Ergänzung Rentenproblem

Die Zweiklassengesellschaft würde ich jetzt nicht als „endlich weg“ bezeichnen wollen. Es wird immer Wohlhabende und Ärmere geben, was ich auch an sich in Ordnung finde. Es sollte sich jedoch in einem bestimmten Rahmen bewegen. Das Prinzip der Leistungsgesellschaft und des Wettbewerbes hat sich schon ziemlich gut bewährt, wenn man sich den Wohlstands- und Lebenserwartungszugewinn der letzten 60 Jahre anschaut.
Bei der KV wird es auch noch zwei Klassen geben; die die sich Privat höher versichern und die die dieses nicht können.

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Alles gut, kann man ja machen. Es darf nur eben nicht mehr sein, dass sich Menschen komplett aus der Solidargemeinschaft verabschieden können und andere diese Wahl nicht mal haben. Also entweder freie Wahl für alle oder alle ins gleiche Boot. Ich war auch immer für das Konzept der Zusatzversicherung, wobei man da eben aufpassen muss, dass es nicht dazu führt dass wie heute der Gesetzliche 6 Monate auf eine OP warten muss und der Private quasi in 1 Woche einen Termin hat. Die jetzigen Entwicklungen sind leider extrem falsch.

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Aber dann auch wirklich nur eine (1). Und kein Weiterleben von fast 100 gesetzlichen Krankenversicherungen mit über 100.000 Beschäftigten. Bei den privaten sollte dagegen natürlich Wettbewerb herrschen.

Aus den Beschäftigten könnte man perfekt die fehlenden Fachkräfte zur Montage von Solaranlagen generieren.
:slight_smile:

Es ist sogar noch schlimmer. Denn im Gegensatz zu dem technischen Wunder, was jederzeit kommen und Wirkung entfalten könnte, steht definitiv fest, dass die Fertilitätsmagie ihre positive Wirkung auf die Rentenkassen frühestens 15-20 Jahre später entfalten kann. Bis dahin müssten die Arbeitenden dann nicht nur mehr Rentner sondern auch noch mehr Kinder mit durchfüttern.

Und dann ist noch die Frage, wie wir unseren viel zu hohen Ressourcen-, Land- und Umweltverbrauch in die planetaren Grenzen zurück bekommen wollen, wenn wir mehr Kinder in einem Hochkonsumsland wie Deutschland anstreben.

Mmh ob das der Traumjob des/der 08/15 Versicherungsfachangestellten ist😬

Aber wenn die deutsche Rentenversicherung mit rund 60.000 Beschäftigten auskommt, ist bei den gesetzlichen Krankenkassen großes Synergiepotential bei einer entsprechenden Reform.

Auf den Vorschlag, mit einem Federstrich einfach mal Beamte oder Selbständige in das bestehende System pressen zu wollen, reagiere nicht nur ich als Mitglied der ersten Gruppe ziemlich allergisch.

Darum war es ja ein Vorschlag.

Wie wäre dein Ansatz?

Ein Modell mit einer gesetzlichen Krankenversicherungen, die eine grundlegende Versorgung sicherstellt und konkurrierenden privaten Krankenversicherungen, die Premium-Leistungen anbieten, finde ich spannend, wobei ich in dem Thema aber auch längst nicht tief genug drinstecke, um die Wirksamkeit, Kosten etc. absehen zu können.

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Und wie würdest du diese Ungleichheit auflösen? Es ist eine fragwürdige Bevorzugung der Beamten eine steuerfinanzierte Pension zu bekommen.

Also bei uns in der Technik sind vielleicht noch 1/4 der Menschen beschäftigt, wie vor 10 Jahren bei gleichzeitiger Steigerung der Produktivität. Noch findet sich auch wo anders ein Job, aber auch der Markt ist irgendwann gesättigt. Das es im Handwerk noch Bedarf gibt stimmt. Wobei es hier auch große Unterschiede gibt. Die Bäcker sterben z.b. gerade, weil ein Brötchen für 75Cent nicht mit der Massenware für 15c mithalten kann. Also den schwierigen Punkt mit Vollbeschäftigung bekommen wir recht schnell in manchen Bereichen.

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Die Versicherung und das Umlagesystem sind zwei verschiedene Aspekte eines Rentensystems:

  • Ein Problem, dass ein Rentensystem lösen soll, ist „consumption smoothing“ über den Lebenszkylus, also eine Verschiebung eines Anteils des Bruttoinlandsprodukt von der Erwerbsphase in das Rentenalter.

  • Ein anderes Problem, dass ein Rentensystem lösen muss, ist gegen erfreulicherweise langes Leben abzusichern.

Wenn alle Menschen genau 80 Jahre alt werden würden, bräuchte man keine Versicherung, sondern nur eine Lösung für das erste Problem. Das könnte man dann z.B. mit einem „Umlageverfahren“ erreichen.

Ich bin außerdem wirklich kein Fan von dem Begriff „Umlageverfahren“, weil es falsche Vorstellungen der Funktionsweise des Systems nahelegt. Das gesetzliche Rentensystem funktioniert nicht so, dass Beiträge erhoben werden und die Einnahmen dann auf die Rentner verteilt werden. Stattdessen gibt es Ausgaben und Einnahmen, die miteinander verrechnet werden.

Besser ist meines Erachtens ein Begriff wie nicht-finanziell (nonfinancial).

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Erklärst du mir bitte was daran jetzt der Unterschied sein soll, außer einem leicht anderen Wording? Selbstverständlich werden als primäre Einnahmen die Beiträge verbucht. Die Ausgaben sind eigentlich nur die renten selbst. Die Lücke, die durch die zu hohe Zahl Rentner und ressortfremde Leistungen gerissen wird wird dann richtigerweise durch Steuergeld geschlossen. So ist es ganz klar erstmal eine Umlage der Beiträge in ausgezahlte Renten.

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Es müsste ein Ausgleich durch höheren Sold erfolgen und zusätzlich ein Fonds, der später die Lücke zur Pension schließt.
Alles andere wäre wie die Abwertung höherer Rentenpunkte Enteignung- und zwar die Art ohne Entschädigung.

Hierzu einen passenden Artikel:
Deine Krankenversicherung wird bald teurer. Sollten wir jetzt die Private abschaffen? | Perspective Daily (perspective-daily.de)

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Grundsätzlich bin ich da bei dir. Wer Kinder groß zieht, leistet natürlich einen enorm wichtigen Beitrag für die Gesellschaft. Und die Nachteile, die daraus entstehen, sollten auch möglichst gut ausgeglichen werden.
Ich, als jemand der keine Kinder hat, habe auch kein Problem damit, bei der Rente tendenziell etwas schlechter gestellt zu sein, als Menschen, die Kinder erzogen haben.

Der Teufel steckt mMn bei der Umsetzung im Detail. Also z.B.

  1. Wie stellt man sicher, dass diejenigen, die die tatsächliche Erziehungsarbeit leisten (also eher die Frauen), auch wirklich durch Renten-Vergünstigungen o.Ä. entschädigt werden.
  2. Wie baut man das System so, dass daraus nicht wieder eine Geld-Umverteilung von unten nach oben wird, wie bei der aktuellen „Mütter-Rente“, wird? Dort werden Gutverdiener, die eine Extra-Alters-Versorgung haben, nur von den „normalen“ Renteneinzahlern bezahlt, statt von der ganzen Gesellschaft.

Das wäre als Lösung auf den ersten Blick in Ordnung. Allerdings musst du das System dann auch auf die Berufsständischen Versorgungswerke (also die Rentenkassen für Ärzte, Anwälte usw.) übertragen, damit die Kosten dafür nicht wieder bei den einfachen Arbeitnehmern (DRV-Versicherte) landen, siehe oben.

Das halte ich für keinen guten Weg. Die niedrigen und auch Teile der mittleren Einkommen zahlen nur sehr wenig Lohnsteuer. Und ihr Lohnsteuersatz ist auch geringer. Damit würden von diesem „Freibetrag“ die höheren Einkommen in absoluten Zahlen mehr profitieren, als die niedrigeren Einkommen.

Die Rentenpunkte oder ein anderer, einkommensunabhängiger Mechanismus erscheint mir da spontan gerechter.

Insbesondere wenn man davon ausgeht, dass Gutverdiener eher in Jobs arbeiten, bei denen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leichter ist, z.B. durch Büroarbeit mit Gleitzeit oder sogar Homeoffice-Tagen.
Demgegenüber sind Leute, die im Niedriglohnsektor arbeiten z.B. eher an starre Beschäftigungszeiten gebunden.

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Irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Artikel Rechtssprechung zu Beitragsbemessungsgrenze ausblendet. Ich bin nicht mehr 100% sicher, aber die Beitragsbemessungsgrenze besteht, weil die Einzahlungen und Auszahlungen in einen ausgewogenen Verhältnis stehen müssen. Natürlich können die Einzahlungen höher liegen als die Auszahlungen, aber dieser Unterschied darf nicht zu groß sein.

Was ich bei diesen Diskussionen, sei es Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung, nicht verstehe ist der Umverteilungsgedanke. Dafür gibt es Steuern!
Warum wollen Linke, SPD und zum Teil auch Grüne immer über Versicherungen Vermögen umverteilen? Dafür sind diese nicht gedacht. Versicherungen sollen eine Person gegen einen eingetretenen Schaden oder zu einer erwarteten Versorgung schützen. Dafür sind diese Systeme aufgestellt. Einzahlungen und dafür eine Leistung erhalten (Mütter- und Witwenrente uvm gehören ebenfalls nicht in diese Systeme).

Darum bin ich schon für eine Bürgerversicherung, aber eher aus Kostengründen. (Abschaffung der x KVs spart Milliarden).
Aber Umverteilung muss über Steuern erfolgen.

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Was man nicht ganz vergessen sollte: Aus den Topf der Rentenversicherung werden ja nicht nur Altersrenten bezahlt.
Auch Erwerbsminderungsrenten, Witwen- und Waisenrenten, dazu auch u.a. die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (SGB IX), mit denen zum Beispiel Umschulungen, Reha-Assessment- Maßnahmen oder Integrationsunterstützende Angebot finanziert werden.

Also da wird durchaus schon „breiter“ in den Topf gegriffen. Sollte man nicht ganz außer Acht lassen.

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Ich verstehe nicht, wo das Problem ist.

Beispiel Rentenversicherung: Hier wird jedes Jahr kräftig aus dem Haushalt dazugezahlt, also Steuermittel werden dafür verwendet. Wenn die Rente nicht reformiert wird, wird diese Zuzahlung jedes Jahr beachtlich steigen. Es werden also nach deinem Sprech „Umverteilungsmittel“ genutzt, um Versicherungen zu bezahlen, die keine Umverteilung bewirken sollen. Deshalb bleibt aber weniger Umverteilung. Weil aber die Ungleichheit so extrem ist, muss man halt über so etwas nachdenken.

Bei den Krankenkassen meine ich gelesen zu haben, dass auch schon Zuzahlungen durch den Haushalt getätigt werden, wenn auch in einem ganz anderen Ausmaß.

Ohne despektierlich sein zu wollen, nenne ich deinen Gedanken einfach mal Schubladendenken (Steuern vs. Versicherungen). Das ist selten hilfreich. Der Zeitpunkt, als diese ganzen Versicherungen ins Leben gerufen worden sind, ist halt schon eine Weile her. Dinge und Notwendigkeiten ändern sich.

Diese Vorschläge kommen, weil sie einfach nachzuvollziehen sind und reale Entlastungen für die unteren Einkommen bedeuten; und diese sind längst überfällig.

Und:

Ich traue mich, das zu bezweifeln:
Jemand 100% gesundes müsste nach dieser Rechtssprechung nach X Jahren vollkommen von der Abgabe befreit werden können, weil er seit X Jahren keine Leistung in Anspruch genommen hat, aber stetig eingezahlt hat. Mindestens doch müsste es möglich sein, den Beitragssatz individuell zu senken. Das klingt doch wenig plausibel.

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Das ist kein Schubladendenken sondern Rechtssprechung. Bitte einmal ins Sozialgesetzbuch reinschauen. Da ist auch die Begründung der Versicherungen hinterlegt.

Nein, es wird ein möglicher Schaden/Versorgung versichert, also ein Risiko. Ob dieser Eintritt oder nicht ist irrelevant.
Darum zahlen in der GKV auch alle Gruppen immer den gleichen Beitrag, unabhängig vom Alter oder Erkrankungen. In der PKV ist das anders, da zahlen Jüngere weniger Beitrag als Älter. Die PKV geht bei den Beiträgen nach Risikogruppen.

Der Staat muss in diesem Fall Steuermittel zuschießen, weil die Rentenversicherung durch die Wiedervereinigung und durch die Versicherungsfremdenleistungen (wie Mütter- und Witwenrente) unterfinanziert war und ist.
Sonst wäre die Rentenversicherung relativ ausgeglichen.
Sie benötigt zusätzlich in den nächsten Jahren noch mehr Steuermittel, weil der Demografische Wandel und die längere Bezugszeit durchschlagen wird. Das Problem könnte man aber durch z.B. Zuwanderung decken.

Sag ich ja, Schubladendenken. Gesetze lassen sich ändern.

Widerspricht aber Deiner Aussage, dass eine Differenz X zwischen Ein- und Auszahlung nicht überschritten werden dürfe.

Eben nicht; Beitragsbemessungsgrenze.

Völlig egal, warum die Versicherung unterfinanziert ist.
Sie ist es, und deshalb muss man sie reformieren.
Auf Zuwanderung würde ich nicht bauen, solange die AfD und Co einen Erfolg nach dem anderen verbuchen können.

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