzdem heftig.
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Ganz genau.
Ja vielleicht enthalten sie sich bei der Wahl zum MP und schulze wird MP. Kann aber genauso sein, dass sie gegen ihn stimmen oder es gibt Abweichler bei cdu oder oder oder… das Ergebnis ist so knapp. Selbst mit 4 Parteien reicht es nicht.
Dann muss man sich fragen ob ein Haushalt zustande kommt. Es müssen 5 parteien zu 100% geschlossen dafür stimmen und das irgendwie ihren Wählern verkaufen…
Auf der anderen Seite könnte die AfD ohne Probleme das Bündnis überstimmen. Sie brauchen eigentlich nur zwei Abweichler.
Das ist keine komfortable Situation wie in Sachsen oder Thüringen. Dort gibt es, selbst bei wenigen Abweichlern irgendwie Mehrheiten ohne AfD.
Wie es aussieht kommt das BSW ja rein in den Landtag, und Frau Wagenknecht hat doch bereits der AFD die Hand hingestreckt. Ich würde es für viel wahrscheinlicher halten, dass das BSW durch Enthaltung Siegmund zum MP macht als eine dieser 5er Konstellationen.
Das Problem mit all diesen psychologischen Erklärungsmustern ist letztlich, dass diese Menschen diese chauvinistischen oder rassistischen Denkmuster auch zuvor hatten und eben nicht mehrheitlich rechtsextrem gewählt haben. Rechtsextreme vor der AfD (- 2016) haben nur in einer Wahl nennenswert Stimmen geholt, 1998 (13%). Sonst blieben sie stets unter 5%.
Es ist offensichtlich, dass es eben nicht nur um problematische Persönlichkeitszüge geht.
Um es mit einer naturwissenschaftlichen Analogie auszudrücken: Damit ein brennbares Material brennt, benötigt es eine Zündquelle und Sauerstoff.
Analog dazu: Damit jemand eine rechtsextreme Partei wie die AfD wählt, braucht es große Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien und eine chauvinistisch-rassistische Einstellung.
Die Einstellung können wir nicht beeinflussen, die Unzufriedenheit dagegen schon.
Der Schutz von Minderheiten ist eine unverhandelbare Aufgabe unseres Rechtsstaates! Und ich kann die Sorgen verstehen und ich gehe davon aus, man wird die Lage in SA sehr genau beobachten in nächster Zeit und ich hoffe auf eine starke Zivilgesellschaft.
Aber der Vorwurf der Privilegiertheit ist etwas über dem Ziel, ist nicht ganz fair an dieser Stelle und super um eine Diskussion abzuwürgen.
Ich habe es anderswo schon betont. Vielen, die hier nicht in den allgemeinen Untergangs/1933-Tenor miteinstimmen, geht es sicher nicht um Gleichgültigkeit oder fehlende Solidarität oder die AFD besser dastehen zu lassen. Es geht um eine nüchterne, strategische Betrachtung unseres politischen Systems und seiner aktuellen Dynamik. Die bisherige Taktik der reinen Verweigerung hat die Afd nachweislich nicht geschwächt. Gleichsam ist die AFD clever für ein Verbot wenig Argumente zu liefern. Was also stattdessen tun?
Das ärgert mich auch sehr. Aber vielleicht ist die Antwort, dass es viele Unzufriedene in Sachsen Anhalt immer wieder mit der Linken versucht haben.
Von 1994 bis 2016 erreichte die Linke (bzw. deren Vorgänger) immer 20% bis 24 % und war damit stets zweit- oder drittstärkste Partei. Anscheinend haben die Menschen in Sachsen Anhalt aber zunehmend ihr Vertrauen in die Linke verloren, denn danach ging es steil bergab.
Die Linke wird in Sachsen Anhalt schlicht als Teil des Establishments gesehen.
Ein anderer Gedanke: haben wir keine wirklich mehrheitsfähigen Parteien mehr? Die unsere Gesellschaft mehrheitlich mitnehmen und von ihren Ideen überzeugen können?
Sind alle etablierten demokratischen Parteien tatsächlich zu sehr Establishment, die eher auf Machterhalt ausgerichtet sind statt auf konstruktive Ideen zum Wohle Aller?
Braucht es neue überzeugende Parteien?