Entscheidung für Teilzeit

Hallo zusammen,

die Diskussion um das Thema Teilzeit stört mich schon lange. Als Argument gegen die Teilzeit wird dabei immer auf mangelnde Betreuungszeiten hingewiesen und dass ja nur die Betreuung ausgedehnt und verlässlich sein muss, damit beide Elternteile in Vollzeit arbeiten können. Meine Kinder sind inzwischen 13 und 15, so dass ich keine Betreuung mehr für sie brauche, aber mit 1 Jahr sind beide in die Krippe gekommen und bis 13 Uhr dort geblieben. Betreuung bis 17 Uhr wäre möglich, wenn auch teuer gewesen. Allerdings hat mich nicht die Gebühr abgeschreckt, sondern schlicht der Umstand, dass ich Zeit mit meinen Kindern verbringen wollte. Für mich war klar, dass ich ca. ein Jahr nach der Geburt der Kinder wieder arbeite, allerdings habe ich auch schnell gemerkt, dass ich mit diesen kleinen Menschen einfach nur Zeit verbringen wollte! Ich bin sehr gern mit ihnen zum Kinderturnen, ins Baby-/Kleinkindschwimmen, auf den Spielplatz … wohin auch immer gegangen. Wer hätte das mit meinen Kindern gemacht, wenn sie bis 17 Uhr in der Krippe gewesen wären? Mein Mann konnte sich seine Zeit zum Glück frei einteilen, so dass er auch oft dabei war, aber bei zwei Vollzeitlern wäre das nicht gegangen.

Es geht mir auch nicht darum, dass ich dies als eine Pflicht angesehen habe, sondern einfach als unglaublich schön und wertvoll. Ich möchte dabei nicht diejenigen kritisieren, die sich für die Ganztagesbetreuung entschieden haben. Mein Punkt ist nur der: Es liegt nicht immer an mangelnden Betreuungszeiten, sondern auch schlichtweg daran, dass ein Paar sich für Zeit mit Kindern entscheidet.

Wie schon geschrieben, sind meine Kinder inzwischen schon älter, ich selbst arbeite trotzdem mit 33 Wochenstunden nicht in Vollzeit. Das hängt zum Teil noch mit den Kindern zusammen und inzwischen zu einem anderen Teil auch mit den eigenen Eltern.

Ja, die Kinder brauchen keine Betreuung mehr, aber erst wer Kinder hat, weiß, dass ein Familienleben mit zwei Vollzeitarbeitskräften nicht einfach zu managen ist. Bei uns bin ich die Managerin der Familie, vielleicht weil ich schon immer so war, vielleicht weil ich eine Frau bin. Managen heißt für mich nicht, dass ich alles mache, sondern dass ich den Überblick habe was gemacht werden muss und entsprechend die Aufgaben verteile (auch an die Kinder). Wer fährt Kind 1 zum Fußball, holt Kind 2 vom Basketball ab, geht mit Kind 1 zum Zahnarzt, spricht mit welchem Lehrer/ welcher Lehrerin, wer räumt die Spülmaschine aus, hängt die Wäche auf und ab, geht einkaufen und vorallem was … ? Und dann kommt inzwischen noch dazu: Wer fährt die Oma zur Fußpflege, zum Arzt, auf den Friedhof, zum Einkaufen?

Alle mit Familie wissen, dass das alles gemanagt werden muss und dass dies zum Teil komplexe Probleme sind, die Stress verursachen gerade wenn mehrere Termine gleichzeitig stattfinden! Die Managerin in einer Firma wird gut entlohnt, der Managerin der Familie wird das Teilzeit-Managen als Lifestyle-Hobby unterstellt.

Mein Mann und ich haben beide das Privileg im Home Office arbeiten zu können und auch mal flexibel eine Stunde abwesend zu sein. Aber wir können nicht alles wegdelegieren oder auf die Zeit nach 17 Uhr schieben. Die Welt außerhalb unserer kleinen Welt spielt sich eben nicht nur nach 17 Uhr ab. Auf Arzttermine nach 17 Uhr müssten wir ja noch länger warten als ohnehin schon. Gespräche in der Schule nach 17 Uhr? Dann dürften Lehrkräfte ja auch nicht mehr in Teilzeit arbeiten oder müssten später anfangen, damit sie hintenraus länger arbeiten können :wink:

Mir geht es nicht darum eine Entlohnung für das Familienmanagement zu bekommen. Wie sollte das auch aussehen? Und wie sollte dieses Familienmanagement nachgewiesen werden? Ich hätte jetzt keine Idee … Aber was ich mir wünsche, ist die Wertschätzung dieser Arbeit und dass auch diese Tätigkeiten gesellschaftliche Relevanz haben, dass die Entscheidung für bezahlte Arbeit in Teilzeit sicherlich bei vielen Menschen mit weiterer, unbezahlter Arbeit einhergeht, die der Gesellschaft aber indirekt zu Gute kommt.

Ich bin realistisch genug zu wissen, dass diese Debatte immer wieder aufflammen wird, weil es so einfach klingt: Alle Menschen (vor allem Frauen) aus der Teilzeit in die Vollzeit holen, dann steigern wir das Bruttosozialprodukt! Was müsste dafür notwendig sein? Betreuung ausbauen, fertig! Ich sage dazu nur: Nein, das ist es nicht nur. Das Leben ist komplexer.
Vielleicht sollten wir insgesamt mehr Menschen das Arbeiten ermöglichen, auch in Teilzeit!

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Exakt.
Hinzufügen möchte ich noch gesellschaftliches und/oder politisches ehrenamtliches Engagement.
Wenn alle immer mehr arbeiten sollen, können sich übrigens Nicht-Privilegierte (noch) weniger politisch einbringen, was zu noch krasserer Miss-Repräsentation führt.

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Ich glaube wir müssen die Diskussion um Kinderbetreuung und Arbeitszeit auch ein wenig vom Thema Vollzeit loseisen.

Für viele ist jetzt die Frage weniger ob die Kinderbetreuung Vollzeit oder Teilzeit ermöglicht, sondern ganz allgemein überhaupt erstmal ob man überhaupt arbeiten kann. Was macht man an den geplanten Schließtagen? Was macht man wenn die Betreuungszeit wegen Personalmangel kurzfristig gekürzt wird oder die Einrichtung sogar unplanmäßig ganz zu hat. Was macht man am Streiktagen?

Und wenn man dann Bedingungen zum Arbeiten hat, dann ist die Frage wie viele Stunden sind möglich. Nicht jeder bekommt einen Platz in einer Einrichtung wo eine Betreuung bis 17 Uhr überhaupt möglich ist. Oft ist es nur 16.00 Uhr, 15.30 Uhr oder manchmal gar nur 14.00 Uhr. Am Land, insbesondere im Bereich Krippe kenne ich auch einige die haben nur eine Betreuung bis 12.00 Uhr, in einem Fall sogar nur bis 11:30 Uhr.

Hier gibt es also durchaus viel Potential auch bessere Bedingungen zu schaffen für die, die überhaupt arbeiten wollen dies zu tun oder etwas mehr zu tun, ohne gleich von Vollzeit zu reden.

Das würde ich in diesem Rahmen dann sogar schon nahe der Vollzeit ansiedeln.

Ich selbst arbeite zwar 35 Stunden, bin aber weil meine Frau zwar in Teilzeit ist aber überhaupt nicht flexibel, dann doch der Part der oft überbrücken muss wenn die Betreuung mal wegfällt und keine Großeltern einspringen können.

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Ich habe keine Kinder, aber erlebe es im engen Freundes- und Familienkreis genau so, wie du es beschreibst. Ich finde insgesamt, dass wir die individuelle Entscheidung nicht immer wieder in Grundsatzdebatten hinterfragen und stigmatisieren sollten. Wie kommt eigentlich jemand auf die Idee, mir vorschreiben zu wollen, nur noch Vollzeit arbeiten zu dürfen und findet das völlig normal…aber beim Tempolimit rasten dieselben Personen komplett aus, weil Einschränkungen der Freiheitsrechte…?

Ab wie viel Wochenarbeitsstunden ist es eigentlich Vollzeit. Ich finde das immer irritierend, wenn jemand 33 Stunden arbeitet und es wird dann von Teilzeit gesprochen. Mit Teilzeit verbinde ich Halbtagsarbeit…

Es werden aus meiner Sicht ja keine nachhaltigen Lösungen besprochen, sondern kurzfristig die Verantwortung von der Politik / der Wirtschaft an die Bevölkerung zurückgespielt:

“Ihr lebt über unsere Verhältnisse…” / “Wir müssen alle mehr arbeiten…” / “So können wir unseren Wohlstand nicht erhalten…” / “Ihr seid zu oft krank…” So als wäre die Wirtschaft ein gemeinnütziger Verein, der auf das Wohlwollen seiner / ihrer Mitglieder angewiesen ist…

Gerade die Wohlstandsdebatte finde ich unsäglich, weil nämlich nie erklärt wird, was damit gemeint ist und meinem Eindruck nach damit einfach nur Angst vor dem sozialen Abstieg und Armut geschürt wird.

Die Podcast Folge von Anne Will mit Marcel Fratzscher dazu hat mir super gefallen.

https://www.youtube.com/watch?v=LwRNkUtgh70

Bottom Line für mich: Wir sollten nicht mehr arbeiten, sondern produktiver und Anreize schaffen.

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Gestern hat Helene Bubrowski, eher unbekannt dafür Fürsprecherin der Unionsparteien zu sein, nochmal darauf hingewiesen, dass die Debatte ziemlich schief aneinander vorbei geführt wird.

So hat Frau Connemann in ihrem Vorschlag extra Kinderbetreuung und Pflege der Eltern als gute Gründe für Teilzeit genannt. Dennoch sind es gerade diese Punkte, die gegen den Vorschlag der Union ins Feld geführt werden.

Schaffen wir es nicht den eigentlichen Vorschlag zu stellen …

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Es ist doch meine eigene Entscheidung ob ich Teilzeit arbeite oder nicht. Wenn ich mit dem Gehalt klar komme, hat das keinen zu interessieren. Es gibt die freie Berufswahl im GG.

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In der Lage wurde ja die Zahl 68% der Mütter arbeiten Teilzeit genannt. Man darf aber auch nicht Zahl der kinderlosen Frauen in Teilzeit unterschlagen. Der ist nämlich auch bei 40% https://www.wsi.de/data/wsi_gdp_ze-teilzeit-03.pdf recht hoch. Bei den Männern bei nur 10%.

wobei hier ja schon angemerkt wurde, Teilzeit bedeutet alles unter einer angebotenen Vollzeitstelle. Also reduziert man seine Arbeitszeit, bei einer 40 Stunden Woche, auf 36, landet man in der Teilzeit Statistik. Trotzdem finde ich die Zahlen interessant, weil man meistens von den Müttern spricht.

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Liegt sicher auch daran, dass in den stark von Frauen dominierten Berufen Pflege und Erziehung vorwiegend Arbeitszeiten von 38,5 h bis 40 h vorhanden sind.

Da reduziert man dann seine Zeit doch eher auf wie oben im Beispiel genannt 33 h als wenn man ohnehin „nur“ 35 h in Vollzeit arbeitet.

Bei Altenpflege kenne ich dann einige, die haben die Wochenarbeitszeit soweit reduziert, dass sie keine geteilten Schichten machen müssen.

Im Bereich Erziehung sehe ich immer wieder Stellenangebote mit 30 bis 36 Wochenstunden (also auch Teilzeit).

Für mich ist daher neben der Häufigkeit von Teilzeit tatsächlich die Hauptfrage wie viel die Zeit reduziert wurde. Letztlich müsste es dann einen Wert geben wie viel % der in Vollzeit anfallenden Arbeitszeit tatsächlich gearbeitet wird (habe so einen Wert nicht gefunden).

Auch muss man sich fragen ob die Erzieherin die statt 39 Stunden nur 36 Stunden arbeitet dann wirklich auf der Faulen Haut in Lifestyle Teilzeit ist, während ihr Mann der ganz regulär 35 Stunden in seiner Vollzeitstelle verbringt fleißig in Vollzeit arbeitet oder ob die Ganze Diskussion der letzten Wochen hier nicht auch völlig unterkomplex ist.

Hier wäre aber wohl eine gesonderte Diskussion nötig. Für den Thread hier frage ich mich eher, warum sich die Erstellerin mit 33 Wochenstunden überhaupt von der Diskussion angesprochen fühlt, wenn sie doch ganz korrekt angibt, dass die Sachbegründung für ihre Teilzeit ist, dass sie daheim Enstsprechende Aufgaben im Familienmanagement inkl. Fahrdienste etc. hat.

Selbst die Gruppierung aus der Union die die Diskussion angezettelt hat definierte ja Pflege und Erziehung als legitime Gründe für Teilzeit. Ich finde die Diskussion sollte eher sein ob wir nicht Ehrenamt, eigene Gesundheit aber selbst Hobbies ebenso als legitime Gründe annehmen sollten.

Edit:
Auch viele Jobs z.B. als Montagekräfte die ich bei Kunden so sehe sind von Frauen dominiert und oftmals von beginn an als Teilzeitjobs ausgelegt. Die Kräfte sind oft solche, die nach langer Auszeit aufgrund von Erziehung als Quereinsteiger wieder angefangen haben.

Ich glaube hier ist vieles auch historisch gewachsen und nicht so sehr durch kleine Maßnahmen veränderbar. Fokus sollte daher vielleicht vor allem darin liegen Frauen die morgen Kinder bekommen eine echte Wahlfreiheit zu ermöglichen indem die Betreuung ausreichend sichergestellt ist.

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Naja, er wird davon ja nicht wesentlich besser. Am Ende will immer Frau Connemann bestimmen, was hinreichend gute Gründe sein sollen, um Teilzeit zu arbeiten. Nachdem man Ausländer, dann Arme, dann Kranke und Behinderte im Grunde zu Schmarotzern erklärt, die es sich auf Kosten des Gemeinwohls in irgendeiner Hinsicht zu gut gehen ließen, was man sich nun wirklich nicht mehr leisten könne, stellt man nun die Teilzeit ins Fenster. Nichts davon bringt wirklich messbare Fortschritte für das Gemeinwohl, alles davon schleift Schutzrechte für Arbeitnehmenede und sonstige Schutzbedürftige. Ist doch einfach die Moral und Strategie der Hexenjagd, mit der von ungelösten und unbearbeiteten Grundkonflikten und der jämmerlichen Bilanz dieser Regierung abgelenkt werden soll. Was soll da gestellt werden? Teresa May hat ja nicht viel richtiges gesagt, aber den Tories richtigerweise bescheinigt die “mean party” zu sein. Genau das sind die Kennzeichen der Merz-Union: Umfassende Unfähigkeit, die hinter noch mehr Gemeinheit und Niedertracht versteckt werden soll.

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Da bin ich absolut deiner Meinung. Das Problem ist, dass wenn man sich nun auf exakt das einschießt, was explizit ausgeschlossen wurde, kann die andere Seite mit Recht ebenfalls auf eine Hexenjagd verweisen.

Ich muss zugeben, ich halte es für unheimlich schlechten Stil politischer Diskussionen, wenn man Strohmänner aufbaut, um sich daran abzuarbeiten. Sowas macht normalerweise nur, wer entweder die Differenzierung nicht wahrgenommen hat oder auf Empörung aus ist.

Ich verstehe nicht warum wir das nötig haben.

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Das ist bei der ganzen Debatte um ehegattensplitting, Teilzeit, Betreuungsplätze etc… das wichtigste: jedes Paar / Familie soll selbst entscheiden können wie sie ihr Leben gestalten. Der Staat muss nicht unbedingt Anreize setzen, das sollte aber auch für beide Richtungen gelten. Also auch Frauen dazu zu drängen (anzureizen) möglichst schnell wieder zu arbeiten, in dem man es so unattraktiv macht wie möglich zu Hause zu bleiben, sollte nicht Aufgabe des Staates sein. Der Grundgesetz Artikel 6 ist im übrigen so zu verstehen. Das Ehegattensplitting zementiert vielleicht steuerlich klassische Rollenbilder in Ehen, aber Ehen ohne Kinder oder Paare / Singles ohne Kinder sind mit oder ohne Ehegattensplitting immer besser gestellt.

Ich gehe daher davon aus (auch aus eigener Erfahrung und der meines Umfelds) wird eine Abschaffung des Ehegattensplittings oder ein Ausbau der Betreuungskapazitäten bei vielen nicht dazu führen dass dann plötzlich mehr gearbeitet wird. Außer eine Neuregelung von benachteiligt Familien noch mehr als jetzt schon. Die meisten städtischen Kitas in meinem Bundesland öffnen alle bis mindestens 16 Uhr. Es gibt aber im Verhältnis super wenige die das bis zum Ende ausnutzen.

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Mit taktischem Missverstehen kennt sich die Union ja selbst ganz gut aus. Von dem Standpunkt her ist es m.E. durchaus gerechtfertigt, dass sie von ihrer eigenen Medizin kosten darf.

Man kann es nicht den politischen Gegnern vorwerfen, dass sie diese Traumvorlage nutzen. Es ist vielmehr Unvermögen der Union solche dummen Vorschläge rauszuhauen und anstatt sie einzufangen wird mit dem Zahnarztkosten-selbst-zahlen-Vorschlag was noch viel dümmeres hinterher geschickt.

Und das Ganze in einem Jahr mit mehreren Landtagswahlen…

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“Der betrifft ja eh nur Ausländer. Deutsche kommen höchstens bis ins Wartezimmer, weil die Zahnarzthelferin nur Teilzeit arbeiten will.” Aus meiner Kurzbewerbung für einen Job als Redenschreiber im Kanzleramt.

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Die Kinder sind 13 und 15. Hat die Union (oder Frau Connemann) denn definiert, bis zu welchem Alter sie eine Betreuung als Grund für akzeptabel halten?

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Satire EIN Die Kinder können doch eigentlich schon arbeiten, oder? Satire AUS

Es ist doch bei vielen ähnlich. Bei uns ging vieles nur, weil wir Großeltern in der Nähe hatten, die mal einspringen konnten.

In dem Antrag war folgendes angegeben:
Der MIT-Antrag zu einer Reform des Teilzeit-Anspruchs ist für den CDU-Parteitag gedacht, der in zwei Wochen in Stuttgart stattfindet. Darin wird gefordert, dass der bisher geltende Rechtsanspruch auf Teilzeit künftig nur bei „Vorliegen einer besonderen Begründung gelten“ solle. Dazu zählten etwa die Erziehung von Kindern, die Pflege Angehöriger oder Weiterbildungen.

Ein Alter wurde dort nicht angegeben.

Edit: Ist es eigentlich auch Weiterbildung, wenn ich 4 Tage arbeite und mich freitags dem Garten widme …

„Die Union“ hat gar nichts. Der Vorschlag kam ja nur aus einer von vielen Gruppen innerhalb der Union und andere Gruppen haben direkt widersprochen.

Aber da in dem Alter Mobilität oftmals noch eingeschränkt ist nehme ich an, dass Fahrdienst zum Sport und einkaufen für die alte Generation sehr wohl als Erziehung und Pflege durchgehen.

Aber neben dem Vorschlag der Union geht es ja auch darum hier überhaupt mal diverse Sichtweisen zu sammeln und für mich z.B. ist hier 33 h unter diesen Umständen nicht klassische Teilzeit.

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Die Union muss es sich allerdings zurechnen lassen, wenn eine ihrer Gliederungen was raushaut. Vom Vorsitzenden und Kanzler habe ich bis jetzt keinen Widerspruch vernommen.

Darüberhinaus sprichst Du im selben Kommentar selbst von „der“ Union

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ja, im WDR Presseclub war auch diese Einstellung, dass alle Teilzeitkräfte sich “ein Lifestyle-Leben” auf Kosten der Allgemeinheit machen.
Ich finde diese Sichtweise unfassbar. Ich bin sehr froh, dass es Leute gibt die Teilzeit (MiniJob bis 38,5h Woche) arbeiten und damit möglichst weit ihr Leben selbst finanzieren. Jeder Mensch, der in Deutschland arbeitet verdient Respekt und Anerkennung. Es gibt so viel zu tun im Land, dass jeder herzlich willkommen ist da mitzuhelfen. Danke!

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Also zusammenfassend: Es ist wie so oft komplex, aber es wird wieder versucht eine schnelle Lösung zu präsentieren, weil auch leider viele MitbürgerInnen und Wähler nur einfache Lösungen hören wollen.

Ich würde tatsächlich vermuten, dass die genannten Ausnahmen im Vorschlag bei 13 und 15 Jahren wohl nicht mehr gelten würden. Gleichwohl kann ich die Beweggründe und Argumentation total nachvollziehen. Damit stellt sich sofort die Frage wie definiert man wirklich Lifestyle-Teilzeit? Was sind legitime Gründe? Was nicht? Wer darf das bestimmen? Niemand macht das völlig grundlos weil er nicht mehr Geld braucht. Sondern nur wenn ich mit der gewonnen Zeit etwas vorhabe - und das kann auch ohne Kinder oder Pflege durchaus Gesellschafts und vielleicht sogar Wirtschaftrelevant sein oder werden. Siehe Debatten und Untersuchungen zum Grundeinkommen. Hab ich erstmal Zeit bin ich vielleicht kreativ, erfinde etwas, gründe ein Startup, engariere mich ehrenamtlich…

Interessant finde ich auch den mehrfach angesprochenen Punkt der unklaren Definition von Teilzeit: Wi geschrieben kann man z.B. bei Airbus mit 35 Stunden Vollzeit arbeiten, aber im Krankenhaus mit 38 schon Teilzeit…klar wirtschaftlich betrachtet ist die Stunde bei Airbus vermutlich wertvoller, aber dann würde es auch mehr nutzen da auf “Übervollzeit” (:smiley:) zu verpflichten.

Ich frage mich auch ernsthaft ob das grundlegende Problem, dass Arbeitsstunden fehlen, schon allein mathematisch zu lösen wäre, wenn alle Teilzeitkräfte plötzlich Vollzeit arbeiten (was auch immer das in Stunden bedeutet)? Reicht das? Und bezahlt das dann auch jemand? Oder stünden viele Betriebe dann sogar vor dem Problem viel zu viel Arbeitskraft in Summe zu haben? In vielen Situationen muss soweit ich weiß der Arbeitgeber wieder zustimmen, wenn man zurück zur Vollzeit will.

Aber auch wenn wir annehmen die ganze Diskussion hier ist übers Ziel hinaus, weil das alles Ausnahmen wären, die dem Vorschlag entstsprächen, dann müsste man doch inhaltlich antworten:

Wir haben zu wenig Arbeitskräfte? Ok, wie wäre es dann mit den Tausenden die wir abschieben (wollen) oder denen die ihr Leben riskieren zu uns zu kommen? (Die kennen das Wort Lifestyle auch noch gar nicht :smiley:)

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Bei einer so grundsätzlichen Betrachtung möchte ich anmerken, dass es in dem Vorschlag nicht darum ging, die Freiheit der Arbeitnehmer zu beschränken, sich auf Teilzeitstellen zu bewerben, sondern darum, die Bedingungen, unter denen Arbeitgebern die Entscheidungsfreiheit genommen wird, ob sie eine Stelle in Voll- oder Teilzeit besetzen, zu verschärfen.

Man kann diskutieren, ob man das politisch will, aber ich glaube nicht, dass der Vorschlag gegen Art. 12 GG verstößt. ( Art 12 GG - Einzelnorm ) Ein Recht auf Arbeit oder gar Teilzeitarbeit steht nicht im Grundgesetz.

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