Erfahrungsbericht Wärmepumpe

Hallo allerseits,

da ihr häufiger über Wärmepumpen berichtet, kann ich einen Erfahrungsbericht mit Tipps beisteuern, wie man es besser machen kann.

Teil 1: Ausgangssituation:

Meine Frau und ich haben 2020 am alten Bauernhaus meiner Schwiegereltern angebaut und von Anfang an auf eine Wärmepumpe gesetzt. Der Altbauteil des Hauses hatte aber immer noch eine Gastherme. Das Haus ist groß und schlecht gedämmt, der jährliche Gasverbrauch lag bei über 25.000 kWh.

Meine Schwiegereltern sind arm und können eigentlich gar nicht in ihr Haus “investieren”. Außerdem sind sie mit Bürokratie geringen Ausmaßes bereits überfordert. Damit die Rente nicht von der Gasrechnung aufgefressen wird, habe mich um den Heizungstausch gekümmert.

Teil 2: Angebote und Förderung

Ich habe 15 Angebote angefragt und zwölf erhalten. Vergleichen lohnt sich! Die Differenz des niedrigsten und des höchsten Angebotes betrug 15.000 €!

Wir haben uns schließlich für einen deutschen Markenhersteller entschieden, der das drittgünstigste Angebot hatte. Dafür war ein Teil Eigenleistung notwendig.

Der Vertriebler der Firma kam vorbei und hat den KfW-Förderantrag mit uns gemeinsam gestellt. Die Zusage kam prompt, 60 % in unserem Fall (bis zu 18.000 €).

Teil 3: Eigenanteil

Ich hatte kühn zugesagt, dass ich mich um die Eigenleistung kümmern würde: Fundament setzen, 13 m Tiefbau durchführen, Kabel verlegen, Entwässerung herstellen. Das war im Endeffekt sehr Zeitintensiv! Kostenmäßig müsste das aber insgesamt unter 1.000 € geblieben sein.

Teil 4: Hauselektrik

Ich wusste, dass wir, zur Vorbereitung, den Sicherungskasten ersetzen mussten. Streng genommen gab es gar keinen, sondern nur eine Art Brett mit Sicherungen an der Wand. Ich hatte über MyHammer nach Handwerkern gesucht und auch ein kompetentes Unternehmen gefunden. Als der Meister zur Angebotserstellung vorbei kam, ist er vor Schreck aber fast umgefallen! Kein FI, keine Erdung, teilweise Zweidrahtleitungen. Das musste teilweise gemacht werden; 4.500 € extra.

Teil 5: Realisierung

Die Förderzusage hatten wir Anfang Januar 2025. Aufgrund von Krankheit in der Firma und mangelnder Kommunikation des zuständigen Handwerksbetriebs begannen die Arbeiten dann leider erst Mitte November.

Leider war erst drei Tage vor Start der Arbeiten jemand vor Ort und wir mussten noch fix einen Betonsockel gießen, weil der Untergrund im Heizschuppen ungeeignet war.

Die Arbeiten gingen etwas länger, als gedacht, aber Dank eingebauter Kugelhähne könnte die Gastherme weiter genutzt werden.

Vor der Inbetriebnahme fragte mich der Meister dann, wer denn die Elektroarbeiten ausführen würde. Ich verwies auf die vorverlegten Kabel. Da offenbarte er mir, dass er das ja nicht mit angeboten hätte und er keine 400 V anschließen dürfe. Also schnell wieder einen Elektriker organisiert! 1.700 € Zusatzkosten waren das dann in diesem Fall.

Nach Abschluss der Montage wurden wir darauf hingewiesen, dass die Inneneinheit in einem Raum sein muss, der auch im Winter immer mindestens 5 °C warm ist, damit an der Elektronik kein Kondensat entsteht. Das hatte uns bis dahineider niemand erzählt, weshalb wir noch eine Infrarotheizung an kalten Tagen nachgerüstet haben, die direkt auf den Metallkörper strahlt.

Teil 6: Abnahme

Letztendlich lief die Heizungsanlage dann. Aber leider nicht lange!

Nach einem Tag fiel die Heizung zum ersten Mal aus. Grund war eine riesige Luftblase, die sich beim Entlüften nicht gelöst hatte. Die Montagefirma kam aber einen Tag später.

(Weiter im Folge-Post.)

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Die Heizung lief dann eine Woche durch, bis eine Fehlermeldung auftauchte. Diesmal war der Hersteller in der Pflicht, der kam aber erst vier Tage später. Um dann festzustellen, dass er den defekten Sensor bestellen müsse. Noch einmal fünf Tage später lief die Anlage dann wieder.

Eineinhalb Wochen danach war ein anderer Sensor defekt. Auch diesmal saßen meine Schwiegereltern mehrere Tage im Kalten, aber immerhin war dieses Teil dann auf dem Wagen des Servicetechnikers.

Die letzten vier Wochen hatte die Anlage dann keine Probleme mehr.

Teil 7: Finanzierung

18.000 € Förderung waren zugesagt, 12.000 € der Eigenanteil. Im Endeffekt sind wir etwas drunter geblieben (siehe Tipps) und ich habe einen Privatkredit für die Finanzierung aufgenommen.

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Teil 8: Tipps

Nr. 1: Die größte Erkenntnis hatte ich beim Thema Finanzierung. Geplant war eigentlich, dass meine Schwiegereltern einen KfW-Kredit für den Eigenanteil aufnehmen. Aufgrund ihres geringen Einkommens hätten sie ausgezeichnete Zinskonditionen erhalten. Problem dabei: diese Kredite werden von den Banken erst ab mindestens 50.000 € vergeben, von vielen erst ab 75.000 €! Saniert ihr euer Haus, plant die Heizungsanlage mit ein. Aber rein für den Heizungstausch könnt ihr das vergessen! Entweder habt ihr den Eigenanteil gespart oder ihr müsst für irgendwas zwischen 6 und 9 % Zinsen finanzieren, was wirklich nicht weniger Geld ist und Wärmepumpen leider unwirtschaftlicher macht.

Nr. 2: Lasst euch alle Kosten mit auf die Rechnung setzen! Die Inbetriebnahme des Elektrikers hatte ich zwar bei der KfW mit eingereicht. Da die Montagefirma die aber nicht im Portal angegeben hatte, wurden die auch nicht gefördert. Leider hatten wir aus diesem Grund nicht die gesamte Förderung ausgenutzt und ca. 400 € aus eigener Tasche bezahlt.

Nr. 3: Die Arbeiten sind abgeschlossen, wenn alles erledigt ist UND ihr von der Firma die BnD-ID erhalten habt! Diese “Bestätigung nach Durchführung” braucht ihr zum Abruf der Fördermittel. Bekommt ihr die Rechnung ohne diese ID, haltet das Geld zurück!

Nr. 4: Die KfW zahlt immer zum Monatsende aus. In meinem Fall war es so, dass ich die BnD-ID nach mehrfachem Nachbohren am 01.12. erhalten habe. Am 31.12. wurde dann ausgezahlt und das Zahlungsziel konnten wir so nicht einhalten.

Nr. 5: Der Eigenanteil ist nicht zu unterschätzen! Ich war mehrere Wochen dabei; auch, weil unser Fall eher komplex war.

Wer günstige Streifenfundamente sucht: Bauhaus hat als einziger Baumarkt große Mauersteine im Angebot (Christoph C-Line Mauerstein XL Block)! Grube ausgeben, ⅔ Sack Gartenbau-QuickMix rein, Steine korrekt ausrichten, Rest QuickMix am Rand verteilen, alles mit Sprühnebel anfeuchten, später durchfeuchten und ein paar Tage härten lassen.

Wenn eure Anlage nicht auf die Straße oder einen Weg tropft, könnt ihr euch die Entwässerung auch sparen. Im Winter entsteht dort eine Eisfläche, ansonsten versickert das Kondensat einfach.

Nr. 6: Holt euch vor der Planung unbedingt den Meister der Montagefirma ins Haus. Der hat den besten Blick, die meiste Erfahrung und kann genau planen.

Nr. 7: Bitte achtet darauf, was für einen Wärmepumpen-Typen ihr habt! Es gibt Split-Anlagen, bei denen der Verdichter außen steht und die eigentliche Pumpe innen. Bei Monoblock-Geräten ist beides zusammen außen. Warum ist das relevant?! Bei Split-Anlagen habt ihr eine Kältemittel-Leitung im Boden. Die besteht aus Kupfer und muss in einem Schutzrohr liegen. Das Biegen ist recht aufwändig. Aus Monoblock-Geräten hingegen kommt direkt warmes Wasser raus und ihr führt eine Fernwärmeleitung zum Tank im Haus.

Ich habe mich schlecht beraten lassen und bin selbst leider auch nicht drauf gekommen, daher liegt bei mir nun ein großer Ring Fernwärmeleitung im Schuppen herum (1.200 € Lehrgeld).

Nr. 8: Wenn ihr Kernbohrungen selbst herstellt, schaut mal bei Kleinanzeigen nach Diamantbohrkronen mit SDS-Plus-Gewinde. Dann könnt ihr die ggf. selbst herstellen.

Danke schön für euer Interesse!

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Vielen Dank für den Bericht. Ich denke, der ist so vielschichtig, dass sich fast jeder das eine oder andere draus ziehen kann. :+1:

Ich finde es ein bisschen schade, dass du zwar den Mauerstein genau bezeichnest, aber welche Wärmepumpe du dir dann schließlich angelacht hast, bleibt komplett im dunkeln. Noch habe ich nichts beauftragt, noch nicht mal aktuelle Angebote in der Hand (eine vorige Runde habe ich schon vor Jahren mal versucht), aber beschäftigen tu ich mich schon seit einigen Jahren mit dem Thema.

Ich dachte, Split-Anlagen wären eigentlich obsolet, aus mehreren Gründen:

  • R290 (Propan) als Kältemittel ist umweltfreundlich und zukunftssicher (und nebenbei noch sehr effizient = höhere JAZ), alle anderen werden nach und nach verboten (inzwischen ist auch R32 angezählt, das ist ohnehin auch schon brennbar), aber kann m.W. aus Sicherheitsgründen in einer Split-Anlage nicht oder nur mit massivem Zusatzaufwand (Kapselung und aktive Entlüftung nach draußen) genutzt werden,
  • der Installateur braucht einen Kälteschein, weil der Kältemittelkreislauf auf der Baustelle erstellt wird, beim Monoblock ist der Kältemittelkreislauf ab Werk geschlossen,
  • der Kältemittelkreislauf muss periodisch von einer Fachfirma überprüft werden,
  • bei LWWP gibt’s nur mit R290 5% mehr Förderung (was aber bei Geschwindigkeitsbonus und Einkommensbonus nicht mehr greift, weil der Höchstsatz erreicht ist).

Fairerweise muss man sagen, dass Monoblock den Nachteil hat, dass Heizwasser draußen verläuft, und damit frostgefährdet ist, im Betrieb ist das kein Thema, weil man im Winter ja heizt und dadurch das Heizwasser erwärmt wird, aber z.B. im Störungsfall sollte eine Zirkulation oder Hilfsheizung vorgesehen sein, die das Einfrieren bei Stillstand der WP verhindert.

Bei der Entwässerung wäre ich mir nicht so sicher. Eine Eisplatte ist auch nicht ideal. Eine Sickerdole mit Kies käme mir verhältnismäßig leicht zu erstellen vor, wenn man eh schon am Buddeln ist.

Meine Schwiegereltern haben die große Luft-Wasser-Wärmepumpe von Waterkotte. Wie die heißt, weiß ich aber gerade nicht. Die großen Modelle hatten leider noch eher selten Propan, daher 5 % weniger Förderung.

Mein Eindruck ist, dass es auf dem Markt v. a. Split-Anlagen gibt, auch mit Propan. Heute würde ich zu einer Monoblock-Anlage tendieren, weil die einfacher zu errichten ist. Allerdings ist die Hauszuführung komplexer und auch die Kernbohrung deutlich größer.

Also: wenn ihr eure Anlage direkt am Haus aufbaut, schaut mal nach Wolf, Bosch, Panasonic oder LG.

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